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Thema: Psychischer Druck nur bei Profis oder auch bei Amateuren?

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Amateurtorwart
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    Paulianer du stehst in der Zeitung ??
    Mein Problem die Größe! Ich kämpfe trotzdem weiter!

    Bisherige Vereine:
    Eintracht Frankfurt 2001-2006
    Fsv Frankfurt 2006-2009
    Germania Enkheim 2009-??

    Ich fing oben an und falle immer tiefer.
    Aber ich sage nur eins
    Weiter immer weiter

  2. #2
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Wo ist da was besonderes?

    Mein Torwart stand letzte Woche in der Zeitung und diese Woche schon wieder... so ist das eben
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  3. #3
    Nationale Klasse Avatar von ollie1
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    Es ist doch keine Seltenheit, das auch Berichte über niedrigklassigere Spiele in Lokalzeitungen stehen. Als wir Entscheidungsspiel um die Meisterschaft hatten in der C-Jugend waren fast 300 Zuschauer da (Kreisliga) und über unser B-Jugend-Kreispokal-Finale war ein halbseitiger Bericht mit Bild in der Lokalpresse.
    Nur wer vergessen wird, ist tot - Du wirst leben.
    Ruhe in Frieden, Robert

  4. #4
    Amateurtorwart
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    Ok

    ja ich stand auch schon in der Zeitung

    Bei Bundesligatunieren oder wenn wir gegen kleinere Teams gespielt haben.

    Aber ich habe noch nirgents hier gesehen wo es jedes mal ein ausführlichen Bericht über die Spiele gibt.

    Aber das ist ein anderes Thema also jetzt wieder zurück zum Thema
    Mein Problem die Größe! Ich kämpfe trotzdem weiter!

    Bisherige Vereine:
    Eintracht Frankfurt 2001-2006
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    Ich fing oben an und falle immer tiefer.
    Aber ich sage nur eins
    Weiter immer weiter

  5. #5
    torwart.de-Team
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    Zitat Zitat von max1_elferkiller Beitrag anzeigen
    ...

    Aber ich habe noch nirgents hier gesehen wo es jedes mal ein ausführlichen Bericht über die Spiele gibt.

    ...
    Bei uns gibt es jedes Spiel einen ausführlichen Bericht auf unserer Vereinsseite und auch in der örtlichen Tageszeitung, aber man muss ja nicht alles posten. Nur so am Rande...
    "Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es gar nicht."
    Oliver Kahn

  6. #6
    Internationale Klasse Avatar von JSG Titan
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    Also back to topic,

    ich glaube viele Amateurtorhüter vorallem in den niedrigen Klassen stehen nur zum Spass im Tor oder weil sie im Feld zu schlecht sind. Sie haben die Grundlagen, spielen ohne Druck und versuchen so gut es geht ihrem Team zu helfen.

    Diejenigen, die sich mit dem Thema "Torwart" auseinandersetzen und z.B. Übungen oder Ideale aus einem großen Forum in ihr Training übernehmen, daran dann Rückschläge erleiden - legen sich den Druck selbst auf. Sie möchten sich verbessern, konzentrieren sich aber darauf zu verbissen und blockieren so.

    Ich würde mal sagen, dass der Druck im Amateurbereich nicht groß variirt. Der Druck ist normal, seine Leistung zu bringen, Punkte zu holen.

    Den Druck im Profifußball sehe ich eine Stufe höher. Man steht in der öffentlichkeit, hat sein Leben dem Profifußball gewidmet. Medien können sicherlich einen sehr großen Druck, eine sehr große Erwartungshaltung heraufziehen. Auch die Fans machen Druck, Trainer, Vorstand etc. So weit ich das beurteilen kann, ist der Druck im Amateuerfußball im Vergleich zum Profigeschäft relativ gering - aber natürlich gibt es ihn auch da. Nur in einem viel geringeren Ausmaß. Hinzu kommt dann noch die POrtion Druck, die man sich selbt auflegt. Das ist doch schon in der kreisklasse so, durch Kommentare wie "mit dir spielen wir nie zu Null" wurde ich von meiner Mannschaft unter Druck gestellt. Jetzt haben wir es am Sonntag geschafft (das wir es letzte Saison 7x geschafft hatten wurde natürlich vergessen) und es war für mich echt eine Erlösung, obwohl ich eigentlich diesen Druck kaum gespührt hatte "ich muss jetzt unbedingt zu Null spielen" Wahrscheinlich spielt auch das Unterbewusstsein eine große Rolle dabei mit.


