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Thema: torwart.de-Camp 2009: Believers "Rückblicktagebuch"

  1. #1
    Welttorhüter
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    Standard torwart.de-Camp 2009: Believers "Rückblicktagebuch"

    Mesdames et Messieurs,

    das torwart.de-Camp 2009 ist nun genau 110 Tage her. Das ist so die Zeit, nach der unser Kopf schon längst fertig ist, ihm unwichtig erscheinende Dinge aus dem Gedächtnis in die Schubladen tief hinten zu stopfen und für neue Erinnerungen Platz zu machen.
    Deswegen habe ich zwei Wochen nach dem Camp meine Eindrücke und Erlebnisse niedergeschrieben und bin jetzt nach reiflicher Überlegung und positivem Feedback für diese Idee zu dem Entschluss gekommen das Ergebnis hier zu posten.

    Ich werde also heute beginnend im Verlauf der Woche die drei fantastischen Tage beleuchten, die für mich eines der schönsten Wochenenden meines (zugegeben erst) 18-jährigen Lebens waren.
    "Bangerang"

    Krieger des Lichts
    06.11.09 † 10.11.09

  2. #2
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    Sehr interessant, Ulli.

    Vielleicht würde dein Tagebuch meinen Willen bestärken, auch mal in den Flieger nach Ruit zu steigen.

    Wer weiß?!

    LG
    Du warst so jung, du starbst so früh, wer dich gekannt, vergisst dich nie.



    † 28.08.09


    Ich danke dir für alles, Thomas. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.

  3. #3
    Welttorhüter
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    Standard Einleitung & Der erste Tag, der 26.06.

    Es ist 16:00 Uhr auf dem Stuttgarter Flughafen, Gate 173 am 28. Juni.

    Die Zeilen in meinem Buch verschwimmen immer mehr ineinander, bis ich bemerke, dass ich den ganzen siebenzeiligen Absatz der letzten Minuten zwar gelesen, aber nicht wahrgenommen habe. Ärgerlich reibe ich mir die Augen und versuche mich erneut auf die Sätze zu konzentrieren ohne ständig in ihnen zu verrutschen. Dieses Vorhaben gebe ich jedoch nach wenigen Zeilen wieder auf, in denen der Protagonist von einer Dame spricht, die ich vor fünf Seiten hätte kennenlernen sollen und doch nichts mit dem Namen anfangen kann. Ich werfe das Buch auf meine Tasche zurück, wechsle das Lied in meinem IPod und sinke tiefer in den Sitz.
    Erst in dem Moment, wo mich hier im Gate 173 die Müdigkeit übermannte, merkte ich, auf welcher Welle der Euphorie ich die letzten 3 Tage geschwommen bin. Es war das seltsame Gefühl des Aufwachens aus einem positiven Schock. Sämtliches Adrenalin und Serotonin schien mein Körper aufgebraucht zu haben, so dass er jetzt wie ein ausgepumptes Etwas im Plastiksitz hängt, während mein Kopf alle Ereignisse abspult und mich erneut mit zu dem, mir die letzten drei Tage so ans Herz gewachsenen, Ort nimmt, den ich gleich verlassen werde.
    _____________________

    Freitag, 26.06. - Tag 1

    Die zwei Reisetaschen sind schon am Abend vorher gepackt gewesen. Der Flug von Berlin nach Stuttgart ging um 11:51. Es war schon ein gewaltiges Gefühl, als wir in Stuttgart aufsetzten und mir die plötzliche Erkenntnis durch den Körper fuhr und ich zusammenzuckte: "Du bist in Stuttgart!". Nun wollte ich zwar schon immer einmal ins Schwabenländle und doch hätten sich dann eher meine Wege und die des VfBs im Daimler Stadion gekreuzt. Nun, der Stuttgarter-Trainingsauftakt sollte ja am Sonntag in Ruit stattfinden...
    Am Flughafen sammelte mich Userin Schlumpf um kurz nach 13 Uhr ein und ich wurde das erste Mal persönlich mit einem tiefbayrischen Akzent konfrontiert. Während ich mir mit logischen Schlussfolgerungen („Ich glaube sie hat ‚Auto’ gesagt… Na dann werden wir da sicher jetzt hingehen!“) zu helfen suchte, war Schlumpf sehr verständnisvoll und fragte mich am Auto nach ca. 7 Minuten des Rätselratens: „Sage mal, verstehst du mich eigentlich?"
    Von da an ging es dann doch noch mit unserer zwischenmenschlichen Kommunikation steil bergauf. Nach dem Check In am Berliner Flughafen Tegel war also nun die zweite Hürde auf dem Weg zum torwart.de-Camp gemeistert. Nach der etwas zu aufregenden Fahrt – für meinen Geschmack, die Angesprochene weiß, was ich meine – und der glücklichen Erkenntnis nun doch heil im Camp anzukommen, meldeten wir uns bei der Rezeption an. Während Schlumpf sofort ihre Zimmerschlüssel für ein Doppelzimmer erhielt, ging ich gar nicht erst zur Anmeldung, da ich eigentlich informiert worden war im Hotel untergebracht zu sein. Dies sollte sich zu meinem Glück als Irrtum erweisen und durch einen Zufall kam ich nach wenigen Minuten doch zu meinem Schlüssel für ein Einzelzimmer im Fußballhaus 1 genau dem von den Usern „Transporter“ und „Paulianer“ gegenüber. Nach der kurzen Zimmerbesichtigung brachen Schlumpf und ich mit dem Auto zum Hauptbahnhof auf, um die User „Luke123“ und „Franky-Sunday“ einzusammeln. Nach einiger Wartezeit, die meine Gefährtin auch unbedingt im Stuttgarter Hauptbahnhof-McDonalds – er unterscheidet sich wirklich seltsamerweise kein Bisschen von seinen Berliner Vertretern – verbringen musste, fanden wir uns schließlich zusammen. Nach kurzen kaum erwähnenswerten Schwierigkeiten von Schlumpf im Parkhaus – *hust* – machten wir uns etwas verspätet auf den Weg zur Sportschule Ruit zurück, um dennoch pünktlich zum Empfang um 17:30 Uhr anwesend zu sein.

    Derweil stieg bei mir natürlich die Anspannung aufgrund der Persönlichkeiten, mit denen ich mich seit mehr als 2 Monaten nun via Internet fast täglich unterhielt, die ich aber erst heute zum ersten Mal kennenlernen würde. Auf der Terrasse der Cafeteria-Räume empfing uns dann schon eine breite Masse von Menschen aller Altersklassen weitestgehend in Sportkleidung. Wir gesellten uns dazu und ich landete gleich auf einem Sitz neben Steffen, der mir nach dem Codewort „Believer“ angeboten wurde.
    Nach kurzen Wortwechseln wanderte ich hinüber zu einem Tisch, an dem sich die weibliche Delegation des Torwart-Camps versammelt hatte. Ich machte die Bekanntschaft von Itti („Britta“) und ihrer Cousine Laura, von Josi („torfrauen“) sowie von Ulla („Wuschel), die von mir in diesem Bericht nur den ehrenvollen Titel „Steffen’s bessere Hälfte“ bekommt , ihren zwei Rabauken der blauen Mauer & Caro und von Ela (heartkeeper), die mit ihrem Sohn angereist war. Auch Christian (La_Chat) gesellte sich, letztendlich zu einer beträchtlichen Steigerung des Lautstärke Pegels mit Ittis & Schlumpfs Hilfe, dazu.

    Viel Zeit zum Überdrehen blieb, auch wenn manche es so interpretierten – wir konnten noch mehr, wie wir noch beweisen sollten – nicht, da um 17:30 Uhr das Camp durch Marcel Schäfer eröffnet wurde.
    Erst wurde das Trainerteam bestehend aus Jens, Thomas, Carsten, Steffen ("Steffen") und Mathias ("zoroopa28") sowie den Unterstützern Marcel und Klaus („Oldkeeper“) – bei uns im Ladies-Team bald nur noch liebevoll „Claudette“ genannt – vorgestellt. Dann wurden die Gruppen angesagt, in die die Teilnehmer des Camps eingeteilt worden waren. Unsere Ladies-Gang war gegründet!
    Danach wurde jedem ein Torwart.de-Camp-T-Shirt (Danke Marcel & torwart.de-Team!), ein Basecap von McDavid und der Ablaufplan des Wochenendes sowie ein Lageplan der Sportschule übergeben. In den folgenden Minuten stellte sich uns nun ein Vertreter von McDavid vor, der uns die einmalige Chance gab die Hexpad-Polster der McDavid-Unterziehhose zu testen. Er gab dafür 4 Produkte in die Runde, die nun von den Teilnehmern im Laufe des Wochenendes zu den Trainingseinheiten getragen werden konnten. Danach erhielt noch jeder das angesprochene Basecap. Es lässt sich schon vorweg sagen, dass der Test der Unterziehhose sehr positiv ausfiel. Hier noch mal das große Dankeschön an McDavid an ihren Repräsentanten, der sogar an einem Trainingstag anwesend war, um für Feedback und etwaige Fragen zur Verfügung zu stehen.

    Nach dieser langen Eröffnung des Camps ging es zum Abendessen, wo die ersten Kontakte vertieft wurden und viel gelacht wurde. Das Essen in der Sportschule war sehr gut auch vielseitig und so manch einer vergaß darüber, dass wir gleich nach dem Essen zur Trainingseineit aufbrechen sollten, und tat sich ausgiebig an Nudeln, Salat, Brot und Kartoffelauflauf (um nur etwas zu nennen) gütlich.
    Nach dem Essen hastete ich aufs Zimmer, um mir schnell die Trainingssachen über zu streifen und traf mich dann mit Itti und Laura im Foyer des Fußballhauses 1. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern schritten wir zum Rasenplatz 2, der ein wenig abseits der Sportschule hinter eine Brücke über eine große Verkehrsader lag und für die nächsten Tage zum towart.de-Trainingsplatz werden sollte.
    Der Anblick des satten Grüns und der Geruch des Rasens trug nicht gerade dazu bei die Vorfreude auf die erste Einheit zu zügeln, die sich in mir breit machte. So ging es anscheinend nicht nur mir, denn ein paar Minuten später mit dem Auftauchen der ersten Bälle fand ich mich mit Laura und Itti auf dem Rasen wieder, während die zwei ehrgeizigen, weil ballverliebten, Zöglinge Steffens auf mir rumhackten und -trampelten, damit ich irgendwann schmerzverzerrt den Ball losließ.
    Nach diesem weniger erfolgreichen ersten Rasenkontakt wurde die Ladies-Gang (bestehend aus Ulla, „Steffens besserer Hälfte“, Ela, Caro, Schlumpf, Josi, Itti, Laura und mir sowie aus dem Gelegenheitsmitglied Klaus) zur ersten der fünf verschiedenen Stationen gelotst, die Steffen unter dem Thema „Koordinationsschulung“ (hier dazu das Video) leitete.
    Dort hatte er sechs Hütchen unterschiedlicher Farbe in einem Viereck aufgebaut, an dessen Ende noch einmal zwei gleichfarbige Hütchen standen. Er erklärte uns die Übung, bei der wir eine Farbkombination gesagt bekommen und umsetzen sollten, in dem wir in der richtigen Reihenfolge mit Sidesteps bzw. Vor- und Zurücklaufen so schnell wie möglich die unterschiedlichen Hütchen erreichen sollten. Dann sollten wir ebenfalls mit Tempo im Bereich zwischen den gleichfarbigen Hütchen hinter dem Viereck rechtzeitig zum Stehen kommen, um einen von Steffen geschossenen Ball zu sichern. Die ersten Durchgänge des Abtastens begannen mit Dreier-Kombinationen, die noch relativ locker über die Bühne gingen. Gleich bei der ersten Station fiel mir die außergewöhnlich gute Stimmung in unserem Team auf, die uns alle befiel. Danke dafür schon mal, Ladies! Die ersten Flüche wurden dann in den schwereren Durchgängen mit vier und am Ende mit fünf bis sechs Farben ausgestoßen, bei denen bei den nichtaktiven Teilnehmern mitgezählt und untereinander verglichen wurde, ob man es denn selbst jetzt geschafft hätte. Auch dem bald schnellen Farbenkauderwelsch, das Steffen innerhalb von einer Zehntelsekunde ausstieß, versuchten wir Informationen abzugewinnen, was doch zu manchmal recht lustigen Kombinationen führte. Ulla zog auch ein paar Durchgänge die Torwarthandschuhe aus, um ein paar Momente – erfolgreich wie sich herausstellen sollte – einzufassen.

