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		<title>torwart.de-Forum - Blogs - nik1904</title>
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		<description>torwart.de-Forum für Torwart, Torhüter, Torwarthandschuhe, Torwarttrikots, Torwartbekleidung, Torwartspiel</description>
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			<title>torwart.de-Forum - Blogs - nik1904</title>
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			<title>Der Bogenflug und das Hechten - ein Buch mit sieben Siegeln?</title>
			<link>https://forum.torwart.de/de/entry.php/301-Der-Bogenflug-und-das-Hechten-ein-Buch-mit-sieben-Siegeln</link>
			<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 15:04:27 GMT</pubDate>
			<description>Ich will meinen TW-Trainern in der Jugend keinen zu großen Vorwurf machen. Viele wussten einfach gar nicht, was sie wie trainieren sollen. Sie hatten...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote class="blogcontent restore"><font size="2"><span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">Ich will meinen TW-Trainern in der Jugend keinen zu großen Vorwurf machen. Viele wussten einfach gar nicht, was sie wie trainieren sollen. Sie hatten ihre Erfahrungen als Torwart und gaben sie so gut wie möglich weiter. Vieles war zweifellos sogar gesundheitsschädlich wie die Situps mit Medizinbällen bei fixierten Füßen. Es gab auch weder die entsprechenden Infos oder Materialien, noch das Internet als Info-Plattform, um sich fortzubilden; von modernen sportwissenschaftlichen Erkenntnissen ganz zu schweigen. Mir wurde beidseits Sprungkraft antrainiert, wenn ich auch bereits von der Sprint- und Sprung-Veranlagung her ganz gut damit ausgestattet bin. Was fehlte, waren z.B. die Grundlagen des Bogenflugs und erst recht auf beiden Seiten. Ball erreichen war das Hauptziel der Veranstaltung und nicht das "wie". Links ist es bei mir aufgrund der natürlichen Veranlagung als Rechtsfüßler mehr eine Frage des Talents gewesen, dass ich das sehr gut durchführen konnte. Entsprechend effektiv war ich dort. Rechts sah die Sache anders aus und ich wurschtelte Zeit meiner Karriere (und erst recht nach einer mehrjährigen Pause nach dem ersten Jahr A-Jugend) herum. Absprung, Körperstreckung und den Ball irgendwie wegkratzen - mehr war es nicht. Schmerzhaft – und vor allem auf Asche – geriet der Versuch, bei voller Streckung den Ball zu fangen.<br />
<br />
Wie also kann ein Training aussehen, das schon sehr junge, vor allem aber bereits "vorgeprägte" Torhüter auf ein zumindest befriedigendes technisches Level bringt? Eine Geschichte hierzu: Wir waren Ostern beim Familienspaziergang auf einem Spielplatz. Meine vierjährige Tochter sprang mit Wonne und mehrfach von einem etwa 1,30 hohen Gerüst in den Sand und rollte sich instinktiv ab - und zwar als Rechtsfüßler ganz automatisch nach links. Bemerkenswert war zwar auch der Umstand, dass mein Vater vollkommen begeistert war, und mir sagte, ich sei genauso "bekloppt" gewesen in dem Alter und wäre über alles und von allem gesprungen, was so in der Gegend herumstand. Es liegt irgendwie in den Genen. <br />
<br />
Doch abseits meiner kindlichen Vorprägung ist mir der Hinweis wichtig, dass Fallen und Abrollen bei einem gewissen sportlichen Talent ganz normale instinktive Abläufe sind. Der Torwarttrainer muss auch dann noch detailverliebt den Ablauf beibringen. Aber je früher ich einem Kind das Gefühl dafür vermittele, dass es auch wie selbstverständlich auf der "unnatürlichen" Seite abrollen kann, desto natürlicher wird es. Die Videos der „Blauen Mauer“ zum Bogenflug und Hechten von Steffen zeigen, wie gut das funktioniert. </span></font></span><br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">Was machen wir bei älteren Torhütern? Je nach technischer Grundausbildung und Zeit, die er oder sie schon Fußball spielt, auch ein 16jähriger Torwart schon alt im Sinne einer eingefahrenen Technik. Eines geht zum Glück nie verloren: Der Instinkt. Es geht gar nicht darum, etwas vollkommen auf den Kopf zu stellen, sondern lediglich die Veranlagung intelligent zu nutzen und die Sperren zu beseitigen, die den Ablauf auf der schlechteren Seite hemmen.<br />
</span></font></span><br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">Entscheidend ist dann nicht das Alter. Der Grundsatz "je jünger, desto lernfähiger" ist im Sport nicht wegzudiskutieren, doch "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr" ist Unfug. Logischerweise nimmt die Lernfähigkeit mit zunehmendem Alter ab. Bei guter physischer Verfassung geht sie nicht verloren. Es wird schwieriger, aber noch lange nicht unmöglich. <br />
<br />
Problemanalyse: Die falsche Technik beim Hechten auf einer Seite beruht auf drei wichtigen Säulen, die alle umgestoßen werden müssen. Wobei das Prinzip gilt, dass eine korrekte Ausführung immer bedingt, dass die Bewegungsauslösung korrekt ist:<br />
<br />
1. Absprung: Da wir im Zweifel darüber sprechen, dass das Absprungbein nicht das natürliche Sprungbein ist, sind Absprungtechnik und Kraft vergleichsweise schlecht ausgeprägt. Hinzu kommt der Abdruck weniger über den Vorderfuß, sondern unsauber, weil Knie und Hüfte nicht über den Fuß kommen und somit obendrein Sprungkraft verschenkt wird. Ziel muss also sein, die Sprungkraft an das Sprungbein anzugleichen und einen nach vorn-oben gerichteten Absprung sauber über den Vorderfuß anzutrainieren. Damit katapultiert sich der Torwart in die Position, um die Hüfte hoch genug zu haben für eine „stabile Fluglage“. </span></font></span><br />
<br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">2. Dynamik: Der unsaubere und weniger kraftvolle Absprung führt dazu, dass dem TW die Dynamik im Sprung verloren geht. Wenn man so will: Die Energie baut sich ab und der Torwart ist unfähig, im Sprung aktiv zu bleiben. Folge ist lediglich eine Streckung zum Ball, die der TW erst recht im extremen Bereich nicht mehr beibehalten kann. Die Beine arbeiten im Sprung zudem nicht mit, um aktiv die Flugkurve zu verlängern und zu stützen. So sackt die Hüfte nach unten durch, der Weg zum Ball wird länger und mangels Körperspannung kann der Ball nicht mehr kontrolliert gefangen oder abgewehrt werden.</span></font></span><br />
<br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">3. Landung: Aus dieser Streckung heraus, die oft noch nicht einmal ein echter Sprung ist, ist es dem TW unmöglich, von oben mit den Händen zuerst auf den Boden zu kommen. Denn dazu müsste seine Hüfte im Flug eine Kurve nach oben beschreiben anstatt eine (höchstens) gerade Linie – wenn denn überhaupt ein echter Flug vorhanden ist. Je weniger diese Kurve nach oben vorhanden ist, desto weniger kann der Torwart die Energie des Fallens durch Abrollen abbauen. Denn er fällt quasi in umgekehrter Folge mit Knie, Hüfte, Arm und schließlich Schulter auf den Boden. Das geht auch den Besten so, die aber in der Lage sind, viel Dynamik in die Streckung zu legen und so nicht regelrecht herunter zu plumpsen:</span></font></span><br />
<br />
<span style="font-family: verdana"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=OpiAFoaJyvE" target="_blank"><span style="font-family: Tahoma"><font color="#800080">http://www.youtube.com/watch?v=OpiAFoaJyvE</font></span></a></span><br />
<br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">Fehlerkorrektur: Das vorrangige Ziel ist zunächst, instinktive und bei fehlender Korrektur auch antrainierte Blockaden zu lösen und als Folge einen wenigstens verbesserten Bewegungsablauf zu erzielen. Eine solche Verbesserung besteht schon darin, dass der TW in der Lage ist, genug Sprungkraft und Dynamik einzusetzen, um die Körperstreckung sehr lange beizubehalten. Da reden wir noch nicht mal von Bogenflug, Übergreifen oder Abrollen. Auch hier der Verweis auf das Neuer-Video.</span></font></span><br />