    Zitat Zitat von Spideratze Beitrag anzeigen
    Wer sich da zu weit von seinem Kasten entfernt, darf sich nicht wundern, wenn er dann mal ganz alt aussieht.

  7. #7
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    Avatar von Believer
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    Ich muss nochmal Steffen Recht geben bezüglich seiner Auffassung über den Journalismus im Bezug auf den Amateurbereich im Fußball.

    Viele Trainer in unserer Liga schreiben nicht gerne, dass ihre Stürmer zum Treffen in diesem Spiel einfach zu mangelhaft geschossen haben bzw. jeden zweiten Ball daneben gesetzt haben und so lobt man lieber in der Zeitung den Torwart als die eigene Mannschaft übermäßig zu kritisieren. So ging es mir bei meinem ersten Saisonspiel. Ich hatte zwar gute Aktionen im 1 gegen 1 gerade in der Drangperiode des Gegners, aber, gemessen an ihren Chancen, haben sie es wirklich selbst verbockt. Trotzdem steht dann so etwas wie "doch die herausragende Gästetorhüterin vereitelte alle Großchancen in dieser Spielphase" in der Zeitung und auf der Website.
    Mittlerweile habe ich auch zu dieser Form der Berichterstattung so meinen Abstand gefunden. Ich lese mir zwar immer unsere Spielberichte durch, weiß jedoch, genau wie Manuel es gesagt hat, wann ich gut gespielt habe und wann nicht. Ich bin zwar immer selbstkritischer als ich es sein sollte und trotzdem gewinnt man dazu mit dem richtigen Abstand eine passendere Auffassung.

    Dafür bin ich eine "Anti-Druck-Therapie"-Kandidatin, wie hier schon der eine oder andere weiß.
    "Bangerang"

    Krieger des Lichts
    06.11.09 † 10.11.09

  8. #8
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    Ich bin von Geburt schon immer etwas paranoid und vertraue nicht darauf, wenn mir Menschen sagen: "Gute Leistung, J.B., weiter so." Na ja, ihr kennt diese Standart-Floskeln. Eigentlich müsste ich darauf ja stolz sein, bin ich auch, aber oftmals denke ich mir: "War das wirklich das Maximum?".

    Denn wenn meine Leistung wirklich das Maximum war, andere Torhüter in meiner Liga aber noch einen Schlag besser sind, dann macht man sich natürlich Gedanken. Gerade ich, der in dieser Saison erstmals in einer sehr hohen Liga spielt und den wirklichen Druck spürt, sprich Trainer, Betreuer, Fans, Mitspieler, Beobachter, Presse und Finanz, habe damit sehr viel zu kämpfen.

    Menschen, die mich nicht kennen, sprechen mich plötzlich mit meinem Namen an und bauen ein Gespräch auf. Früher hieß es immer: "Hey, bist du nicht dieser wahnsinnige Torwart von Verein xyz?" Heute heißt es: "Jannik, wie geht es dir? Erzähle mal, wie es dir bei TuRa ergeht." Ich fühle mich dann manchmal so hilflos, da ich meinen Gegenüber nicht mit seinem Namen ansprechen kann und nicht weiß, wie ich mit dieser Person umgehen soll. Dieses Gefühl ist mir einfach fremd. Es geht aber auch negativer: "Du, warum hast du am Wochenende wieder nicht gespielt?" oder "Lol, ich habe gehört, du bist jetzt nur noch dritter Torwart? Musst dann ja schlecht sein." Natürlich habe ich wieder nicht gespielt, bin aber auch kein dritter Torwart und schlecht sowieso nicht. Ich weiß das, ist ja nichts Neues. Trotzdem lässt es mich nachdenklich werden, es tut sogar weh. Ich höre solche Sprüche öfter und man läuft Gefahr, irgendwann auch diese Dinge zu glauben. Wenn ich dann mal spielen darf, schießen einem diese Gedanken in den Kopf, der Druck erhöht sich.

    Profis geht es sicherlich nicht anders, dort ist es noch um einiges extremer. Hunderte Kameras im Stadion, Foren im Internet, der vereinsinterne und mediale Druck - wer sich da einen Fehler erlaubt, kann sich so ziemlich sicher sein, dass er gnadenlos zerissen wird. Wundert mich nicht, wenn einige Spieler ernsthafte psychische Probleme bekommen.

