Wir können es ja mal mit einem Kompromiss versuchen:
Neuer muss in der Situation objektiv betrachtet nicht raus, er ging aber subjektiv davon aus, dass er den Ball bekommen würde. So ganz daneben lag er mit der Einschätzung nicht. Bei Torhütern gibt es nur leider selten Situationen, die gut enden, und bei denen man nur fast die richtige Entscheidung getroffen hatIch habe schon andernorts gesagt, dass meine Auslegung der Regel ganz klar so ist (und so wurde es mir Sonntag auf Nachfrage von unserem Schiri bestätigt), dass der Torwart als zu schützen gilt, wenn er beide Hände am Ball hat. Das war bei Neuer - ohne dass das abschließend zu klären wäre - womöglich der Fall. Gehen wir mal nach "in dubio pro reo": Sprechen wir dann immer noch von einem Fehler? Anders die Situation beim 0:2 in Hannover. Da hat er an der 16er-Grenze aber mal gar nichts zu suchen. Das war un- oder übermotiviert, wie man es bei Neuer noch relativ oft sieht.
Zu Aschekind: Was es soll zu glauben, in höheren Ligen würde man ungefährlicher leben oder früher wäre es gefährlicher gewesen, so dass ältere Torhüter sich wahnsinniger verhalten würden, erschließt sich mir nicht. Im Gegenteil:ich bin auch schon im sehr reifen Torwartalter und das Mitspielen oder die erhöhte Bereitschaft, bei Ecken und Flanken offensiv aus dem Tor zu kommen, bringen mich heute viel häufiger in Situationen, in denen es zum Körperkontakt kommt oder ich ein Risiko eingehen muss. Womöglich beruht die Einschätzung von Aschekind auf dem Umstand, dass auch das Alter und die Erfahrung eine große Rolle spielen, um Situationen richtig einzuschätzen und zu wissen, wie weit man als Torwart bei solchen Gelegenheiten gehen kann. Das sieht dann vielleicht lediglich extrem aggressiv und risikoreich aus. Natürlich hatte ich mit 20 oder selbst 25 noch nicht das Selbstbewusstsein (im eigentlichen Sinn), wie ich bei 1,90 Körpergröße wirke, wenn ich auf einen Feldspieler zufliege. Auch das kann man mit der nötigen Erfahrung sehr erfolgreich einbringen.
Nicht falsch verstehen! Ich bin dennoch kein Freund von so Tarzans wie Weidenfeller und Wiese (nicht umsonst ist auch der Spitzname ihres alten TW-Trainers der gleiche), die auch die Gesundheit des Mit- und Gegenspielers hemmungslos aufs Spiel setzen. Man sollte als Torwart immer so weit wie möglich die Kontrolle über die Situation zum Ziel haben. Doch als Keeper benötigt man das Adrenalin und das bewusste Eingehen von Risiken für sich selbst, um bestimmte Situationen zu klären. Ich sehe die Bereitschaft dazu als eine der Grundvoraussetzungen an, um ein wirklich guter Torwart zu sein.
Im übrigen habe ich die Erfahrung gemacht, dass z.B. gegen Landesliga- oder sogar Verbandsliga-Mannschaften (habe ich leider nur in Pokalspielen gegen gespielt) der Torwart extrem hart rangenommen wird. Bewusstes Unterbauen, bewusstes Dreck in das Gesicht des liegenden Torwarts spritzen, Ellbogenattacken vor Ecken, knallhartes und rücksichtloses Durchziehen, selbst wenn der Torwart den Ball zu 100% vor dem Spieler erwischt... In dieser Häufung habe ich das im Kreisligaalltag noch nicht erlebt.




Ich habe schon andernorts gesagt, dass meine Auslegung der Regel ganz klar so ist (und so wurde es mir Sonntag auf Nachfrage von unserem Schiri bestätigt), dass der Torwart als zu schützen gilt, wenn er beide Hände am Ball hat. Das war bei Neuer - ohne dass das abschließend zu klären wäre - womöglich der Fall. Gehen wir mal nach "in dubio pro reo": Sprechen wir dann immer noch von einem Fehler? Anders die Situation beim 0:2 in Hannover. Da hat er an der 16er-Grenze aber mal gar nichts zu suchen. Das war un- oder übermotiviert, wie man es bei Neuer noch relativ oft sieht.
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