Hallo Steffen!
Das war eine äußerst gelungene Argumentationskette, der ich mich zu 95 % anschließe. Insbesondere bei der Feststellung, dass die "Theatralik" der Ehrmann-Schüler vor allem darauf zurückgeht, dass deren Sprungvermögen optimiert ist. Als minimale Einschränkung möchte ich sagen, dass man bei Weidenfeller, Wiese oder Fromlowitz oft das Gefühl hat, dass sie mehr machen, als nötig wäre. Die "Versachlichung" des Torwartspiels, wie es z.B. van der Saar oder Buffon betreiben, wirkt im Endeffekt auf mich souveräner. Denn wenn ich einen Gegner beeindrucken will, dann tue ich das doch am besten, wenn ich es nach dem Motto mache "Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss." und nicht, indem ich zu einem Riesenflug ansetze.
Ich frage mich: Wenn ein Ehrmann in diesem Bereich spitze ist, was ich, wie gesagt, für eine nachvollziehbare Argumentation halte, dann ist doch auffällig, dass sich diese Kompetenz nicht darauf übersetzen lässt, z.B. eine sehr gute Strafraumbeherrschung zu erhalten. Sprungvermögen und körperliche Präsenz sind schließlich auch hier extrem hilfreiche Faktoren. Warum ist es so ungeheuer schwierig, Torhütern schon in der Ausbildung ein profundes "Allgemeinwissen" beizubringen, anstatt sie häufig zu "Fachidioten" zu machen? Wir sind nicht ohne Grund stolz auf unsere Torwarttradition und die Keeper, die wir haben. Dafür aber erscheint mir beinahe schon eher der Umstand verantwortlich, dass aufgrund der Tradition so viele Torhüter werden wollen und damit der "Talentpool" groß genug ist, denn dass die Ausbildung überall auf höchster Ebene das entsprechende Niveau hätte. Zuzüglich zu der Qualität, die wir im Bereich der Torhüter haben, hieße das ja, dass mittels Auswahl und Qualifikation der Torwartrainer noch einmal eine höhere Stufe erreicht werden könnte. Müsste dann ein Verein nicht konsequneterweise hin gehen und wie für die Feldspieler unterschiedliche Trainer einsetzen, die sich beim Torwart um die einzelnen Anforderungen kümmern? Das wären dann z.B. Taktik, Fußballtechnik, Torwarttechnik, Strafraumbeherrschung. Zumindest müsste die Weiterbildung der TW-Trainer forciert werden. Denn man muss sich die Frage stellen, warum ein Kamps als typischer "Linientorwart" eine besondere Kompetenz haben sollte, einem Melka das Einmaleins der Strafraumbeherrschung beizubringen. Es sei denn, er würde sich diesbezüglich außergewöhnlich intensiv damit beschäftigen.
Ist nur ein Versuch der Erklärung und ein Diskussionsansatz.
Zu Chris_k:
Ich habe in den letzten Wochen extrem gute Erfahrungen damit gemacht, was ich hier beschrieben habe.
http://www.torwart.de/forum/showthre...l=1#post921578
Diese Form, aktiv zum Ball zu agieren und dieses so zu trainieren, hat sich bereits sehr positiv auch bei Ecken und Flanken ausgewirkt. Das ist kein neues Kapitel des neuen Testaments, doch es ist sehr förderlich, da sowohl Schusstechnik als auch das Fangen hoher, scharfer Hereingaben, das Timing und die Zuversicht trainiert werden, dem Ball aktv entgegenzugehen. Es könnte sich zumindest dazu eignen, ein fester Bestandteil eines umfassenden Trainings der Strafraumbeherrschung zu sein.




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