Hier ein Bericht der Kreiszeitung, da sieht es doch schon etwas weniger dramatisch aus.

Tim Wiese - Poker um neuen Vertrag dauert an
Verlängerung eine Frage des Gehalts / "Wir sind noch nicht auf einem Nenner"

Von Arne Flügge

BREMEN (Eig. Ber.) Vier Wochen ist es her, da hatte sich Tim Wiese zuversichtlich über eine schnelle Vertragsverlängerung bei Werder geäußert (wir berichteten). Schon bald werde man alles klarmachen, den neuen Vierjahres-Vertrag in trockene Tücher bringen, hatte der Torhüter damals erklärt. Doch so schnell geht die Sache jetzt wohl doch nicht über die Bühne.

Über die Laufzeit dürfte zwischen den Parteien weiterhin Einigkeit herrschen. Allerdings ist die Kluft zwischen dem neuen Gehaltsangebot der Bremer und der Forderung des Torwarts zu groß. "Das Finanzielle ist noch zu klären. Da sind wir noch nicht auf einem Nenner", bestätigte Wiese gestern. Der Torwart ist aber zuversichtlich, dass es bald zu einer Einigung kommen wird: "Ich denke, wir werden das klären."

Eine Einschätzung, die Werder-Sportchef Klaus Allofs teilt. "Wir haben Tim erklärt, dass wir gerne weiter

Angebote aus

dem Ausland

mit ihm zusammenarbeiten möchten. Auch er hat uns gegenüber gesagt, dass er gern in Bremen bleiben will. Natürlich kann es da zu unterschiedlichen Vorstellungen kommen, wie das bezahlt wird."

Generell ist Werder bereit, angesichts der Leistungen des Torwarts die Bezüge des 25-Jährigen aufzustocken. "Mit unseren Erfolgen ändert sich natürlich auch die Gehaltsstruktur in der Mannschaft", sagte Allofs der "Bild"-Zeitung. Allerdings ist Werder nicht bereit, den Rahmen zu sprengen. "Wie für alle anderen Spieler, gilt auch für Tim: Die Bedingungen müssen vernünftig sein und in das Gehaltsgefüge passen", stellte der Bremer Sportchef gestern klar.

Wo die finanziellen Grenzen abzustecken sind, darüber wird jetzt in den nächsten Gesprächen noch zu verhandeln sein. "Wir wissen, was wir an Tim haben", unterstrich Allofs. Auf der anderen Seite sind für den 50-Jährigen die sportlichen Perspektiven seines Torhüters in Bremen ein nicht ganz unwesentlicher Faktor, dass auch Wiese einlenkt: "Tim weiß auch, was er an Werder hat. Nicht viele Torhüter spielen in der Champions League."

Die größeren Trümpfe in diesem Poker dürften dennoch bei Wiese liegen. Schließlich könnte der Keeper im kommenden Jahr ablösefrei gehen und Werder wäre gezwungen, für teures Geld einen neuen Stammtorhüter zu verpflichten. Daher beginnt Wiese jetzt auch mit dem im Vertragspoker üblichen Säbelrasseln - und behauptet: "Ich habe bereits Angebote aus England und Spanien vorliegen. Mein erster Ansprechpartner ist und bleibt aber Werder."

Schon bald wollen sich Allofs, Wiese und dessen Berater Roger Wittmann zur nächsten Poker-Runde treffen. Zunächst einmal arbeitet der Werder-Torwart aber daran, wieder fit zu werden. Nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel will Wiese heute erstmals wieder auf dem Platz stehen - und kündigte gestern schon mal an: "Bis zum Spiel gegen Hertha bin ich wieder fit." Und vielleicht ist dann ja auch der neue Vertrag besiegelt.
[11.10.2007]