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Fußball und wie ich ihn zum Teil erlebe... Eindrücke aus dem Fußballleben und von einen Torwarttrainer

Olé, Olé, Olé oder doch Oje, Oje, Oje???

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Die Vorbereitung ist seit zwei Spieltagen vorbei... und was haben wir alles gemacht. Sandgrube, Doppelball, Pendelarbeit....

Im Jugendbereich herrscht Chaos. Zwar hat die Jugend der Blauen Mauer nun endlich einen "Trainer", doch auch dieser bekommt vom "Cheftrainer" die Mannschaftsaufstellung diktiert, und somit spielt die Mannschaft nur um den kurzfristigen Erfolg, nicht aber um langfristige Ziele. Zwar konnte man das erste Spiel überragend gewinnen, doch hier war der Gegner schlicht unterirdisch schlecht.
Jetzt trat man gegen einen Traditionsverein an, vergab vorn die Chancen oder scheiterte an den beiden, nicht unbedingt groß-gewachsenen Torleuten des Gegners, die aber im Gegensatz zu eigenen Mannschaft nicht wegen der Körpergröße, sondern wegen der Leistung im Tor stehen - was deutlich zu sehen war. Anders bei uns, wo der Gegner letztendlich dank eines überragend spielenden Verteidigers kaum vor das tor gelangte, doch die zwei Schüsse auf's Tor waren drinne, weil der Torhüter einer ist, der auch sonst nichts mit Fussball anfangen kann - aber groß und brreit ist er eben.
Blaue Mauer stört es nicht, sie ist derzeit bei der E1, also dem älteren Jahrgang 'verpflichtet' - zwar nur als Nummer 2 - ist aber in der Mannschaft aufgrund seiner Leistung angesehen. So durfte er bei einem durchaus spannenden und erfolgreichen Spiel gegen die E1 eines Traditionsvereins auf der Bank das Spielgeschehen verfolgen. Er konnte verfolgen, wie der Torwart sicher aus der Abwehr heraus agierte. Zweimal wurde er nur geprüft, einmal im 1 gegen 1 und einmal vor dem Strafraum, beide Male sehr souverän.
In der zweiten Hälfte dann der Einbruch. Plötzlich meinten dann die Abwehrspieler, auch vorn ein Tor schießen zu wollen oder zu müssen, und die Gegner hatten, oh Wunder - freie Bahn. Es kam wie es kommen musste. Ein Freistoß, der sich ins lange Kreuzeck senkte leitete den ersten Gegentreffer ein, ein Missverständnis zwischen Torwart und Verteidiger den Anschlusstreffer. Wir legten zwar noch mit dem vierten Treffer einen drauf, doch nach einer erneuten Abwehrschwäche (der Verteidiger trat über den Ball, der Stürmer stolpert glücklich durch!) ist mein Torwart im 1 gegen 12 machtlos, der Stürmer schiebt ein.
Doch am Ende geht es glücklich aus, nachdem mein Torwart in einer Torraumsituation souverän den Ball sehr gut vor dem Gegenspieler abwehrte und damit dessen Kopfball verhindert hat.
Nicht souverän nach Hause gefahren, doch die Schlappe vom Hinspiel ausgewetzt, 3 wichtige Punkte eingefahren - gut so.