<br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">Die Blockade entsteht daraus, dass man sich beim Sprung nach rechts (in meinem Fall) nicht wohl fühlt, weil er unnatürlich anmutet bzw. weil man schon mal negative, sprich schmerzhafte, Erfahrungen gemacht hat. </span></font></span><br />
<br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">Sinnvoll erscheint mir daher ein Blick auf die Didaktik bei der Hechttechnik, so wie das hier erklärt ist:<br />
<br />
</span></font><a href="http://www.youtube.com/watch?v=-g4V8-B9Pog&amp;feature=player_embedded" target="_blank"><span style="font-family: Tahoma"><font color="#800080">http://www.youtube.com/watch?v=-g4V8-B9Pog&amp;feature=player_embedded</font></span></a><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma"><br />
<br />
Der große Vorteil dieses Vorgehens besteht darin, dass man sehr behutsam und Step by Step mit Torhütern jeden (!) Alters die Blockade lösen kann, die uns instinktiv dazu bringt, eine Schutzhaltung einzunehmen, der der gesamte Bewegungsablauf untergeordnet wird. Außerdem ist der gehemmte Bewegungsablauf, wie gesagt, Folge geringerer Sprungkraft und weniger automatisiert bzw. instinktiv. Beides zu beheben kostet Zeit und jeder Teil der Bewegung bzw. des Aufbaus sollte so lange trainiert werden, bis es passt und bevor der nächste Teil angegangen wird. Je weicher der Untergrund desto besser. Die Sandgrube sollte ein ständiger Begleiter dieses Prozesses sein, zumal dadurch die Problematik mangelnder Sprungkraft sozusagen nebenbei angegangen wird.<br />
<br />
Vor allem rechts hätte es bei mir eines Trainings bedurft, das auf technischer Kompetenz und sinnvollen didaktischen Vorgaben beruht. So kämpfe ich auch heute im hohen Torwart-Alter mit der "schlechten" Seite. Immerhin bin ich so weit, dass ich unten so gut wie überhaupt keine Schokoladenseite mehr habe. Bei hohen Schüssen sieht es leider anders aus. Ich verbessere mich, was nicht zuletzt der intensiven intellektuellen Auseinandersetzung mit der Thematik und einer sehr guten Fitness zu verdanken ist. Doch es ist aufgrund der Vorprägung eine zähe Geschichte, insbesondere im Spiel diese Dinge umzusetzen. Und es ist auch ab und an deprimierend, weil der Rückfall schnell kommt, wenn ich nicht ständig daran arbeite.</span></font></span><br />
<br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">Ich möchte hier eine technische Thematik näher beleuchten, die anscheinend vom E-Jugendtorwart bis zum Nationaltorhüter Probleme verursacht. Ausgehend von den Beobachtungen im Profibereich bis hin zu Torhütern in der Kreisliga und im Jugendbereich dürfte das Phänomen der „schlechten Seite“ und der diesbezüglich fehlenden Technik bei 99 % der Torhüter vorhanden sein. Das ist ein bedenkenswertes Ergebnis, obwohl wir uns doch rühmen, die beste Torwartausbildung weltweit zu haben. Vielleicht hilft dieser Beitrag, ein wenig Aufklärung zu betreiben und intelligent an Bogenflug und Landung zu arbeiten.</span></font></span><br />
<br />
<span style="font-family: verdana"><font color="#222222"><span style="font-family: Tahoma">Wenn Inhalte sportwissenschaftlich falsch sind, so bitte ich um unbarmherzige Richtigstellung.</span></font></span><br />
</font></blockquote>

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			<dc:creator>nik1904</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Neuers Sündenfall</title>
			<link>https://forum.torwart.de/de/entry.php/243-Neuers-Sündenfall</link>
			<pubDate>Fri, 29 Apr 2011 11:08:32 GMT</pubDate>
			<description>*Manuel Neuer wechselt nach München. Dagegen zu wetten dürfte Geldverbrennung sein und manch Schalke-Fan schien angesichts einer beängstigenden...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote class="blogcontent restore"><b>Manuel Neuer wechselt nach München. Dagegen zu wetten dürfte Geldverbrennung sein und manch Schalke-Fan schien angesichts einer beängstigenden Entwicklung des eigenen Vereins bereit zu sein, den Wechsel zum verhassten Ligakonkurrenten als nachvollziehbaren und sportlich zwingenden Karriereschritt zu verzeihen. Doch Neuer arbeitet konsequent daran, weite Teile der Schalker Fan-Familie nachhaltig gegen sich aufzubringen.</b> <b>Der Liebesentzug hat schon begonnen, die Ultras haben Neuer rausgeworfen. </b><br />
 <br />
Der „Blaue Brief“ wird auch Manuel Neuer mittlerweile erreicht haben, in dem die Ultras GE das einstige Vorzeigemitglied aus ihrer Gemeinschaft ausschließen. Man könne kein Schalker Ultra sein und gleichzeitig ausgerechnet für den FC Bayern mit aller Macht versuchen, Schalker Niederlagen herbeizuführen und womöglich durch seine Fähigkeiten dazu beizutragen, den Traum von der Meisterschaft noch länger unerfüllt zu lassen. Die klare Ansage: Geh ins Ausland, bleib glaubwürdig und als Schalker Ikone erhalten.<br />
 <br />
Schalker Spieler, die nach München wechseln? Ja, da gab es welche und der Name Olaf Thon ist weitaus mehr im Gedächtnis geblieben als Thomas Linke (trotz dessen Erfolgen). Seinerzeit, als Thons Stern mit seinem spektakulären Auftritt im Pokal aufging, spielte Schalke in der zweiten Liga und brauchte dringend die Millionen, die Uli Hoeneß zu überweisen gedachte. Thon wurde bei jedem seiner Auftritte im Parkstadion wie der verlorene Sohn begrüßt und kehrte schließlich als Held zurück.<br />
<br />
Sollte auch Neuer vorhaben, dereinst seine Karriere auf Schalke zu beenden, wird er für die Liebe der Fans größere Hürden überwinden müssen. So sehr sich alle Schalker auch wünschen, Sir Alex Ferguson möge ein Angebot abgeben, das die deutsche Nr. 1 zum Nachdenken bringt – Neuer wird dennoch bald mit dem Bayern-Logo auf der Brust in die Veltins-Arena einlaufen. Die Absprachen zwischen Neuer und Hoeneß scheinen zu lange zu klar zu sein.<br />
 <br />
Also arbeiten Neuers Berater, der Spieler und die Vereinsführung der Bayern wie in einer Schmierenkomödie die gesamte Bandbreite ab, um den abgebenden Verein zu erpressen. Dabei werden auch die dümmsten Plattitüden verbreitet, wie dass der deutsche Nationaltorhüter beim FCB spielen muss (was historisch gesehen vollkommener Unfug ist) und ein Torhüter erst sein absolutes Top-Niveau erreichen könne, wenn er ständig auf Champions-League-Niveau gefordert ist. Die breite Öffentlichkeit glaubt es, das ist das Wichtigste.<br />
 <br />
Neuers Pressekonferenz, auf der er gefühlsbetont so tat, als habe es noch nie einen Kontakt zu Bayern München gegeben, fand nicht umsonst vor den wichtigsten Spielen der Vereinsgeschichte statt. Die Unschuldsmine diente dabei ausschließlich dem Schutz der Bayern, um deren irreguläres Baggern am Schalker Torwart nicht offenlegen zu müssen.<br />
 <br />
Die Abnabelung von den Fans ist durchaus strategisch eingefädelt, um die Gegner einer Neuer-Verpflichtung auf der anderen Seite zu besänftigen. Denn bei den Bayern-Ultras stößt Neuer auf eine Ablehnung, die ihm noch zu schaffen machen könnte. Der Spieler soll hinsichtlich seiner Schalker Vergangenheit neutralisiert werden. Und schließlich geht es darum, die Wechselmodalitäten in für die Bayern erträglichen Grenzen zu halten. Frei nach dem Motto: Je weniger Ablöse, desto mehr können Berater und Spieler an Gehalt und Prämien verbuchen.<br />
 <br />
Nüchtern betrachtet ist das branchenüblich. Bei Manuel Neuer ist die Erwartungshaltung zu Recht eine andere. Denn wer sich derart als Fan und Integrationsfigur generiert, muss sich an diesem selbstgewählten Standard messen lassen. Da helfen auch die Tränen nichts, die man dem jungen Mann sogar noch abnehmen möchte. Er wirkt dabei zwar so, als hätte er sich in einen Zug gesetzt, von dem er nicht mehr abspringen kann. Zeitgleich zieht er aber alle Register des modernen Profis, der Fußball-Ich-AG. Er tut das bis hin dazu, seinem zukünftigen Arbeitgeber loyaler gegenüberzustehen als dem Verein, für den er jetzt noch verpflichtet ist, das allerbeste zu tun und dem er sich einst als Spieler und Fan mit Leib und Seele verschrieben hatte. Ausgerechnet zu Gunsten der Bayern, dürfte dem Schalke-Fan entfahren…<br />