    In den Amateurligen ist es ähnlich, dort fehlen nur noch die Kameras. Selbst dort hat sich aber schon einiges getan. In einigen Verbänden werden Spiele aufgezeichnet und als Zusammenfassung im Internet oder Regionalfernsehen veröffentlicht. Der Amateurfußball unterscheidet sich bald nicht mehr groß von den Vereinen der Profis. Nur das Ausmaß ist noch stark unterschiedlich.

    Nochmal zu meiner Situation:

    Es gibt Tage, da möchte ich die Handschuhe an den Nagel hängen, weil ich nicht weiß, wie ich in der nächste Woche, dem nächsten Monat oder Jahr darstehen werde. Werde ich nächste Saison Stammtorhüter oder bin ich nur eine Übergangslösung für die Bank? Kann ich dann, wenn ich mich behaupten konnte, meiner Mannschaft zum Erfolg verhelfen?

    Ich denke, Druck ist auch (immer) mit Zukunftsängsten verbunden. Jeder geht damit anders um, der andere besser, wieder andere schlechter. Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich leugnen würde, dass auch manchmal ich Ängste habe. Da stehe ich auch sicherlich nicht alleine.
    Du warst so jung, du starbst so früh, wer dich gekannt, vergisst dich nie.



    † 28.08.09


    Ich danke dir für alles, Thomas. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.

  9. #9
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    Zitat Zitat von max1_elferkiller Beitrag anzeigen
    Paulianer du stehst in der Zeitung ??
    Woche für Woche.
    Farblegende: Moderator | Privatperson

  10. #10
    torwart.de-Team Avatar von Schnapper82
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    Danke für eure vielen Meinungen und Berichte.

    Ich kann ja ersteinmal nur für mich sprechen und sehe es im Prinzip so wie Steffen, denn der Druck, den man sich selber macht, der kann lähmen.
    Wozu Druck machen. Man weiss doch im Prinzip was man kann. Klar ist man Ehrgeizig, aber man sollte doch jede Minute auf dem Platz geniessen, denn es kann schnell vorbei sein mit Fussball und das aus den verschiedensten Gründen. Beruf, Verletzung, Umzug, was auch immer. Also geniesse ich jede Minute auf dem Spielfeld, da ich den Sport liebe.

    Der Druck von intern, also aus der Mannschaft, vom Trainer und vom Vorstand ist da schon ernstzunehmender, denn hier geht es um das, was den meisten Menschen leider am meisten bedeutet - Geld.
    Patzt man hier, kann es der Mannschaft die Prämie kosten, dem Verein einen Sponsoren, dem Trainer seinen "Job". Das ist dann Druck, mit dem man umgehen muss. Man muss lernen dieses zu ertragen. Ist es so schwer? Nein, denn in erster Linie soll Fussball im Amateurbereich halt Hobby bleiben, auch wenn manchmal enorme Summen an Geld fließen.
    Hier sehe ich den Verein aber auch in der Pflicht sich um einen kompetenten TWT zu kümmern, der nicht nur mit dem Torhüter trainiere soll, sondern auch eine Art Vertrauter sein muss. Ein Psychologe sozusagen für den Keeper. Denn sind wir mal ehrlich: Mit welchem Trainer oder Mitspieler oder aber auch FUnktionär kann man wirklich über das TW-Spiel reden? Richtig! Mit keinem, denn diese Menschen glauben an Floskeln: "Moderner Torwart"; "Alles im Fünfer muss der Torwart haben!"; "Auf der Linie nen ganz guter aber dann...ui"; "Torwartecke, den muss der doch haben!"
    Diese Dinge kann und soll man nicht verallgemeinern, also bildet sich um einen Torhüter eine Art "Aura der Arroganz!", ein Schild, dass den Keeper hart werden und erscheinen lässt, denn wer will einen weichen Keeper, einen Waschlappen. Und jetzt sind wir an dem Punkt, wo es nach hinten losgehen kann. Es interessiert nämlich im Normalfall niemanden, ob der Torhüter mit diesem Druck klar kommt oder halt nicht. Patzt er, wird er ersetzt. Ich kenne viele junge Keeper, die an solchen Dingen zerbrochen sind. Sie haben aufgehört mit dem Fussball, weil sie diese Dinge nicht ertragen konnten. Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch geht anders mit Kritik um. Egal ob berechtigte Kritik oder unberechtigte.

