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Thema: Angst vor dem 1 gegen 1

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Welttorhüter
    Newcomerin des Jahres 2009
    Avatar von Believer
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    Also, wenn ich mich kurz einschalten darf?
    Ich kann beide Gesichtspunkte sehr gut nachvollziehen, doch langfristig würde ich eher zu striglettis Lösung tendieren. Es geht hier nicht darum ein Kind zu kurieren, dass eine Heidenangst vor Bällen verbunden mit der Assoziation Schmerz hat. So jemanden würdet ihr, mal Hand aufs Herz, nie ins Tor stellen. Ist doch bei den Kindern meist als Erster derjenige im Tor, der keine Angst davor hat, sich hin zu schmeißen oder vom Ball getroffen zu werden. Furchtlosigkeit, also nicht das komplette Überwinden der Angst, sondern eine Grundfurchtlosigkeit ist von größter Bedeutung. Wir reden hier über eine Übung, die einem Torwart die situative Angst nehmen soll (unser Beispiel: 1 gg 1). Diese kann natürlich sowohl aus dem Verletzten des Gegenüber oder aus der eigenen Verletzung in Kontakt mit Gegenspieler und Ball begründet sein. Ich würde es nun als meine Aufgabe als Torwarttrainerin ansehen, meinem Schützling beizubringen, dass Schmerzen manchmal unabdinglich sind und man ihnen durch spezielle Technik oder Entschlossenheit im 1 gg 1 nur bedingt aus dem Weg gehen kann - aber eben zum Teil. Wer hat nicht schon von seinem Trainer gehört, dass man im Zweikampf "unbedingt durchziehen muss". Der Grund dürfte bekanntsein. Bei einem Pressschlag beispielsweise verletzt sich wahrscheinlich derjenige, der passiver zum Ball geht und leicht zurückzieht, weil bei ihm die Muskeln nicht voll angespannt sind. Es ist nur ein Beispiel, wie ich es gelernt habe. Das heißt, ich würde meinem Schützling beibringen, dass jegliches Zögern kontraproduktiv ist und nur zu Schmerzen führen kann, wenn er später als der Gegenspieler am Ball oder eben zum Zeitpunkt des Schusses nicht optimal auf diesen vorbereitet ist. Bei einer optimalen Ausgangsposition ist die Bereitschaft am höchsten und die Reflexe und Reaktionen sehr schnell.

    "Oft wird mir angst vor meiner Angstlosigkeit" Toni Schumacher

    Ich finde, dass dieses Zitat von Hans Leitert sehr treffend verwendet wurde. Wir Menschen sind ja darauf konzipiert Schmerzen auszuweichen - Beispiele dazu kennt wohl jeder. Torhüter aber nehmen in der Situation der Verteidigung des 16-m-Raumes (z.B. beim Pflücken eines Balles vom Fuß des Gegenspielers) Schmerzen bewusst in Kauf, um bei einer erfolgreichen Aktion diesen Schmerz gegen ein Glücksgefühl eintauschen zu können. Wieso sollte ich meinen Torhüter also lehren, dass ein Ball im Gesicht nicht weh tut? Sicherlich könnte man seinen Schützling so behutsam an das Thema heranführen, aber macht das wirklich Sinn? Irgendwann wird der Keeper unweigerlich mit dem Ball auf eine sehr unsanfte Art und Weise in Berührung kommen.

    Der Job eines Torwarttrainers ist es nun, meiner Ansicht nach, den Torwart bestmöglich auf diese Situation vorzubereiten. Der optimale Fall ist es natürlich, von vornherein einen Keeper zu haben, der sich nicht vor einem Zweikampf oder Ballkontakt fürchtet. Wie gesagt, eigentlich ist diese Grundfurchtlosigkeit Vorraussetzung. Haben wir aber einen Keeper, der nur vor 1 gg 1 Situationen Angst hat, dann müssen wir ihm beibringen, den Schmerz zu akzeptieren. Meist schützt ihn die daraus entstehende Furchtlosigkeit auch vor Schmerzen. Ich sage nicht, dass er in jeder Situation auf "Teufel komm raus" durchziehen soll - nicht im Bereich der Unsportlichkeit - sondern, dass er, wenn er den Ball anvisiert und erkennt, dass er ihn sichern kann, bedingungslos zum Ball geht und keine Abstriche macht - nicht für den Gegner, nicht für den Mitspieler, aber auch nicht für sich selbst.
    Das ist alles schön und gut gesagt, ich wüsste nicht, wie ich diesen Inhalt richtig mittels Übungen vermitteln könnte. Dazu ist eben nicht jeder zum Torwarttrainer gemacht. Nur halte ich dieses Resultat für das Wichtigste. Die Übung, die Strigletti vorgeschlagen hat ist mit den Einschränkungen, die sowohl er als auch Schnapper angemerkt haben, durchaus gut. Man muss dabei eben als Torwarttrainer sein Fingerspitzengefühl beweisen, weshalb die Übung wahrscheinlich mit einem "Achtungs"-Zeichen versehen werden sollte. Allerdings ist dabei auch das Vertrauen zwischen Torhüter und Trainer sehr wichtig, denn: Wenn ich meinem Trainer vertraue, dass er mir durch diese Übung nicht schaden will, dann fasse ich auch den nötigen Mut mich darauf einzulassen.
    "Bangerang"

