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Thema: Übermotivation

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  1. #1
    Internationale Klasse Avatar von strigletti
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    Wer von Übermotivation spricht, muss sich erst mal klar sein was Motivation ist. Motivation ist ein Bündel, das sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt.
    Die erste und wichtigste Teil davon ist unser Motiv, warum wir überhaupt im Tor spielen.
    Der zweite wesentliche Faktor ist unser Ziel. Dieser Teil besitzt eine kurzfristige Komponente und eine langfristige. Der langfristige Aspekt sind unsere sportlichen Ziele im Sinne unserer Karriere und stellen unseren Antrieb dar (was will ich erreichen?), der kurzfristige betrifft unser Handeln in der jeweiligen Situation, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen (also der nächste Ball, den wir halten wollen).
    Der dritte Faktor ist unsere Gefühlslage, dazu gehören gute und schlechte Erinnerungen an den Platz, den Gegner, den Ball, das Wetter (Negativbeispiel: Der Gegner gegen den ihr letztes mal 5:0 verloren habt, spielt jetzt auch noch mit dem Ball den du gar nicht magst,Platz und Wetter sind sowieso sch****e, und der Schiri gab im letzten Spiel vor 4 Wochen zwei unberechtigte Elfmeter gegen euch).
    Als Viertes kommt die persönliche Gefühlslage dazu, die wir zum Sportplatz mitbringen (glücklich, traurig, aufgeweckt, schläfrig, genervt, entspannt usw.)

    Aus all diesen Faktoren setzt sich unsere Motivation für das jeweilige Spiel zusammen. Dabei kann es allerdings zu Störungen kommen. Übermotivation ist nur eine Möglichkeit davon und sie tritt ein, wenn die persönliche Zielsetzung zu hoch liegt, weil es entweder an den sportlichen Voraussetzungen fehlt oder die Gefühlslage nicht zu ihr passt. An dieser Stelle kommt ein entscheidender Punkt hinzu. Wir müssen zwischen Eigenmotivation und Fremdmotivation unterscheiden. Soll heissen, decken sich unsere Zielvorstellungen mit denen die von aussen an uns heran getragen werden. Was erwarte ich von mir und was erwarten andere von mir? Aber auch, wird das was von anderen von mir erwartet wird, wirklich erwartet oder glaube ich das nur? Spätestens jetzt sind wir wieder beim Thema "Perfektion", mit all seinen Problemen angelangt (hab ich an anderer Stelle schon was dazu geschrieben).

    Die Folgen von Übermotivation, sind Konzentrationsprobleme und ein Anstieg des Laktatlevels, der unsere muskuläre Leistungsfähigkeit, drastisch reduzieren kann. Ausserdem kommt es aufgrund des überhöhten Adrenalinspiegels zu einer "Werteverschiebung", was aus einem ruhigen, vernünftigen Spieler oftmals plötzlich einen überagressiven "Brutalo" macht.

    Die Lösung des Problems liegt nahe, wenn man sich die Faktoren, die das Motivationsbündel ergeben, näher ansieht. Es ist unabdingbar, dass Zielsetzung und die persönlichen Leistungsmerkmale zusammenpassen und ich mir im klaren bin, warum ich eigentlich auf dem Platz stehe. Hinzu kommt, dass wir mit unseren Motiven klar kommen, indem wir lernen unseren Focus auf die kurzfristige Zielsetzung zu richten und nicht auf unsere Karriereziele. Alles was für uns im Spiel wichtig ist, ist die nächste Parade und nicht unsere langfristigen Ambitionen. Nur so ist es möglich, mit dem richtigen Mass an Motivation, dem optimalen Aktivierungsniveau, für die notwendigen körperlichen und geistigen Prozesse ins Spiel zu gehen.
    Stell dir vor, du gehst in dich - und keiner ist da

    Wer glaubt es reicht, wenn man bis zum Umfallen kämpft irrt sich...kämpfe darum Aufzustehen!!!

