Zitat Zitat von Stetti Beitrag anzeigen
Naja, genausowenig wie man Bayern zu schnell in eine Krise reden sollte, sollte man jetzt auch nicht wieder alles zu sehr loben. Dass das Spiel gegen den FC Schalke deutlich besser war, als das gegen den FC Basel, ist klar. Ich weiß nicht, ob ich es nicht sogar besser finden würde, wenn der FC Bayern in dieser Saison ohne Titel bleibt. Dann würde man vielleicht mal merken, warum es so läuft und warum Dortmund zweimal in Folge Meister wird. Dort verfolgt man einen Plan, dort passen die Spieler ins System. Beim FC Bayern wird teilweise wahllos eingekauft. Shaqiri ist mal ein guter Transfer, der ins System passt, aber es gibt in der Defensive immer noch eine große Baustelle und auch im Mittelfeld fehlt mal ein dynamischer, kreativer Mann, der auch mal Akzente setzen kann, wenn Schweinsteiger fehlt. Gustavo und Tymoshchuk sind eigentlich beides reine Balleroberer, Alaba braucht noch Zeit. Kroos ist ein sehr guter Spieler, aber nicht der Spielertyp, den man im defensiven Mittelfeld braucht. Wenn Schweinsteiger weg ist, wird der Ball einfach häufig auf den Flügel gespielt und Ribery und Robben sollen dann schauen, was sie damit machen. Auch in der Abwehr muss man nachlegen. Was Rafinha in dieser Saison zeigt, ist ziemlich schwach und auch Lahm sollte man ab und an mal eine Pause gönnen. Der ist in meinen Augen ziemlich überspielt.
Ich frage mal provokant: Welches System? Für mich ist das "System" Bayern derzeit einzig und allein vom Funktionieren der beiden offensiven Außen abhängig. Läuft da nichts wegen Verletzung, Trainingsrückstand oder gutem Defensivspiel des Gegners, bekommt Bayern regelmäßig Probleme, die man mit diesem Kader nie haben dürfte. Also muss man sich fragen, ob ein System, welches nicht zu 100 %, wohl aber zu 95 % unabhängig von Ribery und Robben macht, nicht dringend Not tut, ja, sogar noch mehr Not tut, als einen der beiden im Kader zu haben. Deshalb ist Dortmund doch so stark, deshalb können Vereine wie Gladbach trotz nominell schlechterer Kader zumindest in einer Saison mal mindestens auf Auegnhöhe mit Bayern agieren - auch im direkten Vergleich. System und knallhartes Durchziehen desselben wiegen die individuelle Qualität auf. Kommt beides zusammen, reden wir von etwas wie dem FC Barcelona. Hätte Schalke gestern trotz geringerer Qualität die Überzeugung an den Tag gelegt, die den BvB ausmacht, wäre das ein unangenehmer Nachmittag für Bayern geworden. Bei aller Anerkennung der Leistung gestern muss man festhalten, dass ausreichend Lücken da waren, aus denen Schalke viel mehr hätte machen müssen. Bis auf weiteres sehe ich deshalb noch keinen Neustart für die Bayern, sondern lediglich einen Sieg gegen einen Gegner, der geradezu als Opfer lamm fungierte und so viel Selbstvertrauen wie ein Abstiegskandidat an den Tag legte. Es fehlte nicht viel und das Spiel hätte dennoch anders laufen können: Klarer Elfer für Schalke nach Ellbogenstoß von Ribery gegen Huntelaar und klares Foul vor dem 1:0, als Gustavo nur in den Mann geht und die Auslegung des angelegten Arms mit so einem Bodycheck ad absurdum geführt wurde. Das heißt nicht, dass Bayern nicht auch sonst gewonnen hätte, aber es zeigt, dass das Ding gestern trotz der grandiosen Leistung einiger Spieler immer noch Potenzial genug hatte, vollkommen in die Hose zu gehen - samt Verlust aller Meisterschaftschancen.