    Krieger des Lichts
    06.11.09 † 10.11.09

  2. #2
    Internationale Klasse Avatar von strigletti
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    Daumen hoch

    Believer, Believer,

    was eine Klasseleistung, die obige Diskussion so zu analysieren...
    Stell dir vor, du gehst in dich - und keiner ist da

    Wer glaubt es reicht, wenn man bis zum Umfallen kämpft irrt sich...kämpfe darum Aufzustehen!!!

  3. #3
    Welttorhüter
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    Avatar von Believer
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    Danke für die Lorbeeren, aber ich fand eure Diskussion wirklich gut. Es ist immer wieder schön im Forum zu erleben. Da fällt so etwas nicht schwer. Zusätzlich bin ich zur Zeit wirklich von dem Buch von Hans Leitert inspiriert - ein klasse Werk.
    "Bangerang"

    Krieger des Lichts
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  4. #4
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    *grinsen* Ich kann beide Lager verstehen und beide haben sicherlich Ihre, sehr berechtigte Meinung.
    Es ist aber auch so, daß ich, sehe ich mal darauf, daß ich nahezu als einziger in Frankfurt versuche, ein kind- und damit altersgerechtes Torwarttraining einigen Torleuten angedeihen zu lassen, die sonst kein Torwarttraining bekommen würden, ja zum Teil 4 wenn nicht 5 Jahre darauf warten müßten, diesbezüglich etwas zu lernen, weiß, was strigletti meint.

    Fakt ist: Jemand der angst vor dem Ball hat, den kann ich kaum kurieren. Diese Leute hören eigentlich früher oder später im Tor auf, spätestens wenn diese mal auf kurzer Distanz die ersten Dinger auf die 12 bekommen haben.
    Das damit vielleicht Talente gehen, andere Diskussion, aber auch hier muss maneinfach sagen, daß die natürliche Auslese greift und dies gut so ist.
    Fakt aber ist, daß ich z.B. einem Torwart wie der "Blauen Mauer" mehr zumute, als ich z.B. seinem 2 Jahre älteren E-Jugend Torhüter, ganz einfach weil die "Blaue Mauer" ganz anders zum Ball und in eine Situation geht, als der Größere.
    Beispiel:
    Turnier an Ostern. Stürmer bekommt den Ball 20 Meter vor dem Strafrum, läßt Abwehrspieler stehen und geht allein in Richtung Tor. "Blaue Mauer" zögert nicht eine Sekunde und sucht die Entscheidung. Der Stürmer, der einen so agierenden Torwart nicht kennt, schießt aus kurzer Distanz, bleibt damit mit der Fußspitze am Brustbein der "blauen Mauer" hängen und geht in einem Überschlag über den Torwart, daß ich denke, er bricht sich den Hals.
    Stürmer kommt auf, bleibt recht unverletzt, "Blaue Mauer" bleibt mit Ball im Tiefen Umarmungsgriff weinend liegen. Klar, der Treffer an der Brust, er tut weh. Gekühlt, aufgerichtet, sogar Mecker vom gegnerischen Trainer eingesteckt "wie der Torwart auch nur so reingehen könnte"... aber "Blaue Mauer" beißt die Zähne zusammen und spielt weiter.
    5 Minuten vor Schluss, gleiche Situation, der gleiche Stürmer. "Blaue Mauer" zögert erneut nicht, sondern geht wieder so hin, der Stürmer sieht das "Blaue Trikot" auf sich zuspurten, gerät sofort ins Stocken, stauchelt, schießt - 20 Meter am Tor vorbei.

