Sina,
so leid es mir tut, aber Du kannst nichts machen! Das ist das schlimme! Man kann den Trainer darauf hinweisen, doch im Endeffekt ist es oft ein Witz.

Lass dir mal zwei Erlebnisse erzählen, denn durch das Forum komme ich ja doch gut rum, bzw. bekomme viel mit:

Bei einem Verein in Franken teilen sich zwei TW-Trainer den Job. Der eine, mit dem ich in Kontakt stand, war nur für die 1. Mannschaft zuständig, der andere war nur für den Jugendbereich zuständig. Dabei machte er nur Training ab der D-Jugend, wobei er eine Stunde D und C Jugend einmal pro Woche trainiert und im Anschluß eine Stunde für die A-Jungend Training anbietet.
Jetzt beschwerte sich der E-Jugend Trainer und auch der F-Jugendtrainer und auch die Bambinis wollten gern mal wie Jens Lehmann sein... Der Jugend-TwT weigerte sich und gab bekannt, daß man bitte bis zur D-Jugend keinen festen Torwart machen soll, sondern immer mal wieder einen anderen ins Tor stellen möge. Also ein Appell an die Trainer. Er würde aber kein Training unter D-Jugend machen.

Es war also ein Credo, dem ich auch lange folgte, bis eben zu meinem Übungsleiter Lehrgang, wo man mir für diese Einstellung den Kopf wusch! Denn wenn sich Kinder bewegen wollen, dann soll man dies unterstützen.
Man sollte keinen Leistungsdruck ausüben oder große Leistungen abverlangen, aber Wettkampf, Leistungssteigerung durch Selbsteinsatz und auch selbst erbrachte Mehrleistungen bei Kindern sind durchaus erlaubt. Es darf nur nie Zwang oder übertriebenes Training geben.
Das habe ich beherzigt und bei mir im Verein angefangen.

So kam es dann auch nach Franken, wo dann der 1. Mannschaftstrainer dann sich dieses Beispiel abguggte und seit dem mit seinen F-Jugend und E-Jugendtorhütern trainiert. Auch der Bambini Torwart ist dabei, allerdings ist er nicht fest, da er mal im Feld, mal im Tor spielt, je nach Laune. Aber ein F-Jugend Torwart ist dabei, der geht nicht vom Platz, bis er mindestens dreimal richtig 'geflogen' ist, für Ihn gehört das dazu, er fordert es ein, und dann darf es gemacht werden.
So wird nun diesen Kleinen eine optimale Falltechnik beigebracht, Rollen, Abfangen und dann eben auch Ballkontrolle. Bewußt wird der Bewegungsreiz der Kinder genutzt und in die korrekten Bahnen gelenkt und bewußt steht der Spaß im Vordergrund.
Nur was meiste, was in Franken nun ein Theater ist, weil sich die E-Jugendlichen unter dem Training des 1. Mannschaftstorwarttrainer anders verhalten, als die D-Jugendkeeper und auch die älteren E-Jugendkeeper nun in der D-Jugend ein ganz anderes Trainingsverhalten an den Tag legen, und dies dann im Jugendtorwarttraining mit dem Jugendtorwarttrainer an den Tag legen?
Und das ist nicht der einzige Reibungspunkt! Die A-Jugendlichen kommen aus dem Jugendtorwarttraining und müssen sich ein völlig anderes Training gefallen lassen, als bisher. Es gibt nur wenig Überschneidungspunkte.
So achtet der 1. Mannschafts TwT stark auf eine saubere Technik, der Jugend TwT mehr darauf, daß die Jungs sich nicht weh tun beim Fallen und auch im richtigen Winkel zum Ball gehen... aber auch Kraft- und spezielle Kraft- Koordinationsübungen scheinen den A-Jugendlichen zum Leidwesen des Senioren TwT völlig unbekannt zu sein, was die Kluft zwischen Jugend Twt und Senioren Twt noch verstärkt.... Nun können beide nicht miteinander, und wer ist der Leidtragende?
Klar, die Kinder und Jugendlichen....

