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Tobias 30

leise Gedanken- eine glückliche Liebe und der Appell an mehr Verständnis

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Es ist Freitag Abend, die Arbeitswoche ist vorbei und nun beginnt die eigentliche Freizeit. Ich sitze nun friedlich zu Hause, doch zufrieden bin ich damit nicht. Aber vielleicht sollte man doch zufrieden sein. Doch die Woche war schwer. Sie hat Kraft gekostet und mir auch weh getan, zumindest emotional.

An sich geht es mir doch so weit gut. Ich habe einen guten Job mit einem guten Einkommen, bin glücklich vergeben und doch gesund. Gut, vielleicht sollten noch ein paar Pfunde abtrainiert werden, aber das ist nicht der Grund, warum ich mich eben nicht so gut fühle.

Der Grund bin ich selber, könnte man so sagen. Ich bin einfach nicht zufrieden mit dem was ich habe. Viele sagen jetzt vielleicht, dass ich doch alles notwendige für ein glückliches Leben habe und es daher unverständlich ist, dass ich so selten mit einem Lächeln auftauche. Ich werde als seltsam beschrieben, als dumm bezeichnet, jemand der im Kopf nicht klar ist. Ja, vielleicht haben sie damit alle auch recht. Es wäre egoistisch und falsch, wenn ich nach dem Training oder Spiel nach wenigen Minuten wieder das Gelände verlasse. Warum ich eigentlich selten ein Bier dort trinke, werde ich auch gefragt.

Nun, ich handele nur aus Liebe, aus Liebe zum Sport. Ich bin kein Bundesliga- Keeper, im Verein noch nicht einmal die Nummer 1 und dennoch liebe ich den Fußball mehr als alles andere und auch mehr als mich selbst. Der Fußball prägt mich und mein Leben und ich habe schon so viel erlebt.

Die wirklichen Triumphe kann ich vielleicht sogar an einer Hand abzählen. Denn was sind denn am Ende gewonnene Titel und Pokale wert? Was ist eigentlich ein wahrer Triumph und was ist Erfolg? Nur, was sind denn dann bitteschön Niederlagen?

Für den Fußballer scheint die Frage ganz schnell und ganz leicht beantwortet zu sein. Man hat Erfolg wenn man triumphiert und Siege erringt. Ein verlorenes Spiel bedeutet ein Niederlage. Eigentlich doch eine klare Geschichte, oder?

Nein, es ist alles anders. Zumindest für einen Menschen wie mich. Nein, ich bin nicht der absolut Einzigartige und keineswegs eine Ikone. Vielmehr sehe ich mich selbst als Antiheld, dem totalen Gegenentwurf zu dem, was hier als erfolgreich und mit der Welt im Reinen gilt. Ich nehme die Rolle eines anders Denkenden ein und habe diese Rolle vielleicht auch ein wenig schätzen gelernt. Dennoch, ein Revoluzzer bin ich keineswegs. Höchstens bin ich ein Schauspieler.

Ich gebe den Menschen meist das, was sie von mir sehen wollen. Sie sehen in mir einen Querdenker, einen Menschen, der irgendwie nicht ganz vernünftig im Kopf ist. Oder warum ist denn ein Mensch so blöd und stellt sich gegen die Meinung einer gesamten Mannschaft und verlässt die gemütlichen Runden eher als alle anderen? Plausible Erklärungen kann es doch dafür nie im Leben geben, oder? Warum ist dieser Kerl dahinten im Tor immer in Rage? Warum schreit er? Warm gibt er immer wieder Anweisungen, die für die meisten doch nur Blödsinn sind, weil die Mitspieler doch immer alles im Griff haben?

