Stille,
das mit Seite 86 ist so eine Sache. Schaut man sich das ganze mal genauer an, so geht es dabei nur im die Sechs Sekunden Regel. Sprich, der Torwart bleibt in Ballbesitz, auch wenn er den Ball auf den Boden prellt oder in die Luft wirft. (FIFA Laws of the game 2015/2016 - page 122, Law12)
Als Ballbesitz gilt auch, wenn er den Ball mit einer Hand (!!) auf eine Oberfläche presst, egal ob Boden oder sein Körper.
Wenn der Ball auf der ausgestreckten Hand offen liegt...

So, all diese Dinge sind eigentlich eine Beschreibung der Sechs Sekunden Regel. Nachfolgend kommt dann aber der Satz, daß wenn der Torwart den Ballbesitz mit den Händen erlangt hat, darf er nicht vom Gegenspieler angegriffen werden.

Das ist also ein wenig doof geschildert.
Man hätte die Regel zunächst so erklären sollen, daß man anfangs definiert, was Ballbesitz durch den Torwart ist. Dann hätte die Sechs Sekunden Regel definiert sein müssen und auch die Regel, wann es zu einem indirekten Freistoß kommt.

Wichtig für uns Torleute ist aber dieser Punkt schon mal allgemein, weil: Er zeigt für uns, wann ein Spieler an uns ein Vergehen begeht.
Viele Schiedsrichter und Trainer sind der Meinung, daß der Torwart nur dann im Ballbesitz ist, wenn dieser den Ball am Körper gesichert hat.
Dies ist inkorrekt und die Bestimmungen der FIFA sind absolut zweifelsfrei:

A goalkeeper is considered to be in control of the ball:
  • while the ball is betwen his hands or betwen his hand and any surface (e.g. ground, own body)
  • while holding the ball in his outstreched open hand
  • while in act of bouncing it on the ground or tossing it into the air


When a goalkeeper has gained possetion of the ball with his hands, he cannot be challenged by an opponent.
FIFA Laws of the game 2015/2016, www.fifa.com

Sprich, schon eine Hand am Ball macht einen Torwart zur Ballkontrolle, bzw. Ballbesitz. Dies sollten sich Schiedsrichter mal verinnerlichen. Denn wenn ich den Ball damit auf den Boden drücke, darf kein Spieler, EGAL WO IM 16er diesen Ball berühren. Sprich er darf nicht angegriffen werden.
Das im Jugendfussball oft zu sehende dem Torwart den Ball aus den Händen ins Tor kicken muss daher eigentlich immer mit einem Freistoß geahndet werden, leider wird in vielen Fällen auf Tor entschieden. Dann gern mit der Begründung: Der Torwart hatte keine Ballkontrolle/war nicht in Ballbesitz.
Gleiches dann bei hohen Bällen... wie viele Tw Trainer erziehen den Torleuten zwanghaft das Heranziehen des Balles nach dem Fangen an die Brust an, oder wenn der Ball vor dem Körper gefangen wird, daß dieser zwingend an die Brust gezogen werden muss.
Laut der zitierten Passage aber ist das unnötig, weil allein das Fangen als Ballkontrolle/Ballbesitz gilt, weil der Ball zwischen den Händen ist. Das an den Körper pressen ist daher gar nicht nötig, der Torwart darf hier nicht angegangen werden - fertig.

Das ist nun mal die Crux an dieser Regel, die sich in den Begrifflichkeiten Ballkontrolle und Ballbesitz verstrickt.

die Regel hat ja einen Grund:
Früher schlicht sich der Spieler langsam und heimlich an den Torwart heran und wenn dieser sich denn Ball zum Abschlag aufwarf, spitzelte man diesen weg und machte die Bude... damit dem schon mal die Grundlage entzogen ist, gilt daher das Halten des Balles auf dem ausgestreckten Arm in der offenen Hand ebenso als Ballbesitz/Ballkontrolle, wie damit auch das Hochwerfen in die Luft, denn ich muss mir den Ball ja anwerfen für einen Abschlag.

Nur, ich wünsche mir seit langem eine Umformulierung dieses Abschnitts, damit es klar und deutlich wird, wann der Torwart in Ballbesitz ist, losgelöst auf dem Sechs Sekunden getaumel.