 <br />
Natürlich zählt Neuer bereits mit 25 zu den besten Torhütern der Welt, wenn er nicht schon der beste ist. Sein Gesamtpaket aus fast optimalen Anlagen in sämtlichen Bereichen des Torwartspiels gleicht einer Evolution. Die Verbindung seiner defensiv- und offensivstrategischen Möglichkeiten lassen einen Oliver Kahn als klassischen Reflextorhüter wie einen Dinosaurier erscheinen. Und Neuers Entwicklungspotenzial ist noch lange nicht ausgereizt. All das legt den Schluss nahe, dass so ein Spieler für sich beanspruchen muss, einen Verein zu wählen, der ihm weitestgehend garantiert, ständig auf höchstem Niveau spielen zu können. Und das kann Schalke 04 nicht. Es mag so sein, dass das Potenzial vorhanden ist, solches zu schaffen. Doch bislang hat sich der Traditionsverein vor allem in der Tradition geübt, Potenziale konsequent brach liegen zu lassen.<br />
 <br />
Der Schalker Fan hätte sich gewünscht, mit Neuer als Speerspitze in eine glorreiche Zukunft zu gehen. Kann man von einem Spieler verlangen, das nicht abwarten zu wollen, weil die ältere und jüngere Vergangenheit des Vereins diese Entwicklung nicht gerade wahrscheinlich macht? Nein. So sehr es die Schalker Seele kränken und quälen mag, der Wechsel zu einem europäischen Top-Verein ist dem Spieler rein sportlich gesehen nicht vorzuwerfen.<br />
 <br />
Das pseudoprofessionelle Schauspiel hätte Neuer hingegen besser sein gelassen. Er beraubt sich des Alleinstellungsmerkmals Authentizität. Denn selbst die schärfsten Gegner werden dem Ur-Schalker immer eines zugestanden haben: Glaubwürdigkeit in seiner Liebe zu seinem Verein. Ob sich dieser Imageschaden auszahlt, müssen der Berater und Neuer beantworten. Durch den Sündenfall des Manuel Neuer wird er am Ende nicht nur zum x-tausendsten Allerweltsprofi. Man kann zu den Ultras stehen, wie man will. Sie handeln in dieser Personalie vollkommen nachvollziehbar und richtig. Denn der Fußball verliert damit auch ein weiteres kleines Stück seiner einstigen Unschuld an den blanken Kommerz.</blockquote>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>nik1904</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Manuel Neuer – Der Versuch einer realistischen und fachlich fundierten Einschätzung</title>
			<link>https://forum.torwart.de/de/entry.php/228-Manuel-Neuer-–-Der-Versuch-einer-realistischen-und-fachlich-fundierten-Einschätzung</link>
			<pubDate>Tue, 08 Feb 2011 15:08:09 GMT</pubDate>
			<description>*Manuel Neuer – Der Versuch einer realistischen und fachlich fundierten Einschätzung* 
  
Ich habe mir in den letzten Tagen entgegen aller Versuchung...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote class="blogcontent restore"><b><span style="font-family: Arial"><font color="black">Manuel Neuer – Der Versuch einer realistischen und fachlich fundierten Einschätzung</font></span></b><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Ich habe mir in den letzten Tagen entgegen aller Versuchung die Hand vor den Mund gehalten und die Finger von den Tasten gelassen. Ich ließ all das Gerede in welchen Medien, in welchem Forum und von welchem selbsternannten oder tatsächlichen Fachmann auch immer auf mich wirken. Getreu dem Motto "Don`t argue with an idiot, he drags you down on his level and people watching may not be able to see any difference.", hat man gegen niveaulose oder einfach unwissende Kommentierungen selbst mit den besten Argumenten nichts auszurichten. Und vor dem Hintergrund meines Nicks, der wenn auch andernorts nicht gleichlautend, so doch vereinsbezogen genug ist, wollte ich zunächst alles zwei bis drei Mal sehen, bevor ich mich äußere. </font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Beiträge in anderen Foren wie Kicker, westline, sport1 oder spox sind eh höchst selten ein Gradmesser. Womöglich als Meinungsquerschnitt, nicht aber für fachlich fundierte Expertisen. Denn wer weiß dort schon, wie eine sinnvolle Analyse des Torwartspiels aussehen soll. Die Vereinsbrille ist bei den meisten festgeschweißt so wie die immerwährenden Wahrheiten wie z.B. dass Oliver Kahn der ultimative und für ewig unerreichbare Torwart sei.</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Die Begrifflichkeiten, die verwendet werden, sind überaus deutungsarm. „Weltklasse“ ist einer davon. Doch was ist „Weltklasse“? Ist es eine Parade, die – so unglaublich sie auch scheinen mag – letztlich ein Landesligakeeper vollbringen kann, wenn er den richtigen Absprung erwischt und die Situation perfekt antizipiert? Ist eine ganze Ansammlung von Kunstflugeinlagen, die ein kompletter Torwart in der Einzelfallanalyse gar nicht nötig gehabt hätte? Ist es ein nahezu perfektes Verhalten im 1gegen1, weil es schwieriger ist, als das allgemein angenommen wird? Oder liegt darin nicht eher das Resultat einer langen Entwicklung, die ein Torhüter durchlaufen muss? </font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Zwei negative Kommentare aus Foren seien als Diskussionsanfang in den Raum gestellt. Der erste stammt von einem User im BvB-Forum bei westline: "Total überschätzt das Milchgesicht. Ich habe nur eine Weltklasseparade von dem einzigen Weltklassekeeper auf dem Platz gesehen und zwar von Weidenfeller. Der Neuer ließ sich nur anschießen und soll der Held sein." Der zweite wurde in sport1 geschrieben: „Neuer wird nie so gut wie Kahn. Kraft auch nicht, aber Kraft wird besser als Neuer. Wozu braucht Bayern Neuer.“</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Zunächst müssen wir uns bewusst werden, wie viele Menschen überhaupt eine inhaltlich sinnvolle Analyse abgeben können:</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Wie viele Zuschauer oder Medienvertreter – und seien sie noch so anerkannte Kommentatoren – verstehen Fußball in seiner Komplexität? Wer von den Millionen Zuschauern im Stadion oder vor dem TV (viele sogar trotz langjähriger aktiver Zeit) versteht Fußball intellektuell und strategisch? Wer ist auch nur ein bisschen in der Lage, die Dinge zu bewerten, indem er oder sie den Teil des Gehirns gebraucht, in dem nicht das jeweilige Vereinswappen eingebrannt ist? Wie viele von denen sind oder waren selber Torhüter? Und wie wenige von denen beschäftigen sich auch noch in einer Weise mit der Materie, die dazu führen könnte, sinnvolle Bewertungen vorzunehmen? Das Ergebnis: Ja, genau, ziemlich ernüchternd. Entsprechend bescheiden ist das Niveau, wenn es in Foren, Zeitungen, ja selbst in Fachmedien um das Thema Torhüter geht.</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Ich lege an mich selbst nicht den Maßstab an, dass das Folgende die ultimative Wahrheit zu sein hat. Dennoch wage ich eine sachlich-fachliche Analyse: </font></span><br />