Die Antwort, ist simpel, doch entbehrt schier alles logischen Denkens: Er macht es, bzw. ich tue dies nur aus Liebe, aus Liebe zu dem Spiel. Denn der Fußball bedeutet für mich Therapie und Freiheit in einem. Du gehst auf dem Platz und kennst deine Aufgabe, doch gibt es unendlich viele Lösungswege, die so vielfältig wie das Leben selbst sind. Du fliegst um den Ball zu erreichen, bist tatsächlich schwerelos und das nicht nur in der Wahrnehmung, dass du tatsächlich ohne Bodenkontakt die durch die Lüfte bewegst. Just in diesem Moment gibt es nur noch die und dein Ziel, das Ziel, den Ball zu erreichen. In diesem Moment ist es total egal, wer du bist. Und in diesem Moment ist es bedeutungslos, wer du bist oder wer du früher warst. Dann will niemand von dir wissen, wie deine Kindheit war, oder wie du dich gerade fühlst. Du musst für diesen kurzen Augenblick nicht über dein Leben nachdenken. Auch deine Krankheit wird endlich bedeutungslos.

Dieses Gefühl ist endlich wieder eines der schon raren positiven Gefühle. Die Freiheit, die du spürst, lässt dich innerlich lächeln. Genau aus diesem Grund mache ich es immer wieder. Ich fliege meiner Krankheit und mir selber davon. In diesem Moment kann ich ich selbst sein , ohne schauspielern zu müssen.

Es ist für einen Menschen mit Depression nicht unbedingt einfach, ein gutes und normales Leben zu führen. Aber dabei ist es für mich unerheblich wie es dazu gekommen ist und dass es überhaupt so ist. Deswegen bin ich doch auch kein minderwertiger Mensch. Auch bin ich deswegen nicht schlechter als andere. In einer Mannschaft will man immer 11 richtige starke Spieler oder Spielerinnen haben. Oft habe ich auch von Fans gehört, dass wir nicht wie Jammerlappen wie Deisler oder Enke über den Platz laufen sollen, denn diese waren schlicht zu schwach, wie es dann oft heißt. Nichts davon ist wahr! Diese Spieler haben immer alles für den Sport und für die Mannschaft getan. Sie haben ihre eigenes Befinden unter das der Mannschaftskameraden geordnet und sie waren depressiv aber dennoch Leistungsträger. Sie waren weder Weicheier noch Jammerlappen oder sonst irgendetwas, denn wir sind alle Menschen, und das ohne wenn und aber. Ich möchte mich nicht hinter der Depression als Krankheit verstecken, denn ich möchte genauso leben wie alle anderen auch und das möchte jeder depressive Mensch. Keiner, egal mit welchen Problemen oder Krankheiten ist ein schlechter Mensch. Letztendlich gelten Menschen mit psychischen Erkrankungen nur als "verrückt", weil die meisten damit nicht umzugehen wissen.

Auch ich habe lange gebraucht um mir meine Krankheit einzugestehen, weil ich damit weder umgehen konnte noch wollte. Doch nun ist es ein Teil von mir und ich gebe mein bestes um ein gutes Leben zu führen, auch wenn ich auch Hilfe dabei in gewisser Hinsicht angewiesen bin. Ich möchte hier kein Mitleid, denn ich bin genauso ein Mensch wie alle anderen auch. Ich möchte nur ein wenig Verständnis dafür, dass wir vielleicht mit sensibleren Augen gesehen möchten, aber dennoch genauso sind wie alle anderen auch, eben nur mit etwas weniger Licht und Freude im eigenen Leben.

Um dieses Leben dennoch genauso führen zu können, benötige ich meine Liebe zum Fußball, da ich hierbei meinen Schmerz ganz kurz vergessen kann. Auch wenn der Fußball viel verlangt, hält er mich gut am Leben.

Man könnte mir alles nehmen außer dem Fußball, denn dann würde man mich meiner Existenzgrundlage berauben. Ich verhalte mich so wie ich mich verhalte, damit ich meine Liebe im Herzen behalten kann und somit mich auch am Leben halten kann, denn die Liebe und der Glaube daran kann Berge versetzen.