    Der Druck, der von den Medien entsteht ab einer gewissen Spielklasse ist natürlich auch nicht zu verachten. Da wird geschrieben, was man will. Draufgehauen ohne Ende und jeder geht anders damit um, wenn er angesprochen wird oder es sogar nur liest.
    In stillem Gedenken an Spideratze und Robert Enke.
    Lasst uns rausgehen und Bälle fangen, Spiele gewinnen und was noch viel wichtiger ist:
    Lasst uns jede Sekunde des Lebens leben und geniessen - nichts ist für immer ! ! !

  11. #11
    Amateurtorwart
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    Ich kann zu dem Thema auch etwas beisteuern, da ich letztes jahr wirklich beinahe an dem Druck zusammengebrochen wäre und die Handschuhe für immer an den Nagel hängen wollte.
    Kurz der Sachverhalt:
    Hatte bei meiner ersten Herrenstation ein überragendes Team mit einem riesen TW-Trainer, etc. Hab mich dann auch schnell eingefunden und mich über 5 jahre immer weiterentwickelt und super gehalten da ich immer die Unterstützung von allen hatte auch wenn ich mal nen fehler gemacht habe. dies hat aber auf alle Spieler, von mir bis zum Stürmer zugetroffen, jeder durfte Fehler machen. Wir waren dann auch sehr erfolgreich und sind 2x hintereinander aufgestiegen und haben die klasse immer gehalten (wenn´s auch trotzdem niederklassig war).
    Da dann private veränderungen kamen und ich umgezogen bin war mir der WEg zu weit und ich bin zu nem höherklassigen Verein in meinem neuen Ort gewechselt die schon 2 jahre vorher angefragt hatten.
    Das erste Jahr lief noch gut, gleich den Aufstieg geschafft. Das zweit jahr war ein Katastrophe. Ich habe zu Beginn nicht wirklich gut gehalten aber die komplette Mannschaft hat schlecht gespielt.
    Das Schlimme war das die Schuld hintenrum immer mir zugeschrieben wurde was ich nur manchmal zufällig mitbekommen habe. Solangsam hat sichs dann aber auch bemerkbar gemacht das sich die mannschaft von mir distanziert durch verschiedenes Verhalten der MItspieler.
    Zu dieser Zeit war für mich Fussball das schlimmste was ich mir vorstellen konnte, ich wollte nicht zum training habe oft abgesagt und am Tag des Spiels wollte ich nicht aufstehen oder das Haus verlassen. Da ich aber der einzige TW war hab ich mich halt doch aufgerafft, immer mit dem gleichen ergebnis das ich keine spaß hatte und selbst bei gegentoren wo die abwehr gepennt hat noch die fehler bei mir gesucht wurden.
    Zur winterpause wurde dann ein neuer TW für viel Geld verpflichtet und ich hab mich nach der Winterpause nicht mehr blicken lassen, weil ichs nicht ausgehalten hab und wirklich Angst vorm Training hatte.
    Ich hab dann bis zum Sommer nichts gemacht, mich nur durch joggen, etc fitgehalten. Dann hab ich vom Verein aus dem Nachbardorf (zweitniedrigste Liga) ne Anfrage bekommen und habe zugesagt, und es war das beste was ich machen konnte. Die mannschaft ist vergleichbar mit meiner ersten Station, alles super und es passiert nichts hintenrum, und ich hab wieder richtig spaß und halte gut.
    Aber meine Erkenntnis ist das man auch im Amateurbereich durchaus psychische Probleme bkeommen kann, nicht nur wenn man sich selber Druck macht sondern wenn man weiß was hinter dem Rücken über einen geredet wird.

  12. #12
    Internationale Klasse Avatar von strigletti
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    Zuerst mal mein Dank an Schnapper für die Eröffnung dieses Threads.

    „Psychischer Druck nur bei Profis oder auch bei Amateuren“ ist eine Frage, die sich mit einem klaren Ja beantworten lässt, da Druck letztendlich immer aus der Differenz zwischen der eigenen Erwartungshaltung und dem gefühlten eigenen Leistungsvermögen entsteht. Aus diesem Grund kann psychischer Druck immer und überall und bei jedem entstehen. Es ist daher notwendig, sich beide Faktoren näher anzusehen, um zu verstehen, wie es zu diesem Druck kommt.