 <br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Ich war beim Spiel BvB gegen Schalke im Stadion und habe mir die Szenen nun auch via TV mehrfach angesehen. Zunächst sollte erwähnt werden, dass in diesem Spiel zwei außergewöhnliche Leistungen von Torhütern zu beobachten waren. So muss man Weidenfeller durchaus auch lobend erwähnen, denn er hatte so unfassbar wenig zu tun, war aber dennoch genau in der Sekunde voll da, als er gebraucht wurde. Auch das macht einen Klassekeeper aus. Ob man nun so weit gehen sollte wie Jürgen Klopp, die Leistung von Weidenfeller aufgrund dieser Aktion als stärker einzuordnen als die von Neuer, sei mal dahingestellt. Aber geht das Ding von Jurado rein... Im Prinzip hat er Dortmund nicht weniger den Sieg gerettet als Neuer. Zumindest in qualitativer Hinsicht. Ohne das unfassbar gute Spiel der Dortmunder und diese Leistung ihres Torwarts zu würdigen, müsste dieser Beitrag bereits als tendentiös abgeurteilt werden.</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Zurück zu Neuer und damit den eingangs erwähnten Foreneintrag widerlegend: Er stand im Weg, weil es ein sehr, sehr guter Torwart nun mal so macht, dass der Stürmer keine andere Chance hat, als vorbeizuschießen oder den Torwart anzuschießen. Und gerade das ist so unfassbar schwer, so simpel es auch aussehen mag. Nun wird kaum einer behaupten wollen, dass Dortmund alles aus den Chancen gemacht hat, denn im 1gegen1 kann ein Torwart alles richtig machen und wird trotzdem in 80 % aller Fälle den Kürzeren ziehen – wenn der Gegenspieler die Situation perfekt löst. Hier kam "Kuba" in zwei Situationen tatsächlich nicht an Neuer vorbei, weil dieser alles richtig gemacht hat. Seine einzige Chance wäre gewesen, jeweils nach außen an Neuer vorbeizuziehen, was zumindest einen Abschluss unmöglich gemacht hätte. Als Mario Götze den Ball aus kurzer Distanz Neuer fast auf den Mann schießt, ist das eine Situation, in der der Torwart gar keine Abwehrchance haben darf. Als Götze jedoch an den Pfosten schießt, wird allgemein unterschlagen, dass er nur deshalb in die Bredouille kommt, sich erstmal um die eigene Achse drehen zu müssen, weil Neuer ihm den Ball zunächst vom Fuß nimmt – also ein „erzwungener“ Pfostenschuss.</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Es ist der Moment gekommen, sich mit der wohl (zweit-) spektakulärsten Szene auseinanderzusetzen, in der Neuer weit aus dem Tor kommt, den Schuss von Lewandowski abwehrt, zurückläuft und den Versuch des Lupfers abfängt. Spricht gegen eine kritische Ansicht nicht das blanke Resultat nach dem Motto: „Geklärt = alles richtig gemacht.“ Nein, zumindest nicht, wenn die Analyse aufgrund einer fachlichen, nennen wir es torwartwissenschaftlichen, Basis stattfindet. Ein solches Vorgehen wäre allenfalls dann korrekt gewesen, wenn zwei Stürmer durchgebrochen wären und sich aus dem aggressiven und frühzeitigen Unterdrucksetzen des Gegners eine signifikante Verbesserung der Chancen angesichts einer aussichtslosen 1gegen2-Situation ergeben hätte. Das war hier nicht der Fall bzw. war nicht abzusehen. Also und trotz des - nahezu - perfekten Spiels, das um ein Haar sogar noch mit einem sensationell unverdienten Sieg garniert worden wäre: Torwartfehler, wenn auch mit einer spektakulären und erfolgreichen Torverhinderung. </font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Was stellen wir in einer sachlichen Analyse mit dem Hype an, der derzeit um Neuer gemacht wird? Was davon ist richtig, was ist übertrieben? Wir sehen: Ohne Differenzierung kommen wir keinen Schritt weiter, weil es ungemein schwierig ist, Torhüter in ihrem Können und ihrem individuellen Wert für eine Mannschaft zu vergleichen. Ich teile das Torwartspiel wie eine Fußballmannschaft in 11 Positionen bzw. Dimensionen auf:</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 1: Körperliche Attribute (Größe, Fitness, Gewicht, physische Belastbarkeit, Verletzungsanfälligkeit)</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 2: Schnelligkeit</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 3: Beweglichkeit</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 4: Reaktionen, Reflexe</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 5: Torwarttechnische Grundlagen (flache Bälle auf den Mann, Tauchen, Hechten, etc.)</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 6: Anwendung der Techniken im Spiel (Verhalten auf der Linie, Verhalten im 1gegen1, hohe Bälle)</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 7: Fußballerische Fähigkeiten, Abwürfe, Abschläge, Abstöße</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 8: Defensivstrategische Fähigkeiten (Handlungsschnelligkeit, Stellungsspiel, Mitspielen, Kommunikation, Antizipation, Strafraumbeherrschung) </font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 9: Offensivstrategische Fähigkeiten (Handlungsschnelligkeit, Spieleröffnung, Spielübersicht, Passgenauigkeit, Abwurfgenauigkeit)</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 10: Fehlerfreiheit</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dimension 11: Ausstrahlung, Erfahrung, psychische Belastbarkeit, Wert für die Mannschaft</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Torhüter wie Kahn, Köpke oder aktuell Weidenfeller und Wiese sind typische Beispiele, dass Torhüter, die bei weitem nicht alle Kriterien erfüllen, zum Mannschaftserfolg extrem große Beiträge leisten können. Kahn wurde sogar Welttorhüter und erlangte zu Recht Legendenstatus, obwohl er wie die anderen aktuellen Beispiele nur begrenzt „mehrdimensionaler“ Torhüter war. Zweifelsohne erfüllt Neuer noch lange nicht alle elf Ansprüche. Wie soll er auch mit nur 24 Jahren. Er wird womöglich nie alle elf Kriterien auf höchstem Niveau erfüllen. Die beschriebene Situation aus dem Dortmund-Spiel kennzeichnet z.B. eines seiner größten Entwicklungspotenziale oder – negativ ausgedrückt – seine größte Schwäche. </font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Denn er überdreht ab und an, wenn es besonders gut läuft oder wenn er sich gezwungen sieht, Schwächen der Vorderleute durch beinahe aktionistisches Handeln auszugleichen. Ihm fehlt in der Strafraumbeherrschung noch zu oft das Timing. Er hat oft, aber nicht immer Lösungen parat, wenn er darauf reagieren muss, dass der Gegner (im Wissen um seine Stärken im Strafraum) bewusst seinen Laufweg zum Ball zustellt. Natürlich ist das den Regeln nach in vier von fünf Fällen Foul und so relativiert sich der Unfug, der in Aussagen wie „Wenn er rauskommt, muss er ihn haben“ steckt. Doch so was wird selten gepfiffen und dann muss ein Spitzentorwart sich darauf einstellen. Seine Handballtorwarttechnik mag das Zeug dazu haben, revolutionär zu sein. Doch dann muss dieser junge Keeper begreifen, dass nicht annähernd so viele Situationen zu dieser Technik Anlass geben, wie er sie anwendet. </font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Wer diese elf Punkte abarbeitet und realistisch auf Neuer bezieht, der wird um die Feststellung nicht herum kommen, dass er sogar jetzt schon rein quantitativ in mehr Bereichen eine beachtliche Qualität verkörpert, als das bei Oliver Kahn jemals der Fall war. Beispiele: Manuel Neuer hat fußballerisch und in der Spieleröffnung Möglichkeiten, die Kahn nahezu vollkommen abgingen. Er ist im Strafraum erheblich mutiger. Er ist zudem schneller. Im 1gegen1 ist er wohl schon nahezu auf gleichem Niveau. Neuer ist keineswegs auf dem Weg, der ultimative Torhüter zu werden – so wenig wie Kahn, van der Saar, Buffon, Casillas oder Czech es waren oder sind. Es gibt diesen Torhüter nicht, so sehr sich die Fans auch für ihre Lieblinge erwärmen. </font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Neuers Torwarttechnik ist an einigen Punkten unzureichend. So wird es Lehrvideos über seine Falltechnik ebenso wenig geben wie zu seinem Übergreifen auf der rechten Seite oder seiner (wenn auch mittlerweile seltener zu beobachtenden) „Bagger-Technik“ bei sehr scharfen Schüssen in die Ecken. Jeder Spitzentorhüter lebt davon, eine Umleitung für individuelle technische Schwächen zu finden oder an der perfekten Problemlösungsstrategie zu arbeiten. Das Stichwort heißt: Effektivität.