    Nach einem Applaus und Dank an Steffen wanderten wir zur nächsten Station, die von Carsten unter dem Thema „Stellungsspiel, Winkelverkürzen“ (den 2. Teil der Übung seht ihr hier) geleitet wurde. Hier fanden wir eine Übung – wie ich später beim Blick in Hans Leiterts Buch „Die sieben Prinzipien der Meister“ bemerken sollte – zum Thema „Optimale Position und Distanz“ und „Rechzeitig fertig“ vor. Er hatte eine Anzahl von Bällen mit unterschiedlichem Abstand und Winkel zum Tor platziert. Die Aufgabe für zwei von uns, die sich vor die Bälle stellten, war es nun, zu einem Ball hinzulaufen und einen Schuss anzudeuten.
    Dabei sollte diejenige im Tor so schnell wie möglich die Optimale Distanz und Position zum Schützen finden und rechtzeitig zum Schuss fertig in der optimalen Balance zu stehen kommen. Das war natürlich der Idealfall, denn so leicht, wie es klingt, war es bei weitem nicht.
    Für mich kristallisierte es sich als Schwierigkeit heraus rechtzeitig stehen zu bleiben, da ich den richtigen Schussmoment, der ja nun nicht stattfand, nicht abpassen konnte. Mit richtigen Schüssen, wie wir es später machten (2 unterschiedliche Positionen zum Tor, aus denen die Schützen dann auf selbiges zu laufen und versuchen einen Torerfolg zu erzielen), ging es dann irgendwo doch besser. Trotzdem war dieses genaue Achten auf den richtigen Moment des Standes in der Balance zum Schuss eine neue und spannende Erfahrung für mich, hatte ich doch in meiner bisherigen Torwartzeit nie so genau auf diese Abläufe geschaut. Dieser Aha-Effekt sollte nicht das einzige Mal im Camp auftreten.

    Nach dem Zeichen zum Wechsel der Stationen, die eigentlich nur jeweils 20 Minuten dauern sollten aber nicht selten – Gott sei Dank – überzogen wurden, bedankten wir uns wieder bei Carsten für die kompetente Leitung der Übung und wechselten zur nächsten Station. „Torwarttraining in Spielformen“ (hier dazu das Video) hieß hier die Devise von Jens, der uns in ein kleines, ca. 10 Meter langes Feld lotste, an dessen Enden sich jeweils zwei Kleinfeldtore befanden. Nun teilten wir uns in zwei Mannschaften auf und spielten. Das Ziel war der Torerfolg, der erst noch durch die Hand (so wurden auch die Pässe gespielt) erzielt werden durfte. Ein Torwart wurde natürlich ins Tor gestellt. Das sollte aber erst beim Spiel mit dem Fuß wirklich wichtig werden, da hier ja unser eigentliches Privileg des legalen Handspiels wirklich bedeutend wurde. Da wir eine ungerade Zahl darstellten – Ulla verschwand kurzzeitig zum Photos machen – nahm sich Marcel unserer Mannschaft an, die wir spontan auf „1. FC Kampfschweine 09“ tauften. Unserem Vereinsnamen sollten wir treu bleiben, da wir mit viel Einsatz, spektakulären Toren (wie Marcels Dreiangel-Volley-Tor) sowie spektakulären Nicht-Toren (es ist schon eine Kunst den Ball auf der Torlinie noch über die Querlatte zu schießen – Namen werden nicht genannt ) aufwarteten.

    Nach dem Applaus und Dankeschön an Jens und Marcel für die erfolgreiche Zusammenarbeit, gingen wir reichlich erhitzt zur nächsten Station, die von Mathias mit Klaus Hilfe geleitet wurde. Hier sollten Übungen zur Vertiefung der Torwartgrundtechniken (zu finden hier) durchgeführt werden. Die Aufgabe war es, einen von Mathias leicht geschossenen Ball technisch sauber und schnell zu erreichen, also dem Ball aktiv entgegen zu gehen, und zu sichern. Dabei kristallisierten sich schnell individuelle Schwächen heraus, die frau noch einmal genauer angehen konnte, da Klaus sich immer nach Mathias die gerade Übende herauspickte und mit ihr noch einmal eine erst zentrale und dann seitliche Schussabfolge unter den gleichen Gesichtspunkten durchging. Auch hier trat der mir bald vertraute Aha-Effekt auf, da ich mich das erste Mal mit dem Prinzip „Schnell und aktiv zum Ball“ beschäftigte bzw. mit dem richtigen Beginn (Auftaktschritt seitlich nach vorne zum aktiven Auftakt) und auf eine saubere Technik meinerseits achtete. Vergessen war schnell die „Hauptsache, ich kriege den Ball“-Mentalität, die mich über bis dahin vier Jahre meines Torwartdaseins verfolgt hatte. Auch bei dieser Station fiel wieder positiv auf, wie wir uns in der „Ladies-Gang“ gegenseitig ermutigten und anfeuerten.

    Wieder bedankten wir uns bei Mathias und Klaus für das Training und schritten zu der letzten Station für diese Trainingseinheit. Sie lag in den Händen von Thomas und stand unter dem Schwerpunkt „Balance und Gleichgewichtsverlagerung“. Dazu hatte Thomas mehrere gelbe Stangen der gleichen Größe mit unterschiedlichen Winkeln in den Boden gesteckt. Doch bevor wir uns mit diesen Stangen beschäftigten, nahmen wir uns ein Rasenstück, auf dem wir in Zweiergruppen zusammen gingen. Nun sollten wir erst einmal um die Wichtigkeit der Balance und Gewichtsverlagerung in unserem „Job“ wissen und dazu wählte Thomas den Luftkampf als Beispiel. Eine Torhüterin warf den Ball hoch und versuchte ihn im richtigen Moment zu erreichen und zu sichern, während die andere sie mit Körpereinsatz daran hindern sollte. Ich landete mit Caro in einem Team und wir beide hatten definitiv unseren Spaß bei der Übung!
    Danach ging es für uns zu den Stangen, vor denen sich immer jeweils eine Torhüterin postierte. Nun sagte Thomas an, dass wir mit dem rechten Bein über die Stange schwingen und dabei im Körper möglichst aufrecht bleiben sollten. Nach einigen Winkeleinstellungskorrekturen schwangen wir nun immer im Wechsel mit dem linken und rechten Bein über die Stange. Als jeder so sein Tempo und Gefühl für diese Konstruktion gefunden hatte, steigerte Thomas den Schwierigkeitsgrad, in dem er die Aufgabe änderte. Auf seinen Zuruf „Eins“ sollten wir nun zum Beispiel mit dem rechten Bein von außen nach innen über die Stange schwingen, bei „Zwei“ von innen nach außen mit Rechts und mit Links dasselbe Spielchen. Nun rief er immer abgewechselt eine der vier Zahlen, um unsere Ohren-Bewegungs-Koordination – wenn man es mal so nennen will – noch ein wenig zu prüfen und uns aus der Balance zu bringen. Hier findet ihr dazu das Video, dass sogar unsere Ladies-Gang zeigt. In der Reihenfolge am Anfang des Videos von links (Ela, Ich, Laura, Ulla und vorne im Bild Caro). Ich fand diese Station auch wie die vorangegangen sehr spannend und effektiv und auch hier hatten wir wieder viel zu lachen, auch gerade deswegen, da die Übung mit einigem Murren einer bestimmten Fraktion - auch hier wieder keine Namen - hingenommen wurde. Ein wenig hatte die Stangenhöhe ja auch mit der Dehnung zu tun . Auch hier gucke ich niemand bestimmten an.

    Nach dem Dank an Thomas und dem Abklatschen mit ihm hatte unsere Ladies-Gang Feierabend und ich konnte nicht fassen „dass jetzt schon Schluss ist“, bis mich Ulla darauf hinwies, dass es doch schon etwas länger nach 20:30, dem geplanten Ende der Trainingseinheit, sei. Das überraschte mich wirklich, denn jeder kennt dieses Gefühl, dass die Zeit stehenbleibt, während sie eigentlich umso schneller verfliegt. Nach dem wir halfen die Trainingsgeräte zusammenzuräumen – danke an unsere immer fleißigen Torhüter und Torwarttrainer, die besagte Geräte immer aufbauten und wegräumten – zog ich meine Handschuhe aus und verließ schon jetzt wehmütig mit Itti und Laura den grünen Trainingsplatz, allerdings im Wissen, dass wir uns schon morgen wiedersehen würden. Die Vorfreude auf den nächsten Tag hatte sich schon ab der dritten Station in mir breit gemacht, was alle Teammitglieder zu spüren bekommen hatten, während ich sie nach der Trainingseinheit gar nicht zu zügeln versuchte.
    Duschen, Umziehen und schnell zur Übertragung des U21-EM-Halbfinals hieß dann die Devise. Am Tisch vor dem Fernseher in der Gaststätte, machten wir es uns gemütlich, während die Trainer vornehmlich auf der Terrasse in Gespräche vertieft waren. Bei einigen aufregten Spiel- und Torwarttechnikanalysen (Manuel Neuer und sein Freistoßkick, sage ich nur ) und für uns bekannten niveausuchenden Gesprächen wurde viel gelacht und gescherzt. Ein Bier von Itti und Christian später entschloss ich mich dann doch um 23:30 Uhr das Weite zu suchen und ins Bett zu gehen, im Hinblick auf den zum Glück vollgestopften und hoffentlich anstrengenden kommenden Tag. Beim Frühstück sollte ich dann erfahren, dass Itti in Begleitung von der "Heulsuse" (ich erinnere mich nur an das T-Shirt...) alias unikeeper noch versucht hatte in der Umgebung von der Sportschule Ruit die Nacht zum Tag zu machen. Dementsprechend sahen beide auch morgens aus. Ich hatte bei Itti auch eher das Gefühl, dass sie erwog sich in ihrer Cornflakes-Schüssel zu ertränken, als dass sie super auf die kommende Trainingseinheit vorbereitet war


    So ging also der erste spannende, überwältigende, informationsvollgestopfte Camptag zu Ende. Es war wirklich schwer Schlaf zu finden, da ich unweigerlich im Kopf noch einmal alle Stationen und Aktionen sowie die Informationen und das Feedback der Trainer durchging. Aber wirklich ausschlaggebend war die Vorfreude auf den nächsten Tag, die hatte ich das Gefühl, wenn ich nachgeben würde, die Zeit einfach 7 Stunden vordrehen und mich zum Frühstück aus dem Bett jagen würde. Irgendwann um 01:30 rettete ich mich dann doch vor dem, durch Schule ja vorgefertigten, chronischen Schlafmangel.
    Geändert von Believer (15.06.2010 um 14:29 Uhr)
    "Bangerang"

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  4. #4
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    War zwar leider nicht dabei, aber ein sehr guter und ausführlicher Bericht. War schön zu lesen Freue mich schon auf den 2. Tag.

    Versuche 2010 auch zu kommen, wobei es bis zum Camp 700 km sind..

  5. #5
    Welttorhüter
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    Avatar von Believer
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    Ach, von Berlin nach Stuttgart betrug die Entfernung auch um die 640 km. Einmal im Jahr kann man sowas machen bzw muss man sowas machen, wenn ich daran zurückdenke, was ich im Camp alles erlebt habe.
    "Bangerang"

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  6. #6
    Torwarttrainer Avatar von zooropa28
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    Klasse klasse! Ich dachte gerade beim lesen ich sei noch dort.
    Eh isch misch uffresch, iss mirs libber egal!

  7. #7
    Amateurtorwart Avatar von Franky Sunday
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    Super Bericht Believer! Bei deinem Bericht fühlt man sich wirklich die vier Monate, die es ja nun fast schon sind, zurückversetzt! Von der Ausführlichkeit mal abgesehen auch sehr interessant geschrieben, eine Deutsch-LK-Schülerin?
    Ich musste immer wieder mal grinsen, jaja Schlumpf hat schon ihre eigene Sprache gehabt, wobei ich konnte es einigermaßen verstehen, vielleicht hat sie sich ja was hochgedeutscht, als Luke und ich kamen Die Schwierigkeiten im Parkhaus mit Schlumpf? Ach...*hust*

  8. #8
    torwart.de-Team
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    Avatar von Stetti
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    Zitat Zitat von zooropa28 Beitrag anzeigen
    Klasse klasse! Ich dachte gerade beim lesen ich sei noch dort.
    Absolut! Toll geschrieben, Believer! Sollte mal ein Buch von dir erscheinen, sag' Bescheid - dein Schreibstil liest sich wirklich toll

    Freue mich wirklich schon aufs nächste Camp, die Chancen, dass es dieses geben wird, stehen zur Zeit wohl ganz gut. Allerdings werde ich mich schneller anmelden als dieses Jahr, um auch in der Sportschule untergebracht zu sein. Das Hotel war zwar klasse, das Essen wirklich super und auch alle dort super freundlich, jedoch war es manchmal blöd, schon so früh von der Sportschule weg zu müssen...

