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Fußball und wie ich ihn zum Teil erlebe... Eindrücke aus dem Fußballleben und von einen Torwarttrainer

Und das Karusell dreht sich wieder - wieder einmal...

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Die Semantik mit dem Karussell hat schon echt Potential, weil das Karussell sich noch so schnell drehen kann, es bewegt sich dennoch keinen Milimeter von der Stelle, und letztendlich hat man als darin sitzender zwar das Gefühl, es ginge voran, doch so bald man inne hält, wird einem schmerzlich gewahr, daß sich eigentlich alles nur im Kreis gedreht hat.
Es ist erschreckend und oft ist man als Torwarttrainer jemand... ja, Titel ohne Mittel. Letztendlich würde man oft am liebsten den Leuten alles vor die Füsse schmeißen und brüllen: Wenn Ihr alles besser wisst, dann macht den Scheiß doch allein! Doch man tut es nicht, man bleibt ruhig und frisst den Ärger in sich hinein! Sehr gesund für Herz und Kreislauf und läßt einen umso ruhiger schalfen, weil einen das alles gar nicht beschäftigt. Okay, okay - Sarkasmus hilft auch nicht, Ironie noch weniger... also vielleicht mal von Anfang an.

Es beginnt damit, daß die Blaue Mauer für die Planung der neuen Saison mal wieder gar nicht berücksichtigt wird - die Mannschaft hat Ihn einfach 'vergessen'. Das belastet einen kleinen Fussballer natürlich schon immens, denn letztendlich bekommen Spieler, die jetzt schon für die D-Jugend gesichtet werden sollten, so die Illusion tragende Rollen zu spielen, finden sich aber durch den Einsatz in der Jahrgangsjüngeren Mannschaft an falscher Stelle wieder, weil diese damit für die Sichtung der D-Jugend nicht berücksichtigt werden, und die Blaue Mauer damit ebenfalls für die E1 nicht gesichtet wird. Ein Fehler, den sich einige Eltern und Betreuer, aufgrund dem Willen kurzfristiger Erfolge und gut gemeinter Siege, dem Trainer auflasten, der um es den Leuten Recht zu machen, diese laissez-faire Führungsrolle übernimmt.
Denn im Moment trainiert die Blaue Mauer im jahrgangsälteren Team, weil er dort gefördert und gefordert wurde, und nicht ständig mal diesen mal jenen Trainer über sich ergehen lassen musste, zumal alle diese Trainer dann immer meinen, Torwart-spezifische Trainingstipps gehen zu müssen, die so realitätsfremd sind, daß es weh tut. Auch wenn das Tempo der E1 schneller war, die Leute agiler und wendiger, sind schussstärker und natürlich präziser als in der E2 Jugend. Der Anspruch ist höher, trotzdem ist er im Team dabei, ist anerkannt und gehört irgendwo dazu, hat sich natürlich auch bei einigen Testspielen schon gezeigt und dem Team beweisen, daß man sich auf Ihn verlassen kann.
Doch geht nun die gesamte Mannschaft in die D-Jugend, die Blaue Mauer müßte in die "neue" E1 und hier wird er nicht berücksichtigt, nicht gesichtet und ist eigentlich gar nicht dabei. Eine Missorganisation, zumal jeder Trainer seinen eigenen Stiefel schrubbt und der Vorstand und die Jugendleitung an der Stelle lieber sich Spiele und Spieler von Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt ansehen, anstelle den eigenen Verein voran zu treiben. Zumal in Bezug auf Torwarttraining hier wirklich mangelhaft gearbeitet wird.
Egal, andere Vereine blicken neidisch auf den kleinen Torwart und so tingelt er nun von Probetraining zu Probetraining, wobei er dabei von seinen bisherigen Verein von einem A-Jugend Torwart 'gesichtet' wurde - der schlicht hellauf begeistert ist, weil er im Vergleich einfach talentiert ist und zudem eine saubere und klare Technik besitzt, selbst auf dem großen Fussballtor bringen ihn viele Aktionen nicht in Schwitzen.
So war er dann auch wieder bei der E1 auf der Ersatzbank, als diese am Wochenende gegen Eintracht Frankfurt antreten musste. Kurz, das Spiel endete 0:3, die Eintracht war einfach noch den Tick schneller, abschlussstärker und man merkte einfach die höchst professionelle Betreueung an. Möchte man das auch haben, muss der Verein lernen, anders zu arbeiten - dort stellen nicht die Eltern die Mannschaft, wie in der E2 - wobei wir damit auch beim Thema sind.
Es war ein weitestgehend ausgeglichenes Spiel, wobei wir dreimal Pech hatten und der Ball nicht ins Tor ging, die Eintracht dreimal Glück hatte.
Das erste Tor war toll herausgespielt, der Torwart konnte den Ball noch ablenken, doch der Eintrachtspieler lief auf das lange Eck und schob den abgelenkten Ball ins Tor... doof, doch zu verlangen, daß er denn Ball in aus der Distanz festhält, höchst schwierig...
Das zweite Tor unglücklich: Der Ball geht um eine 2 Mann Mauer herum und wird vom Gegenspieler unhaltbar abgefälscht, er geht förmlich durch den Torwart durch... Sehr unglücklich für meinen Stamm-E1-Tormann, der dank Blauer Mauer im Training auch dort inzwischen mehr Biss zeigt. Denn diese kleine Konkurrenz, die dann doch keine ist, macht einfach das Training spannender... doch zurück zum Thema
Dies ist eine Taktische Sache, die man an der E-Jugend beginnen kann. Denn Mauer stellen, und ohne Abseits spielen ist ein Ding, wo ich als Twt den Kopf schüttele und oft einfach zu unorthodoxen Methoden greifen müsste, damit es passt.
Das allerdings der Trainer der Eintracht die Mannschaft meines Torwart als "asozialen Haufen" bezeichnet und das was auf dem Platz geboten wurde als "das hat mit Fussballspielen nichts zu tun" titulierte zeigt, wie arrogant einige Leute sind, nur weil diese einen Adler auf der Brust tragen.
Das schlimmste sind aber die eigenen Eltern, die Eltern der eigenen Mannschaft. Denn nach dem Spiel wurde dann schon wieder erklärt, daß wenn der Stürmer XY mehr abspielen würde, dann vielleicht doch ein Tor gefallen wäre, aber insbesondere das wenn der Torwart dies so oder so gemacht hätte, die Tore nicht gefallen wären oder noch schlimmer - wenn ein anderer Torwart im Tor gestanden hätte, dann hätte man das Spiel gewonnen. Ich musste schwer an mich halten, es sind immer die gleichen Eltern, deren Kinder sich auf dem Platz Fehler erlauben dürfen und immer nur die anderen schuld sind...Fairness?
So wird nun der Torwart, einer der Leistungsträger der Mannschaft von seinem Vater JETZT abgemeldet und wohl dann doch im Leistungszentrum ein einem anderen großen Frankfurter Verein angemeldet, der seit Jahren darum kämpft, diesen Torwart endlich 'verpflichten' zu können.
Der Trainer hat es nicht geschafft, diese Eltern ruhig zu stellen, dank des Vorstands, der diese Problematik immer klein geredet hat - und der neue Trainer, der die Mannschaft nicht kennt, dem ist nicht schade um einen der 'vier' Torleute der Mannschaft.
Das aber just dieser Torwart beim Hinspiel auf dem Adler Platz eine zweistellige Niederlage verhindert hat, mit einem überragenden Einsatz, daß ist vergessen....