Anderes Beispiel:

Ich war mit beim Turnier der JSG Oberau/Höchst. Es ist ein wunderbares Hallenturnier, mit Mannschaften wie SV 06 Griesheim, SV Waldhof Mannheim und der SG Rosenhöhe am Start, also auch anspruchvoll. Die Turnierleitung ist für ein tolles und lockeres Turnierverhalten bekannt, kindgerecht eben.
Alle Kinder bekommen eine Teilnahmemedaille, egal ob letzter oder erster. Klar, die ersten bekommen eine Goldmedaille, aber es geht jeder mit etwas nach Hause. Eine Geste, die für viele Kinder einfach zählt. Man hat etwas gewonnen! Wie bei den Bundesjugendspielen, es gab nur Siegerurkunden und für die richtig Guten eben Ehrenurkunden, aber es gab keine Verlierer!
So spielte dann auch "mein" Bambini Torwart mit. Er wurde, sehr zu meinem Stolz, zum besten Torwart des Turniers gewählt. Trotzdem standen mir wieder die Haare zu Berge:
Bei einer Konkurrenzmannschaft in einer anderen Gruppe war ein Knirps im Tor. Sicherlich stand er gern im Tor, doch was der Betreuer, oder Vater mit dem Kleinen abzog, daß würde ich nicht mal im Training so machen.
Mein Bambini Torwart steht im Tor, geht was schief, wird erklärt, woran es gelegen hat und getröstet. Geht etwas gut, wird gelobt und eines ist immer gegeben: Egal was, die abgegebene Leistung ist immer gut!
Ich stelle mich also nicht neben das Tor, und korrigiere, gebe Anweisungen, nein, er soll selbst seine Entscheidungen treffen und Erfahrungen sammeln. Ich finde, er macht es hervorragend und ich bin immer wieder gefesselt, wie gut er es macht. Trotzdem, der Spaß steht im Vordergrund.
Anders dann in der anderen Mannschaft. Der Betreuer/Vater stand neben dem Tor, hat ständig Anweisungen gegeben und auf den Kleinen eingewirkt.
Er wurde mit Schüssen warm gemacht, die keine Sicherheit geben, sondern eher die Schwächen aufzeigten. Der Mann schob dem Knirps den Ball in die lange Ecke und brüllte diesen mit einem "Hepp!" an, daß es nur so schallte und dann zeigte er, in einer Art und Weise, wie es zu machen wäre, daß, wenn es so mein Torwart machen würde, ich diesen sofort in Krankenhaus schicken müßte. Völlig falsche Ansprüche und Erwartungen an den kleinen Mann, der gezwungen lächelte und sich größte Mühe gab, zu gefallen.
Im Spiel stand der Kleine nervös im Tor, wenn dann der Gegner auf sein Tor zukam, sank der kleine Torwart auf sein rechtes Knie, hielt eine Hand abwehrend nach vorn und eine Hand schützend vor seine Stirn. Die ganze Geste sprach für mich Bände: Unsicherheit, ja Angst! Und es war keiner da, der den Kleinen mal einfach in Arm nahm, tröstete und aufbaute.. Er war vollkommen allein und sollte einfach funktionieren! Die Mannschaft hat die Vorrunde nicht überlebt.
Meine Bambini Torwart ist mit seiner Truppe erst im Viertelfinale gescheitert. dDoch wenn man überlegt, daß der Gegner, der PSV Blau Gelb Frankfurt, vorher seine Gegner mit 6:0 und 4:0 zum Teil richtig deklassiert hatte, war das Mühevolle 1:0 gegen meinen Bambini Keeper schwer erkämpft. soll ich da kritisieren? Im Gegenteil: Stolz bin ich!
Waldhof Mannheim fertigte Großauheim 9:0 ab, SV 06 Griesheim gegen Großauheim 6:0... Die Bambinis von uns dann mit 0:1 gegen Griesheim und nur 0:3 gegen Waldhof, eine Spitzenleistung von torwart und Abwehr, etwas, was sich sehen läßt.
Warum quält man daher dann einen Keeper auf so eine Art und Wiese, wo es doch nur das Gegenteil dessen bewirkt, was man erreichen will?
Sina, Du verstehst? Du kannst nichts machen, ausser in eine Ecke gehen und jämmerlich weinen. Denn Du weißt wie ich: Dieser Leistungsgedanke macht die Kleinen kaputt! Da wo keine Leistung gefragt ist, setzen viele schon die Leistungsklammer an. Wie soll das nach Jahren werden? Einst ein aufgehender Stern, nach 4 Jahren gebolze, Gebrüll und Leistungsgedreschen hat er keine Lust mehr und geht einfach. Was habe ich als Verein davon?
Du kannst höchstens deinen Jugendwart oder Jugendleiter mal darauf aufmerksam machen, doch in der Regel ist auch hier kein durchkommen, denn man ist doch froh wenn man jemanden hat, der sich engagiert und einsetzt. Denn andere haben in der heutigen Zeit, keine Zeit mehr für so einen Job und so ein Amt.
Und da müssen wir alle uns an die Nase fassen! Denn jeder von uns, sollte nach der Schule, nach der Lehre Zeit finden, ggf. den Kindern bei zu stehen und eine Mannschaft zu übernehmen und zu zeigen wie es besser geht.. doch wer tut es?
Trainer C wollen viele werden, und deren Gedanke ist dann nur noch: Sie wollen nun als Trainer den Erfolg erreichen, den sie selbst als Spieler nie hatten, und übertragen dieses Ziel auf die Kleinsten. Mit dem Erfolg, eigentlich alles falsch zu machen, was nur geht.