  9. #9
    Welttorhüter
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    Danke für den Zuspruch.
    Im Ernst? Es ist leicht schön über etwas sehr schönes zu schreiben. Die Finger fliegen da nur so über die Tastatur.

    @Franky: Nein, Englisch und Französisch LK , aber ich nehme das mal als Kompliment. Ja, die Schwierigkeiten im Parkhaus waren wirklich unwesentlich...

    @Stetti: Danke, Stetti, aber das Bücherschreiben überlasse ich meiner Schwester.
    Ich denke die Unterbringung hatte nichts mit dem Anmeldedatum zu tun. Ich war diejenige, die als letztes gebucht hat und war trotzdem im Fußballhaus untergebracht. Aber ich denke, dass wir beide mit einer früheren Anmeldung nächstes Mal unseren Platz in der Sportschule sichern. Du hast wirklich damit Recht, dass auch die Abendgespräche in der Runde das Camp ausgemacht haben, denen ihr aus dem Hotel natürlich nicht so lange beiwohnen konntet.
    Geändert von Believer (18.10.2009 um 18:27 Uhr)
    "Bangerang"

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  10. #10
    Internationale Klasse Avatar von strigletti
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    Zitat Zitat von zooropa28 Beitrag anzeigen
    Klasse klasse! Ich dachte gerade beim lesen ich sei noch dort.
    Tja und ich war nicht dort und hatte beim Lesen das Gefühl dort gewesen zu sein

    Ganz, ganz grosser Auftritt, Believer!
    Stell dir vor, du gehst in dich - und keiner ist da

    Wer glaubt es reicht, wenn man bis zum Umfallen kämpft irrt sich...kämpfe darum Aufzustehen!!!

  11. #11
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    Zitat Zitat von Believer Beitrag anzeigen
    Du hast wirklich damit Recht, dass auch die Abendgespräche in der Runde das Camp ausgemacht haben, denen ihr aus dem Hotel natürlich nicht so lange beiwohnen konntet.
    Genau, das U21-Spiel hätte ich gerne mit euch gesehen und auch an dem einen Abend wäre ich gerne länger geblieben und hätte gerne noch eine Cola mitgetrunken. Mussten nur da schon weg, weil wir den Schlüssel abgegeben und nicht mitgenommen hatten.

    Alles in allem war ich aber wirklich zu 100% zufrieden mit dem Hotel - Zimmer, Essen, Freundlichkeit der Leute dort - alles top!

    Trotzdem halte ich es bei einem Usertreffen (das Camp war ja 50% Usertreffen und 50% Trainingscamp, hm... eher mehr Trainingscamp) für sinnvoller, wenn alle zusammen untergebracht sind. Da ja aber die Sportschule auch nicht unbegrenzt Zimmer hat, war die Lösung mit dem Hotel aber wirklich gut! Es hat, wie gesagt, dort alles gestimmt und weit weg war es auch nicht - zumindest wenn man ein Auto hatte.

  12. #12
    Welttorhüter
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    Danke für das Lob. Ich mache das sehr gerne. Dadurch wird man selber noch einmal ein bisschen in diese Zeit zurückgenommen

    Zitat Zitat von Stetti Beitrag anzeigen
    Trotzdem halte ich es bei einem Usertreffen (das Camp war ja 50% Usertreffen und 50% Trainingscamp, hm... eher mehr Trainingscamp) für sinnvoller, wenn alle zusammen untergebracht sind.
    Stimmt. Das Zusammensitzen am Abend - gerade am Samstag - war ja einer der schönsten Momente im Camp.
    Aber wir werden sehen, wie das nächstes Jahr geregelt wird. Beim Schreiben der Texte packt mich schon wieder die Vorfreude...
    "Bangerang"

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  13. #13
    Blickfeld Avatar von La_Chat
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    Zitat Zitat von Believer Beitrag anzeigen
    Auch Christian (La_Chat) gesellte sich, letztendlich zu einer beträchtlichen Steigerung des Lautstärke Pegels mit Ittis & Schlumpfs Hilfe, dazu.


    Ey! Wat kann'n ich dazu, wenn Itti unbedingt von der Bank kugeln musste und die beiden Schnapperellas so laut quietschen?!

    Zitat Zitat von Believer Beitrag anzeigen
    Beim Frühstück sollte ich dann erfahren, dass Itti und Christian in Begleitung noch versucht hatten in der Umgebung von der Sportschule Ruit die Nacht zum Tag zu machen. Dementsprechend sahen beide auch morgens aus. Ich hatte bei Itti auch eher das Gefühl, dass sie erwog sich in ihrer Cornflakes-Schüssel zu ertränken, als dass sie super auf die kommende Trainingseinheit vorbereitet war
    +

    Komisch ist, daß ich mich nicht daran erinnern kann mit Itti auf Trallafitti gewesen zu sein. Ich glaub das vertauscht du ein paar Tatsachen und Personen, Ulli. Den männlichen Part in dieser "Partynacht" habe ich def. nicht gestellt. Ich bin nach einem mit Itti geteiltem Weizen artig heim gefahren. Allein!

    Sonst ein toller Bericht! Ich freu mich schon auf die Fortsetzung. Vor allem, wenn du jedem hier erzählst wie es in deinem Zimmer aussah und welche Wäsche da so auf dem Boden verteilt lag...
    Früher war er der Panther im Verein, neulich meinte jemand: "Guck mal! Ein fliegendes Schwein!"

  14. #14
    Welttorhüter
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    Oh wirklich? Ach ja, dann war's die Heulsuse, die mit Itti mitgegangen ist, kann das sein?

    Letzteres wird für niemanden hier von irgendeinem Interesse sein
    "Bangerang"

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  15. #15
    torwart.de-Team
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    Zitat Zitat von La_Chat Beitrag anzeigen
    und welche Wäsche da so auf dem Boden verteilt lag...
    Ich muss nächstes Jahr unbedingt in der Sportschule untergebracht werden...

  16. #16
    Welttorhüter
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    Können wir bitte das Niveau dieses Threads erhalten?
    "Bangerang"

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  17. #17
    Blickfeld Avatar von La_Chat
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    Zitat Zitat von Believer Beitrag anzeigen
    Können wir bitte das Niveau dieses Threads erhalten?
    Dann müsstest du den Sa-Abend im Bericht streichen. DA krabbelte das Niveau bekanntlich unter den Tischen herum *duck&weg*
    Früher war er der Panther im Verein, neulich meinte jemand: "Guck mal! Ein fliegendes Schwein!"

  18. #18
    Welttorhüter
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    Wieso denn? Ich bin doch die Zensur

    EDIT: Übrigens, wenn jemand noch etwas falsches in dem Bericht erkennt - auch bei der Durchführung der Übungen - sofort Bescheid sagen. Es ist ja auch bei mir eine Weile her.
    Geändert von Believer (19.10.2009 um 21:36 Uhr)
    "Bangerang"

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  19. #19
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    Daumen hoch

    Niveau ist für mich das Unwort des Jahres, so oft wie man das hier um die Ohren gehauen bekommt.

    Der Bericht ist allerdings erstklassig! Mach weiter so Believer.
    Ruhet in Frieden Robert Enke & Spideratze...

  20. #20
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    Standard Der zweite Camp-Tag, der 27.06. - Teil 1

    Samstag, 27.06. – Tag 2 (Vormittag-Mittag)

    „Oh mein Gott, ich bin im Torwart-Camp!"
    Mit diesem Gedanken wachte ich morgen schlagartig auf, als mein Handy wie vereinbart die ersten Töne um 7:01 Uhr von sich gab. Ich kann euch sagen, so schnell war ich noch nie hellwach, angezogen, frisch gemacht und stand mit einer Hand an der Türklinke fertig zum Abmarsch bereit. Die Tür schon halb geöffnet fiel mir dann erst auf, dass es zum Frühstück noch offiziell 15 Minuten waren. Also beschloss Laura und Itti im zweiten Stockwerk einen morgendlichen Besuch abzustatten, um sie so früh wie möglich zum Frühstück mit zu schleifen. Auf mein Anklopfen folgte nur ein schwaches Gegrummel und so gleich fühlte ich mich wie in einem dieser Hollywood-Filme, wo der Protagonist noch im Bett hängt und die eine Wange im Kissen platt gedrückt vor sich hinnuschelt während der Nebencharakter das Zimmer betritt. Diese Szene spielte sich auch genauso vor mir ab, bloß, dass Itti nahezu reglos im Bett lag und keinerlei Lebenszeichen von sich gab. Das schwache Herein, wie sich herausstellte, war von Laura gekommen, die sich bereits putzmunter im Bad zu schaffen machte. Gemeinsam versuchten wir dann Itti aus dem Bett zu schleifen, bis Laura mir den gut gemeinten Ratschlag gab zum Frühstück schon vor zu gehen.

    Vor dem Fußballhaus 1 schlug mir derweil sofort eine ungewohnte nasse Kälte entgegen, die mich meine Entscheidung kurze Hosen anzuziehen so gleich bereuen ließ. Von der Hitze des vorangegangenen Tages war nichts geblieben. Der Himmel schien sich schamvoll hinter Unmengen von dicken regenschweren grauen Wolken zu verstecken und sein blaues Antlitz heute sicherlich nicht mehr zeigen zu wollen. Meiner Stimmung tat allerdings auch der umso mehr unter die Kleidung kriechende kalte Nieselregen keinen Abbruch. So hastete ich zur Cafeteria.
    Das Frühstück in der Sportschule Ruit ließ, genau wie das Abendessen, kaum Wünsche offen. Toast, Brot, Marmelade, Nutella (natürlich ), Käse, Wurst, Eier, Milch, Tee, Saft, Cornflakes aller Sorten ließen ein jedes Sportlerherz höher schlagen und so wurde ordentlich zu gelangt. Ich setzte mich an einen Tisch, zu dem im Laufe der nächsten Minuten auch Laura & Itti, Christian, Unikeeper , Franky, Killa_Keeper und einige andere stießen. Itti sah man sofort die „Strapazen“ der letzten Nacht an, denn sie hatte den bereits im letzten Bericht erwähnten selbstmordgefährdeten Blick aufgesetzt, mit dem sie fast schon erwartungsvoll in ihre Cornflakesschüssel starrte. Das bemerkte Steffen, der am Tisch daneben Platz genommen hatte und zog sie gehörig damit auf. Gerätselt wurde hingegen, welche Refreshing-Creme unikeeper denn benutze, dass er immer noch so frisch wie am vorherigen Tag aussah. Nach diesem ereignis- und witzreichen Frühstück sprinteten wir durch den mittlerweile strömenden Regen zurück in unsere Zimmer, um uns für die für 09:00 Uhr angesetzte Trainingseinheit fertig zu machen.

    Sehr optimistisch fand ich mich ohne Regenjacke – ich hasse diese „Dinger“ – in der Lobby des Fußballhauses 1 mit Itti und Laura zusammen, die mich dann doch in weiser Voraussicht zu einer dieser Ekelerfindungen überreden konnten, und ein Regenjacke-Überziehmanöver später fanden wir uns mit den anderen auf der zum Glück überdachten Terrasse vor der Cafeteria ein und warteten eigentlich nur auf das Losgehen. Auf mein Fragen hin erklärte Ulla mir, dass wir warteten, dass der Regen aufhöre. Meinem Optimismus tat das immer noch keinen Abbruch und so bemerkte ich nach einer viertel Stunde – so kam es mir vor – laut, dass der Regen doch weniger geworden sei. Die skeptischen Blicke von der Seite waren so gleich von einem Donnergrollen gefolgt, das uns sämtliche Haare zu Berge stehen und Mützen vom Kopf fliegen ließ. Spätestens jetzt war der, in der Bibel vorhergesehene Tag des jüngsten Gerichts hereingebrochen, da waren wir uns, angesichts des himmelaufreißenden Grollens, sicher. Zeitgleich sahen wir, wie auf der Terrasse neben uns das Wasser durch die Kaputte Luke in der Überdachung in Sturzbächen herunter floss und sich über den ganzen Untergrund verteilte. Einige Teilnehmer rutschten daraufhin näher an die große Gruppe heran. Ich fing an über dieses Apokalypsen-Wetter zu maulen, was sich alle im Umkreis von einem Meter anhören durften. Dabei schwankte ich zwischen „es hört bestimmt gleich auf“ und „ach, ist doch alles Entengrütze, da ist man schon mal in Stuttgart und dann…“. Derweil beratschlagten sich Marcel und einige andere Trainer, was denn nun zu tun sei. Zur Option stand schon früh das angesetzte Training in die Halle zu verlegen. Mein Optimismus war nun auch gewichen.