Auch bei meinem Aktiven Verein ist der Wurm drinne. Wir schaffen es einfach nicht, hinten sicher zu sein und genug zu machen, um einen Gegner zu bezwingen. 45 Minuten spielen wir, und der Gegner hat die Chancen. Die Chancen, die wir haben, wir vergeben diese zu leichtfertig.
Erst in der 50. Minuten erlöst der Spielertrainer sein Team mit dem Führungstreffer und nur ein paar Minuten später machen wir dann endlich das 2:0... doch damit stellen wir, wie in der ersten Halbzeit das Fussballspielen ein. Es läuft nichts mehr. Dumme Fouls, hitzige Stimmung, alles passt und wir sind durch die provokante Spielweise und das ebenso provokante Verhalten des Gegners so anfällig und agieren nicht ruhig und besonnen, sondern hektisch und unkoordiniert. Es kommt wie es kommen muss: Ein Schuss auf's Tor, mein Torwart unterschätzt den Ball, kann diesen nicht festhalten und bevor er nachfassen kann ist der Gegenspieler da und schiebt unhaltbar ein. Ein Tw-Fehler, der hart bestraft wird. Es nutzut nichts, das eine Bodenwelle des Platzes den Ball schwer machte, es nutzt nichts, daß alle zugeschaut haben - der Ball, den muss er festhalten. Fakt, Punkt!
Doch das ist ja 2:1, keine Panik, noch sind es drei Punkte und nur 12 Minuten zu spielen. Doch was passiert? Fehler in der Vorwärtsbewegung, wir verlieren den Ball, die Defensive geht unglücklich zum Ball - Freistoß!
Der Schütze läuft an, der Ball geht in die Mauer, mein Torwart verschiebt sofort, doch der Ball wird durch die Mauer die zum Teil sich öffnet entgegen der Laufrichtung abgefälscht, mein Torwart kommt zwar noch mit den Fingerspitzen an den Ball - doch er kann den Ball nur an den Innenpfosten ablenken - Ausgleich!
Nicht mal mehr 8 Minuten haben wir und die Hektik ist nun gigantisch und damit gelingt gar nichts mehr. Wir hatten 45 Minuten Zeit, 45 Minuten der ersten Hälfte haben wir verschenkt. Und wollen nun in 8 Minuten ein Spiel gewinnen, welches wir unter Kontrolle hatten und diese großzügig an den Gast abgegeben haben.
Aufstieg? Wohl eher nicht - ich bin 100%ig überzeugt.
Die Frage, ob ich nächste Saison dort weitermache, ich bin ehrlich - den Stress tue ich mir nicht mehr an. Denn nicht mal 5 Minuten nach dem Spiel überlegt man, warum unser Torwart die Spiele nicht "gewinnen" kann, warum er diesen Fehler machte und sinniert offen darüber, wenn ein anderer vorhanden wäre, ob ein Wechsel nicht besser wäre...
Zeitgleich fragt man dann, was zu machen wäre, warum das so ist und erwartet vom Twt eine Erklärung.... Was soll ich sagen? Das mein Torwart beruflich auch oft eng zu tun hat und jede Menge Stress hat, daß er alles gibt, nur manchmal auch eben Fehler macht? Das aufgrund der Platzproblematik und des Trainings der Wintervorbereitung wir im Vergleich zur Vorsaision einen Rückstand haben, nur nur den Torwart betreffend, sondern offensichtlich auch den Rest der Mannschaft. Mich dünkt seit Wochen des Gefühl, daß die Mannschaft nicht aufsteigen will... und wenn ich dann auch dann oft das kontraproduktive Gesülze des erweiterten Vorstands höre, die mit meinen Torwart "von Torwart zu Torwart" sprechen wollen. Leute, die seit 30 Jahren nicht mehr im Tor gestanden haben und noch mit Bällen gespielt haben, die nur gerade Nähte hatten, deren Ball noch aus Naturstoffen bestand und Kunststoff was mit Raumfahrt zu tun hatte... Wie soll so jemand jetzt meinen Torwart einen Tipp geben wollen, noch warum soll der Torwart jetzt wieder allein die Schuld tragen, nur weil die Mannschaft 45 Minuten verschenkt hat und sich hat von der billigen Provokation des Gegners aus der Ruhe bringen lassen? Man schlägt uns nicht mit Fussball, sondern man bringt uns aus der Ruhe und nutzt dann unsere Fehler! Die älteste Militärtaktik die existiert und es ist billig, wie wir uns in Unruhe versetzen lassen.

