Wer von Übermotivation spricht, muss sich erst mal klar sein was Motivation ist. Motivation ist ein Bündel, das sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt.
Die erste und wichtigste Teil davon ist unser Motiv, warum wir überhaupt im Tor spielen.
Der zweite wesentliche Faktor ist unser Ziel. Dieser Teil besitzt eine kurzfristige Komponente und eine langfristige. Der langfristige Aspekt sind unsere sportlichen Ziele im Sinne unserer Karriere und stellen unseren Antrieb dar (was will ich erreichen?), der kurzfristige betrifft unser Handeln in der jeweiligen Situation, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen (also der nächste Ball, den wir halten wollen).
Der dritte Faktor ist unsere Gefühlslage, dazu gehören gute und schlechte Erinnerungen an den Platz, den Gegner, den Ball, das Wetter (Negativbeispiel: Der Gegner gegen den ihr letztes mal 5:0 verloren habt, spielt jetzt auch noch mit dem Ball den du gar nicht magst,Platz und Wetter sind sowieso sch****e, und der Schiri gab im letzten Spiel vor 4 Wochen zwei unberechtigte Elfmeter gegen euch).
Als Viertes kommt die persönliche Gefühlslage dazu, die wir zum Sportplatz mitbringen (glücklich, traurig, aufgeweckt, schläfrig, genervt, entspannt usw.)
Aus all diesen Faktoren setzt sich unsere Motivation für das jeweilige Spiel zusammen. Dabei kann es allerdings zu Störungen kommen. Übermotivation ist nur eine Möglichkeit davon und sie tritt ein, wenn die persönliche Zielsetzung zu hoch liegt, weil es entweder an den sportlichen Voraussetzungen fehlt oder die Gefühlslage nicht zu ihr passt. An dieser Stelle kommt ein entscheidender Punkt hinzu. Wir müssen zwischen Eigenmotivation und Fremdmotivation unterscheiden. Soll heissen, decken sich unsere Zielvorstellungen mit denen die von aussen an uns heran getragen werden. Was erwarte ich von mir und was erwarten andere von mir? Aber auch, wird das was von anderen von mir erwartet wird, wirklich erwartet oder glaube ich das nur? Spätestens jetzt sind wir wieder beim Thema "Perfektion", mit all seinen Problemen angelangt (hab ich an anderer Stelle schon was dazu geschrieben).
Die Folgen von Übermotivation, sind Konzentrationsprobleme und ein Anstieg des Laktatlevels, der unsere muskuläre Leistungsfähigkeit, drastisch reduzieren kann. Ausserdem kommt es aufgrund des überhöhten Adrenalinspiegels zu einer "Werteverschiebung", was aus einem ruhigen, vernünftigen Spieler oftmals plötzlich einen überagressiven "Brutalo" macht.
Die Lösung des Problems liegt nahe, wenn man sich die Faktoren, die das Motivationsbündel ergeben, näher ansieht. Es ist unabdingbar, dass Zielsetzung und die persönlichen Leistungsmerkmale zusammenpassen und ich mir im klaren bin, warum ich eigentlich auf dem Platz stehe. Hinzu kommt, dass wir mit unseren Motiven klar kommen, indem wir lernen unseren Focus auf die kurzfristige Zielsetzung zu richten und nicht auf unsere Karriereziele. Alles was für uns im Spiel wichtig ist, ist die nächste Parade und nicht unsere langfristigen Ambitionen. Nur so ist es möglich, mit dem richtigen Mass an Motivation, dem optimalen Aktivierungsniveau, für die notwendigen körperlichen und geistigen Prozesse ins Spiel zu gehen.




Zitieren
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In stillem Gedenken an Spideratze und Robert Enke.

