Gerry
Die beiden namenlosen Protagonisten, gespielt von Matt Damon und Casey Affleck, fahren mit dem Auto über einen Highway quer durch eine Wüste. Entspannt verlassen sie das Gefährt um ein kurzes Stück zu wandern. Doch in der gleichförmigen Landschaft verirren sie sich und müssen nun folglich einen Ausweg finden, der für die Zwei zu einem quälenden Akt wird.
Das 2002 erschienende Werk war Gast bei etlichen Filmfestivals, u. a. beim renommierten Sundance Festival, wo es mehrere Preise absahnte. Trotzdem spaltete der Film die Gemüter, nicht umsonst verließen mehrere Zuschauer noch während des Films die Vorstellung. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Gerry hat keine Erzählstruktur im herkömmlichen Sinne. Es existiert kein wirkliches Drehbuch, nur die Ideen wurden von Regisseur Gus Van und den beiden Hauptdarstellern niedergeschrieben. Fast die gesamte Spielzeit über werden lange, hypnotisierende Einstellungen der atemberaubenden Wüstenlandschaft gezeigt. Die Dialoge der Hauptcharaktere sind zu meist äußerst skurril, ja fast schon absurd. Sie haben eine gewisse Geheimsprache, in dem das Wort „Gerry“ eine zentrale Rolle spielt, was für den Zuschauer im ersten Moment schwer zu begreifen ist.
Wenn man sich an das Gesehene ein Stück weit gewöhnt hat, fängt man an das Gebilde besser fassen zu können. Man versteht, was Gus Van Sant mit seinen phänomenalen Aufnahmen im innersten Bewirken will. Gerry distanziert sich von gegenwärtigen Filmen, weg vom Theatercharakter, hin zur einfachen Kunst. Es ist so, als würde man sich über 98 Minuten ein Gemälde ansehen, seine eigenen Imaginationen auf das Ganze projizieren und sich selbst auf eine Reise durch die Fantasie schicken.
Die beeindruckendste Szene spielt sich so ziemlich am Schluss ab. Damon und Affleck schleichen schwer gezeichnet etwas 20 Meter voneinander entfernt durch die Wüste. Ganze 7 Minuten wird diese Einstellung festgehalten und im Zeitraffer geht vor ihnen die Sonne auf. An dieser Stelle wird jeder für sich entscheiden können, ob diese Art von Kunst das richtige für einen ist oder eben nicht.
Gus Van Sants Auftakt zu seiner Todestrilogie, die mit Elephant (http://www.torwart.de/forum/showpost...postcount=1176) weiterging und in Last Days gipfelte, ist ein Film der zu seinen eigenen Ursprüngen zurück findet. Selten wurde eine Idee so konsequent in die Tat umgesetzt. Stinklangweilig für die einen, spektakulär für die anderen.
9/10




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