Dann kam gestern noch eine Nachricht über Gesichtsbuch rein, wo ich spürte, daß da mehr ist.. aber ich war noch zu sehr beeindruckt vom Spielerlebnis... ich persönlich glaube, daß ich mit jemand über Zukunft und wie es weiter gehen soll, aufgrund der langen, langen Erfahrung die wir beide auf dem Buckel haben, bei einem kühlen Getränk mal sprechen sollte...

Hallo, genau Du, der Du gestern mich angeschreiben hast und das hier nun liest: Wir sehen uns und dann lass uns darüber reden... glaub mir, wir beide, wir rocken jeden Laden, weil wir genug Arroganz dafür haben und wissen, was wir drauf haben! Wir müssen uns nicht verstecken, daher lass uns loslegen.

Ansonsten: Eindruck anderen Toprwarttrainings. Ich bin bei einer Torwartschule eingesprungen, die ein Frühlingscamp ausgerichtet haben. Der erste Eindruck - genial gemacht. Es hat viel Spaß gemacht, danke an Horst und Heinz, und ich bin der Überzeugung:
Warum immer nur für die Endkonsumenten? Wir sind so gut, wir sollten Tw-Trainer mitausbilden und unser Wissen, unsere Erfahrung weiter geben. Horst tut es schon, nur muss das auch nicht alles beim Verband bleiben, sondern auch hier müssen die Vereine auch von sich aus mehr machen... Torwart.de ist auch eine Plattform, daher denke ich, daß ich an Ostern mal wieder ein paar neue Videos machen will, um zumindest mein "Steckenpferd" ein wenig abzurunden.

Aktualisiert: 04.04.2011 um 15:17 von Steffen

Kategorien
Torwarttraining , Fussball , Gedanken

Kommentare

  1. Avatar von Tomfon
    Cooler Blog!
    Fehler passieren und trotzdem wird immer darauf rumgeritten, vor allem beim Torhüter. Ich wünschte manchmal würden hier auch Trainer, Mannschaft und Co. reinschaun, aber ohne Empathie wäre wohl auch das verlorene Müh...