  2. #2
    Internationale Klasse Avatar von dennis d
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    Ich hab heut Übermotivation am eigenen Leib erfahren. Letztes Training vor Stammplatzvergabe. Wir haben ein Großfeld spiel gemacht. Ich hab in der schwächeren Mannschaft gespielt, was ich bevorzugt hab, da ich mich dort besser präsentieren konnte. Am Anfang ging noch alles gut. En paar Paraden gehabt und energisch nachgesetzt. Ich war viel zu gestüm, bin wie en verrückter dem Ball nach und hab außerhalb vom 16er en Schuss mit em Fuß geblockt nach meiner missglückten Faustabwehr. So dann gings los. Mein Mannschaft ist gar nicht mehr in der Abwehr und andauernd kommen Stürmer alleine auf mich zu. Bin zwar bei manchen schüssen aus kurzer Distanz mit den Fingern noch dran, kann aber nicht entscheidend ablenken. Ich merk, wie ich alles besser machen will. Aber irgendwie geht es schief. Ich lasse Bälle abklatchen die ich normal locker fangen kann. Hab dann zwischen durch noch ne Gute Parade, aber dann passiert es peinlichste was einem Torwart passieren kann. Der Ball rutscht unter meinem Körper durch. Meine Stimmung war dann am Ende und jo die Motivation auch^^. Hab aber dann es Glück gehabt, dass ich doch die Zusage bekam und hoff, dass ich durch die Sicherheit im Kopf, auch noch mehr Sicherheit auf dem Platz bekomm.

    Mfg dennis
    Saison 06/07 Aufstieg in die Bezirksliga
    Saison 07/08 Aufstieg in die Bezirksklasse

  3. #3
    Internationale Klasse Avatar von Icewolf
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    Cool

    Ich arbeite momentan auch viel mental.
    Das witzige daran ist, dass ein Torwart sich (eigentlich immer) zu viele Gedanken macht. Ich glaube, die Gilde der Torhüter ist schon recht grüblerisch.
    Wir blockieren uns häufig selbst. In dieser Saison bin ich gerade dabei, das in den Griff zu bekommen. Ich _kann_ Fussball spielen, nicht nur meine Hände benutzen, ich _kann_ diese Flanke sehr weit von meinem Tor entfernt sicher fangen, ich _kann_ diesen sehr hoch geschossenen merkwürdig herabfallenden Ball _sicher_ fangen. (auf der Linie hab ich eh keine Probleme... )
    ICH KANN ES! Nicht "ich will" oder "ich müsste".
    Es muss aber auch behutsam gehen, schmeißt Euch nicht selbst in ein Meer der Emotionen, sondern geht bewusst in das Spiel rein. Das ist aber nur _meine_ Erfahrung.
    Beim Warmmachen denk ich schon manchmal, wie gut sich dieser festgehaltene Ball in meinen Händen anfühlt... Ich bin soo sicher!!!

    [Ende der Torwart-Metaphysik]
    Die Qualität des Breierzeugnisses ist reziprok proportional abhängig von der Quantität der partizipierten Köche.

  4. #4
    Legende Avatar von Bela.B
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    Wie ich aus deinen beiträgen lese, bist du jemand der ununterbrochen Fußball
    lebt.
    ( Verbesser mich, wenn ich falsch lige)

    Du machst dir vorher, zu viele Gedanken ( Das motiviert dich)

    Des du mehr du an ein Spiel denkst, desto motivierter bist du.

    Ich bin öfters übermotiviert, wenn ich nach einer Pause (Verletzung, Winter, Sommerpause)wieder Fußball spiele.

    Lenk dich ab! Mache vor dem spiel was dich ablenkt!

    Les ein Buch (kein Fußballbuch)

    Höhr Musik, die dich ablenkt (Keine Powermusik) am besten Entspannungsmelodien.

  5. #5
    torwart.de-Team Avatar von Schnapper82
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    Übermotivation ist eine gefährliche Sache.
    Mir kommt es so vor, als wolltest du allen und vor allem dir selber Beweisen, was für ein guter Keeper du bist.
    Es gibt zwei verschiedene Arten um sich auf ein Spiel vorzubereiten.
    Ich persönlich bevorzuge es am Tag vorher schon mit der Vorbereitung anzufangen. Du musst zusehen, dass du körperlich und mental am Spieltag fit bist. Das körperliche kann sich ganz schnell auf die mentale Seite auswirken.
    Wenn ich dann am Spieltag aufstehe, frühstücke ich und beginne schon mal langsam meine Muskeln zu erwärmen und zu dehnen. Auf dem Weg zum Spiel höre ich Musik und entspanne. Sobald ich dann aber in der Kabine bin, bin ich konzentriert und nicht mehr ansprechbar. Ich ziehe dann mein Aufwärmprogramm durch und los gehts...

