"Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es gar nicht."
Oliver Kahn
Also back to topic,
ich glaube viele Amateurtorhüter vorallem in den niedrigen Klassen stehen nur zum Spass im Tor oder weil sie im Feld zu schlecht sind. Sie haben die Grundlagen, spielen ohne Druck und versuchen so gut es geht ihrem Team zu helfen.
Diejenigen, die sich mit dem Thema "Torwart" auseinandersetzen und z.B. Übungen oder Ideale aus einem großen Forum in ihr Training übernehmen, daran dann Rückschläge erleiden - legen sich den Druck selbst auf. Sie möchten sich verbessern, konzentrieren sich aber darauf zu verbissen und blockieren so.
Ich würde mal sagen, dass der Druck im Amateurbereich nicht groß variirt. Der Druck ist normal, seine Leistung zu bringen, Punkte zu holen.
Den Druck im Profifußball sehe ich eine Stufe höher. Man steht in der öffentlichkeit, hat sein Leben dem Profifußball gewidmet. Medien können sicherlich einen sehr großen Druck, eine sehr große Erwartungshaltung heraufziehen. Auch die Fans machen Druck, Trainer, Vorstand etc. So weit ich das beurteilen kann, ist der Druck im Amateuerfußball im Vergleich zum Profigeschäft relativ gering - aber natürlich gibt es ihn auch da. Nur in einem viel geringeren Ausmaß. Hinzu kommt dann noch die POrtion Druck, die man sich selbt auflegt. Das ist doch schon in der kreisklasse so, durch Kommentare wie "mit dir spielen wir nie zu Null" wurde ich von meiner Mannschaft unter Druck gestellt. Jetzt haben wir es am Sonntag geschafft (das wir es letzte Saison 7x geschafft hatten wurde natürlich vergessen) und es war für mich echt eine Erlösung, obwohl ich eigentlich diesen Druck kaum gespührt hatte "ich muss jetzt unbedingt zu Null spielen" Wahrscheinlich spielt auch das Unterbewusstsein eine große Rolle dabei mit.
Ich muss nochmal Steffen Recht geben bezüglich seiner Auffassung über den Journalismus im Bezug auf den Amateurbereich im Fußball.
Viele Trainer in unserer Liga schreiben nicht gerne, dass ihre Stürmer zum Treffen in diesem Spiel einfach zu mangelhaft geschossen haben bzw. jeden zweiten Ball daneben gesetzt haben und so lobt man lieber in der Zeitung den Torwart als die eigene Mannschaft übermäßig zu kritisieren. So ging es mir bei meinem ersten Saisonspiel. Ich hatte zwar gute Aktionen im 1 gegen 1 gerade in der Drangperiode des Gegners, aber, gemessen an ihren Chancen, haben sie es wirklich selbst verbockt. Trotzdem steht dann so etwas wie "doch die herausragende Gästetorhüterin vereitelte alle Großchancen in dieser Spielphase" in der Zeitung und auf der Website.
Mittlerweile habe ich auch zu dieser Form der Berichterstattung so meinen Abstand gefunden. Ich lese mir zwar immer unsere Spielberichte durch, weiß jedoch, genau wie Manuel es gesagt hat, wann ich gut gespielt habe und wann nicht. Ich bin zwar immer selbstkritischer als ich es sein sollte und trotzdem gewinnt man dazu mit dem richtigen Abstand eine passendere Auffassung.
Dafür bin ich eine "Anti-Druck-Therapie"-Kandidatin, wie hier schon der eine oder andere weiß.![]()
Ich bin von Geburt schon immer etwas paranoid und vertraue nicht darauf, wenn mir Menschen sagen: "Gute Leistung, J.B., weiter so." Na ja, ihr kennt diese Standart-Floskeln. Eigentlich müsste ich darauf ja stolz sein, bin ich auch, aber oftmals denke ich mir: "War das wirklich das Maximum?".
Denn wenn meine Leistung wirklich das Maximum war, andere Torhüter in meiner Liga aber noch einen Schlag besser sind, dann macht man sich natürlich Gedanken. Gerade ich, der in dieser Saison erstmals in einer sehr hohen Liga spielt und den wirklichen Druck spürt, sprich Trainer, Betreuer, Fans, Mitspieler, Beobachter, Presse und Finanz, habe damit sehr viel zu kämpfen.
Menschen, die mich nicht kennen, sprechen mich plötzlich mit meinem Namen an und bauen ein Gespräch auf. Früher hieß es immer: "Hey, bist du nicht dieser wahnsinnige Torwart von Verein xyz?" Heute heißt es: "Jannik, wie geht es dir? Erzähle mal, wie es dir bei TuRa ergeht." Ich fühle mich dann manchmal so hilflos, da ich meinen Gegenüber nicht mit seinem Namen ansprechen kann und nicht weiß, wie ich mit dieser Person umgehen soll. Dieses Gefühl ist mir einfach fremd. Es geht aber auch negativer: "Du, warum hast du am Wochenende wieder nicht gespielt?" oder "Lol, ich habe gehört, du bist jetzt nur noch dritter Torwart? Musst dann ja schlecht sein." Natürlich habe ich wieder nicht gespielt, bin aber auch kein dritter Torwart und schlecht sowieso nicht. Ich weiß das, ist ja nichts Neues. Trotzdem lässt es mich nachdenklich werden, es tut sogar weh. Ich höre solche Sprüche öfter und man läuft Gefahr, irgendwann auch diese Dinge zu glauben. Wenn ich dann mal spielen darf, schießen einem diese Gedanken in den Kopf, der Druck erhöht sich.
Profis geht es sicherlich nicht anders, dort ist es noch um einiges extremer. Hunderte Kameras im Stadion, Foren im Internet, der vereinsinterne und mediale Druck - wer sich da einen Fehler erlaubt, kann sich so ziemlich sicher sein, dass er gnadenlos zerissen wird. Wundert mich nicht, wenn einige Spieler ernsthafte psychische Probleme bekommen.
In den Amateurligen ist es ähnlich, dort fehlen nur noch die Kameras. Selbst dort hat sich aber schon einiges getan. In einigen Verbänden werden Spiele aufgezeichnet und als Zusammenfassung im Internet oder Regionalfernsehen veröffentlicht. Der Amateurfußball unterscheidet sich bald nicht mehr groß von den Vereinen der Profis. Nur das Ausmaß ist noch stark unterschiedlich.
Nochmal zu meiner Situation:
Es gibt Tage, da möchte ich die Handschuhe an den Nagel hängen, weil ich nicht weiß, wie ich in der nächste Woche, dem nächsten Monat oder Jahr darstehen werde. Werde ich nächste Saison Stammtorhüter oder bin ich nur eine Übergangslösung für die Bank? Kann ich dann, wenn ich mich behaupten konnte, meiner Mannschaft zum Erfolg verhelfen?
Ich denke, Druck ist auch (immer) mit Zukunftsängsten verbunden. Jeder geht damit anders um, der andere besser, wieder andere schlechter. Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich leugnen würde, dass auch manchmal ich Ängste habe. Da stehe ich auch sicherlich nicht alleine.
Du warst so jung, du starbst so früh, wer dich gekannt, vergisst dich nie.
† 28.08.09
Ich danke dir für alles, Thomas. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.
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