Wie habt ihr Neuer`s Aussagen über die Reaktionen der Mannschaften nach den Beleidigungen von Dietmar Hopp durch die Ultras empfunden?
Für mich waren sie zwar situativ O.K., allerdings fehlte mir eine etwas tiefergehende Ursachen-Analyse. Denn hier ging es nicht mehr um Anfeindungen gegenüber Spielern, Funktionären oder dem DFB, wie es sie früher auch schon gegeben hat. Hier begibt man sich durch das gewählte Symbol des "Fadenkreuzes" als Mordandrohung und der Bezeichnung "Hurensohn" als Beschreibung von minderwertigem Leben auf die politisch rechtsradikale Ebene. Denn so und so ähnlich begründete die Propaganda des Nationalsozialismus ihre Gegner.
Leider wurden nach dem Ende der NS-Diktatur viele Staatsanwälte und Richter mit klarem Täterprofil in die Bundesrepublik übernommen. Sogar aufgrund ihrer Vergangenheit aus der DDR in die Bundesrepublik geflogene Juristen erhielten hier eine Aufgabe an alter Städte. Durfte zunächst 1 unbelasteter Richter 1 Belasteten mitbringen, veränderte sich das Verhältnis rasch in ein 1 : 2, um schließlich ganz aufgehoben zu werden. Denn man brauchte Jeden zur Aufrechterhaltung der Ordnung gegen den komunistischen Feind. So wurden von den Schreibtischtätern der Todesurteile sogar Menschen, die im KZ waren ein zweites mal nur deshalb verurteilt, weil sie eine andere Meinung hatten und sich erneut zum Kommunismus bekannten.
Meinungsfreiheit, sowie die Unantastbarkeit der Würde des Menschen ist auch heute noch für "rechte Richter" kein Maßstab in ihren Urteilen.
Dietmar Hopp hatte das Bedurfnis einen Teil der Schuld, die sein Vater Emil (SA-Truppführer) als Vergangenheitsbewältigung wieder gutzumachen. Er unterstütze ein Flimprojekt zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Er gründete eine gemeinnützige Stiftung, begreift den Klimaschutz als Generationsaufgabe und hat große Freude am Fussball. Dank seiner Idee der modularen Programmierung (die allein die IBM-Verantwortliche nicht verstanden) konnte er mit SAP viele technisch-kaufmännsichen IT-Anwendungen fortschrittlicher gestalten.
Wer sich die TSG Hoffenheim etwas genauer anschaut, der wird feststellen, dass dahinter ein sehr gutes Konzept steckt, welches ganz sicher nicht das Ziel hat, sich allein im Erfolg der 1. Seniorenmannschaft zu sonnen.
Natürlich gehört es zu unserem demokratischen Grundverständnis, dass wir andere Meinungen tollerieren. Allerdings sollte man dabei verstehen, dass die Freiheit dort aufhört, wo sie die Freiheit eines anderen einschränkt. Die Wortwahl gibt leider hierzu Anlaß, dass man nicht nur weit über das Ziel hinaus geschossen ist, sondern sich von eine sportliche auf eine politische Ebene begibt. Weil aber der Fussball allen Menschen Spaß machen darf, sollte er sich wieder auf das besinnen, was wir an ihm lieben! Ich habe fertig!




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