Das allerletzte, was man tun kann, Sina, ist es auf die Eltern und Kinder selbst zuzugehen. Sich selbst in die Waagschale zu werfen und zu sagen: "Leute, ich bin da! Wenn Ihr keinen Bock auf das andere Training habt, ich bin da!" Erklärt den Eltern, wo Ihr die Defizite seht, erklärt was Ihr denkt und bietet Hilfe an... Ihr werdet sehen, wer kommt und wer nicht... Trauere nicht um die, die nicht kommen, sondern freue Dich um die, die kommen! Hier hast du eine Chance, einen Gegenpol zu schaffen und meist gelingt es. Denn Kinder sind in der Lage, ein schlechtes Training zu erkennen, sie fühlen es. Sie vergessen daher solche Sachen schnell, und würden daher in einer alternativ angebotenen Stunde lernen, wenn dieses Spaß und Freude macht. somit würde dein Training, wenn es denn dies bewirkt, sich letztendlich in Technik und Fertigkeiten durchsetzen, denn so sind Kinder!
Problem dabei: Du läufst vollen Konfrontationskurs.

Du mußt daher wissen, wie weit Du gehen kannst und wie sicher und anerkannt deine Leistung im Verein ist.
Denn Du mußt Fehler klar ersichtlich und erkenntlich machen und auch belegen können, damit sich bei einer Konfrontation ggf. etwas ändert... Ist aber der Leistungsgedanke bei allen getragen, dann wirst Du untergehen und damit auch deine ehemals Kleinsten werden in diesen Strudel gezogen, viel zu früh und viel zu unreif.
Kindertraining ist nie ein abgeschwächtes Erwachsenentraining....

Wußtest Du, daß ein 400 Meter Spurt Kinder im Alter von 6-8 Jahren innerhalb weniger Minuten ruinieren kann?
Es reichert sich durch die anaerobe Belastung soviel Laktat im Blut an, daß die Kinder bis zu 36 Stunden brauche, dies wieder abzubauen.
Dagegen wäre ein 3000 Meter Ausdauerlauf, alles locker und im aeroben Bereich kein Thema...
Daher, auch beim Tw-Training: Genug Pausen geben, und nie zu sehr auf die Spitze gehen. Im wieder Belastung drosseln.
Leistungsgebolze ist in der Alterklasse allein schon aufgrund des Stoffwechsels und Energiestoffwechsels, also Laktatabbaus, eine sehr komplexe Sache.