The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford (USA, 2007)

Jesse James ist der legendäre Anführer einer Räuberbande in den USA ende des 19.Jahrhunderts. Zusammen mit seinem Bruder, sie sind die beiden letzten verliebenden ihrer Familie die nicht tot oder hinter Gittern sind, plant er einen weiteren Raubüberfall und schließt sich deshalb mit ein paar Kleinganoven zusammen, darunter auch die beiden Ford-Brüder Charley und Bob (Sam Rockwell und Casey Affleck). Letzterer ist ein begeisterter Fan des mysteriösen Jesse James, er weiß alles über ihn und besitzt sämtliche Schundbücher über dessen Abenteuer. Mit der Zeit lernt er sein Idol besser kennen und erhält eines Tages eine Chance die er nicht ungenutzt lassen darf…

Mit Bezug auf das DVD-Cover, gaukelt man dem Zuschauer einen gewöhnlichen Spät-Western mit allerlei Schießereien und pathetischen Heldenzügen vor, was zum Glück nicht der Fall ist. Der Film hält sich möglichst genau an historischen Fakten und hat auch einen Off-Sprecher im Repertoire, um das 160-minütige Konstrukt zumindest halbwegs mit Informationen zu untermauern. Viele Szenen in denen der Sprecher einsetzt sind Milchglasförmig gefilmt und geben so ein verschwommenes Bild wieder. Dies hat einen sehr artifiziellen und traumwandlerischen Touch, unterstützt von einer sanften Komposition von Nick Cave (Ja, DER Nick Cave) und Warren Ellis, die sich im Laufe des Films zu einem dramatisch-schönen Klangfest entwickelt.

Die atemberaubend gefilmte Umwelt passt sich wunderbar an die hoch intensiven Darbietungen der Schauspieler an, man kann ohne weiteres von einem herausragenden Ensemble sprechen. Brad Pitt, der die Titelfigur interpretiert, gelingt es spielend leicht die Höflichkeit und gleichzeitige depressive Ader der Legende Jesse James zu zeigen, was dem Charakter eine arg schizophrene Linie verpasst. Noch besser ist der Oscar-Nominierte Casey Affleck, dem man das neidische, verlogene, manchmal kindliche und trotzdem eiskalte zu jeder Zeit ab nimmt. Das psychologische Duell mit Pitt ist ganz große Schauspielkunst und sollte Nachwuchsdarstellern als Anschauungsunterricht dienen. Parallel dazu spielt auch Sam Rockwell wieder einmal groß auf. Ein Mann der mehr Beachtung verdient hat.

Die zunächst etwas abschreckende Spieldauer geht überraschend flott vorbei, obwohl inhaltlich jetzt nicht so wahnsinnig viel passiert, dafür die einzelnen Momente durch ihr detailverliebtes Äußeres und sonstiger Brillanz den dramaturgischen Bogen spielend leicht überqueren. Die gelegentlichen Zeitsprünge sind darüber hinaus stimmig und gut dosiert, wobei hin und wieder durchscheint, dass Andrew Dominik gezielt unorthodoxe Wege bestreiten möchte um sich von anderen Filmen abzuheben. Auf der anderen Seite muss man ihn loben für die schleichend aufkeimende Spannung, die sich zum Ende hin beinahe zu einem Drahtseilakt ausbreitet, welchen er aber hervorragend meistert.

The Assassination of Jesse James – ein in kühlen, bestechenden Bildern gehaltener Anti-Western mit perfekt aufgelegten Mimen und einem subtilen Spannungshammer. Das filmische Begräbnis einer Legende. Großartig!

8/10