Ich möchte damit nur für ein wenig mehr Menschlichkeit werben und hoffe, dass man meine kleinen und leisen Gedanken auch ein wenig nachvollziehen kann. Vielleicht helfen diese Zeilen dem ein oder anderen.
Stichworte: depression, liebe Stichworte bearbeiten
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Kommentare

  1. Avatar von Fabie
    Tobias, ich der vllt ein wenig mehr ueber dich weiss wie der ein oder andere hier, respektiere sich so wie du bist. Ein torwart kollege in allen hin sichten.
    Einer der zu stelle ist wenn man fragen hat einer mit dem
    Man diskutieren kann. Du wirst von mir aufjedem
    Fall als vollwertiger mensch angesehn, allein aus dem
    Grund da wir die gleiche leidenshaft teilen, denn fussball das fliegen das gefuehl spiele zu retten ergebnisse fest zu halten.
    Ich finde es grandios wie du damit umgehst und finde es gut das du denn entshluss wahr genommen hast und hier darueber schreibst.
    Leute ihr seht, wenn ihr probleme habt, redet darueber, denn es gibt immer eine hand voll die euch versteht, vllt kennt man sich nicht persoehnlich aber vllt ist genau dies was einen menschen dazu bringt erlicher zu sein.
    Tobias an dieser stelle moechte ich noch aagen, du kannst mit deinen problem immer zu mir komen ich werde dir
    Meinen rat erteilen ob es hilft oder nicht. Aber reden darueber alle
    Mal!
    Lg dein freund fabie
  2. Avatar von Steffen
    Keine Sorge, Du bist nicht allein.
    Ich kenne genug Leute, die was Du geschrieben hast nicht nur verstehen, sondern auch sofort für sich nachvollziehen können.
    Es ist schwer für andere Menschen dies zu verstehen, begreifen werden Sie es nie.
    Es ist eine tiefe im Herzen wühlende und wogende Dunkelheit, die immer und immer wieder nach allem Licht greift, welches man für sich gewonnen hat. Ja, selbst hell strahlende Momente, sie ersticken oft unter dunkler Decke.
    Der Sommer ist licht und hell - hier geht es noch... doch schon sind die grauen Herbsttage nahe und das Gefühl, alles habe sich gegen einen verschworen. Die Finsternis kriecht in einem herauf, macht das man an sich zweifelt, selbst wenn man Erfolge erringt. Denn oft stellt man fest, daß diese Erfolge nichts wert waren, nicht gewürdigt wurden. Man hatte davon irgendwo nichts... andere haben Erfolg und sonnen sich im Glost des Ruhmes, die anderen kämpfen mit der Dunkelheit und fragen sich: Warum kann ich nicht auch?
    Minderwertigkeitsgefühle sind ständige Begleiter, als auch das Gefühl, nichts richtig zu machen. Angst vor Versagen und Fehlern begleitet oft das Handeln und tun.
    Man bedenke, daß dies alles unterbewußt abläuft. Die angst ist nicht wirklich präsent, als wie man sich vor einer Spinne fürchtet, oder sich vor dem Biss der Schlange gruselt... es ist eher eine Art Hintergrundrauschen, aus dem sich je nach Situation diese und jene dunkle Macht manifestiert und das Herz ergreift.
    Und: Die 'anderen' sie verstehen es einfach nicht, daß man gerade, sei es durch die eine oder andere in deren Augen 'Witzigkeit' plötzlich am Boden zerstört ist...

    Dennoch, es gibt Hilfe. Nein, Abstellen und Abschalten wird man es nie können, aber man kann es erleichtern. Menschen mit diesem Problem neigen zu Perfektion. Ihr Wissendurst ist oft unlöschbar, wie ein Schwamm saugen diese Wissen auf und arbeiten hart und unablässig daran, Dinge zu verstehen und umzusetzen. Leider offenbart sich hier nun die 2. Fallgrube: Da Sie so viel machen möchten, finden Sie selten die Zeit für alles, verbaseln das eine, oder verbummeln das andere... was wieder Konfliktpotential birgt.
    Trotzdem: Sie arbeiten an sich, eigenen sich wo es nur geht Wissen an und hinterfragen auch geschickt vieles.