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Neuers ist schon heute und mit nur 24 Jahren beeindruckend effektiv. Er ist in der Lage, Spiele mit einer einzigen Aktion (Türkei) oder einer Ansammlung von spektakulären Paraden mit zu entscheiden (z.B. FC Porto vor zwei Jahren oder Bayern und BvB in der laufenden Saison). Er kann Spiele durch seine offensivstrategische Ausrichtung und seine fußballerischen Fähigkeiten gestalten und Tore bewusst vorbereiten. Neuer verfügt über eine für einen Torwart beeindruckende Schnelligkeit – nicht nur auf den ersten Metern, sondern auch auf 20 bis 25 Metern. Warum ich oben schrieb, es habe sich beim Herauslaufen um die zweitspektakulärste Szene gehandelt? </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Nun, für mich war die beste Aktion von Neuer eine gänzlich unbeachtete: Einwurf für Dortmund. Neuer legt blitzschnell sieben, acht Meter vom Fünfer zur „16er-Linie“ zurück und fängt dort den Einwurf ab, obwohl dieser relativ kurz zu einem Dortmunder auf Kopfhöhe geworfen war. Ich empfehle jedem Torwart, sich diese Szene irgendwoher zu besorgen. Ich habe schon wahrlich viele Spiele via TV oder im Stadion gesehen – diese Szene war einmalig und gleichfalls Beleg für die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Neuer, ein Spiel zu lesen und zu antizipieren. So ein Torwart, der dann auch noch über die nötige Spielintelligenz und die technischen Fähigkeiten in der Spieleröffnung verfügt, ist ganz logisch in der Lage, das Offensivspiel seiner Mannschaft extrem positiv zu beeinflussen. Nämlich dann, wenn die Mitspieler auf diesen Torwart eingestellt sind bzw. perfekt mit ihm harmonieren.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Es mag nicht jedem gefallen, doch trotz aller Lobeshymnen von Klopp auf Weidenfeller darf man annehmen, dass er – wenn schon nicht Neuer selbst, so doch – einen Torwarttypus wie Neuer mit Kusshand nehmen würde. Lediglich die Faktoren Erfahrung und Einfluss auf die extrem junge Mannschaft stehen der Feststellung entgegen, dass ein Typ wie Neuer in einer Mannschaft, die derart rasanten Offensivfußball bietet, defensiv, aber vor allem auch offensiv ein noch erheblich effektiverer Bestandteil sein würde. Gleiches gilt für Bremen und Wiese, ja selbst für Leverkusen und Adler. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Dieser muss sich nicht hinter Neuer verstecken, doch Neuer vermittelt den Eindruck, in seiner Entwicklung mit ein oder zwei km/h schneller voran zu kommen. Das ist logisch, denn der talentiertere Sportler wird sich bei entsprechender Anleitung, bei ausreichenden körperlichen Voraussetzungen und mit dem nötigen Ehrgeiz in seiner Entwicklung leichter tun. Und dass Neuer theoretisch (!) das größere Potenzial hat, wurde selbst in Leverkusen zugestanden, als beide noch Junioren waren. Das sagt nicht, dass Neuer zwangsläufig der bessere Torwart ist bzw. werden wird. Nein, von dieser Feststellung sind wir noch drei, vier Jahre entfernt – mindestens! Doch es scheint status quo so zu sein, dass er sich seinem in der Gesamtheit der Anforderungen größeren Potenzial entsprechend schneller entwickelt und das größere Leistungsvermögen erreicht.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Noch ein Vergleich, der neben den offensivstrategischen Merkmalen gegenüber den aktuellen Konkurrenten, aber auch gegenüber dem öffentlich wahrgenommenen „historischen“ Superlativ zu Neuers Gunsten ausfällt: Kahn griff erst nach der EM `96 und mit 27 Jahren in einen wirklichen Wettstreit um die Nr. 1 im deutschen Tor ein und hatte diese Position erst nach der WM `98 mit immerhin schon 29 inne. Neuer ist mit 24 Jahren mit der Erfahrung einer WM ausgestattet, die für ihn sicherlich nicht perfekt verlief, aber für einen Novizen immerhin noch gut. Seine sportliche Entwicklung wie die als Persönlichkeit auf dem Platz wäre in dieser Rasanz ohne die Weltmeisterschaft gar nicht denkbar. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Neuer ist diesbezüglich deutlich weiter als Kahn im vergleichbaren Alter. Weitergehend musste Kahn damit klarkommen, dass er in einer N11 spielte, die nie als ernsthafter Kandidat für einen Titel gelten konnte – und musste seinen schlimmsten Moment erleben, als der WM-Titel basierend auf seinen fantastischen Leistungen doch einmal in Reichweite kam. Von der Heim-WM ganz zu schweigen. Fast schon tragisch für einen solchen Torwart! </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Neuer kann – wenn er unverletzt bleibt und sich ideal weiterentwickelt – Bestandteil von deutschen Nationalmannschaften sein, die wieder ernsthaft um Titel mitspielen. Keine Garantie, noch nicht einmal mehr als blanke Hypothese und dazu noch reine Gnade der späten Geburt – doch Neuer startet für EM- und WM-Titel mit der besseren Perspektive. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Was spricht noch für Neuer? Setzen wir voraus, dass ein Grund dafür, warum bei Torhütern erst wesentlich später als bei Feldspielern die höchste Leistungsfähigkeit erreicht wird, in der Überwindung der Sturm-und Drangzeit zu finden ist. Dann führt dieses zwangsläufig zur Feststellung, dass Neuer die Ziele Konstanz, Fehlerfreiheit und Erfahrung noch erreichen wird. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Erfolge kann er natürlich nur im entsprechenden Mannschaftsumfeld erreichen und dieses ist auf Schalke schwieriger als bei einem europäischen Topverein; wenn nicht gar unmöglich. Neuer hat sein derzeitiges Niveau auf Schalke erreicht und er wird sich als Torwart dort nicht schlechter weiterentwickeln als anderswo. Das würde nichts an seiner N11-Perspektive ändern. Doch dieses Image des „Titans“ ist untrennbar mit Meisterschaften, legendären Champions-League-Schlachten und in den Himmel strebenden Trophäen verbunden, die von Torwarthandschuhen gehalten werden. </font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Um in diese Sphären vorzudringen, muss Manuel Neuer den FC Schalke spätestens im Alter von 27 oder 28 Jahren verlassen. Dann kann er dauerhaft beweisen, dass er nicht nur in der Bundesliga, sondern auf allerhöchstem Niveau genau dann in der Lage ist, beinahe Unvorstellbares zu leisten, wenn es darauf ankommt. Neuer darf jetzt schon als einer der drei oder maximal fünf besten Torhüter der Welt gelten. Den absoluten Zenit, sprich bester Torhüter der Welt sein, kann Neuer hinsichtlich seines Potenzials erreichen. Allerdings erst, wenn er jahrelang auf diesem Niveau spielt. Das ist die Crux an der Geschichte. Ich halte Neuer für den Torwart mit dem größten Potenzial, das er hinlänglich unter Beweis gestellt hat. Potenzial ist im Fußball allerdings erstmal gar nichts wert, wenn es nicht (aus welchen Gründen auch immer) in langfristige Leistung umgesetzt werden kann. Frag nach bei Deisler, Scholl, Thon…</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Für Neuer spricht des Weiteren: Er verarbeitet Fehler sehr schnell – meist merkt man ihm schon im weiteren Spielverlauf nichts mehr an. Seine schwächeren Phasen scheinen nicht nur seltener, sondern auch kürzer zu werden. Er ist in einer sehr positiven Persönlichkeitsentwicklung. Auf dem Platz verbreitet er teilweise bereits in diesem jungen Torwartalter eine unbeschreibbare Aura, die nur ganz wenige Torhüter hatten und haben. Seine Zukunft und die des Vereins, die Berichterstattung über Kraft und Bayern, der Hype, der veranstaltet wird etc.pp. belasten ihn zwangsläufig. Und dennoch ist seine Leistung von kleinen Luftlöchern abgesehen auf einem relativ zu seinem Alter konstant hohen Niveau. Nicht konstant genug, um ihn bereits als "Weltklasse" zu bezeichnen, aber konstant genug, um bei einem 24jährigen von einer außergewöhnlichen Perspektive zu sprechen.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Das spricht eher dafür, dass Neuer seinen Weg konstant und konsequent weitergeht, denn für Stagnation oder Rückschritt. Sicher ist das nicht, die Falltiefe nimmt schließlich zu, je weiter Manuel Neuer in Richtung Torwartolymp emporsteigt – wo er allerdings lange noch nicht angekommen ist! Es ist nicht gesagt, dass Rene Adler oder ein Jüngerer durch eine Leistungsexplosion oder eine ähnliche Entwicklung wie bei Neuer nicht doch an diesem vorbeiziehen, wenn Neuer auch nur ein bisschen von seinem Weg abweicht. