Hey hanZ
glaub mir, Du bist sicher nicht alleine mit Deinem Problem! Ich kann mir vorstellen, dass es vielen von uns ähnlich geht / oder ging wie Dir, wenn vielleicht auch nicht ganz so extrem.
Als ich am Dienstag aus der Arbeit heimgekommen bin, hab ich mich auf einen gemütlichen Abend auf dem Sofa gefreut. Hab die Sporttasche in die Ecke gefeuert, mich aufs Sofa gelegt und die Glotze angemacht. Mir gedacht, schaust mal in den VT was sportlich so passiert ist im Laufe des Tages. Da seh ich auf der Startseite die Eilmeldung "Robert Enke wahrscheinlich tot".
Das war sicher ein Witz. Auf Seite 200 geschaut, Meldung über einen Unfall, man weiss noch nicht...
Leere
Nach und nach haben sich die Spekulationen verdichtet, schliesslich die traurige Gewissheit, es stimmt wirklich.
Ich hab nichts mehr gefühlt. Hab den Rechner hochgefahren, gewusst, aus dem gemütlichen Fernsehabend wird nichts. Die Beiträge hier im Forum haben mir schonmal geholfen zu wissen, ich bin nicht alleine. Es denken alle wie ich. Robert Enke war einer von uns.
Ich hab geheult wie ein Schlosshund!
Mittwoch in der Arbeit lief alles wie auf Automatik. Ich war total leer, müde, geschafft, gerädert von einer schlaflosen Nacht. Am Abend bin ich heim, ohne zu trainieren. Ich konnte nicht. Stattdessen Sondersendungen im TV, die Beiträge hier im Forum, Zeitungsartikel, online und off. Die zweite Nacht war nicht so schlimm. Vielleicht war ich aber auch nur zu erschöpft.
Am Donnerstag ging es mir nicht gut. Immer noch diese Leere. Hab in der Arbeit ein Tennisturnier spielen müssen und gewusst es wird schwer. Hab mir schwarze Klamotten angezogen und meine "normale" Spieleinstellung beiseite geschoben. Nur spielen, locker bleiben, nicht ärgern wenn es nicht läuft. Bring es nur irgendwie rum. Nach einem gewonnenen Volleyduell am Netz ruft mir meine Kollegin bewundernd zu "da sieht man doch den Torwart in Dir!" und ich hätte fast wieder angefangen zu heulen. Ich hab mich so beschissen gefühlt, hätte nie gedacht, dass mich der Tod eine mir nicht persönlich bekannten Fussballers so mitnimmt. Aber glaub mir, er hat mich mitgenommen. Ich wollte es überspielen, wollte "ganz normal" meiner Arbeit nachgehen, meiner Meinung nach ist mir das auch gelungen. Ich hab das gemacht was ich immer mache, die Stimmung war gut, aber im Endeffekt haben mich alle gefragt was denn los sei, ich schau nicht gut aus. Es war mir peinlich.
Erst am Abend bei der Besprechung hat die Chefin dann so lange an mich hingeredet, bis ich ihr gesagt habe was Sache ist. Ich muss dazusagen, wir haben im Team ein sehr vertrautes Verhältnis und gehen alle sehr offen miteinander um. Niemand muss Angst haben, dass er wegen persönlicher Dinge irgendwelche Nachteile erfährt. Wir haben lange geredet und es hat mir sehr geholfen. Als ich daheim war, habe ich gemerkt, wie es mir wirklich besser ging. Hab gut geschlafen heute Nacht. Bin nicht mehr so müde, hab mehr Energie. Ich kann die Zeitung und die neuen Forumsbeiträge lesen ohne dass mir gleich wieder die Tränen kommen. Also hanZ, langer Rede kurzer Sinn, Du bist nicht alleine. Und ein gutes persönliches Gespräch hilft. Such Dir eine vertraute Person, die nichts mit Fussball zu tun hat und rede! Es befreit!
Wenn Du aber danach immer noch das Gefühl hast, dass Du trotz alldem nicht weiterkommst, dann such Dir professionelle Hilfe. Es ist keine Schande!!
Ich wünsch Dir alles Gute
und denk dran, you'll never walk alone
dTiT





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