Zunächst muss man glaube ich erkennen, dass ein Torwart nicht hinter einer Defensive steht, sondern Teil davon ist. Ich kann nicht beurteilen, wie Lloris sich da selbst sieht, aber die besten Keeper der Welt sind auch deswegen so stark, weil sie sehr gut mit ihrer Viererkette zusammenarbeiten und so dann auch weniger Chancen entstehen.
Ich will jetzt nicht die einzelnen Tore analysieren, aber es sind Tore darunter, wo - wie du sagst - eine Überzahl vorm eigenen 16er herrscht. Aber das kann schon das Problem an sich sein. Überzahl irgendwo heißt Unterzahl anderswo. Das muss nicht kritisch sein, wenn es kontrolliert ist (im Angriff z.B.), aber wenn es vor dem eigenen 16er der Fall ist, herrscht Unterzahl im Mittelfeld, d.h. da, wo die Situation "geboren" wird und der Ball so dann überhaupt erst in Tornähe kommt.
In einer Situation standen z.B. zwei 6er nur ca. 3-5m vor den Innenverteidigern (ohne Gegenspieler). Das muss nicht sein und lässt dem Gegner Freiraum, um Chancen herauszuspielen.

Das ist nicht torwartspezifische Kritik, aber hier muss man den Ansatzpunkt suchen, wenn man als Torwart helfen will, stabiler zu stehen. Die Perspektive des TW ist nahezu die beste, um beurteilen zu können, was im Defensivverbund stimmt und was nicht. Das sollte man nutzen und dann eben Abstände und Positionen zu korrigieren. Bei den Spurs passt die Raumverteidigung absolut nicht, was man besonders am 0:3 gegen Liverpool erkennt. Hier gibt es gleich 3 Situationen hintereinander, wo ein Pass die Defensive komplett überrascht und den Liverpoolern riesige Räume verschafft. Auch da kann ein Torwart (zumindest in der Eröffnungsszene, wo sich um den anfangs ballführenden Spieler eine Traube bildet) durchaus korrigieren.
Beim 4:0 ist er m.M.n. etwas zu tief vom Standpunkt her. Er lässt eine große Lücke zwischen Kette und sich selbst, obwohl ein Abschluss unwahrscheinlich ist. Ich weiß nicht, ob er den Pass aus einer besseren Position erlaufen könnte, aber der Pass wäre für den Spieler erheblich schwieriger, weil er mehr Präzision reinlegen muss. Der Passspieler erkennt eine 30m-Lücke zwischen TW und Kette und spielt da rein. Reduziert man die Lücke, trägt jeder Meter dazu bei, dass der Pass schwieriger wird und dann eventuell nicht gespielt wird, weil er nicht so offensichtlich naheliegend ist.

Insgesamt auffällig ist, dass immer wieder die Schnittstellen zwischen den Kettengliedern durchspielt wird (im Spiel gegen Liverpool). Auch, weil oft die horizontalen Abstände nicht passen. Wie gesagt: Das ist alles nicht die Primäraufgaben des Torwarts, aber er kann hier durchaus mitwirken. Ich kann mir anhand der Spiele nicht vorstellen, dass Lloris jemand ist, der unmittelbar solche Dinge anspricht und korrigiert, dazu sind es zu oft die selben Dinge. Andere Keeper gehen da sofort drauf ein und ersparen sich so eben Arbeit. Das ist dann aber auch schon ein hoher Anspruch ans taktische Verständnis und die Konzentrationsfähigkeit (weil es eben nur Sekundäraufgabe - zumindest im klassischen Verständnis - ist)