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Man kann die Problematik anhand eines anderen jungen Torwarts gut erklären: Thomas Kraft hat noch nicht einmal 1.000 Pflichtspielminuten auf dem Buckel. Und er soll trotz all der Klippen, die auf seinem Weg zu umschiffen sind, bereits jetzt bei Bayern Garant dafür sein, deren Ansprüche auf Titel zu untermauern? Wenn man es nüchtern analysiert, scheint (!) er zumindest fußballerisch, in der Spieleröffnung und im 1gegen1 nicht so stark bzw. entwicklungsfähig zu sein wie Neuer. Bereits hier entstehen also schon erste Zweifel. Ob die begründet sind, wird sich weisen, wenn Kraft in seiner Entwicklung besser zu beurteilen ist.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Jeder richtig gute Torhüter muss auf durch Stahlbäder der Torwartfehler, der Selbstzweifel und der öffentlichen Geißelung gehen. Neben den immensen Anforderungen, die bereits in den elf Dimensionen enthalten sind, wird ein Torwart nur so die nötige Härte bekommen, um dauerhaft „Weltklasse“ zu verkörpern. Es geht hier nicht darum, Krafts Potenzial in Frage zu stellen, sondern aufzuzeigen, wie weit Neuer im Vergleich schon ist und wie viele Stufen er schon genommen hat, die auch ein Thomas Kraft noch mühsam hinaufkraxeln muss. Kraft, Zieler und andere müssen erstmal zeigen, ob sie im Langzeittest dafür gerüstet sind, ihr theoretisches und individuelles Topniveau zu erreichen. Und dann erst stellt sich die Frage, ob dieses Niveau an das heranreicht, was Neuer jetzt schon darstellt, geschweige denn, wohin er noch kommen kann. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Das Zauberwort bei jungen Torhütern heißt Geduld, Geduld und noch mal Geduld. Denn es wird derzeit und inflationär ein neues Jahrhunderttalent nach dem anderen inthronisiert. Die steile Serpentinenstraße hinauf zum Top-Torhüter auf Weltniveau endet für die meisten schon an der ersten oder zweiten Kurve. Und auch danach warten noch ausreichend Gelegenheiten zu scheitern. Neuer ist auf diesem Weg zum Gipfel schon recht weit vorangekommen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial"><font color="black">Oliver Kahn sagte einmal: Die Zeit der großen Torhüter und der unumstrittenen Nr.1 im deutschen Tor sei vorbei. Es werde keine Ära mehr geben. Die Entwicklung von Neuer erweckt den Anschein, dass er sich diesbezüglich getäuscht haben könnte. Denn am Ende kommt man bei einer nüchternen Betrachtung um eine Aussage nicht herum, die Christoph Metzelder tätigte: Neuer sei erst 24 und Torhüter erst mit 30 auf dem Höhepunkt der Entwicklung. Was werde Neuer dann erst für ein Torwart sein…</font></span><br />
 <br />
<span style="font-family: Arial"><font color="black">Alles unter Vorbehalt! Nicht immer, aber viel zu oft, kommt alles anders als man denkt. Unabhängig von jeglicher Vereinsaffinität oder -antipathie: So weit wir uns als Anhänger der N11 bezeichnen, wäre wünschenswert, dass Neuer seinen Weg so weiter geht. </font></span></blockquote>

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			<dc:creator>nik1904</dc:creator>
			<guid isPermaLink="true">https://forum.torwart.de/de/entry.php/228-Manuel-Neuer-–-Der-Versuch-einer-realistischen-und-fachlich-fundierten-Einschätzung</guid>
		</item>
		<item>
			<title>Aktive und passive Protektion. Was macht Sinn, was nicht?</title>
			<link>https://forum.torwart.de/de/entry.php/222-Aktive-und-passive-Protektion-Was-macht-Sinn-was-nicht</link>
			<pubDate>Fri, 28 Jan 2011 15:51:23 GMT</pubDate>
			<description>Inspiriert durch einen Thread, in dem es um die Zweckmäßigkeit eines Mundschutzes geht, erscheint es sinnvoll, sich mit dem Thema Protektion...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote class="blogcontent restore">Inspiriert durch einen Thread, in dem es um die Zweckmäßigkeit eines Mundschutzes geht, erscheint es sinnvoll, sich mit dem Thema Protektion intensiver auseinanderzusetzen. Eines vorweg: Sinnvoll ist jede Protektion, die Verletzungen vermeidet! Die Frage ist leider nicht, was alles möglich ist, sondern welche Grenzen die Anforderungen des Torwartspiels dem passiven Schutz setzen.<br />
 <br />
Verglichen mit meinen Anfängen als Torwart in der D-Jugend sind wir heute mit Neopren, Silikon sowie anderen Dämpfungsstoffen oder Kevlar Lichtjahre von den früheren Möglichkeiten entfernt. Durchaus erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Sportbekleidung, die durch moderne Kunstfasern in neue Dimensionen vorgestoßen ist. Wer mal auf Asche bei 40 Grad im Schatten mit voller Montur aus hauptsächlich Baumwolle 90 Minuten plus Einspielzeit verbracht hat, dabei auch noch richtig gefordert wurde und mangels Ausweichmöglichkeit der Körperwärme Kribbeln an der Kopfhaut verspürte, der weiß die Produkte von z.B. Adidas (ClimaCool) oder Under Armour (Heatgear) wahrlich zu schätzen. Da es kein gesponserter PR-Beitrag ist, sei erwähnt, dass auch viele andere Hersteller gute Produkte haben. Auch dieser Aspekt ist Protektion. Sei es für Herz-Kreislauf oder Muskulatur.<br />
 <br />
Was trage ich in Training und Spiel? Zunächst sei angemerkt, dass ich nach zig Jahren hauptsächlich auf Asche mittlerweile auf Kunstrasen spiele. Der Körper hat also schon einiges mitgemacht. Ich bin zwar athletisch, aber mit 81 kg auf 1,90 m nicht gerade ein Schwergewicht. Gelenke und Knochen sind weder durch üppige Fettreserven noch Muskelberge geschützt. Die Torwartausbildung war rein vom Gedanken getrieben, möglichst viele Bälle zu halten. Schutz vor Verletzungen war mehr dem Überlebensinstinkt überlassen, denn dass es einem didaktischen Anspruch gerecht geworden wäre, die Torwartechniken perfekt zu vermitteln. Ich bin schon ein richtig Guter für Kreisligaverhältnisse und hatte im Laufe der Jahre wohl an die 100 Wechselangebote hoch bis zur Landesliga. Doch angesichts dessen, was hier im Forum an Erkenntnissen zum Abrollen, zu Wendetechniken etc. zu lesen ist, war mein Training geradezu vorrevolutionär. Da wurde ich als 14jähriger gerne mal zu Situps mit Medizinbällen animiert, was laut Meinung meines Orthopäden schon die ersten Grundlagen für meinen späteren Bandscheibenvorfall gelegt haben dürfte. Asche, nicht bis zum Ende ausgefeilte Falltechnik, eine Menge Körperkontakt und die ein oder andere (und idiotischerweise nicht ausgeheilte) Verletzung haben Spuren hinterlassen, die mit den Protektionsmöglichkeiten von heute vielleicht geringer ausgefallen wären.<br />
 <br />
Fangen wir mal auf der Haut an: Je nach Wetter die entsprechende Unterwäsche von Adidas und Under Armour, Adidas-TW-Unterziehshirt, eine Rehband-Neopren-Torwarthose, McDavid-Ellbogenschützer (nur noch dünne auf Kunstrasen, aber notwendig wegen Neigung zu Schleimbeutelentzündungen aus goldenen Aschezeiten), Handgelenkbandagen von Bort (teils prophylaktisch, teils, weil ich eine enge Manschette des Handschuhs mag), beidseits Tape an kleinem Finger und Zeigefinger (nach fachmännischer Einweisung, versteht sich!). Kniebandage links (muss nicht zwingend sein, ist aber wegen Meniskusanriss vor einigen Jahren und leichter Patella-Displasie als Prophylaxe sinnvoll), Schienbeinschoner, beidseits Achillessehnen/Knöchelbandage, Stutzen. Und wenn der Rücken zickt oder wie jetzt bei Minusgraden trainiert wird, trage ich eine spezielle Sport-Rückenbandage von Rehband. Im Training nehme ich bei kälterem Wetter einen Adidas Sereno-Overall, bei dem ich die Beine auf 3/4 gekürzt habe oder eine Reusch 3/4-Hose und Shirt. Gerne ziehe ich bei feuchtem Wetter eine Regenjacke an. Im Spiel trage ich eine ungepolsterte kurze Hose und Trikot. Ich bin kürzlich vom Fingerschutz zu einem normalen Modell zurückgekehrt, was einer Revolution gleichkam. Das animiert mich, mit ständigem Feilen an der Technik noch die ein oder andere Protektion sukzessive abzubauen.<br />
 <br />
