Ich möchte nicht viel zu diesem Thema schreiben, da ich ohnehin nicht die richtigen Worte finden würde. Nur soviel: Auch mich hat der Tod von Robert Enke sehr stark mitgenommen. Am Dienstagabend bestand die Welt für mich nur noch aus Leere. Ich stellte mir so viele Fragen, auf die ich noch immer keine Antwort gefunden habe. Erst jetzt fange ich langsam an zu realisieren, was passiert ist. Robert Enke ist tot. So traurig dieses Schicksal auch sein mag, so sehr wir mit seiner Familie leiden, so sehr sollten wir daraus lernen. Wir müssen lernen, mehr Rücksicht auf unsere Mitmenschen zu nehmen, wir müssen psychischen Krankheiten wie Depressionen ins Auge blicken, sie als ernsthaft anerkennen und Betroffenen helfen. Wir alle müssen uns ändern, wir müssen der Welt zeigen, dass wir niemanden für "verrückt" erklären, nur weil er sein Leben nicht mehr meistert. Wir müssen diese Leute auffangen, ihnen Halt bieten und sie zurück ins Leben führen. Doch wir müssen auch ihre Entscheidungen akzeptieren. Auch Robert Enke hat eine Entscheidung getroffen. Er hat sich gegen eine intensivere Therapie entschieden und für seinen eigenen Tod. Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren und respektieren, so weh es uns auch tun mag. Wenn es Robert Enke nun besser geht, dann war seine Entscheidung für ihn - wenn auch nicht für die Beteiligten und seine Familie - richtig. Wir müssen es respektieren!
Mir hat es bereits geholfen, dass heute nicht auf allen Fernsehsendern rund um die Uhr Sondersendungen zu Robert Enkes Selbstmord gelaufen sind. Auch wenn ich wusste, dass mir diese Sendungen nicht gut tun, habe ich sie mir angeschaut. Vielleicht in der Hoffnung, eine Antwort auf meine Fragen zu bekommen.
Ich war gestern beim Training. Wir sind nur gelaufen und ich war dabei wie in Trance. Hätten wir mit Bällen trainiert, hätte ich wohl eher den Kopf frei bekommen. Alternativ hätte ich zur Trauerandacht und danach zum Trauermarsch gehen können. Doch ich habe mich dafür entschieden, das zu tun, was Robert Enke für richtig gehalten hätte: Fußball spielen und den Kopf frei kriegen. Nein, ich wollte mit dieser Entscheidung nichts verdrängen, sondern mir nur darüber bewusst werden, wie wichtig mir das Fußballspielen ist. Es ist - wie auch für Robert Enke - mein Lebenselixier.
Heute hatte ich dann wieder Training. Wir sind auf den ungeliebten Ascheplatz gegangen, doch das war mir egal. Ich wollte mir die Bälle um die Ohren schießen lassen, ich wollte mich verausgaben, ich wollte alles geben - auch für Robert Enke. Ich wollte Spaß am Fußballspielen haben. Denn wenn Robert Enkes eines gewollt hätte, dann, dass andere Leute diesen Sport genauso genießen wie er, ohne sich dabei zu viele Gedanken und zu viel Druck zu machen. Ich bot heute meine beste Trainingsleistung seit langem. Für mich, doch auch für Robert Enke.




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ein überaus optimistischer, lebensfroher Mensch. Ich so froh, dass mein Optimismus auch in dieser Phase gesiegt hat. Wie gesagt, mir geht es noch nicht supertoll oder so, aber ich hab die im ersten Beitrag beschriebene Lustlosigkeit und vor allem die Leere im Griff... so langsam füllt sich das alles wieder. 