    VErsuche doch einfach mal weniger an deine Leistung, das Spiel und was könnte passieren wenn...zu denken.
    Meiner Meinung nach denkst du zuviel und wer zuviele nachdenkt ist nicht frei im Kopf und kann auch keine überragenden Leistungen bringen, da er sich viel zu viel mit Randerscheinungen beschäftigt.
    Versuche einfach mal abzuschalten und lass deine instinkte bzw wie Steffen es nennt das "es" übernehmen zu lassen.
    In stillem Gedenken an Spideratze und Robert Enke.
    Lasst uns rausgehen und Bälle fangen, Spiele gewinnen und was noch viel wichtiger ist:
    Lasst uns jede Sekunde des Lebens leben und geniessen - nichts ist für immer ! ! !

  6. #6
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    Ja, genau da versuche ich anzusetzen.
    Musik vor dem Spiel, aber komplett andere als sonst. Momentan ganz weit oben auf meiner Playlist sind Mika - Relax (take it easy) und BonJovi - (You want to) make a memory.

    Letztes Spiel lief, wenn man mal vom Ergebnis (0:22) absieht und nur meine Leistung betrachtet, ganz gut - bis auf ein Tor, was ich auf meine Kappe nehme, wo ich einen Ball falsch berechnet habe. Das war in der letzten Minute und ob 0:22 oder 0:21 war da auch relativ egal...

    Vor dem Spiel habe ich mich mit 2 Freunden aus dem Team in der Stadt getroffen. Sind zwar ins Sportgeschäft gegangen, aber vom Spiel war gar keine Rede und ich habe es auch geschafft nicht viel daran zu denken.

    Aber ansonsten denke ich ziemlich viel ans nächste Spiel. Da gibt es 2-3 Tage vor kaum ein anderes Thema in meinem Kopf.

    Das morgige Spiel wurde ziemlich von einem aus unserer Klasse, gegen den wir da spielen werden, angeheizt. Mit ziemlich assozialen Mitteln teilweise. Ich habe mich darüber aber nicht aufgeregt, das Spiel wird in den 90 Minuten entschieden und nicht durch Wortgefechte im Vorraus.

    Morgen früh haben wir dann vor dem Spiel Schulfest, von daher denke ich, dass ich da nicht viel ans Spiel denken muss, zumal meine Freundin auch mal vorbeikommt

    Aber wenn eben kein Schulfest ist und ich mich nicht mit Freunden in der Stadt treffe und ich ein Spiel habe, dann fällt es mir ziemlich schwer mich nicht überzumotivieren.
    Ich denke zuviel, da hat Schnapper82 recht.

    Und aus dem "Tage, an denen man am besten nicht zum Training gegangen wäre"-Thread habe ich mal Steffens Tipp befolgt, mich einfach mal hinzusetzen und allen Gedanken freien Lauf zu lassen. Woran ich zu 90% gedacht habe? An das nächste Spiel...

  7. #7
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    Die Konzentration für ein Spiel beginnt für mich schon immer samstags Abends vor einem Spiel. Ich versuche immer das Beste zu machen, d.h. mich nicht an dem Tag ausgepowert zu haben, früh zu Hause zu sein und früh schlafen gehen (zwischen 23 u. 24Uhr).
    Wenn ich dann sonntags Morgens aufwache geht mein erster Blick zur und ab dann denke ich nur noch an das Spiel, ich stehe total unter Strom. Dieser Strom bleibt oft bis 2-3Std. nach dem Spiel in meinem Körper und auch die Gedanken an einzellene Spielsituationen.
    "Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es gar nicht."
    Oliver Kahn