    Auch tut Ihnen ein lebendiges Umfeld gut, was diese immer und immer wieder abholt und deren Leben mit wunderbaren Momenten überflutet. Die Sucht nach diesen Momente ist sehr hoch und das Problem ist oft, daß sich diese Menschen in der Vergangenheit viele, viele Kontakte kaputt gemacht haben, oder einfach nicht mit den 'Anderen' in Einklang zu bringen waren. Trotz Mitgliedschaft in Vereinen sind diese dann doch oft eher allein und Aussenseiter, anstelle Mittelpunkt oder angesehene "Leistungsträger"...
    Es gibt nur wenige Menschen, die verstehen, wie man sich fühlt und es gerade in einem ist, wenn die Dunkelheit mal wieder nach dem Herzen greift... Es gibt dann einfache Dinge, die einem helfen und die 'Andere' für einen tun können.
    Das sind dann so spontane Überfälle mit einem Korb voll Essen und gutem Wein unter dem Arm... oder schlicht auch eine Verabredung für Sauna oder Kino... Momente, wo man eindeutig spürt, nicht allein zu sein und das Licht der anderen die erdrückende Dunkelheit hilft, wieder zu verbannen.
    Doch diese Menschen werden immer seltener... ich habe das Gefühl, sie fürchten Menschen, die beständig mit dieser Dunkelheit ringen, anstelle zu erkennen, daß deren schlichte Anwesenheit und Verbundenheit die beste Hilfe ist.
  3. Avatar von Icewolf
    Ich find's gut und mutig, dass Du mal Deine Sicht der Dinge beschreibst.
    Zitat Zitat von Stef-Master
    Menschen mit diesem Problem neigen zu Perfektion. Ihr Wissendurst ist oft unlöschbar, wie ein Schwamm saugen diese Wissen auf und arbeiten hart und unablässig daran, Dinge zu verstehen und umzusetzen. Leider offenbart sich hier nun die 2. Fallgrube: Da Sie so viel machen möchten, finden Sie selten die Zeit für alles, verbaseln das eine, oder verbummeln das andere... was wieder Konfliktpotential birgt.
    Trotzdem: Sie arbeiten an sich, eigenen sich wo es nur geht Wissen an und hinterfragen auch geschickt vieles.
    o.O Das ist bei mir auch so...
  4. Avatar von Tobias 30
    Ja, vielleicht wollte ich zumindest hier mal ein kleines Zeichen damit setzen. Gleichzeitig ist es wichtig für mich, wenn es einfach mal raus kann.

    Steffen bringt es eigentlich komplett auf den Punkt, wenn er von der Dunkelheit spricht. Ich spreche in diesem Zusammenhang von dem Dämon in mir. Ich weiß dabei nie so wirklich, ob ich gegen ihn kämpfen sollte oder versuchen lieber mit ihm leben sollte, denn er scheint mir gegenüber einfach viel mächtiger zu sein. Das Groteske daran ist nur, dass er auch die Macht hat, mich in manchen Momenten stärker zu machen, um mich dann im nächsten Moment nahezu komplett zu zerstörten.