    Die eigene Erwartungshaltung wird aus vielen Bausteinen zusammengesetzt, die aus einem Wechselspiel mit unserer Umwelt entstehen. Zunächst sind wir Torleute und das Wesen des Torwartspiels besteht darin, dass es sicherheitsorientiert ist, also keine Fehler erlaubt; im Gegensatz dazu sei der Stürmer genannt, der einen Volley mit vollem Risiko Richtung Tor hämmert, egal wo der Ball landet. Jeder weiss im Grunde aber auch, dass Fehler ein Merkmal der menschlichen Natur sind, und sich daher nicht immer vermeiden lassen. Unsere Umgebung setzt diese menschliche Grundeigenschaft aber für Torhüter allzu oft ausser Kraft und lässt uns dies auch spüren. Sätze, wie „Du darfst heute keinen Fehler machen“, „Da hast du heute wieder daneben gegriffen“ oder „den musst du haben“ gehören für uns zum Alltag.

    Derartige Worte hören wir von unseren Mitspielern, dem Trainer, den Zuschauern oder eben auch den Medien und unserem sozialen Umfeld wie Familie, Beruf, Schule oder Freundeskreis; unabhängig davon, ob wir Profi oder Amateur sind. Da gibt es nämlich nur einen wesentlichen Unterschied: Die Kritik am Profi findet in breiter Öffentlichkeit statt und ist in der Masse angelegt und somit, trotz persönlicher Angriffe, gewissermassen anonymisiert und oft nicht greifbar. Der Amateur dagegen steht meist in ständigem persönlichen Kontakt mit denen, die mehr von ihm erwarten und er muss diese Angriffe oft Auge in Auge mit seinem Gegenüber hinnehmen. Diese Problematik wird durch das allgemeine Unverständnis des Torwartspiels zusätzlich verschärft, so dass zum einen viele Angriffe ungerechtfertigt sind und zum anderen eine Verteidigung nur sehr schwer möglich ist.

    Durch die Nullfehlertoleranz, die dem Torwartspiel zugrundeliegt kommt es zu einem weiteren Problem für den Amateurspieler. Jeder kennt die Paraden eines Lehmann, Neuer, Adler, Wiese etc. aus dem Fernsehen und erwartet die gleiche Leistung von einem Amateurkeeper. Im Gegensatz dazu, erwartet niemand von einem Kreisliga-Feldspieler ein Hochgeschwindigkeitsdribbling ala Robben. Warum? Ganz einfach, der Feldspieler hat das Recht Fehler zu machen, ganz im Gegensatz zum Torwart. Deswegen wird beim Feldspieler Müller1 mit Müller2 und Müller3 verglichen, während der Kreisliga-Keeper mit National- und Welttorhütern verglichen wird.

    So wird von aussen eine Erwartungshaltung erzeugt und von vielen Torleuten leider übernommen und verinnerlicht, die weit über ihrem abrufbaren Leistungsvermögen liegt. Und diese Diskrepanz wird als Druck spürbar; ein psychischer Druck, der sich meist auch leistungsmässig negativ bemerkbar macht und so zu noch mehr Druck führt. Ein Teufelskreis indem sich viele Keeper in unteren Ligen befinden. Für uns gibt es nur einen Ausweg aus diesem Dilemma: Eine realistische Erwartungshaltung an unsere Leistung, im Wissen um unser Können, aber auch um unsere Fehlerhaftigkeit.

    Dazu muss man sich im Klaren sein, dass es Fehlerlosigkeit nicht gibt und es immer nur darum geht unsere Fehler zu minimieren und dass wir trotz allem Leistungsanspruch im Grunde nur eines tun: Wir spielen ein Spiel – weil es uns Freude macht!

    Ich persönlich habe nie Druck empfunden, denn ich wusste immer was ich kann und habe versucht genau dies zu spielen. Ich war nie ein Sepp Maier oder Oliver Kahn, sondern immer nur strigletti und habe das gespielt, was strigletti konnte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Stell dir vor, du gehst in dich - und keiner ist da

    Wer glaubt es reicht, wenn man bis zum Umfallen kämpft irrt sich...kämpfe darum Aufzustehen!!!