    Um die Zeit zur endgültigen Entscheidungsfindung ein wenig zu überbrücken, zog Ulla den für den Abend geplanten Vortrag über das „Taping“ vor. Es war einer der Vorträge, auf den ich mich am meisten gefreut hatte und er sollte alles halten, was ich erwartet hatte. Erst zeigte uns Ulla mit Engelsgeduld wie man sich das Mittelgelenk des Fingers taped, gefolgt von Erklärungen zum Tapen des Daumens, des Handgelenks und anderer Gelenke & Tapemethoden, die von den Teilnehmern erfragt wurden. Endlich abgelenkt vom Nörgeln und Hoffen tapte ich Caro mit Rafaels Hilfe (er spielte den Tapestreifen-Halter) den Finger, was sich als wirklich für uns beide sehr lustig erweisen sollte, da selbst das schmalste Tape in 6 längliche Streifen gerissen werden musste, um zu passen. Das Resultat wurde nach Begutachtung von der Expertin auch abgesegnet, während ich Caro noch fleißig die Nase & Rafael Kriegzeichen ins Gesicht tapte (sie wollten es so ). Hier noch einmal das Dankeschön an Ulla, „Steffens bessere Hälfte “, für den wirklich sehr hilfreichen und informativen Vortrag und alle kompetenten Antworten auf etwaige Fragen!
    Über und über im Gesicht mit Tapestreifen beklebt erfuhren ihre beiden Rabauken dann genau wie der Rest von der Entscheidung, die mittlerweile getroffen worden war: Wir sollten uns, so schnell wie möglich nach dem Anziehen von etwas passenderer Kleidung (Kunstrasenschuhe, wenn möglich) in der Fußballhalle hinten auf dem Grundstück der Sportschule einfinden, die mit Kunstrasen ausgelegt war und zwei Kleinfeldtore beinhaltete. Dort sollten am Nachmittag auch der Reusch-Vortrag sowie der torwart.de-Sonderverkauf stattfinden.

    Da sich der ganze Zeitplan schon nach hinten verschoben hatte, beeilten wir uns mit dem Umziehen sehr und fanden uns dann in der Halle ein. Hier hatte man die Stationen für den Vormittag und Nachmittag etwas durcheinander gewürfelt, da manche in der Halle nicht so gut umsetzbar waren. Nach dem üblichen individuellen Warmmachen liefen die Gruppen zu einer Station. Sofort sicherte ich unserer Ladies-Gang einen Platz bei der Station Carsten mit dem verheißungsvollen Titel „Body Core“ (Videos). Steffen hatte bereits vor dem Camp im Forum diese Station als heißer als die Hölle angekündigt und so schlug mein Herz höher, als wir uns dort zusammenfanden. Da war ich wohl die einzige aus unserem Team, die mit solcher Begeisterung heran ging und diese Station als Erfüllung und nicht etwa als Folter ansah. Während Ulla, Ela, Josi, Caro und Laura wie immer mit großem Interesse bei der Sache waren, drückte sich so manch andere – wer mitgezählt hat, weiß, von wem ich spreche – mit der gleichen Begeisterung die ich für diese Station, hegte vor dieser. Aber das sah der Rest wie ich auch relativ relaxed, so unter dem Motto: „Tja Mädels, wenn ihr keinen schönen Bauch haben wollt, seid ihr selbst Schuld!“
    Leider schafften wir es nicht, die Übungen, die oben im Video gezeigt werden, zu machen, denn auch diese hätten mich sehr gereizt!
    Ich hätte vor dieser Station nicht gedacht, dass ich so viel neues im Bereich Athletik dazu lernen könne, da ich mich in meiner außerfußballerischen Freizeit auch viel mit dem Thema Fitness beschäftigte, aber ich nahm tatsächlich eine Menge neuer Übungen mit, von denen ich es immer noch bedauere nicht die Zeit gehabt zu haben mich mit Carsten kurz zu schließen und eventuell seinen Zettel mit den Übungen abzuschreiben. Es war wirklich eine tolle Sache, da die Übungen genauso simpel aussahen wie sie am Ende effektiv waren. Da merkte ich doch, dass ich auch in diesem Bereich noch sehr viel zu lernen habe! Nach dem für uns schon typischen Dank und Applaus für Carsten, der von einer Zweierpartei eher mit herausgestreckten Zungen bescheiden ausfiel, schritten wir zur nächsten Station.

    Diese hatte Mathias von dem Nachmittag auf den Vormittag gelegt, da sich diese Übung auch gut in der Halle durchführen ließ. Mit großem Interesse hatte nicht nur ich bereits vor dem Wechsel immer mal rübergeschielt, um zu sehen, was sich denn nun hinter dem Begriff „Plyometrisches Training“ wirklich verbirgt. Wie viele Torwartübungen hat man sich auch hier am Vorbild einer anderen Sportart orientiert, diesmal am Basketball. Und es war auch so, wie es bei sehr vielen gut ausgeführten Torwartübungen ist. Es sah leichter aus, als es im Endeffekt war. Ich freute mich gleich, da wir unsere Handschuhe gar nicht erst anziehen brauchten. Das Erwärmen bzw. Trainieren teilweise ohne Handschuhe war mir nicht vertraut und es war mir – so traurig es auch im Hinblick auf meine bisherigen Torwartjahre, die zwar nicht viele zählen, aber dennoch eine Handvoll sind, ist – eine neue Erfahrung so vollkommen auf meine Finger zu vertrauen. Das sollte sich auch nicht als Problem herausstellen.
    Der Geist der Plyometrischen Übungen steckte nun in zwei Plyometrie-Kisten, die Mathias, wie er uns auf Nachfrage erklärte, von einem befreundeten Schweißer hatte bauen lassen. Sie waren relativ klein, aber dennoch für die Größe verhältnismäßig schwer – wie ich beim aus der Halle tragen nach der Trainingseinheit noch erfahren sollte. Das war eben ihrer Stabilität geschuldet, denn die erwies sich als sehr wichtig.
    Leider konnte die kleine Caro manche dieser Übungen, die für ihr Alter noch ungeeignet waren, nicht mit machen, aber sie hielt sich sehr tapfer mit ihrer Enttäuschung und durfte dann doch eine Variation durchführen. Hier musste Mathias auch wieder zu Beginn der Übung das für die Ladies-Gang schon fast obligatorische „Hört ihr mir zu?“ sagen, dass so manchen Quasselstrippen in unserem Team geschuldet war.
    Wir begannen erst mit einer Kiste, von der wir uns davor stehend mit einem explosiven „Tritt“ auf die Kiste nach oben abdrücken sollten. Dann variierte Mathias – wie hier im Video zu sehen – die Übung mit seitlichen Schlusssprüngen auf und von zwei Kisten herunter. Dabei kam das erste Mal der gute alte Ball ins Spiel, den wir, nach der Abfolge von einem Sprung auf die Kiste, einen Sprung zwischen die zwei Kisten, wieder einem Sprung auf die zweite Kiste und dann einem soliden Stand, sichern sollten. Er kam zentral auf den Mann, da das Hauptaugenmerk dieser Übung natürlich auf der sauberen Ausführung der explosiven Sprünge lag. Zum Schluss führten wir mit Mathias eine letzte Variation in dieser Station durch, bei der die Übende auf der Kiste steht, ein Bein nach vorne ausgestreckt mit angezogenen Zehen. Sobald der Bodenkontakt eintrat, sollte sie sich nun so schnell wie möglich abdrücken und über zwei Hürden springen, zwischen denen der Bodenkontakt maximal auf dem Ballen des Fußes erfolgen sollte. Nach dem Sprung über die letzte Hürde war wieder ein möglichst sofortiger solider Stand gefordert, damit wir danach erneut einen Ball zentral vor die Brust sichern konnten. Vor allem die Ausführung bis zum ersten Bodenkontakt und die schnellen Sprünge auf den Fußballen über die zwei Hürden, erforderten mehr Konzentration, als zu erst gedacht. Dabei konzentrierten wir uns auf die bis auf den Punkt genaue, saubere Ausführung. Die Intensität dieser Station würde ich zwar als niedrig einschätzen, aber wie wir so gleich erfuhren, unterschätzt man diese bei den Plyometrischen Übungen sehr schnell und deswegen seien ein paar Wiederholungen zur Erwärmung im Training vollkommen ausreichend. Diese Station inspirierte nicht nur mich am Ende sehr, da sich bereits ein paar Wochen nach dem Camp User an die Werkbank setzten, um ihre eigene Kiste zu bauen. Luke war dabei der Erste, der mit beispielhafter Begeisterung zur Sache ging und uns nach nur kurzer Zeit eine eigene plyometrische Holzkiste präsentierte.

    Nach einem dankbaren Applaus für diese neuen Erfahrungen gingen wir hinüber zum „1 gegen 1“, das von Jens geleitet wurde (Video). Leider war die Station noch besetzt, so dass wir sie erst einmal übersprangen und uns zu Steffen gesellten, der die Station danach unter dem Thema „Torwarttechnik – schnelles Abtauchen bei flachen Bällen“ führte. Auch das war eine Station, auf die ich mich gefreut hatte, da mir diese Technik des Abtauchens gänzlich unbekannt war. Sie gehört nicht zum normalen Torwarttechnik-Wissensschatz eines Fußballtrainers, der nicht selbst einmal Torwart war, möchte ich mal behaupten. Umso mehr war ich gespannt.
    Die Station war einfach aufgebaut. Vor der Hallenwand waren lediglich zwei rote Hütchen im Abstand von ca. 3 Metern aufgestellt. Nun fragte Steffen nach Freiwilligen für den Beginn der Übung und wies mich an mich zwischen die Hütchen zu stellen, nach dem meine Hand in die Höhe geschnellt war. Er fragte mich, wo ich den Ball den hinhaben wolle, während er nur 2 Meter von mir entfernt stand. Noch etwas zu lax sagte ich, das sei mir egal. So schoss er mir nicht einmal zu hart einen Ball direkt frontal vor die Beine und ich landete in einer seltsamen seitlichen Scheren-Bein-Verrenkung, um den Ball zu sichern. Nach ein paar Wiederholungen mit Ansage, bei denen ich auch gehörige Schwierigkeiten hatte, auf der Entfernung schnell genug runterzukommen und deswegen des Öfteren gewisse Verrenkungen machte oder schlichtweg meine Füße benutzte, zeigte uns Steffen erstmal die Technik des Tauchens. Sehr präzise und hilfreiche Technikerläuterungen findet ihr hier. Nichts anderes hat er uns erläutert. Danach haben wir angefangen erstmal für uns selbst das Gefühl für diese Technik zu bekommen und zu probieren. Steffen zog sich dann nach ein paar Minuten des Testens mich heraus und stellte mich zwischen die Hütchen. Nun sagte er erneut eine Seite an und ich versuchte mit Hilfe des Tauchens den Ball zu erreichen. Das ging schon relativ gut und doch passierte es häufiger bei der Nicht-Schokoladen-Seite, dass ich die Beine mehr wegschmiss, als dass ich das sich an der Ballseite befindende Bein vor das andere wegzog. Nach mir nahm Steffen der Reihe nach alle Mitglieder unserer Ladies-Gang ran, wo jeder so seine Vorlieben für Technikfehler beim Tauchen zeigte. Das „Wegschmeißen“ der Beine gewann dabei sicherlich das Ranking des beliebtesten Technikfehlers. Allerdings versicherte uns Steffen, dass wir vor den Jungs noch die beste Gruppe waren, was uns natürlich vor Stolz glühen ließ, da die Jungs mit dem Beine wegschmeißen noch eifriger gewesen seien als wir. Frauen können es eben doch besser! (Doch wie ich von Steffen hörte, soll Stetti bei dieser Übung geglänzt und als Vorzeigefigur fungiert haben )
    Tja, unseren Dämpfer diesbezüglich sollten wir am Sonntag schon noch bekommen… - alle Beteiligten wissen, wovon ich rede.