    Es sit vielleicht ein wenig abenteuerlich formuliert, aber genauso empfinde ich diese Situation.
  5. Avatar von Steffen
    Nein, nein, Tobias.. .ganz und gar nicht schlecht formuliert. Vortrefflich beschrieben. Ob Du es Dämon oder Monster nennst, es bleibt sich gleich. Es ist die Manifestation der Finsternis in einem selbst. Es ist wie ein Tier... oft liegt es in Ketten und wenn es dann sauer wird und an den Ketten reisst, ja man hat sogar oft Schmerzen. Schlimmer ist, wenn mal eine oder zwei Ketten reißen, daß Tier fast frei kommt und wild um sich beisst... oft ist das Grauen, welches es auslöst und die Schäden die es anrichtet, furchtbar.
    Tobias, mit dem Tier leben muss man, denn es ist ein Teil von Dir. Wir alle aber, wir haben uns entschieden, nicht Tier zu sein, sondern Mensch... also müssen wir akzeptieren, daß wo Licht ist, auch Schatten ist... und bei uns oft dieser Schatten weiter reicht, als das Licht. Also das Tier größer ist, als wir selbst.
    Daher müssen wir lernen, das Tier zu zähmen, es ruhig zu halten und in Tagen der Finsternis auch zu wissen, wie man das Tier gerade dann unter Kontrolle hat.
    Denn ein Kampf mit dem Tier, Tobias, Du wirst Ihn verlieren! Schau, es ist sehr lange her... aber ich weiß: Wenn Du den Kampf aufnimmst und gewinnen willst, wirst Du alles, aber gänzlich alles verlieren - auch das eigene Leben.
    Daher schrieb ich ja, daß es unheimlich wichtig ist, daß andere Menschen lernen zu verstehen. Das sie begreifen, wie dies mit der Finsternis ist und wie grausam oft ein Leben damit sein kann... wie oft man kämpft, um selbst zu sein und zu bleiben - und wie oft es stille Hilferufe gibt, aber keiner diese hört oder sieht.
    Alle glauben immer, es sei alles in Ordnung und es doch wirklich starke Menschen sind, dabei sind wir gerade in diesen Momenten schwach und zerbrechlich. Oft muss man dann nicht viel tun, um uns den Klauen und Zähnen des Tieres schutzlos auszuliefern... Arbeit an sich selbst und mit der Finsternis, Arbeit von Wochen, oft Monaten nach wenigen Minuten vorbei und zu nichte gemacht. Danke möchte man dann voller Zorn schreien und die Bestie auf diese Leute hetzen - doch man muss einfach sagen: Sie tun es aus Unwissenheit. Sie strecken, trotzdem wir ertrinken in der aufsteigenden, brodelnden Finsternis, nicht die Hand nach uns aus, weil Sie es nicht wahrnehmen.
    Ich gebe diesen Menschen keine Schuld mehr... sie können nicht anders, weil wir so erzogen wurden und lernen musste, niemand etwas merken zu lassen...
    Daher Tobias, Du bist nicht allein.
    Meine Hand ist da... denn ich kenne das Tier und die Finsternis... trotz 40 Jahre habe ich nicht gelernt es immer unter Kontrolle zu haben... aber ich verstehe Dich und lasse es Dich wissen: Du bist nicht allein. Niemals. Sie sind um Dich herum, immer.
    Und wir, die wir es wissen, wir wissen auch, warum und wieso es Menschen dann zur Endlösung zieht... sie zerbrechen an sich selbst und geben sich dem Tier hin.

