Zu den Szenen 1 und 2 habe ich mich weiter oben geäußert.

1. natürlich geht man nicht ins Dribbling als letzter Mann... Das war nicht gut und ist der fehlerhaften Ballannahme geschuldet.
2. Über die Szene kann man diskutieren. In dem Zeitpunkt, wo er losläuft, kann er nicht unbedingt wissen, wer zuerst am Ball ist, wenn er ankommt. Somit hätte er vielleicht im Nachhinein nicht hingemusst, da es aber klappt, macht er auch nichts kaputt (ausser, dass der lange Ball zum Gegner geht)

Es geht mir zuletzt immer nur um die 3. Szene. Und ich will niemanden persönlich angreifen, aber du hast in deiner Ausführung weiter oben (Aussage: "Es macht für den Torwart bei 0:1 mehr Sinn, sich als Anspielstation anzubieten, als bei 1:1 und Volldruck des Gegners") Tiefenverständnis für die taktischen Komponenten des Spielaufbaus aus der Viererkette vermissen lassen. Das ist kein Vorwurf, auch ich (obwohl ich seit der B-Jugend hinter Viererketten stehe) habe erst seit 2 Jahren das Glück, durch hoch qualifizierte Trainer mehr darüber zu erfahren. Fakt ist: Neuer und der Trainerstab der Nationalmannschaft kennen sich da wesentlich besser aus als wir beiden.
Der springende Punkt ist doch letztendlich, dass die Viererkette in diesen Szenen bestrebt war, den Spielaufbau so weit wie möglich vorm eigenen Tor zu betreiben, um nicht unnötigerweise in Drucksituationen zu geraten. So hält man sich die Möglichkeit offen, nach hinten zurückzuweichen, ohne dass sofort die Grundlinie zusätzlich einengt.
Wenn jetzt aber die Abwehr unter Druck einen Ball auf Neuer spielen muss und der im 16er steht, passiert genau das: Der Gegner kann rausrücken, Neuer unter Druck setzen und das Spiel engmachen, womit man letztendlich vermutlich einen Ballverlust (z.B. ein langer Ball zum Gegner) provozieren will. Schau dir die Szene vor dem Dribbling doch an: Steht Neuer dort im/am eigenen 16er, ist er nicht anspielbar. Der Däne ist bei der Ballannahme schon fast bei Neuer. Hätte dieser weiter hinten gestanden, hätte der Pass einen längeren Weg gehen müssen, was dem Dänen eine bessere Chance gibt, sich das Ding zu erlaufen.
So wie Neuer steht, ist er besser anspielbar.

Dass er die Szene, nachdem er angespielt wurde, suboptimal löst, ist klar wie Kloßbrühe und wurde auch von mir angemerkt. In Summe war dieses Spiel ganz klar sein schwächstes EM-Spiel bisher, da gibt es nichts zu streiten...

Ich finde nur nicht, dass man gewisse Eigenheiten seines Stils immer als schlecht auslegen muss, nur weil man vielleicht lieber einen anderen Torwartstil sehen will. Darum geht es mir. Ich nehme an, dass Neuer deutliche Rüffel von Löw bekommen würde, wenn er sich gegen dessen Wunsch so weit vorn anbietet. Ein mitspielender Torwart wie Neuer kann neue, bisher ungekannte taktische Elemente freisetzen, wie eben dieses. Dort dann von fehlerhaftem Verhalten zu sprechen, nur weil man es nicht gewohnt ist, einen Torwart dort zu sehen, weil man die taktischen Potentiale nicht erkennt, halte ich für unangemessen.

Du kannst zwar gern sagen, dass diese taktische Maßnahme dir nicht gefällt und du den Keeper lieber konservativer sehen möchtest, aber dass musst du Joachim Löw sagen, nicht Manuel Neuer. Schonmal überlegt, dass Neuer genau deswegen (nicht trotzdem) so beliebt bei Trainern und Viererketten ist? Oder hast du z.B. jemanden gesehen, der ihn zurückgedrängt bzw. zurechtgewiesen hat am Sonntag?