Der Sonntag begann hingegen dann mit einer typisch kampfeslustigen Stimmung seitens meines Torwart im Aktiven Bereich.
Nach einem furchtbar schlechten Auftaktspiel im Jahr 2011 wollte man nun ein Zeichen setzen, gegen den Aufsteiger. Man wollte klar machen, was Sache war... Wie immer mahnte ich im Auto schon meinen Torwart, daß ich das Gefühl hätte, viele in der Mannschaft wüßten gar nicht worum es ginge und viele hätten für mein Gefühl nicht den Zug oder den Willen, wirklich Meister zu werden oder aufzusteigen, viele würden es zu locker nehmen. Trotzdem, so mein Torwart, dürfte es heute nichts zu rütteln geben, fest rechnete er mit 3 Punkten.
Der Rasenplatz war leicht holprig, aber bespielbar.
Allerdings hatte der Gegner Schaum vorm Maul und war sehr bissig. Geschickt spielte er mit gefährlichen Bällen in den Rücken unserer Abwehr. Er nötigte meinen Torwart in der ersten Hälfte zu drei 1 gegen 1 Situationen, beide Male allerdings setzte der Stürmer sehr aggressiv nach. Klar, die Hausherren zeigten, daß man hier nichts geschenkt bekam. Wünschenswert wäre gewesen, wenn wir als "Möchtegern-Titel-Anwärter" den gleichen Biss an den Tag gelegt hätten. Doch wir waren, wie so oft, vor dem gegnerischen Tor viel zu harmlos. Wir vergaben die Chancen, die wenigen die wir hatten mit einem sensationellen Gleichmut.
Das war nicht Armut gegen Elend, sondern wir vertraten beides. Armut, weil wir nicht den Schneid hatten, wirklich zielsicher und sauber den Fussball zu spielen, der die Mannschaft oft ausgezeichnet hat - Elend, weil drei Stammspieler ausgefallen waren und die Leute, die es kompensieren sollten, dies mal gar nicht schafften. Weder in der Defensive bekamen wir die Leute in den Griff, noch machten die Flügelspieler den Gegnern aussen das Leben schwer. Wir hatten einfach keinen Zug, kein Tempo. Abspielfehler und mangelhafte Defensivarbeit begünstigten, daß der Gegner immer wieder vor unserem Tor auftauchte, zum Glück nicht immer gefährlich.
Wir erarbeiteten uns, auf dem Zahnfleisch wie es schien, dann ein Tor: Lattentreffer aus 5 Metern, der Abpraller wird letztendlich eingenetzt, doch der Schiedsrichter gibt das Tor nicht - Abseits.
Wir sind geschockt, und im Gegenzug kommt der Gegner zu einer hochkarätigen Chance bei uns, die gerade noch so im 1 gegen 1 geklärt werden kann. Trotzdem: Man sieht deutlich: Dieser Gegner ergibt sich nicht und wir sind so arrogant, daß wir genau dies aber scheinbar erwarten. Ich schäme mich, für diese spür- und sichtbare Erscheinung auf dem Platz. Denn anstelle das wir deren Platz umgraben, heben wir oft die Arme und hadern mit uns selbst, trauern der vergebenen Chance nach - anstelle kehrt zu machen und dem Kerl, der sich den Ball geschnappt hat, nachzusetzen und Feuer zu machen.
Statt dessen lassen wir Konter zu und schauen zu, wir die Defensive die Arbeit machen soll, die vorn vergeigt worden ist.
Kurz nach der Halbzeit bekommen wir einen Strafstoß zugesprochen, und verwandeln glücklich. Doch nun entgleitet das Spiel völlig. Zwar haben wir vor dem Tor nun drei vier 100prozentige, aber sind nicht in der Lage, daß Tor zu machen.
So kommt es wie es kommen muss: Gibt es einen Strafstoß im Spiel, sind weitere meist die Folge.
So leitete mein Torwart dann mit einer typischen Aktion - geboren wohl auch ein wenig aus Frust - denn das endgültige Ende ein. Wieder wird ein Ball durch die Gasse gespielt, wieder ist der Abwehrspieler nicht in der Lage den Gegner zu halten - wieder eine 1 gegen 1 Situation.
Schon im Ansatz sehe ich, daß mein Torwart die Schnauze voll hat. Somit geht er auch in diese Situation, anstelle mit den Händen mit den Füßen. Der Stürmer schießt den Ball ans Aussennetz, doch mein Torwart trifft den Gegenspieler. Da er nicht mit den Händen zum Ball gegangen ist, sondern mit den Füßen, hört man den Schlag gegen den Schienbeinschoner über den ganzen Platz.