    @Icewolf:
    Nur weil bestimmte Dinge ähnlich sind, musst Du nicht betroffen sein.
    Schau, egal ob Tobias oder ich schreibe, es ist an der Stelle egal, es ist als würde Tobias meine Gedanken schreiben und ich bin sicher, Tobis geht es ebenso... und solange das nicht so ist, kann man davon ausgehen - nein, mich hat es nicht erwischt
    Aber: Diese Finsternis steckt in jedem von uns. Sie ist der Motor für Wut, Zorn, Trauer und Angst... sie ist die Quelle von seelischem Schmerz und Pein. Es ist aber keine Quelle in der Form wie Wasser, es ist eher zäh, dick und heiß wie Lava, welches aus einer Spalte, aus einem Riss tief im Inneren quillt... Mal ist der Riss recht gut geschlossen, dann tritt nur ein wenig heißer Dampf aus, doch dann gibt es Erschütterungen im Leben, der Riss platzt auf und große Eruptionen flüssigem Inneren ergießen sich über einen selbst, die Gedanken und Gefühle... Es sind regelrechte Erdbeben in einem drinne...
    Der Gegenpol sind dann tolle Gefühle und Erlebnisse. Freundschaft, Liebe, Lob, etc... Sie sind wir reines Quellwasser, tief aus einer nicht näher beschreibbaren Quelle.
    Es spudelt klar heraus, mal mehr und mal weniger... bei uns löscht und kühlt es die Lava, verschließt sogar den Riss... doch oft ist der Quell aus kaltem Wasser geringer, zu wenig um die Eruption zu kühlen und zu löschen... dann wird es schlimm...
    Kommst du mit diesen Bildern klar?
    Aktualisiert: 31.08.2011 um 20:27 von Steffen
  6. Avatar von Tobias 30
    Steffen, ich bin dir sehr dankbar für deine Worte, denn dadurch wurde mir bewusst, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich sehr genau mit dem Thema auseinandersetzen. Deine Beschreibung trifft den emotionalen Kern von dem, was ich ausdrücken wollte, exakt.

    Mit deinen Worten hast du mir ein Stück weit die Augen geöffnet. Dafür bin ich dir sehr dankbar.
  7. Avatar von Steffen
    Keine Ursache, Tobias... Vieles hilft, wenn man offen darüber spricht... und vielleicht lernt dadurch jemand verstehen.
  8. Avatar von Tobias 30
    Tatsächlich habe ich durch deine Ausführungen auch etwas über mich gelernt. Durch dich weiß ich, dass ich nicht alleine bin und dass es reelle Hilfe zumindest für die Linderung gibt.

    Vielen Dank, Steffen
  9. Avatar von Steffen
    Tobias, Heilung gibt es nicht... aber die Linderung kann durch andere soweit gehen, daß es einer Heilung gleich käme... nur dazu müßten die anderen verstehen...
  10. Avatar von Tobias 30
    Ich habe auch bewusst nicht von Heilung gesprochen.

    Aber wie meinst du das, dass man für eine sehr gute Linderung die anderen Verstehen sollte?
  11. Avatar von Steffen
    Zitat Zitat von Tobias 30
    Aber wie meinst du das, dass man für eine sehr gute Linderung die anderen Verstehen sollte?
    Andersrum... wenn andere Menschen lernen, depressive Menschen zu verstehen, zu wissen, wie man mit diesen umgehen muss und wie man diesen Menschen helfen kann - dann kommt solch ein Umfeld einer Heilung fast gleich...
    Denn nicht immer bedarf es des Mitgefühls und des Reichens von Händen - um den Mensch gerade mal wieder aus der Finsternis zu ziehen - doch das Umfeld kann lernen, die Zeichen zu erkennen, um entschlossen zuzupacken, wenn es nötig ist.
  12. Avatar von Tobias 30
    Das Umfeld könnte es lernen, sofern dafür die Bereitschaft besteht. Doch oft habe ich das Gefühl, dass andere Menschen sich vor Depressionen fürchten, da sie denken, dass sie dann verrückt sind. Ich selbst habe über ein Jahr gebraucht um für mich anzuerkennen, dass ich nicht "bekloppt" oder verrückt, sondern krank bin. Dieser Weg war lang und tat mindestens genauso weh wie all diese Begleiterscheinungen.

    Ich hoffe, dass durch meine kleine Geschichte ich dem ein oder anderen vielleicht ein wenig die Augen öffnen konnte.
  13. Avatar von Steffen
    Tobias,
    und gerade jetzt, im Herbst. Wo das Wetter uns frieren läßt, der Regen das Gemüt aufweicht und grauer Himmel den Alltag bestimmt... Gerade jetzt ist die Finsternis näher, als viele ahnen...
    Es ist daher die Zeit, daß verstanden wir, daß es nicht bekloppt ist, daher eine helfende Hand, gute Freunde und ein guter Gruppenverband sehr, sehr hilfreich sein können...