Auf Asche kommt entweder der Reusch Highbury-Overall oder eine lange Adidas Tierro zum Einsatz. Dann kommt der Tüftler zum Vorschein: Sei es im Job beim Texten und konzeptionell, beim Handwerken oder beim "Verfeinern" von Torwartsachen - ich bin kreativ und ideenreich. So habe ich mir Knie- und Armschoner sowie Unterziehhose so präpariert, dass ich wahlweise nach Härte der Asche die Polsterung per Zusatzpolstern und mit Klettverschlüssen verändern konnte. Das war sinnvoll, denn so verschlechterte ich nicht durch weitere Schichten die Beweglichkeit. In den wenigen Spielen, die wir noch auf Asche haben, kommen die Dinge noch zum Einsatz - gottlob und mittlerweile aus den Tiefen des Fußballschrankes. <br />
 <br />
Das wäre dem ein oder anderen Leser zu viel? Wo ist die Alternative? Schmerz? Verletzung? Folgeschäden im Alter? Aufhören? Nein, ich lasse mir meinen Schutz lieber etwas kosten und achte durch die für mich optimalen Materialien und Produkte darauf, dass der Schutz ohne Folgen für die Beweglichkeit bleibt. Ich habe außer der Zeit zum Anziehen keine Einschränkungen, ich fühle mich wohl und hatte seit Ewigkeiten keine ernsthaften Probleme mehr. Seit drei oder vier Jahren, also mehr als 100 Pflichtspielen, habe ich ohne eine Fehlminute auf dem Platz gestanden. Als Freiberufler kann ich es mir auch nicht leisten, ständig ein Wehwehchen mit mir rumzuschleppen. Ich habe also den richtigen individuellen Mittelweg gefunden.<br />
 <br />
Man kann nun sagen, dass jede Protektion subjektiv oder objektiv Sinn ergeben kann. Sei es wegen fehlerhafter Fall- oder Fangtechnik oder wegen Blessuren, zu denen man aufgrund der eigenen Physiologie neigt. Tiefschutz, Kopfschutz, Mundschutz... Ich bin schon jemand, der Protektion sehr ernst nimmt. Doch als Torwart bezweifle ich, dass wir uns gegen alles schützen können - egal was wir anziehen. Man muss vernünftig auf seinen Körper hören, was er braucht. Ein nicht unwesentliches Restrisiko bleibt immer, weil es in der Natur des körperlichen Einsatzes liegt, den wir einbringen müssen, um viele Spielsituationen erfolgreich zu bestehen. Man muss den jeweiligen Nutzen gegen praktische Aspekte, Tragekomfort und Beweglichkeit (sprich die maximale Leistungsfähigkeit) abwägen. Wer das aus Sorge vor Verletzungen nicht möchte, dem sind zwingend Grenzen in der Leistungsfähigkeit gesetzt. So ist nun einmal die schlichte Quintessenz.<br />
 <br />
Nehmen wir das Beispiel eines Mundschutzes: Wer zweifelt daran, dass das Gesicht und mithin der Mund ein ziemlich gefährdeter Bereich wären?! Übertragen vom Gefühl, eine Beißschiene zu tragen, um "Zähneknirschen" zu verhindern (was ich ein paar Jahre nachts tragen musste) geht das beim Fußball und mit der ganzen Kommunikation, die zwischen Torwart und Feldspielern stattfindet, eigentlich gar nicht - es sei denn, es gäbe eine medizinische Indikation. Mir ergeht es beim Tiefschutz so, dass ich noch keinen Artikel gefunden habe, den ich ohne Probleme im Bewegungsablauf oder ohne unangenehme Folgen für die Haut im Leistenbereich hätte tragen können. Sinn und Zweck dieser Maßnahme würden natürlich auch hier außer Frage stehen, wenn man sich ständig mit dem gesamten Körper Geschossen entgegenwirft, die auch mal mit 100 oder mehr km/h auf einen zurasen. So muss jeder für sich den richtigen Mittelweg finden, wenn der Köper ihm oder ihr wo auch immer zu verstehen gibt, dass Sorge oder Vorsorge notwendig wären. <br />
 <br />
Und hier kommen wir zum zweiten Aspekt, der eigentlich der erste ist: Der aktive Schutz durch gute Technik und optimales Training. Je intensiver ich mich mit der Materie befasse, je weiter ich mich vorwage in der Analyse und auch auf die Gefahr hin, mal in dieser korrigiert zu werden, je größer das Wissen und je versierter die didaktischen Möglichkeiten werden, desto mehr profitiert selbst meine Technik noch im Spätherbst der Karriere. Körperliche Fitness, qualifizierteres Training, als ich es je hatte, und intensive intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema führen dazu, dass ich ein besserer Torwart bin, als ich je war - und dazu, dass ich so lange verletzungsfrei bin.<br />
 <br />
Wer als halbwegs diesen Dingen zugetaner Mensch das Torwarttraining in vielen Jugendmannschaften sieht, ist schier entsetzt. Trotz all der Möglichkeiten, die Trainer haben, sich in diesem Bereich fortzubilden, wird kaum einmal wirklich substanziell an sauberer Technik gearbeitet, die zeit der Karriere nicht nur Basis dafür ist, gut zu halten, sondern auch sich zu schützen. Jungen Torhütern sei geraten: Fordert Torwarttraining ein oder sucht Euch im negativen Fall Vereine, die eine gute Torwartausbildung haben. Entwickelt Eure Technik so gut wie möglich, um Verletzungen vorzubeugen. Besucht Camps und wendet Euch an erfahrene und kompetente Torhüter, ob sie bereit sind, Euch zu trainieren. Wenn es gut gemacht ist und idealerweise auch noch per Video eine Fehleranalyse und Kontrolle der Fortschritte stattfindet, dann ist schon eine Einheit pro Monat ein Gewinn. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich mich davon nicht genervt fühle, sondern es genieße, den Jungs ab und an vor dem eigenen Training zu helfen. Sie zahlen es mit Fröhlichkeit, Motivation, Dankbarkeit und großer Unterstützung bei den eigenen Spielen zurück. Was will man mehr? <br />
 <br />
Diese Notwendigkeit, sich mit dem Torwartspiel auseinanderzusetzen, gilt nicht nur für junge Torhüter, sondern auch für solche im Herbst ihrer Karriere. Sich technisch verbessern zu können und durch optimale Abläufe zum eigenen Schutz beizutragen, ist auch jedem motivierten Keeper jenseits der 30 gegeben. Das muss nicht jeden betreffen, weil die Motivation dafür fehlt. Das ist vollkommen ok. Und viele sind zeitlich gar nicht in der Lage, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Das ändert nichts daran, Spaß am Sport haben zu können. Doch auch hier gilt: Besser ein Mal, als kein Mal. Besser sich für jeden Monat eine technische Baustelle vornehmen, als gar nichts tun. Aktiver Schutz beim Torwartspiel wird durch geringere oder nicht zielstrebige Belastung eher schwächer als stärker!<br />
 <br />
Warum das alles? Es gibt kein höheres Gut als die Gesundheit. Und es gibt Körper, die bei allem Techniktraining und trotz aller Protektionsmöglichkeiten für den Sport nicht gemacht sind. Da ist womöglich Einsicht in das Unausweichliche gefragt, so schwer das auch ist. Wenn mal irgendwo etwas kaputt geht, ist die einzige Option, die Verletzung auszukurieren. Und wenn es wirklich notwendig oder sinnvoll ist, dann sollte der Preis das geringste Argument sein, sich optimal zu schützen. Für die allermeisten von uns ist nicht der nächste gehaltene Ball das wichtigste in unserem Torwartspiel, sondern den Sport so lange wie möglich ausüben zu können. Und das möglichst mit der Gewissheit, irgendwann Kinder, Enkel und Urenkel noch auf den Arm nehmen zu können...<br />
 <br />
Vergesst nicht, dass Protektion schützen und Euch nicht entgegen akuter Verletzungen spielfähig machen soll. Es gibt einen bekannten Spruch von Motorradgangs: "Gott vergibt, die Bruderschaft nicht." Das würde man sinnvollerweise auf den Torwart wie folgt übersetzen: "Der Trainer vergibt, der Körper (manchmal) nie."<br />
 <br />
In diesem Sinne: Bleibt gesund - und vernünftig - und schützt Euch gut und sinnvoll!</blockquote>

]]></content:encoded>
			<dc:creator>nik1904</dc:creator>
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		</item>
		<item>
			<title>Torwarttraining bei Bayer Leverkusen</title>
			<link>https://forum.torwart.de/de/entry.php/219-Torwarttraining-bei-Bayer-Leverkusen</link>
			<pubDate>Thu, 20 Jan 2011 15:03:55 GMT</pubDate>
