Interview mit Stefan Kuntz . Super Fragen und sehr gute antworten ... . Zum Glück haben wir einen Stefan Kuntz ! So ein gutes Interview gab es sehr sehr lange nicht mehr bei uns .

Stefan Kuntz im Interview
Seit dem Meisterstück von Otto Rehagel wurde keine Person mehr mit so hohen Erwartungen und Vertrauensvorschuss auf dem Betzenberg begrüßt wie Stefan Kuntz. Der Meister von 1991 soll nun richten, was viele Jahre zerstört wurde.
Herr Kuntz, Resumee der ersten Wochen: Haben Sie es sich so vorgestellt? Oder gibt es noch Überraschungen, von denen Sie im Vorfeld noch nichts wussten?
Ich war durch die Herren Bauckhage, Landry und Ohlinger auf jeden Fall sehr gut und umfassend informiert. Überrascht hat mich aber, in welcher Fülle man hier Dinge verbessern kann.
Dass man vieles verbessern kann, ist ja eigentlich positiv?
(Lächelt) Kommt darauf an, wie man es sieht...
Wenn man so viele Baustellen hat, ist sicherlich der Arbeitstag auch lang?
12 Stunden plus die Spiel-Wochenenden sind Standard, das gilt für viele hier. Das ist aber ganz normal in dieser Situation.
Thema Stadionmiete: Der FCK zahlt seit Februar keine Miete mehr, steht es so schlecht um die Finanzen?
Ohne den Mieterlass wäre der Verein insolvent gewesen.
Herr Göbel hatte für die Jahreshauptversammlung ein voraussichtliches Defizit zum Saisonende errechnet. Sollte dieses Defizit nicht durch Lotto und DVAG geschlossen werden? Oder war es schon im Februar noch schlimmer als Anfang Dezember prognostiziert?
Die Sponsoren haben das Versprochene geleistet, aber das Loch ist mittlerweile leider noch größer.
Fehlt das vorgeleistete Geld nicht in der nächsten Saison?
Darüber gibt es weitere Gespräche mit den Sponsoren.
Warum wurde in der Stadtratssitzung noch nicht über Liga 3 diskutiert?
Wäre eine Entscheidung des Stadtrates darüber nicht wichtig gewesen für die Lizenz der dritten Liga? Wie schnell muss der Stadtrat im Abstiegsfall entschieden haben?

Wir können ja nicht bei der Lizenzvergabe eine Zahl eintragen, die noch ungewiss ist. Die Lizenzen für Liga 2 und 3 sind unabhängig von Verhandlungen mit der Stadt, man kann ja nur Zahlen eintragen, die Hand und Fuß haben und nicht Spekulationen. Für die nächste Saison muss man mit der Stadt im Mai reden, je nachdem, welche Situation wir bis dorthin haben.