  8. #8
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    Zitat Zitat von Schnapper82 Beitrag anzeigen
    Übermotivation ist eine gefährliche Sache.
    Mir kommt es so vor, als wolltest du allen und vor allem dir selber Beweisen, was für ein guter Keeper du bist.
    Es gibt zwei verschiedene Arten um sich auf ein Spiel vorzubereiten.
    Ich persönlich bevorzuge es am Tag vorher schon mit der Vorbereitung anzufangen. Du musst zusehen, dass du körperlich und mental am Spieltag fit bist. Das körperliche kann sich ganz schnell auf die mentale Seite auswirken.
    Wenn ich dann am Spieltag aufstehe, frühstücke ich und beginne schon mal langsam meine Muskeln zu erwärmen und zu dehnen. Auf dem Weg zum Spiel höre ich Musik und entspanne. Sobald ich dann aber in der Kabine bin, bin ich konzentriert und nicht mehr ansprechbar. Ich ziehe dann mein Aufwärmprogramm durch und los gehts...

    VErsuche doch einfach mal weniger an deine Leistung, das Spiel und was könnte passieren wenn...zu denken.
    Meiner Meinung nach denkst du zuviel und wer zuviele nachdenkt ist nicht frei im Kopf und kann auch keine überragenden Leistungen bringen, da er sich viel zu viel mit Randerscheinungen beschäftigt.
    Versuche einfach mal abzuschalten und lass deine instinkte bzw wie Steffen es nennt das "es" übernehmen zu lassen.
    Ich glaube, Schnapper, du hast mir gerade aus der Seele gesprochen
    Das ist das Gefühl, was mich immer zu grottenschlechten Leistungen verleitet. Das Ich-werde-es-allen-zeigen-Gefühl ist das trügerischste was du haben kannst, denn es spornt dich an, so dass du die ganze Zeit denkst du bist bereit, aber weil du zu viel denkst, dass du bereit bist- bist du es letztendlich doch nicht.

    Stetti, ich habe dieses Problem auch immer. Ich motiviere mich mit Liedern wie "Pushing me away" von Linkin Park, "Time for dreams" von Schiller oder "If today was your last day" von Nickelback. Nach diesen Liedern bin ich so dermaßen motiviert, dass eigentlich meine Haarspritzen wie elektisiert von meinem Kopf abstehen müssten. Und letztes Wochenende hatte ich bis jetzt das wichtigste Spiel meiner, ich nenns mal, sportlichen Laufbahn. Da hab ich mir Steffens Ratschläge (siehe Thread "Mentales Training: ES hilft!") zu Herzen genommen und es hat geklappt. Das Amten hat mich ruhiger werden lassen, dass ich zwar auf dieser typischen Adrenalinwelle während des Spiels geschwommen bin, aber eben konzentriert & kontrolliert.
    Ich denke auch was Sina sagt ist wichtig. Mach dir keinen Druck (auch wenns verdammt schwer ist), denn was kommt, das kommt und niemand ist unfehlbar. Ich hab das auch noch nicht gelernt, aber du musst dir glaube ich nicht nur deine Glanzparaden den Tag vorher in den Kopf rufen sondern auch Situationen, wie es ausgehen könnte, wenn es eher suboptimal laufen würde. So schaffst du ein Gleichgewicht.
    Das Einzige was dir letztendlich helfen kann bist du selbst, da brauchen wir uns alle nichts vormachen, aber es gibt ja auch ein paar Psychologen (ich berufe mich jetzt mal auf das Buch "Projekt Gold" von Heiner Brand & Jörg Löhr) die davon felsenfest überzeugt sind, dass positive Gedanken, die du dir immer wieder durch den Kopf gehen lässt ("Ich kann das." etc.) dich positiv beeinflussen. Der Rest ist dein Ding.
    Und: Ich bin auch noch vieeeeel zu unkonstant in solchen DIngen
    "Bangerang"

    Krieger des Lichts
    06.11.09 † 10.11.09

  9. #9
    torwart.de-Team
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    Avatar von Stetti
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    Zitat Zitat von Believer Beitrag anzeigen
    Stetti, ich habe dieses Problem auch immer.
    Ich habe es mittlerweile abgestellt.

    Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe, aber es geht super momentan. Ich freue mich auf jedes Spiel, jedes Training, über jede Minute, die ich auf Asche oder Kunstrasen oder Rasen im Tor stehen darf

    Und das macht momentan einfach riesigen Spaß. Motivation ist da, aber nicht mehr als nötig. Es läuft einfach und genauso soll es sein!

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