    Nachdem wir uns bei Steffen mit dem üblichen Applaus für die interessanten Neuigkeiten bedankt hatten, gingen wir zur für uns leider letzten Station, da für die Station „1 gegen 1“, die wir übersprungen hatten, keine Zeit mehr bleiben sollte.
    Unsere letzte Station wurde also von Thomas geleitet, der seitlich rechts (beim frontalen Blick auf die Szenerie) von einem Kleinfeldtor einen kleinen Hütchenparcour aufgebaut hatte. Erst führte er uns noch einmal mit Hilfe einem Ball vor, wie wichtig die aktive Torverkleinerung ist. In der Übung war dies neben der Koordination ein wichtiger Gesichtspunkt. Wir fingen mit einer Koordinationsleiter an, die Thomas vom Tor senkrecht weg auf den Boden legte. Nun sollten wir mit verschiedenen Variationen diese Leiter überqueren und danach zu einem hochgeworfenen Ball hochsteigen und ihn sichern. Ein paar Variationen und Durchgänge später räumten wir die Koordinationsleiter weg und widmeten uns dem Hütchenparcour. Diesen sollten wir nun durchqueren – je nach Position der Hütchen variiert – und danach den Winkel zum Tor verkürzen in der Bewegung nach rechts einen Ball abwehren, den Thomas erst noch relativ freundlich dann etwas härter im Tor unterzubringen suchte. Der Zufall kam mir zu Gute, dass ich dadurch mal das Hauptaugenmerk auf meine Nicht-Schokoladen-Seite legte, die sich ja rechts befindet. Nach dieser wiederum etwas anstrengenderen Übung war diese Trainingseinheit auch „schon wieder“ – so kam es mir immer wieder vor – beendet. Wir klatschten wie immer – was mir irgendwie so vom Teamgeist auch sehr gut gefiel – mit Thomas ab und verabschiedeten uns dann.

    [...]
    Geändert von Believer (15.06.2010 um 14:34 Uhr) Grund: Da habe ich doch allen ernstes die maximale Zeichenanzahl eines Beitrags überschritten :D
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  21. #21
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    Standard Der zweite Camp-Tag, der 27.06. - Teil 2


    Samstag, der 27.06. - Tag 2
    (Nachmittag-Abend)


    [...]
    Ich dehnte mich noch, wie nach jeder Einheit, aus und trug dann mit jemandem die zwei Kisten von Mathias zu seinem Auto. Mittlerweile war die erste richtig gute außerfußballerische Nachricht des Tages, dass der Himmel sich doch ausgeregnet hatte und nur noch stockend ein paar Tropfen auf die Erde fallen ließ.
    Nach dem Training wurde sich in Windeseile geduscht und umgezogen, um doch noch, durch den verschobenen Zeitplan, rechtzeitig zum Mittagessen zu kommen. Wieder ließ es nicht zu wünschen übrig, da Pasta und Salat (meine Auswahl) sehr gut waren. Während dieser halben Stunde, in der der Puls wieder ein wenig runterkommen sollte, ging die Nachricht um, dass wir uns nach dem Mittagessen gleich umziehen sollten, um nach dem anstehenden Reusch-Vortrag und dem torwart.de-Sonderverkauf zur Trainingseinheit aufbrechen zu können.
    Schon mächtig durch das Dehnen und Kisten tragen in Verzug geraten, ließ ich es mir am Tisch mit der Familie Steffen und Josi dann trotzdem nicht nehmen ganz ruhig zu essen und mich an der Unterhaltung zu beteiligen und tauchte so nach dem Umziehen etwas zu spät zum Vortrag vom Repräsentanten von Reusch auf. Dieser erläuterte gerade sehr umfangreich und informativ die Produktionsweise der Handschuhe von Reusch, ihre Besonderheiten und verwies auch auf das Preis-Leistungsverhältnis, das angesichts der Preise über der Hundert-Euro-Marke für so manchen Handschuh öfter angezweifelt wird. Nach diesen Informationen stellte er sich noch den Fragen seiner Zuhörer. Die Haupt-Frager stellten dabei Stetti und Paulianer, die sich als unsere Materialexperten eifrig erkundeten.
    Mein persönlicher Höhepunkt lag jedoch neben mir und war die während des Vortrags friedlich eingeschlummerte Itti. Laura und ich schüttelten uns mittlerweile vor stummen Lachanfällen und versuchten darüber den Vortrag nicht zu unterbrechen und den Eindruck zu erwecken, dass uns dessen Inhalt nicht interessieren würde, was definitiv nicht der Fall war. Steffen, der mit seiner Kamera vor Ort war, um solch interessante Momente einzufassen, wie Itti zu diesem Zeitpunkt einen bot, schlich sich langsam heran und schaffte es wirklich, sie dabei nicht einmal aufzuwecken. Das Ergebnis hat wohl schon jeder bei den Fotos über das Camp entdeckt. Anscheinend litt da wirklich jemand unter dem Schlafentzug von letzter Nacht. Sie tat mir ja soo leid! Sie schien allerdings nicht die einzige gewesen zu sein, die vom bisherigen Tagesablauf geschlaucht war, da auch uns gegenüber so manch einer im Schneidersitz mit gesenktem Kopf in sich zusammengesunken war.

    Nach dem Vortrag vom Reusch-Vertreter und zwei Geschenken, die er an die Campteilnehmer in Form eines Handtuches und einer Probe von „Glove-Wash“ verteilte (danke an Reusch an dieser Stelle!) öffnete der torwart.de-Sonderverkauf seine Pforten. Wenn wir ehrlich sind, hatte schon das halbe Camp diesem Moment entgegen gefiebert und auch ich machte mich nun eifrig auf die Suche nach Schätzen. Leider lassen meine kleinen Finger nicht viel Spielraum zu und so wurde lediglich ein Puma King XL Aqua mein. Der hatte es dann allerdings auch in sich! Schön war auch, dass ich ein paar andere Handschuhe anprobieren, testen und so herausfinden konnte, dass ich bei Uhlsporthandschuhen beispielsweise sogar eine Größe 7 tragen muss. Bitte an dieser Stelle keine Kommentare
    Auch die Mods machten sich eifrig auf Shopping-Tour. Stetti sah ich beispielsweise rumwuseln, wie eigentlich meinesgleichen beim Sommerschlussverkauf.
    Bezüglich des Verkaufs lässt sich noch erwähnen, dass ich die Bekanntschaft von Ilka Schäfer, Marcels Frau, machte, die mit dem torwart.de-Shop in mir einen nicht immer ganz leichten Kunden hat. Auf diesem Wege dann einen Dank für die immer kompetente und hilfreiche Beratung an Sie und ihren Mann!
    Nach einem kurzen Jonglieren im Kreis mit Christian, Itti und ein paar anderen, passte ich Klaus ab und ging schwatzend mit ihm zum Fußballhaus 1 zurück, um meine erworbenen Schätze im Zimmer zu verstauen. Mittlerweile hatte es tatsächlich aufgehört zu regnen und der Himmel zeigte erste Risse in der Wolkendecke. Das steigerte meine Vorfreude auf die kommende Einheit beträchtlich.

    Einen kurzen Ausflug ins Zimmer später machte ich mich schnell auf den Weg zum Trainingsplatz über die Brücke und schon von da aus sah ich, dass noch einige fehlten, die sich offensichtlich noch beim Sonderverkauf befanden. So geigelten wir – wozu an diesem Tag wirklich wenig Zeit geblieben war – noch ein wenig auf dem Rasen rum, bis alle eingetroffen waren. Nachdem sich die Trainer kurzgeschlossen hatten, beschlossen sie, dass wir erst einmal das Demotraining von Dennis Rudel und seinem Schützling Daniel Wagner sehen sollten, da durch den verschobenen Zeitplan beiden nicht viel Zeit blieb.
    Sie zeigten erst ein kleines Erwärmungsprogramm mit Ball mit ein paar lockeren Schüssen auf den Mann, die in der Folge härter wurden, arbeiteten dann mit den Airbodies, so dass Dennis Rudel ein paar Schüsse mit angesagter Seite kurzzeitig verdeckt schießen konnte oder dass Daniel Wagner in Form des Airbodies ein Hindernis überwinden muss, um den zentralen Ball sichern zu können. Diese Übungen variierten sie. Dann folgten noch ein paar Übungen zu den Prinzipien „Optimale Position und Distanz“, sowie „Rechtzeitig fertig“ (Letzteres findet ihr im ersten Video dieses Threads). Zum Ende des Demotrainings konnte Daniel Wagner noch einmal seine Künste bezüglich des Übergreifens zeigen. Danach wurde uns die Möglichkeit gegeben Fragen zu stellen und diese wurden geduldig beantwortet. Alles in allem war das Demotraining sehr gelungen und machte Lust auf die bevorstehende Trainingseinheit. Nicht nur mir ging es so, dass spätestens nach den ersten Bällen sofort die Finger kribbelten und ich mich kaum auf meinem Rasenstück halten konnte. Ein guter Start in die Trainingseinheit also. Dazu kam auch noch, dass sich Zeus unserer erbarmt und Sonne geschickt hatte, die nun ihre freundlichen Strahlen auf den Rasen warf und die Vorfreude nur vergrößerte.

    Unheimlich motiviert ging ich zur ersten Station für unsere Ladies-Gang, die ich im Vorfeld als Lieblingsstation auserkoren hatte. Steffen leitete sie und wollte uns die „Torwarttechnik des Hechtens bei halbhohen Bällen“ bzw. "Bogenflug" (Video) etwas näher bringen. Die Station versprach auch vollkommen, was ich mir erwartet hatte.
    Erst machten wir ein paar Übungen wie das Abrollen aus dem Handstand, um zu merken, dass bereits der natürliche Reflex bei solchen Übungen zum seitlichen Abrollen tendiert, da man nicht „komfortabel“ mit Ball aus dem Handstand landen kann. Nun wies uns Steffen in die Kunst des Hechtens mit Abrollen ein. Wir sollten uns im Kniestand (also mit einem Bein vorne angewinkelt) auf den Rasen knien und dabei einen Ball in den handschuhlosen Händen halten. Nun sollten wir uns aus dem angewinkelten Bein heraus drücken und in einem großen Satz zur Seite des angewinkelten Knies springen, den Ball aufsetzen und dann in der Bewegungsrichtung abrollen. Auf der Schokoladenseite war das, wie erwartet, für mich kein Problem. Toll war es allerdings zu sehen, dass ich es durch diese Übung auch endlich zu Stande brachte, wenn auch etwas holprig, über meine rechte Seite abzurollen. Vor allem bietet diese Übung die Gelegenheit so etwas wie Hechten und Abrollen trocken alleine zu üben, da das Hauptproblem bei den meisten Teilnehmern des Camps ja immer beim Thema Torwarttrainer liegt, der vielen fehlte bzw. immer noch fehlt.
    Bald steigerten wir den Schwierigkeitsgrad, in dem wir uns die Bälle gegenseitig zu warfen und so auch der Aspekt des Timings eine große Rolle einnahm. Zum Schluss versuchten wir es auch aus dem Stand, während uns Steffen die Bälle zu warf.
    Am Ende dankten wir Steffen für diese durch und durch gelungene Station und schritten – ich für meinen Teil sehr ermutigt, aber mit einem leichten Drehwurm, da ich fast jede freie Sekunde nur gehechtet und gerollt war – zu unserer nächsten Station bei Thomas, er mit uns Übungen zum „aggressiven Ballangriff“ (Video) durchführen wollte.
    Zum Anfang folgten ein paar Technikerläuterungen und reine methodische Technikübungen, die ihr Hauptaugenmerk erneut auf das aktive „Zum-Ball-Gehen“ legten.
    Danach fingen auch wir mit der Übung zum aggressiven Ballangriff an. Dazu hatte Thomas hinter einem roten Hütchen links und rechts versetzt wie eine Art gelbes Hütchentor aufgebaut. Die Aufgabe war es nun auf Zuruf vor dem Schuss die imaginäre Linie dieses Hütchentors zu erreichen und zum flachen Ball zu reagieren. Diese Übung wurde noch variiert, in dem ein zweiter Ball ins Spiel gebracht wurde, vor dessen Abwehr man erneut so schnell wie möglich eine Linie eines zweiten Hütchentors dahinter passieren musste. Auch diese Übung half mir sehr weiter, da ich ein Gespür für die Methodik und das Timing solcher Aktionen bekam.