Bestandteil der Vereinbarung mit dem Stadtrat ist ein Besserungsschein, der bedeutet, dass der Verein Gelder zurückzahlt, wenn es ihm mal wieder besser gehen sollte. Wie definiert man einen Besserungsschein, wenn der Verein doch - sollte er noch mal zu Geld kommen - unbedingt Geld in die Mannschaft stecken muss, sonst wird es nichts mit dem sportlichen Erfolg, der für finanziellen Erfolg unabdingbar ist?
Ein Besserungsschein erscheint in einer Bilanz nicht als negativer Wert. Das ist in der derzeitigen Situation zunächst einmal wichtig. Natürlich muss man in die Mannschaft investieren. Sollten wir zukünftig wieder in Gewinnzonen kommen, gehen wir in den Dialog mit der Stadt und finden gemeinsam eine Lösung.
D.h. der Besserungsschein verhindert nicht jedes positive Wachstum, weil Geld sofort wieder abgezogen wird?
Nein, wir haben mit der Stadt ein neues Vertrauensverhältnis, in dem wir einen gemeinsamen Weg finden werden.
Teil der Vereinbarung ist laut Rheinpfalz auch, dass Vermögenswerte, genauer gesagt Grundstücke, aus der Stadiongesellschaft in Stadtbesitz übergehen?
Das sind interne Vereinbarungen, die ich nicht kommentiere.
Sponsorengelder für die nächste Saison sind im Vorschuss für diese Saison gezahlt worden und fehlen für die kommende Saison, dazu soll es Kredite von Herrn Buchholz geben, die auch irgendwann zurückgezahlt werden müssen und auch vom nicht genannten Sponsor, der im Winter Geld gab, wurde gesagt, dass er noch entscheide, ob es zurückgezahlt werden müsse. Und nun wird auch die Stadionmiete nur für diese Saison gemindert. Sind die Hypotheken wirklich so hoch?
Auch das sind Internas, die wir nicht mehr in der Presse kommentieren, da war man in der Vergangenheit vielleicht anderes gewöhnt, aber jetzt sind wir diskreter.
Ist es auch denkbar, dass der FCK in einem anderen Stadion spielt in der dritten Liga?
Nein, das ist ausgeschlossen, wir finden den gemeinsamen Weg mit der Stadt.
Es ist derzeit gewiss nicht die Hauptbaustelle, aber was passiert mit dem Museum?
Wir stellen das trotzdem nicht ganz hinten an, wichtig ist erst mal der Weg in Liga zwei oder drei, aber das Projekt wird weiter angetrieben.
Wäre es nicht sinnvoll, das Museum und den Fanshop, der sicherlich derzeit auch Miete kostet, innerhalb des Stadions miteinander zu kombinieren?
Auch hier sehen wir Verbesserungspotential und erarbeiten ein Konzept, die Räume hier oben allgemein besser zu nutzen.
Wie steht es um die Verhandlungen mit dem Finanzamt?
Auch das bleibt intern, grundsätzlich werden Verhandlungen mit wem auch immer zukünftig erst kommuniziert, wenn es Ergebnisse zu präsentieren gibt.
Herr Bauckhage hatte auf der Jahreshauptversammlung einen Investor versprochen, der dann später mit einem „scheuen Reh" verglichen wurde. Bei Ihrem Amtsantritt erzählte Bauckhage, dass dem Investor damals nicht von Anfang an reiner Wein eingeschenkt wurde und er, nachdem die echten Zahlen bekannt waren, den Rückzieher machte? Ist dieser Investor abgehakt oder gibt es nun wieder Gespräche?
Da müssen Sie Herrn Bauckhage nach dem Sponsor fragen, aber grundsätzlich sind wir natürlich über jeden Sponsor froh, der nun wieder in den Verein investieren will.
Sicherlich gab es seit Amtsantritt viele Gespräche mit Sponsoren. Hat Ihr Name schon für mehr Zuspruch und Vertrauen gesorgt oder muss der FCK erst Taten folgen lassen, bevor wieder Unterstützung von dieser Seite kommt?
Das geht natürlich miteinander einher, aber die Einigung mit der Stadt war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Der Verein muss wieder glaubwürdig sein und mit einer Stimme reden. Und dass auch nur, wenn es etwas zu reden gibt.
Was ist Stand der Dinge bei der Deutschen Vermögensberatung AG? Gibt es eine Unterstützung in Liga 3? Beendet die DVAG die Zusammenarbeit mit dem Ablauf des aktuellen Vertrages in 2009?
So wie es in der Presse kommuniziert wurde, stimmt das gar nicht. Herr Pohl wurde gefragt, ob er Anteile am Verein kaufen würde, daraufhin antwortete er, dass man in Anteile nicht investiere und erst mal den laufenden Vertrag erfülle. Daraus hat dann die Presse die Nachricht gemacht, dass die DVAG ihr Engagement 2009 beende. Wir sind nach wie vor im Gespräch mit der DVAG.
Gibt es Konzepte, Sponsoren auch in der dritten Liga möglichst viel Medien-Aufmerksamkeit zu bieten? Man hätte beispielsweise die Chance, der bestbesuchteste Drittligaclub Europas zu sein und könnte dadurch mehr Medienaufmerksamkeit erreichen?
Das Verlässlichste ist zweifelsohne die große Fangemeinde. Beim Fantag im Mai werden wir ganz offen über die Zukunft reden und möchten mit der Offenheit auch das Vertrauen der Fans wieder zurückgewinnen. Deshalb möchte ich diesbezüglich auch nicht diesem Tag vorgreifen.
Wie sieht das Konzept für die Sponsoren aus?
Unsere Stärke wird die Flexibilität sein. Jeder Sponsor hat andere Interessen, dem einen ist der Point Of Sale wichtig, dem anderen möglichst hohe Kontaktzahlen. Wir werden intensiv mit unseren Sponsoren zusammenarbeiten und individuell auf Wünsche eingehen.
Allgemein war die Luft in der Führungsriege sehr vergiftet, nie wurde an einem Strang gezogen, ein großes Misstrauen untereinander war Nährstoff für all die Verfehlungen der letzten Monate und Jahre. Wie weit konnten Sie schon Kräfte bündeln und Gräben überwinden?
Zur Zeit führen Herr Dr. Ohlinger und ich das operative Geschäft alleine, unterstützt von unserem Team.

(Teil 1)