Vom Welttorwart zum Flutschfinger
Beim 1:1 gegen Bremen wirkt Neuer verunsichert. Kann 96 das morgen im Pokal ausnutzen?
VON ANDREAS WILLEKE
HANNOVER. Schalkes Torwart Manuel Neuer greift neuerdings öfter daneben. „Vor drei Wochen war er noch der Welttorwart“, meint 96-Trainer Dieter Hecking, „jetzt ist er der Flutschfinger und merkt, dass es auch einen Fußball-Alltag gibt.“
Beim 1:1 der Schalker gegen Bremen stritten sich die Experten, ob Neuer beim Ausgleich zum 1:1 durch Naldo wieder gepatzt hat (34.). Premiere-Kommentator Marcel Reif kritisierte, Neuer haben beim Freistoß von Dusko Tosic herauskommen müssen. Naldo köpfte aus fünf Metern ein. Der zurzeit verletzte Bayern-Torwart Oliver Kahn nahm Neuer in Schutz.
„Ich kann da nicht rauslaufen, weil der Ball zu flach getreten war“, wehrte sich auch Neuer.
Eine Abwurfpanne gegen Rostock und ein durch die Hände geflutschter Ball in London am Mittwoch gegen Chelsea – in fünf Tagen verschuldete Neuer zwei Tore. Der 21-Jährige behauptet tapfer: „Ich habe die beiden Fehler abgehakt. Ich weiß, dass ich ein guter Torwart bin.“ Da spricht sich jemand selbst laut Mut zu.
Nach anderen Zählungen hat Neuer bereits bis zu fünfmal gepatzt in dieser Saison. „Bild“ ernannte ihn daraufhin zum „Flutschfinger“. Gegen Bremen wirkte er verunsichert. Für 96 heißt das morgen im Pokal: viel schießen und flanken – auch im Interesse des 96-Torwarts. Im direkten Duell mit Robert Enke wäre ein Neuer-Klopps besonders bitter für den Schalker.
Neuer war von vielen Experten als kommender Nationaltorwart gehandelt worden, was eine Missachtung der Leistung von Enke ist. Der 96-Torwart spielt seit Jahren konstant auf hohem Niveau, Neuer steht erst seit einem Jahr im Schalker Tor.
Enkes Leistung wird nicht richtig gewürdigt. „Auch Enke ist ein Guter – leider spielt er in Hannover aber im falschen Klub“, diese Meinung hat Stefan Effenberg in der „Bild am Sonntag“ nicht mal exklusiv.
Nach den Neuer-Fehlern dürfte jedoch unstrittig sein, dass Enke für die EM berufen wird – und nicht sein junger Konkurrent.
Gegen Bremen gelang den Schalkern trotz der Führung durch Carlos Grossmüller (14.) nicht der erhoffte Befreiungsschlag. 1:2 gegen Karlsruhe, 1:1 in Rostock, 0:2 bei Chelsea, 1:1 gegen Bremen – Schalke bleibt seit vier Spielen sieglos. „Wir haben deutlich zu wenig Punkte“, gibt Trainer Mirko Slomka zu.
Es hätte noch einer weniger sein können, wenn Boubacar Sanogo seine Großchancen genutzt hätte. Werder-Manager Klaus Allofs war dennoch zufrieden. „Wichtig war, Schalke auf Abstand zu halten. In unserer Marschtabelle durch die Saison ist dieser Punkt in Ordnung.“
Quelle: Neue Presse, 29.10.2007




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