Klare Entscheidung: Ball weg, damit keine Chance an den Ball zu kommen und Geghenspieler im Strafraum umgemacht - Strafstoß.
Glück, daß es nur Gelb gibt, andere Schiedsrichter ziehen hier rot und sperren uns diesen sehr, sehr wichtigen Spieler für Wochen. So kommen wir glimpflich davon. Die Platzherren gleichen aus, und toben in unserem Torraum vor Jubel.
Frust macht sich breit und kann kaum mehr hinsehen, denn die Abwehr löst sich auf. Immer wieder dringt der Gegenspieler nun über die linke oder rechte Flügelseite mit gezielten Pässen durch die lückenhafte Abwehrreihe in den Strafraum ein und es kommt wie es kommen muss: Bei der raschen Folge der 1 gegen 1 Situationen die mein Torwart nun zu meistern hat, ist halt auch mal ein Ball drinne, der Gastgeber führt und das völlig verdient mit 2:1. Ein Querschläger als dem Getümmel vor dem Strafraum, der nicht zu klären ist, zeigt wie mangelhaft und inkonsequent unsere Defensive ist.
Denn anstelle das wir den großen Pflug ins Feld geführt hätten, uns den A.sch aufgerissen hätten, machte nach dem 2:1 jeder was er will und die Abwehrspieler waren nun plötzlich mehr deplatziert, als geschickt und die hohe Fehlpassquote und das nicht erfolgte Nachsetzen vieler Spieler führte dann einfach zu den Gegentoren.
Aber 3:1 geht eben der Gegner als Platzherr in Führung, und wir sind Lichtjahre vom Ausgleich oder Sieg entfernt. Ein kühner Lupfer in einer 1 gegen 1 Situation an der rechten Kante des Torraums, gelingt und Tor. Wir wollten Zeichen setzen und finden uns als schlicht ein Haufen arroganter Möchtegerrn-Profis wieder, die eben gerade den Arsch versohlt bekommen.
Das 4:1 kurz vor Schluss, ist wieder ein Strafstoß und markiert nur die Spitze einer Leistung, die alles andere als meisterlich war.
Ich fühle mich schlecht, minderwertig und mangelhaft - viele Spieler sind gefrustet und fertig, doch das reicht nicht. Wir haben den A.sch gewaschen bekommen, aber mit der Drahtbürste. Wir haben gezeigt bekommen, was wir wirklich sind. Wir haben uns aufgrund unserer arroganten Einstellung und unserer nicht genügend kämpferischen Leistung selbst geschlagen, ja wir haben uns förmlich vernichtet.
Ich bin sicher, Dienstag zum Training ist das bei vielen wieder vergessen, es wird also wieder gelacht und auf dem Platz gealbert werden. Wir haben wie ein drittklassiger Boxer gegen den amtierenden Meister die Fresse poliert bekommen, und haben dann den Schneid, drei Tage später unsere geschwollene Fresse in die Kamera zu halten und uns feiern zu lassen. Dies ist widerlich und ich kann andere Vereine verstehen, die diese Arroganz spüren und dann eben uns niedertreten und mit unserer Fresse den 16er umpflügen. Ich kann gut verstehen, daß jemand mit Schaum vorm Maul gegen uns ins Spiel geht... ich hingegen, ich bin beschämt und traurig, sehr traurig.
Es ist das zweite Jahr, wo ich wieder nicht feiern kann und feiern darf... auch wenn mein Torwart eigentlich nicht schlecht und alleinig schuld war, haben wir doch zusammen verloren, haben wir zusammen auch unseren Teil an der Niederlage.
Ich werde also dieses Jahr wieder nicht Meister und ich könnte heulen... Warum haben wir uns geschunden, warum habe ich Ihn oft geprügelt wie einen Gassenköter, warum habe ich Ihn geschunden, als ginge es um die ChampionsLeague?
Alles für die Katz - ich muss meinen Torwart aufrichten, doch wer richtet den TwT wieder auf?

Aktualisiert: 14.03.2011 um 09:54 von Steffen

Kategorien
Torwarttraining , Gedanken

Kommentare

  1. Avatar von penaltykiller
    Klasse Schlusssatz Wenn man selbst schon Keeper trainiert hat dann weiß man was das für ein beschi..... Gefühl ist.