    Nach dem Dank an Thomas und dem Abklatschen wechselten wir zu Mathias, der bei seiner Station erneut von Klaus unterstützt wurde. Hier fanden wir das Thema „Stellungsspiel und Position“ vor (Videos dazu hier). Vor dem Tor hatte Mathias in der Mitte eine Hürde aufgestellt, über die wir vor und zurück springen sollten. Auf Zuruf sollten wir dann in einen von Hütchen begrenzten Bereich laufen, dort den Winkel zum Tor verkleinern und den Ball abwehren oder sichern. Diese Übung variierte Mathias dann, in dem er Klaus mit ins Spiel brachte. Auf Zuruf von „Eins“ sollten wir nun rechts das Tor verkleinern und auf Mathias geschossenen Ball reagieren, während wir bei „Zwei“ das gleiche links bei Klaus ausführen sollten. Diese Kombinationen liefen noch recht gut. Bereits beim ersten Ball wurde ich von Mathias auf einen ungünstigen Bewegungsablauf meinerseits im Eins gegen Eins aufmerksam gemacht. Das Tippeln in dieser Situation sieht man öfter und es ist schon weitverbreitet. Ich hatte mir darüber nie Gedanken gemacht, aber beim genaueren analysieren merkte auch ich, dass es zu bestimmten ungünstigen Situationsverläufen führen kann. Also musste ich versuchen die erste Schwachstelle anzugehen.
    Es gab für Jede aus unserer Gruppe zwei Durchgänge und bei mir wurde zweimal „Eins“ gerufen, so dass ich auf Mathias Ball reagieren musste. Bei einem langen Ball in die Ecke gelang mir das sehr gut, doch das Lob für diese Aktion sollte im weiteren Verlauf der Übung noch eine andere Basis erhalten. So wurde der Ablauf erneut variiert. Die Übende sollte nun wie auch schon zuvor immer vor und zurück über die Hürde springen, bis Mathias das Kommando gibt. Dann sollte sie so schnell wie möglich vor ihm im Hütchenbereich zum Stehen kommen und das Tor verkleinern. Doch jetzt kam hinzu, dass entweder ein direkter Schuss oder ein Pass zu Klaus ausgeführt werden konnte, der links in der langen Ecke lauerte. Er wartete dann kurz und schloss ab. Diese Übung sollte mir im Camp den größten Aha-Effekt bescheren, der mich schon von einer ziemlich dicken Wolke fallen lassen würde. Beim ersten Durchgang schaffte es Klaus mich nach links zu verladen und den Ball einzuschießen. Was da noch wie eine einmalige Sache erschien, wurde schon deutlicher als ich beim zweiten Mal mich auch wieder verladen und diesmal tunneln ließ. Oh, was habe ich geknabbert. Mathias und Klaus schafften es also mit dieser Übung und nur zwei Bällen eine völlig neue Schwäche aufzudecken, die mir wirklich vorher vollkommen unbekannt war. Während andere immer in die kurze Ecke spekulieren, spekuliere ich unbewusst in vielen Situationen nach links, so dass ich mir dann auf der anderen Seite nur mit dem Fuß zu helfen weiß. Erstaunlich und brutal wahr. Hier ein ganz großer Dank an Mathias, der mich nicht auf dieser schnörkellosen Erkenntnis sitzen ließ, sondern mir noch einmal zwei Durchgänge obendrauf gab. Zwar liefen auch diese beiden nur geringfügig besser, so dass ich zwar nicht weniger das Gefühl eine eklatante Schwäche aufgedeckt zu haben hatte, aber wenigstens das Gefühl bekam, dass ich so gleich etwas daran ändern kann. Das hat wirklich in dieser Situation geholfen. Es war wohl eine der bittersten und erstaunlichsten Momente im Camp! Danke dafür. Es ist war wirklich begeisternd, wie viel Zeit sich die Trainer allgemein für jede/n Einzelne/n nahmen, da der Zeitplan straff war und sie trotzdem jede Chance zu dieser persönlichen Fehleranalyse und zu Tipps und Verbesserungsvorschlägen nutzten!

    Nach dem Dank und dem Applaus für die zwei Trainer machten wir uns als Team auf den Weg zur letzten Station, die von Jens geleitet wurde. Er wollte uns die Technik des richtigen Abwerfens schon einmal zeigen. Dabei machte er einmal den Bewegungsablauf vor und beantwortete kurze technische Fragen. Dann stellten wir uns gegenüber auf und warfen uns die Bälle zu. Es war schon ungewohnt den Ball so hoch vom Arm ab zu werfen, aber das schöne war dabei, dass bereits nach wenigen Minuten erste Erfolge spür- und sichtbar waren!

    Nach dem wir uns für diese letzte Station und Jens Engagement bedankt hatten, war für uns schon vorzeitig der Trainingstag beendet, da wir die Station des „Flankentrainings I“ (hier dazu ein Video) nicht mehr schafften.
    Da nahm mich dann Luke zum Glück zur Seite und wir übten gegenseitig Abstöße, so dass ich nicht mehr ständig an der Trainingseinheit herumgrübelte, die doch am Ende schon an mir nagte. Wir (u.a. Paulianer, Luke und ich) blieben auch mit Steffen noch ein wenig auf dem Platz, um offene Fragen bezüglich der Technik durchzugehen, so dass wir mit fast halbstündiger Verspätung nach dem Duschen im Essenraum zum Abendbrot eintrafen.

    Dort angekommen fanden wir zu unserem Erstaunen und gleichzeitigem Entsetzen nahezu leere Schüsseln und Teller vor. Das Brot war bis auf ein paar wenige Scheiben weggeräumt worden, die Wurst und der Käse waren bis auf einen Krümel Teewurst aufgebraucht und als einzige warme Speise blieb ein kleiner Rest Kartoffelsalat. Ich werde sicher nicht so schnell vergessen, wie ich den Rest Teewurst dem grummelnden Steffen mir gegenüber gab, der sonst zum Abendbrot lediglich 3 Scheiben Brot – mehr war ja nicht mehr da – gegessen hätte, auf die er Maggi-Würze geträufelt hatte. Das war wirklich die einzige schlechte Erfahrung, die wir mit dem Essen der Sportschule Ruit machten. Schon etwas angesäuert angesichts dieses kargen Abendbrots nach dem Training, machten wir uns auf den Weg zum Vortrag, der für den Abend angekündigt worden war. Er wurde von einem Mitglied des WFV zum Thema „Anforderungsprofil eines Torhüters“ gehalten und dauerte gut eineinhalb Stunden. Obwohl wir schon etwas müde und ausgelaugt vom vollgepackten Tagesablauf und vom Training waren, beteiligten sich viele Teilnehmer des Camps am Vortrag mit Interesse. Am Ende bot dieser Vortrag noch viel Gesprächsstoff für Steffen, Paulianer, Stetti, Christian, Luke und mich und hätte Steffen nicht dafür plädiert erstmal in Ruhe die Gaststätte auf das eine oder andere Getränk aufzusuchen, hätten Paulianer und Stetti vieles sicherlich draußen in der Kälte sofort ausdiskutiert. Davon lebt ja unser Forum.

    So wanderten wir erstmal alle zu unseren Zimmern, zogen uns etwas wärmer an, da es bereits sehr kühl geworden war und trafen in der Gaststätte an einem langen Tisch wieder zusammen. Was nun folgte war wohl der lustigste und gleichzeitig niveauloseste Abend im Camp, bei dem das Niveau in vielerlei Hinsicht unter den Tisch viel, aber immer Mal wieder gesucht wurde. Auch das darf man ruhig wörtlich nehmen. [
    Während ich mich mit Stetti kurzschließen konnte, drehte Steffen später Videos über bayrische Nachrichtensendungen, aufgenommen von Paulianer, in denen ich die Rolle der Mikrohalterin übernehmen durfte/musste. Ich würde das alles ja ausführen, aber jedes Wiedergeben der exakten Geschehnisse des Abends würde erstmal jegliche Altersvorgabe sprengen und zweitens dem Gehalt an Freude und Lachen nicht gerecht werden. Das, was wir an diesem Abend da vollführten war wirklich feinstes Bauchmuskeltraining.[
    Als sich die ganze Runde ein wenig verdünnt und beruhigt hatte konnte ich auch noch Ulla ein paar ernstere Gespräche führen, natürlich erst als sich Steffen nach draußen verflüchtigt hatte. Es waren wirklich auch diese Momente des Austausches über die verschiedensten Sachen – ja, meistens war es Fußball aber nicht immer – die das Camp aus- und zu einem einmaligen Erlebnis machten!
    Verwundert, wo denn viele unserer Runde geblieben waren, machte ich mich dann um ca. 22 Uhr auf den Weg nach draußen und fand, neben der Terrasse auf Steinbänken sitzend Steffen, Bobbles, einen weiteren Camp-Teilnehmer, Luke und an einem Blumenkübel lehnend Paulianer vor. Ich gesellte mich so gleich dazu und sollte von diesem Zeitpunkt an, ich nenne es mal so, „den Abend“ erleben. Die Eindrücke darüber habe ich schon vielfach niedergeschrieben und werde sie deswegen hier nicht ausführen. Wenn ihr etwas darüber erfahren wollt, dann schaut in diesen Thread hinein, wo die Anwesenden ihre Gefühle während dieses Gespräches geschildert haben.
    Immer mal wieder tröpfelten mit Unikeeper und La_Chat ein paar andere Camp-Teilnehmer vorbei und auch Mathias stellte sich kurz dazu. Alles in allem war es wirklich der schönste Abend des Camps und ich bedaure es nur zu sehr, dass Luke und Stetti mit den anderen Gästen des Hotels schon etwas früher gehen mussten.

    Um 1:30 Uhr öffnete ich dann nach dreieinhalbstündigem Sitzen auf dem Steinboden in der Kälte, obwohl ich trotzdem nichts dergleichen wahrgenommen hatte, meine Zimmertür und schwang mich eine Viertelstunde später ins Bett. Es war der vollste, anstrengendste, aber auch schönste Tag des Camps mit einem einmaligen Abschluss am Abend. Danke dafür an alle Beteiligten!
    Wieder konnte ich nicht wirklich schnell Schlaf finden, aber diesmal nicht, weil in meinem Kopf so viele Gedanken kreisten, sondern vielmehr, da keine Gedanken in meinem Kopf vorhanden waren.
    Ich spürte nur einfach im hier und jetzt zu sein und hatte das Gefühl, dass Alles, was gerade ist, auch gut so ist!
    Geändert von Believer (15.06.2010 um 14:39 Uhr)
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  22. #22
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Believer,
    einfach nur danke
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  23. #23
    Internationale Klasse Avatar von strigletti
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    Believer,
    das ist grosses Kino!
    Stell dir vor, du gehst in dich - und keiner ist da

    Wer glaubt es reicht, wenn man bis zum Umfallen kämpft irrt sich...kämpfe darum Aufzustehen!!!

  24. #24
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    Zitat Zitat von Steffen Beitrag anzeigen
    Believer,
    einfach nur danke
    Steffen, mit diesem Camptagebuch möchte ich ja auch euch danken. Dafür, dass ihr Trainer du, Mathias, Carsten, Thomas, Jens und der Co-Trainer Klaus und natürlich auch Marcel als Initiator des ganzen Camps, viel Arbeit da hineingesteckt habt und so das Camp zu einem fantastischem Erlebnis gemacht habt.
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  25. #25
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    sehr, sehr schön. Aber bitte "Weichei"

  26. #26
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    Avatar von Believer
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    Ja, ich hatte überlegt...
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  27. #27
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    Toll geschrieben, ich freue mich schon auf nächstes Jahr!
    Farblegende: Moderator | Privatperson

  28. #28
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    Avatar von Luke
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    Als wäre es nicht überflüssig, dass ich meinen Senf dazu gebe, aber du weißt ja:

    Super, mega toll geschrieben....

    Weiter so

    Du darfst später gerne mal eine Biographie über mich schreiben....

  29. #29
    Amateurtorwart Avatar von Franky Sunday
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    Du hast mir soeben gnadenlos den Abend versüßt! Ganz großes Kino Believer! Ich komme mir gerade vor wie am Sonntag nach dem Camp, als ich zu Hause ankam und direkt wieder weg wollte, danke!

