Naja, ich freue mich zwar, dass Lehmann seine Form gefunden hat, aber meiner Meinung nach wird das "moderne Torwartspiel" von einigen überbewertet.
Im Profibereich sind Trainingsmethoden und taktische Schulung so weit perfektioniert, dass prinzipiell jeder Spieler "alles" lernen könnte. Jedoch wird oftmals vergessen, dass jeder Mensch andere Anlagen und Talente hat. Und absolut jeder Torwart ist theoretisch dazu in der Lage, zu jeder Flanke zu gehen.
Genauso wie jeder Feldspieler prinzipiell beidfüßig schießen könnte. Jedoch sind Spieler letzlich durch ihr Talent limitiert. Ich glaube wenn Kahn in der Lage gewesen wäre, "modern" zu spielen, hätte er es getan. Andereseits wäre Lehmann auch nach 100 Jahren Training nicht so stark auf der Linie wie Kahn oder Buffon. Manche Dinge sind nur bis zu einem bestimmten Grad trainierbar.
Daher sehe ich das "moderne Torwartspiel" weniger als eine zwingende Voraussetzung für Torhüter sondern als EINE Möglichkeit, diese Position zu interpretieren. Man darf ja nicht vergessen, dass auch Linientorhüter exzellent mit Verteidigern harmonieren (siehe Bayern letztes Jahr). Zudem ist doch diese grobe Einteilung in "veraltete Reflexkeeper" und "moderne Keeper" viel zu plakativ.
Ich erinnere mich zu Beispiel, dass Kahn früher sehrwohl versucht hat, Angriffe abzufangen. Vielleicht kennen einige noch die Aktion gegen Bochum, wo er einen Pass 40m vorm Tor abgegrätscht hat wie ein bekloppter![]()
Es war ja 2006 auch so, dass sich viele einig waren, dass es im Prinzip egal ist, ob wir Kahn oder Lehmann spielen lassen. Beide waren auf einem Level, obwohl ihre Stile so unterschiedlich sind.
Von daher sollte man diesen Spielansatz nicht überbewerten, obwohl ich ihn prinzipiell gut finde. Zu sagen, Enke und Adler hätten auf jeden Fall schlechter gespielt, ist schon sehr gewagt.
Lehmanns Spielitelligenz wird hier manchmal so hochgejubelt, dass sein Stil einer Revolution gleichkommen würde. Das finde ich übertrieben.
Trotzdem schön, dass er jetzt gut spielt![]()




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