Hab wieder ne E-mail vom Manu bekommen

Hallo (Name gelöscht),

was mit einem kleinen Loch auf dem Platz in Erkenschwick begann, hat jetzt fast drei Monate gedauert. Ihr könnte euch kaum vorstellen, wie froh ich bin, dass ich am Donnerstag gegen APOEL FC wieder zwischen den Pfosten stehen kann. Die zwölf Wochen nach meinem Mittelfußbruch waren eine harte Zeit.

Und damit meine ich gar nicht die zwei Einheiten pro Tag, die ich absolviert habe. Vielmehr haben mich zwei Dinge gestört: die Machtlosigkeit bei Spielen unserer Mannschaft und die Abhängigkeit von der Orthese.

Mit dieser blöden Schiene konnte ich noch nicht einmal Autofahren. Für jeden kleinen Weg musste ich meine Mutter oder Kollegen bitten, mich zu kutschieren. Das haben die zwar gerne gemacht, aber auf die Dauer war das echt nervig.

Dafür hat mir die Anteilnahme der Fans in der schweren Phase sehr gut getan. Ich habe unglaublich viele Briefe und kleine Geschenke bekommen. Es hat mir sogar ein deutscher Soldat, der zurzeit in Afghanistan stationiert ist, per E-Mail gute Besserung gewünscht. Dafür auch an dieser Stelle vielen Dank.

Bis auf die beiden Auswärtsspiele in Madrid und Nikosia habe ich alle Begegnungen der Mannschaft live verfolgt. Und obwohl man so nah dran ist, merkt man immer wieder, wie wenig Einfluss man nehmen kann. Das hat mich vor allem in Dortmund und Köln beinahe wahnsinnig gemacht.

Ich weiß, ich weiß, man sollte auch dann besser die Ruhe bewahren: Doch das ist einfacher gesagt als getan. Allerdings habe ich in den Momenten erfahren, wie viel Fan noch in mir steckt. Und das war auch nicht schlecht.

Ansonsten sollte ich jetzt zusehen, dass ich schnell mein altes Leistungsniveau wiederfinde und mich dann steigere. Mathias Schober und Ralf Fährmann haben mich in meiner Abwesenheit gut vertreten. Leistungen, die mich ehrlich gesagt nicht überrascht haben. Bei Schobi war aufgrund seiner großen Erfahrung damit zu rechnen, doch auch die guten Vorstellungen von Ralle habe ich ihm ohne Weiteres zugetraut. Er hat schon in der A-Jugend und in der Juniorennationalmannschaft seine Qualitäten unter Beweis gestellt.

Damit bin ich jetzt gefordert. Mir ist bewusst, dass ich nicht automatisch wieder die Nummer eins bin. Um diese Position wieder einnehmen zu können, muss ich Leistung bringen - sowohl im Training als auch am Donnerstag gegen Nikosia.

Die Stimmung in der Torhüter-Gruppe wird dadurch auf keinen Fall leiden. Ralf und ich puschen uns schon seit Jahren. Seine guten Leistungen waren immer Ansporn für mich, nie Belastung. Und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Glück auf!

Manuel Neuer



vom Newslletter