  30. #30
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    Zitat Zitat von Luke123 Beitrag anzeigen
    Du darfst später gerne mal eine Biographie über mich schreiben....
    Wie überaus großzügig
    "Bangerang"

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  31. #31
    Torwarttrainer Avatar von zooropa28
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    Also mal genug des lobes! Nachdem ich das nun alles gelesen habe, vor allem die situationen des trainings, fällt mir spontan die frage ein.....wie hat sich denn eigentlich deine sportliche situation entwickelt???
    Eh isch misch uffresch, iss mirs libber egal!

  32. #32
    Torwarttrainer Avatar von zooropa28
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    Ach so believer....toll geschrieben!!!
    Eh isch misch uffresch, iss mirs libber egal!

  33. #33
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    Tolle Tagebucheinträge, Believer. Vielen Dank für die Mühe.
    Marcel

  34. #34
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    Standard Der letzte Camp-Tag, der 28.06.



    Sonntag, der 28.06. – Tag 3

    Der Wecker riss mich wie auch am Samstag um 7:01 aus meinem traumlosen Schlaf. Langsam schwang ich die Beine über die Bettkante und versuchte des Gedankens Herr zu werden, dass dies der letzte Camp-Tag sein würde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich ihn vor mir weggeschoben. Das war auch, aufgrund der tollen und faszinierenden Ereignisse, die ich hier in Ruit erlebt hatte, nicht sonderlich schwer gewesen. Ins Bad, frisch machen, Zähne putzen, Tasche packen (Wir sollten bereits nach dem Frühstück die Zimmer räumen)… Alles lief mehr oder weniger in einem Automatismus ab, während ich meinen Gedanken und Erinnerungen der letzten beiden Tage hinterher hing. Die Uhr hatte sich gerade einmal zu 15 vergangenen Minuten erbarmt und so saß ich in diesem aufgeräumten Zimmer vor meinen fertigen Taschen auf dem Bett und wusste nichts anzufangen mit mir. Einerseits freute ich mich unbändig auf die letzte Trainingseinheit, für die auch noch sehr interessante Stationen eingeplant waren, aber andererseits befiel mich leise kriechend eine Wehmut bei dem Gedanken, dass ich um 16:30 schon den Flieger Richtung Berlin zurück nehmen musste.
    Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, was mich an diesem Tag noch alles erwarten würde.

    Um Punkt halb Acht machte ich mich auf den Weg zum Frühstück und setzte mich wie üblich an den Tisch hinten in der Ecke, wo im Laufe der nächsten 15 Minuten auch die Frühstücksgesellschaft der letzten Tage Platz machte. Die Gespräche waren ausgelassen wie immer doch hier und da waren ein leichtes Seufzen zu vernehmen und ein paar Blicke, die zum Trainingsplatz hinüber schweiften. Aber von gedrückter Stimmung konnte hier keine Rede sein! Nicht bei uns. Wie auch?
    Nach dem Frühstück zogen wir uns gleich um und räumten noch nicht, wie es eigentlich erst geplant worden war, die Zimmer. Die Sportschule gestand es uns dankenswerter Weise zu noch einmal nach dem Training duschen gehen zu können und so trabten wir um neun Uhr das letzte Mal den Weg über den Hof neben dem großen Rasenplatz, an den Kunstrasenplätzen vorbei, über die Brücke hinüber zu unserem Trainingsgelände herunter. Der Anblick der zwei Tore auf dem Laubgrün blies alle Gedanken über das letzte Training und das Fernweh, das schon jetzt einsetzte, aus meinem Kopf und ich beschloss die letzte Einheit einfach nur noch Gas zu geben und jede Minute zu genießen. Ich wusste schon zu diesem Zeitpunkt aus der Erfahrung der letzten Tage heraus, dass sie wie im Flug vergehen würde.

    Die Ladies-Gang hatte sich am Tag zuvor schon einen Platz bei Mathias als erste Station gesichert und so liefen wir uns vor dem Tor mit den zwei bunten Hütchen ein letztes Mal für dieses Jahr gemeinsam im Camp warm. In der Erwärmung hatte das Training für mich einen ganz besonderen Knopfdruckmoment bereitgehalten, den ich sofort in mir aufsog und den ich heute noch bis ins Detail wiedergeben kann.
    Danach ging es natürlich umso motivierter zu Werke. Die Station stand unter dem Motto „Reaktionstraining – Sehen, Hören, Fühlen“ (Video). Wir spezialisierten uns dann doch auf die zwei ersten Bereiche.
    Nach dem Erwärmen und Dehnen mit Caro stellten wir uns vor Mathias auf, um den Erklärungen zu lauschen. Wieder war der Kommentar „Hört ihr mir zu?“ angebracht. Manche drückten ihre Vorfreude eben auf anderem, etwas ungünstigerem Wege aus.
    In den folgenden Minuten erklärte uns Mathias, dass er im Tor jeweils ein farbiges Hütchen in die Ecken gelegt hatte. In der linken Ecke lag nun ein grünes Hütchen und in der rechten Ecke ein Rotes. Auf Ruf einer Farbe hin sollte die Übende sich umdrehen und zu dieser Seite einen Ball sichern. So dachten wir es zumindest, denn diesen Übungsablauf kennen wir ja, aber Mathias war das verständlicherweise zu einfach und so sollten wir in unseren Köpfen die Farben tauschen. Wenn also das Kommando „Rot“ kam, sollten wir uns nicht etwa nach Rot umdrehen und zum Ball gehen, sondern nach Grün. Das funktionierte andersherum natürlich genauso.
    Dieses Umdenken im Kopf gestaltete sich doch schwieriger als gedacht, führte aber zu einigen lustigen Szenen und im Übungsverlauf waren bei jeder Übenden bei diesen Gedankenübungen Fortschritte zu sehen. Die wirkliche Kunst bestand auch noch darin, die ganzen Neuheiten, die wir in den letzten Trainingseinheiten in uns aufgenommen hatten (z.B. das aktive zum Ball Gehen) zeitgleich umzusetzen.
    Als wir uns jedoch richtig auf Rot = Grün und Grün = Rot eingeschossen hatten, änderte Mathias erneut die Anweisungen und ließ uns nach Rot = Rot und Grün = Grün reagieren.
    Schon war die Sicherheit des ein oder anderen wieder flöten. Aber alles in allem war es eine sehr spannende Übung, die man auch gut auf dem heimischen Trainingsplatz ins Training einbauen kann, selbst wenn nur ein Feldspieler als vermeintlicher Torwarttrainer zur Verfügung steht. Vor allem wurden wieder ein paar meiner Schwachpunkte – ich stand permanent zu breit – sichtbar und auch der Informationsgehalt, den man aus dieser Übung mitnahm, war hoch.
    Da uns Mathias schon am Vortag gefragt hatte, ob wir im Camp bereits mit halbhohen bis hohen Bällen agiert hatten und wir dies partiell verneinten, gab er jedem von uns noch eine Ballabfolge aus ca. 6 halbhohen Bällen mit auf den Weg.

    Nach dieser durch und durch gelungenen Station bedankten wir uns ein letztes Mal in diesem Camp bei Mathias und wechselten zu Carsten, der die nächste Station „Flankentraining und hohe Bälle II“ leitete. Wir hatten ja leider am Vortag die Vorstufe dieser Station verpasst, sollten uns aber trotz dieses Umstands sehr gut schlagen, da manche Mitglieder unserer „Gang“ aufzutrumpfen wussten.
    Carsten stellte sich mit ein paar Bällen auf die Halbpositionen erst rechts und dann links vor den imaginären Strafraum und brachte hohe Bälle meistens ins Zentrum bis fünf Meter vor dem Tor hinein. Dieser Bereich war mit zwei Air-Bodies (links und rechts an der imaginären 5-m-Marke) „besetzt“ und sollte nun vom Torwart erobert werden. So ging auch so manche von uns zu Werke. Darf ich vorstellen? Unsere Eminenz, die Lufthoheit.
    Nach der erfolgreichen Eroberung des Balles sollten wir nun mittels eines präzisen Abstoßes zu einer Mitspielerin (meist die vorher Übende) Richtung Mittellinie das Spiel schnell eröffnen.
    Erwähnenswert war dabei einmal der Einsatz von Schlumpf und andererseits der von Caro, die von den Air-Bodies ja sogar doppelt überragt wurde. Schlumpf hatte den Tick, das Kommando „Leo“ beim Rauskommen erst sehr spät, sehr leise und dann sehr zusammengezogen zu rufen. Bei uns, die wir draußen saßen, kam nur ein „Jo“ an. Man hätte ihr also glatt eine Lederjacke überziehen, eine schwarze Sonnenbrille aufsetzen, ein Glitzersteinchen in die Nase und drei Ringe in die Ohren piercen lassen und sie vor einen Club stellen können, wo sie dann mit verschränkten Armen finster auf ihr Fußvolk herab starrt. Es war also mehr eine „supercoole“ Gangsterbegrüßung als eine Warnung an die Mitspieler, dass gleich die Luft brenne. Aber alle unsere Bemühungen waren vergeblich, vielleicht muss man es ihr einfach als „Style“ anrechnen.
    Zum anderen hatten wir da Caro, die mit heldenhaftem Mut gegen die Air-Bodies den Ball behauptete und ich muss ehrlich sagen, dass sie keine Gelegenheit dazu hatte mit den Air-Bodies in engeren Körperkontakt zu treten, sonst hätte sie diese finsteren Ritter glatt entwaffnet und entwurzelt! Außerdem schrie sie mit ihrem dreimal kleineren Lungenvolumen im Vergleich zu Schlumpf dreimal so laut, so dass es sogar noch auf dem Video der gerade übenden Gruppe bei Mathias zu hören war. Ihr müsst wirklich bei 01:05 und ab 02:00 Minuten die Ohren spitzen und schon könnt ihr diese schnörkellose, laute Ankündigung deutlich vernehmen.

    Nach dieser also sehr unterhaltsamen und erfolgreichen Übung bedankten wir uns bei Carsten und schritten hinüber zu Jens, der sich mit uns auf „Fußballtechnik und Rückpass“ spezialisieren wollte.
    Er baute dazu 2 Felder auf, die mit jeweils zwei Hütchen an den Fronten begrenzt waren. An diesen zwei gelben Hütchen postierten sich nun die zwei Rückpass gebenden Mitspieler und in das Feld hinter dieser Begrenzung stellte sich der Torwart. Die Aufgabe war es, einen Rückpass beispielsweise von links direkt nach rechts schräg vorne mit zu nehmen, kurz zu dribbeln und dann mit links den Pass zum rechts postierten Mitspieler, der sich ja nun gerade vor dem Torwart befindet, zu spielen. Nun spielte dieser den erneuten Rückpass und das ganze Spiel ging von vorne los.
    Mir brachte diese Übung sehr viel, da ich auf dem fußballerisch-technischen Gebiet noch sehr viel dazu zu lernen habe und ich so eine Übung mitnahm, sie man sehr gut in die Erwärmung vor dem Spiel bzw. noch ins Training einbauen kann, um die nötige technische Sicherheit zu erlangen. Nach ein paar Durchgängen und Mitspieler- bzw. Torwartwechseln und vielen Erläuterungen bezüglich technischen Fehlen und Verbesserungsvorschlägen, bedankten wir uns bei Jens für diese, oft den Schwachpunkt von Torhütern anvisierende Übung.