  13. #13
    Welttorhüter
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    Das mit dem Druck ist immer so eine Sache, der eine ist total unglücklich über ein Gegentor in der 90. der andere sagt sich was soll es. Ich habe mir da nie Gedanke drüber gemacht. Mal geht in der 90. einer rein, mal hält man in der 90. einen entscheidenden 11er, oder löst eine 1vs1 Situation. Ich habe immer versucht das beste zu geben, und wenn das klapp selbst wenn ein Ball in der 90. reingeht kann man damit schon umgehen denke ich.
    Ich würde die Situation als Profi wohl ziemlich ähnlich sehen, nur das man da etwas mehr Druck von den Medien hat. Und ich will damit auch ganz klar sagen, wer soviel Geld mit Fußballspielen verdiennt muß diesen Druck auch aushalten können.
    Jeder von uns muß in seinem Beruf auch Druck aushalten können egal auf welche Art. Ich arbeite in einer Baubranche im AD wo nur ein Grundgehalt zw. 30 und 50% bezahlt wird, und der rest läuft über Provision, was das in der jetzigen wirtschaftlichen Lage am Bau bedeutet sollte eigentlich jedem klar sein, da hat man auch Druck wenn die Umsätze nicht passen.
    ¡¡ɹɥǝɯ ǝuıǝʞ ɥɔı ǝqɐɥ ʇzʇǝɾ 'ßoɹƃ nz ɹɐʍ ɹnʇɐuıs ǝuıǝɯ

  14. #14
    Torwarttalent
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    Zitat Zitat von strigletti Beitrag anzeigen
    Ich persönlich habe nie Druck empfunden, denn ich wusste immer was ich kann und habe versucht genau dies zu spielen. Ich war nie ein Sepp Maier oder Oliver Kahn, sondern immer nur strigletti und habe das gespielt, was strigletti konnte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Ich beneide dich gerade zutiefst. Da wo du bist will ich hinkommen, aber es fällt mir sehr schwer. Ich schaff es nicht einfach das zu spielen was ich kann, da ich immer im Hinterkopf habe ich kann mehr können. Damit mein ich jetzt kein fehlerfreies spielen, nur es ist schwer mit dem momentanen Training was ich abbekomme zu akzeptieren, dass nicht mehr möglich ist.

    Und ich denke das ist der schwierigste Druck, der Druck von innen, den gibst bei den Profis wie bei den Amateuren.
    Fliegen ist der Versuch, sich auf den Boden zu werfen und nicht zu treffen.

  15. #15
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Doro,
    die Aufgabe des Torwarttrainers ist es auch, dem Schützling immer wieder Grenzen aufzuzeigen.
    So weiß man schnell, wo man kann und wo man nicht kann.
    Wo man nicht kann, arbeitet man immer wieder, damit es besser wird, aber oft ist und bleibt es eine Grenze...
    Denn ich kann noch soviel Armmuskulatur haben, noch so viel Flattern üben, ich werde nie mit dem Adler um die Wette fliegen können.
    Also muss ich diese Grenze entdecken und auch akzeptieren.

    Und wenn man für sich das Gefühl hat, daß da mehr geht, muss man schauen, daß man jemand findet, der einem hilft, das mehr zu entwickeln, oder aber auch aufzuzeigen, daß man sich vielleicht etwas einbildet.

    Beispiel: Ich kenne jemand, der Träumt als Kampfsportler davon, einen tollen RoundHouse Kick oder einen High Sidekick zu beherrschen. Wie oft stand er vor einem der typischen Lichtschaltkästen an der Strasse und meinte dann:
    Gugg, irgendwann, irgendwann kick ich die Flasche runter.
    Er hat eine Aduktorenverkalkung und Aduktorenverhärtung. Er wird das nie können, aber er hat das Gefühl, es irgendwann zu können... er weiß sogar, wie es sich anfühlt...
    Er wird es nie können... die Einsicht, daß dies so ist, sie ist noch nicht da...

    Naja und jetzt hat er einen neuen Trainer. Der hat Ihm unmissverständlich klar gemacht: Das ist nicht wichtig. Wichtig ist eher, aus den eigenen körperlichen Gegenbenheiten das Beste zu machen, anstelle von etwas zu träumen was nie geht, und daher einfach alles andere auf der Jagd nach diesem Traum zu vernachlässigen und deshalb eine richtige Rübe zu sein.
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

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