Den Einsatz hätte Weidenfäller sicherlich bekommen, wenn der BVB nicht gerade jegliches Risiko vermeiden möchte. Man hätte es ihm gegönnt! Aber vielleicht arrangiert man für ihn ein Abschiedsspiel gegen einen großen Gegner?

Sepp Maier äußerte sich vor kurzem in Bayern 3 zum Thema "moderne Torhüter". Nach seiner Meinung wäre dieses Gerede um den modernen Torwart vollkommener Quatsch. Er hätte sich damals schon hoch positioniert, um gegnerische Flanken abzulaufen. Das sei dringend nötig gewesen, weil der Franz Beckenbauer immer irgendwo rumgeirrt wäre, statt seine Position zu halten. Als einzigen Unterschied zu ihm damals sieht er, dass es Ter Stegen und vielleicht der ein oder andere heute hinbekommen, den Ball mit rechts und links gut zu verarbeiten, während bei ihm seinerzeit der "Linke" nur zum Bierholen taugte. Als weiterer Diskussionsteilnehmer pflichtete ihm Timo Hillebrand bei, indem er den neumodischen Begriff des "Torspielers" für völlig absurd hält, weil die Aufgabe des Torwarts darin bestehe, Tore zu verhindern und für den Spielaufbau andere zuständig seien. Damit sei für ihn ein klarer Aufgabenschwerpunkt definiert, an dem es nichts zu deuteln gäbe. Dass Torleute auch fussballerische Fähigkeiten benötigen, sei unbestritten. Jedoch dürfe man sie nicht mit denen der Feldspieler vergleichen. Der Torwart sei nun mal ein Spezialist.

Ob bei diesen "Bierdeckel-Bekenntnissen" zur gloreichen Vergangenheit reichlich Wiezenbier getrunken wurde, ließ sich dem Beitrag nicht entnehmen?

Jede Generation hält sich wohl für die Beste und glorifiziert ihre Heldentaten.

Man kann in den Aussagen der Beiden erkennen, dass der Torwart zu ihren Zeiten weniger Verantwortung trug, weshalb man sich letzendlich auf die Beschreibung der Torabwehr von "haltbar/unhaltbar" beschränkte. Präventives Verhalten durch ein differenziertes Stellungsspiel innerhalb der Defensive spielte eine unterrangige Rolle, weil hierfür der Libero zuständig war. Eine Videoanalyse gab es damals noch nicht. So wurde lediglich das zentrale Bild im Moment des Torabschluss betrachtet.

Torwartreflexe und Sprungkraft waren wesentliche Elemente der Trainingsarbeit. Die Torwartaktion endete meist mit der Erfüllung der defensiven Aufgaben. Die Spieleröffnung sollte möglichst weit sein, damit der Gegner bei fehlerhafter Ballannahme nicht gleich eine Torchance bekam.

Weil das "Torwart-Gepöhle" irgendwann auch den "Experten" auf den Senkel ging, wollte man in der Ausbildung lediglich das kurze Anspiel, damit der Nachwuchs von Anfang an lernt, das Spiel unter Gegnerdruck gut aufzubauen. In den letzten Jahren scheint man jedoch zu anderen Einsichten zu gelangen, wonach der Torwart sehr flexibel in der Spieleröffnung kurz, mittel oder lang passen sollte, damit sich der Gegner nicht darauf einstellen kann.

Es soll an dieser Stelle gar nicht erst der Versuch unternommen werden, was abschließend falsch oder richtig ist. Denn jede Epoche behauptet Erkenntnisse mit Ewigkeitscharakter hervor zu bringen. Allerdings werden auch wir uns in 10 Jahren (oder vielleicht schon früher) über unsere heutigen Ansichten herzlich amüsieren können oder aber behaupten, dass sei früher auch schon alles so gewesen?