    Die nächste Station wartete mit ihren vielen Hütchen und Pilonen sehr bunt daherkommend auf uns. Mit der Hilfe dieser Trainingsutensilien hatte Thomas mit jeweils 4 Hütchen/Pilonen Rauten gebaut, in jeweils eine davon sich eine Übende stellte. So gleich wurde uns allen klar, warum das Thema „Sprungkraft und Schnelligkeit“ (Video) hieß. Thomas ließ uns ein wenig Zeit, um uns kurz an die Höhe der Pilonen und die Sprünge zu gewöhnen, bis er den ersten Übungsablauf erklärte. Er gab daraufhin den Pilonen Zahlen vorne beginnend von Eins bis Vier. Auf Zuruf von zum Beginn zwei Zahlen mussten wir diese in der Reihenfolge nun „abspringen“. Danach steigerte sich die Anzahl der Zahlenkommandos auf drei und dann auf vier. Diese Übung diente schon mehr der Sprungkraft als dem Mitdenken und war noch relativ gut zu meistern. An Omas Marmeladenglas, wie Steffen immer so schön sagte, ging es erst bei den folgenden Übungsaufgaben. Es folgte das, ich nenne es mal, „Spiegelhüpfen“. Itti und ich durften das Vorzeigepaar abgeben. Zwei Pilonenfelder waren gegenüber aufgebaut und in jedes davon gesellte sich eines der zwei Schuhpaare. Nun bekam ich die Aufgabe eine beliebige Abfolge von Sprüngen über die Pilonen zu absolvieren, während Itti das ganze fast spiegelverkehrt nachahmen musste. Erst als ich selbst mit dem Spiegeln dran war, kam ich schon ganz schön ins Schwitzen und verstand nun auch Itti, die mit hochkonzentriertem Gesicht jede meiner Bewegungen verfolgt hatte. Zum Schluss stellte sich jede wieder in ein Pilonenfeld, während wir der letzten Übungserläuterung lauschten. Es handelte sich dabei um Sprünge über die Pilonen, bei denen man sich um 90 ° dreht. Die Zahlenbezeichnungen der Pilonen waren geblieben und wir kamen gehörig aus der Balance, als wir versuchten jedes von Thomas Kommandos so schnell wie möglich auszuführen.
    Frau sah sehr gut, dass Man(n) vor uns auch schon Probleme gehabt hatte, denn ich sah kaum noch ein Hütchen, dass nicht mit Rissen, die teils das ganze Hütchen spalteten, gesegnet war. Die Armen.
    Aber Mitleid hat ein Torhüter mit seinen natürlichen Feinden selbstverständlich nicht!

    Nach dem allerletzten Abklatschen mit Thomas und dem Dank an seine kompetente Leitung wechselten wir zur allerletzten Station für dieses Camp.
    Steffen hatte sich ein Kleinfeldtor geschnappt und davor eine Hand voll Bälle gelegt. Er wollte mit uns Übungen zum Thema „Spielaufbau – Abwurf, Abstoß, Abschlag“ (Video) durchführen und stellte uns so gleich eine scheinbar leichte Aufgabe. Wir sollten – jede zwei Durchgänge - erst einen Abschlag in das Kleinfeldtor und dann einen Abstoß machen. Damit hatten wir natürlich auf die kurze Distanz keine Probleme und hämmerten die Bälle nur so ins Netz, doch Steffen hatte anscheinend eher welche.
    Die folgenden fünf Minuten möchte ich nun nicht weiter ausführen. Alle Beteiligten von damals wissen wahrscheinlich immer noch nur zu gut, worum es ging und deshalb lassen wir dieses Kapitel mal unter dem Topic „Need not to know“.
    Nach ein paar kurzen Ausführungen also erklärte uns Steffen erst die Technik des Abschlags, dann die des Abstoßes und zum Schluss erläuterte er uns den Abwurf. Wir übten dann immer gegenseitig fleißig und auch hier stellten sich bald ein paar minimale Fortschritte ein – gerade beim Abwurf war es deutlich zu sehen – was natürlich jeder der Beteiligten gut tat.

    So ließen wir also die letzte Station hinter uns und nicht wenige blieben nach dem Abschluss des Trainings noch auf dem Rasen sitzen schwatzend und in Erinnerungen vertieft. Von diesem Moment an, kehrte die Wehmut mit aller Brutalität – so muss ich es wirklich nennen – zurück und ich wollte eigentlich gar nicht meine Trainingssachen ausziehen und unter die Dusche hopsen, denn somit würde ich mir wirklich eingestehen, dass es das nun war mit dem Camp. Aber es half ja alles nichts. Nach dem uns klar geworden war, dass der Zeitplan trotz aller Gefühle und allem Zetern und Hadern starr blieb, machten wir uns auf den Weg zurück zur Sportschule. Duschen, Anziehen, Taschen packen, Zimmer zu und Schlüssel abgeben… Es war deprimierend. Trotzdem war die Stimmung beim Mittagessen noch sehr gelöst. Ich fand es sehr schön, dass wir uns weniger damit beschäftigten, was nun in den nächsten Tagen fehlen würde, sondern mehr mit dem, was wir aus diesem Wochenende mitgenommen hatten, was nun zu Ende gehen und bald hinter uns liegen würde.

    Nach dem Essen versammelten wir uns allesamt vor dem Gebäude der Rezeption, um der offiziellen Verabschiedung noch so manch kleine Träne zu widmen.
    Leider fehlten schon ein paar Teilnehmer mit u.a. Laura, die schon am Samstag Nachmittag das Camp hatte verlassen müssen, Luke, der bereits am Sonntagmorgen aufgrund eines Ligaspiels hatte abreisen müssen und Mathias, der nach dem Mittagessen hatte abreisen müssen.
    Wir spendeten noch einmal Applaus bis uns die Hände wund waren für die Trainer, ihre Engelsgeduld, die ausführlichen Erläuterungen, die Motivation und auch vor allem dem Spaß, den sie uns die vergangenen zwei Tage und am jetzigen Tag gebracht hatten. Auch ein riesiges Dankeschön ging von unserer Seite an Marcel, ohne den dieses Wochenende und alles, was wir damit nun in Zukunft verbinden würden, nicht möglich gewesen wäre. Auch von mir an dieser Stelle noch einmal ein zutiefst ernstes und erinnerungsschwangeres: Danke an Alle!
    Ein großer Dank ging auch noch einmal an das torwart.de-Team, das den Teilnehmern Urkunden mit dem Motto des Camps 2009 „Ruit Reloaded“ übergab und an McDavid, die Handschuhtaschen sponserten. Nach einem letzten großen Applaus und Steffens Bemerkung, die wohl das aussprach, was alle Teilnehmer dachten und hofften, "Wenn nichts schief geht, sind es jetzt noch genau 363 und vier Stunden!" war nun das Camp offiziell beendet. Mit einem dicken Kloß im Hals, der sich immer so anfühlt, als wolle etwas ganz schweres und ganz dringendes an die Oberfläche der Gefühle und Gedanken dringen, umarmte ich alle Personen, die ich in den letzten Tagen und für die Zukunft sehr schätzen und mögen gelernt hatte und wechselte ein paar letzte Worte. Mit den letzten Beteuerungen, dass man sich im nächsten Jahr wiedersähe und dass die 365 Tage bis dahin schon schnell vergehen würden, schnappte ich mir meine Tasche und ging mit Itti zu ihrem Auto, mit dem sie mich zum Flughafen bringen wollte. Auf der Fahrt gingen wir noch einmal wie in Trance die Höhepunkte des Camps durch, die sich für uns beide jeweils ganz wo anders fanden und schwelgten die letzten Kilometer in Erinnerungen.
    Dann setzte sie mich vor dem Terminal ab und unter meinem Winken verschwand auch die letzte Mitwisserin um die gemeinsamen tollen Stunden.
    Es war 14:00 Uhr.

    ___________________________________

    16:00 Uhr, Stuttgarter Flughafen, Gate 173

    In einer halben Stunde ist Boarding-Time und ich will mir selbst die Peinlichkeit ersparen von der Stewardess geweckt werden zu müssen.
    Und doch kriecht die Müdigkeit in meine Augenlider, die ich immer wieder schließe und öffne und dabei wahrscheinlich sehr lächerlich aussehe. In einem letzten verzweifelten Versuch mich wieder aus der Lethargie zu lösen, nehme ich fünf zusammen geklammerte weiße Zettel hervor, auf denen das große weiß-schwarz-blaue torwart.de-Logo prangt und vertiefe mich in den Ablaufplan der letzten Tage, lasse sie vor meinem geistigen Auge Revue passieren.
    Nach 30 Minuten, die mir mein Gefühl auf gut fünf Minuten geschrumpft hatte, reißt mich der Boarding Call für meinen Flug aus den Gedanken. Mit einem Seufzen erhebe ich mich wie eine alte Frau stöhnend aus meinem Sitz und greife nach den Henkeln meiner zwei Reisetaschen.
    „Die Boardkarte bitte…“
    Der Tunnel zum Flugzeug scheint immer länger und länger zu werden. Schlussendlich erreiche ich dann doch den Flieger, suche erfolgreich nach meinem Sitz und verstaue mein Gepäck in der Ablage. Nach dieser letzten Kraftanstrengung für heute, plumpse ich in meinen Fenstersitz und schiebe die körperliche Erschöpfung beiseite. Die Müdigkeit ist gewichen. Die Erinnerungen haben meinen Blick für diesen letzten schönen Moment geschärft.

    Der bereits vertraute Schub drückt mich in den Sitz, als das Ruckeln unter den Rädern des Flugzeuges weicht und einem nicht fühlbaren Gleiten Platz macht. Wir steigen immer höher und lassen die Landebahn, den Flughafen und alles Bodengebundene hinter uns.
    Ich werfe einen liebevollen Blick durch die Scheibe auf die immer kleiner werdende Stadt Stuttgart zurück.

    „Bis 2010, du Schöne.“
    Geändert von Believer (15.06.2010 um 14:46 Uhr)
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  35. #35
    Welttorhüter
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    So, das war "Believers Rückblickstagebuch". Das 'Ich hoffe es hat euch gefallen' spare ich mir jetzt mal und bedanke mich für diese breite positive Resonanz.
    Dieses Tagebuch war eben auch ein kleiner Tribut an alle Trainer, Teilnehmer und Organisatoren, die mir dieses fantastische Wochenende beschert haben! Danke.

    Damit verabschiede ich mich ins Trainingslager.
    "Bangerang"

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  36. #36
    Torwarttrainer Avatar von zooropa28
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    Stell dir mal vor.....einige wollten ja, das das camp länger als drei tage dauern solllte. Dann hätten wir was zu lesen!!!!
    Danke an dich, für deinen schönen rückblick.
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  37. #37
    Welttorhüter
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    Zitat Zitat von zooropa28 Beitrag anzeigen
    Stell dir mal vor.....einige wollten ja, das das camp länger als drei tage dauern solllte. Dann hätten wir was zu lesen!!!!
    Danke an dich, für deinen schönen rückblick.
    Um ehrlich zu sein... Daran habe ich heute auch schon gedacht, denn das irgendwann muss die Schreibkreativität auch mal regenerieren.

    Gern geschehen.
    Geändert von Believer (23.10.2009 um 11:41 Uhr)
    "Bangerang"

    Krieger des Lichts
    06.11.09 † 10.11.09

  38. #38
    Blickfeld Avatar von La_Chat
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    Daumen hoch

    Also Ulli,
    einfach nur klasse geschrieben! Irgendwann lasse ich mir deine Berichte alle mal binden.
    Ich freue ich jetzt schon auf deine - in 30 Jahren erscheinende - Autobiographie. Die wird sicher auch so spannend zu lesen sein!
    Früher war er der Panther im Verein, neulich meinte jemand: "Guck mal! Ein fliegendes Schwein!"

  39. #39
    Welttorhüter
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    Danke, Christian.
    Aber ich kann von Glück sagen, dass mein Leben nicht so aufregend ist (im negativen Sinne), dass darüber eine Biographie erscheinen könnte.
    "Bangerang"

    Krieger des Lichts
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  40. #40
    Ehemals Tom_Müller
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    Avatar von Tom
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    Wenn ich das alles so lese von dir,Beliver bedauer ich doch sehr das ich mich nicht etwas früher hier angemeldet habe.
    Hoffentlich klappts nächstes Jahr
    Was im Leben fehlt,ist die Hintergrundmusik.

  41. #41
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Tom,
    es haben schon viele Leute bedauert und gejammert.
    Nutzt nichts... entweder man war dabei, oder eben nicht.

    Wenn ich z.B. auf das Jahr 2008 zurück blicke, muss ich ehrlich sagen: Beide Camps sind miteinander von den Inhalten her kaum vergleichbar und auch von den Eindrücken und Erlebnissen nicht irgendwie identisch.
    Was einzig bleibt, ist die Feststellung, daß die Camps vom Aufbau und der Örtlichkeit vergleichbar sind. Doch Inhalt und auch Durchführung sind jeweils durch die Trainer geprägt, die einfach jedem Camp einen eigenen und sehr charakteristischen Stempel aufdrücken... und bei Believer kommt hinzu, daß hier wohl auch einige Eindrücke sehr tief verwurzelt wurden, wodurch natürlich der Eindruck verstärkt wird.
    Ob sie daher erneut ein solches, stark beeindruckendes Camp wieder erleben wird, muss man einfach mal als abwartende Frage in den Raum stellen.
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

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