			<description>Trainingsgelände Bayer Leverkusen, 20. Januar, 10:00 Uhr. Fast hätte ich es vergessen, dass die Beobachtung des Torwarttrainings in Leverkusen dem...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote class="blogcontent restore">Trainingsgelände Bayer Leverkusen, 20. Januar, 10:00 Uhr. Fast hätte ich es vergessen, dass die Beobachtung des Torwarttrainings in Leverkusen dem Kibitz gleich auch ein Wadentraining abverlangt. Der Weg am Stadion vorbei zu den Trainingsplätzen lässt noch hoffen, dass die Torhüter heute im vorderen Bereich gequält werden. Schade, es geht an der üblichen Stelle vor sich. Das bedeutet zunächst eine halbe Umrundung des Platzes, was nicht so schlimm ist. Dummerweise ist die Werbebande an dieser Stelle jedoch derart hoch und das Gelände so ungeeignet, dass die gesamte Szenerie nur auf Zehenspitzen zu sehen ist - und auch dann nur, wenn man auf dem schmalen Stückchen Pflastersteine steht, mit der Nase vor dem Gitter. Obwohl der Autor mit 1,90 m nicht klein gewachsen ist. Immerhin bietet der Zaun genug Platz für das Objektiv und die Stäbe dienen den mit der Kälte ringenden Händen als Stativ. Wobei: Viel aufzunehmen gibt es nicht.<br />
 <br />
Das Training fängt mit lockeren Übungen an, in die Trainer Rüdiger Vollborn sich selbst (für Schüsse) sowie die Torhüter René Adler, Florian Giefer und Tomasz Bobel einbindet. Bälle ganz locker in die Ecke, wobei der Torwart schon etwa einen Meter auf die Seite versetzt steht. Torhüterwechsel, bis alle drei etwa zwei Mal auf jeder Seite dran waren. Dann das Ganze noch mal mit schärferen Schüssen. Es wird intensiver. Gar nicht so sehr, was die Kraftausdauer angeht, sondern vor allem hinsichtlich der Schussgeschwindigkeit. Die nächste Übung besteht darin, dass der Torwart den zentral zehn Meter vor dem Tor stehenden Trainer die Bälle anrollt, drei oder vier schnelle Schritte macht und dann der harte Abschluss auf den Mann oder in die Ecken erfolgt.<br />
 <br />
Die nüchterne Atmosphäre ist geprägt von konzentrierten, schnellen Abläufen und langen Pausen, in denen eher wenig kommuniziert wird. Wie überall sind die Keeper damit beschäftigt, Bälle einzusammeln, sich kurz zu dehnen und bei Bedarf beim Aufbau der nächsten Übung zu helfen. Ob die Analyse später stattfindet oder heute einfach nicht im Mittelpunkt steht, ist nicht zu erkennen. Außer einer kurzen inhaltlichen Unterbrechung, in der die Torhüter sich im Dreieck Bälle zuwerfen, steht ganz klar schnelles Tauchen und Hechten in Verbindung mit Reaktionsübungen im Vordergrund. Vorweg und ohne den anderen beiden zu nahe zu treten: Hierarchie und auch sportliche Leistungsfähigkeit zeigen sich über das gesamte Training in auffälligem Maße. Das Talent eines Florian Giefers ist zu erkennen, dass er noch lange nicht ausgereift ist, allerdings auch.<br />
 <br />
Wie gesagt, es geht um Reaktion und die Holzwände werden vor das Tor getragen. Zwei Torhüter stehen hinter der Linie halbllinks und halbrechts im Tor und schießen den Ball erst locker, dann mit richtig Druck gegen die beiden Wände. Der dritte Mann ist ordentlich gefordert, bei dieser extremen Anforderung an Reflexe und Konzentration auch nur einen Bruchteil der Bälle zu halten, geschweige denn zu kontrollieren. Ab und an ist der Amateur glückselig ob der Feststellung: "Die Jungs haben im Training nicht viel weniger Aussetzer als unsereins."<br />
 <br />
Rene Adler traut seinem Rücken merklich noch nicht alles zu. Als Frage der Hierarchie oder gar Arroganz ist wohl nicht zu verstehen, wenn die Leverkusener Nr. 1 z.B. das nachfolgende Wegtragen der schweren Geräte abbricht und die beiden anderen die Aufgabe erledigen lässt. Ein Mann, der sich der Beobachtung anschließt, äußert sich bei dieser Aktion nicht so positiv über das Wesen von Rene Adler, wie es das publizierte Saubermann-Image vermuten ließe. Was soll`s, jedem seine Meinung und ich frage mich, ob dieser ständige Trainingsbeobachter Adlers Charakter womöglich so wenig beurteilen kann, wie ich selbst. Mir kommt Adler recht kollegial und entspannt vor.<br />
 <br />
Ein "interessantes" Gespräch war es trotzdem. Erste Frage: "Scout?" Antwort: "Nein, nur Eindrücke sammeln für das eigene Training, vielleicht noch einen Beitrag dazu schreiben. Mal sehen." Nächste Frage: "Wen beobachtest Du denn?" Antwort: "Wie ich sagte, ich bin kein Scout. Ich werde in zwei Jahren das Torwarttraining bei meinem Verein übernehmen und will mich dafür, aber auch für mein eigenes Spiel weiterbilden." Der nunmehr die Geselligkeit zu genießen scheinende Nachbar: "Kommt aber selten vor, dass hier jemand zu den Torhütern gucken geht. Ist doch nix zu sehen." Ich: "Das hängt davon ab, was man sehen will." Ich kann mir ein Schmunzeln kaum verkneifen, als der Klassiker-Spruch kommt: "Wat die für das bisschen Knochenverbiegen abkassieren. Da kannste mal von ausgehen, dass das beim Klopp anders zugeht." Die Konzentration gilt danach wieder dem Training. Ich bin ja nicht hier, um Anekdoten über Trainingskibitze zusammenzutragen. Die Kommentare meines Zaunnachbarn muss ich dafür überhören, um nicht ob der Realsatire mein Ziel aus den Augen zu verlieren.<br />
 <br />
Wir trennen uns, als die Torhüter zum Mannschaftstraining bzw. Abschlusstraining gerufen werden. Endlich, die Werbebande ist hier nur einen Meter hoch, der Weg schön breit und das Tor steht auch nur zweieinhalb Meter weg. Zwei Übungen werden gemacht, während ein Teil der Spieler (Ballack, Hyppiä und mehrers andere) ein langes Auslaufen beginnen. Bei der anfänglichen Flankenübung fällt nicht nur auf, wie ungeheuer schnell Fanken und Abschlüsse kommen. Die Torhüter bleiben allesamt extrem oft auf der Linie. Ob das gewollt ist, um eine Fortführung der Reaktionsübungen zu haben? Schwer zu sagen, in jedem Fall ist es auffällig, vor allem wenn der Beobachter den Vergleich mit Manuel Neuer bei ähnlichen Übungen als Maßstab nimmt.<br />
 <br />
Rüdiger Vollborn mag seine Jungs, das merkt man. Er hält sich weiterhin mit Manöverkritik sehr zurück. Höchstens mal ein "Nach vorn abdrücken.", "Hin." oder "Gut." ist zu hören. Dann einigen sich die Keeper auf eine Fünf-&#8364;-Wette, wer in der nachfolgenden Schussübung mehr Tore schluckt. Vollborn zählt die Treffer. Ich erinnere mich, dass ich das schon lange nicht mehr im Training so gehandhabt habe und werde das noch am selbigen Abend mit unserem Keeper der "Zweiten" genauso machen. Der Fokus richtet sich auf ein Wettbewerbsziel, was die Konzentration und den Leistungsdruck über ein bloßes Abwehren der Bälle hinaus wachsen lässt. Die Übung selbst bringt natürlich die Unterschiede zu Tage, um wieviel schneller hier alles zugeht. Die Position hinter dem Tor und der Versuch, meine Reaktion auf die Schüsse im Ansatz zu simulieren, scheinen Rüdiger Vollborn kurz zu amüsieren. Es entsteht eine oberflächliche Kommunikation, indem wir Blickkontakt aufnehmen, wenn ein Torwart auf einen Schuss sehr gut oder sehr schlecht reagiert hat. Schöne Sache. Und der Amateur freut sich wieder: Der Umsatz von Toren nimmt zu, alle sind bald nah an den 20 Gegentreffern. Und auffällig: Adler taucht im 1gegen1 weitaus öfter nach rechts unten als nach links. Da geht der Fuß raus.<br />
 <br />
Zwei Stunden Training sind schnell vergangen. Ich gehe zum Auto zurück. Ich hatte eigentlich geplant, den mühselig freigeräumten folgenden Vormittag beim FC-Training zu verbringen, um Michael Rensing zu beobachten. Doch das ist als "nicht öffentlich" tituliert. So überlege ich, ob ich das Bayer-Training erneut aufsuche, um andere Eindrücke zu sammeln. Der Plan sah vor, sogar noch nach Schalke zu fahren und das mit einem nachmittäglichenberuflichen Termin zu verbinden. Aber der Kunde hat Grippe und 100 km mal eben so, um mir das Neuer-Training zum fünften Mal reinzuziehen, finde ich übertrieben. Also sehe ich wohl nur einen der geplant drei Bundesligatorhüter und der direkte Vergleich muss vertagt werden. Vielleicht mache ich dafür das doppelte "Adler-Watching". Dann hieße es: Trainingsgelände Bayer Leverkusen, 21. Januar, 10:00 Uhr.</blockquote>

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			<dc:creator>nik1904</dc:creator>
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