    Nun, in solch einen Falle kann ich davon ausgehen, daß eine Übung wie die von Strigletti der "Blauen Mauer" keinen Schaden zufügt, aber auch keine Angst verursacht.
    Hingegen bei seinem 2 Jahre älteren Torwart, der jetzt erst lernt, in solche Situationen zu gehen und aktiv auch solche Zweikämpfe zu suchen, würde ich das vielleicht erst einmal nicht machen.
    Später, wenn er es immer noch tut, kann man ruhig auch solch eine Übung mal machen und dabei mit einem weichen Ball, wie einen normalen Gummiball anfangen.
    Denn ein torwart muss verschiedensten Situationen ausgesetzt werden und entsprechend lernen zu reagieren.
    Das ist was strigletti meint. La_Chat hat aber durchaus auch Recht, wenn andere Dinge im Vorfeld gemacht werden sollten, daß steht aber denke ich für strigletti ausser Frage.
    Dennoch gibt es Lösungwege für eben einen Torwart, um zu lernen, mit dem Reflex, daß Gesicht wegdrehen zu wollen, klar zu kommen und zu lernen, daß eigentlich nichts passiert, wenn man die Hände richtig und rechtzeitig vor das Gesicht bekommt.
    Sicherlich: Macht der Torwart einen Fehler, hat er den Ball im Gesicht.
    Schon deshalb gilt: Der Torwarttrainer muss seinen Torwart kennen und wissen, ob er Ihm diese Übung nicht nur zumuten kann, sondern auch ob der torwart diese Übung auch absolvieren kann, ohne das danach die Schwäche eher verstärkt wird, als mit dieser Übung an eben dieser mentalen Stärke gearbeitet wird.

    Daher haben Beide Recht und beide machen es richtig, und trotzdem gibt es für Beide Überschneidungspunkte, wo der eine vom und mit dem anderen lernen kann.

    Was bleibt ist Believers Schluss-Satz, der einfach beide Sichtweisen ausdrückt und unterstreicht, was hier das allerwichtigste ist:
    Zitat Zitat von Believer
    Wenn ich meinem Trainer vertraue, dass er mir durch diese Übung nicht schaden will, dann fasse ich auch den nötigen Mut mich darauf einzulassen.
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  5. #5
    Internationale Klasse Avatar von strigletti
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    Zitat Zitat von Steffen Beitrag anzeigen
    *grinsen*
    ..das kann ich mir so richtig vorstellen - hast dich wahrscheinlich mal wieder halb kaputt gelacht...gut so

    Du Bierbank-Aufsteller
    Geändert von strigletti (17.08.2009 um 18:40 Uhr)
    Stell dir vor, du gehst in dich - und keiner ist da

    Wer glaubt es reicht, wenn man bis zum Umfallen kämpft irrt sich...kämpfe darum Aufzustehen!!!

  6. #6
    torwart.de-Team Avatar von Schnapper82
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    Die wichtigste Frage ist, ob der Torhüter seinem Coach vertraut oder nicht.
    Ich habe viele unkonventionelle Übungen gemacht mit meinem ersten Senioren TWT und habe alles hinterfragt. Er hat es mir erklärt, verbildlicht und ich habe ihm vertraut. Auch wenn mal etwas sinnlos vor kam oder weh tat, habe ich es ihm im nachhinein in diversen Situationen gedankt.
    Da ist der Punkt...eine Beziehung zwischen einem Torhüter und seinem TWT ist doch ziemlich eng und nicht vergleichbar mit der Beziehung zwischen Spielern und Coach.
    In stillem Gedenken an Spideratze und Robert Enke.
    Lasst uns rausgehen und Bälle fangen, Spiele gewinnen und was noch viel wichtiger ist:
    Lasst uns jede Sekunde des Lebens leben und geniessen - nichts ist für immer ! ! !

  7. #7
    torwart.de-Team
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    Zitat Zitat von Schnapper82 Beitrag anzeigen
    Die wichtigste Frage ist, ob der Torhüter seinem Coach vertraut oder nicht.
    Ich habe viele unkonventionelle Übungen gemacht mit meinem ersten Senioren TWT und habe alles hinterfragt. Er hat es mir erklärt, verbildlicht und ich habe ihm vertraut. Auch wenn mal etwas sinnlos vor kam oder weh tat, habe ich es ihm im nachhinein in diversen Situationen gedankt.
    Da ist der Punkt...eine Beziehung zwischen einem Torhüter und seinem TWT ist doch ziemlich eng und nicht vergleichbar mit der Beziehung zwischen Spielern und Coach.
    Sehe ich ähnlich.
    Wenn man einen richtig guten Torwarttrainer hat, dann ist das Verhältnis sehr eng und geht weit über das Sportliche hinaus.
    "Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es gar nicht."
    Oliver Kahn

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