Nach dem Mittagessen gingen wir gleich rüber zur Fußballhalle, vor der der Vortrag des Materialexperten und der torwart.de-Sonderverkauf stattfinden sollte. In weiser Voraussicht hatten wir bereits vor dem Mittagessen diverse Utensilien (bei diesen Temperaturen vor allem Getränke) mitgenommen und konnten direkt vom Speisesaal dorthin schlendern. Nachdem die Camp-Teilnehmer sich auf ein paar Bänken niedergelassen hatten, wurde der Vortrag des diesjährigen Materialexperten mit Spannung erwartet. Dieses Jahr hatte war es Marcel Schäfer von torwart.de gelungen, den Handschuhexperten von Uhlsport, Thomas Spitzer, wie auch die Firma als Sponsor für das Camp ins Boot zu holen. Viele der Campteilnehmer konnten ihre Augen schon zu Beginn des Vortrags nicht von der Tasche lassen, die Herr Spitzer mitgebracht hatte. Was für Schätze mögen sich denn darin verbergen? Im Vortrag bekamen wir schon einige dieser „Schätze“ zu sehen. Während einer kleinen Einführung in das Thema Handschuhherstellung bei Uhlsport zog er dann und wann ein Paar eingepackte Handschuhe heraus, die sich dann beispielsweise als das Paar von Itu Khune, dem südafrikanischen Torhüter, passend zur WM in Südafrika herausstellten. Nach diesen kurzen Erläuterungen konnten die Teilnehmer fragen stellen, die sich dann auch munter auf die Fachgebiete verstreuten. Derweil gingen weitere Profimodelle von Hand zu Hand wie beispielsweise der ehemalige Handschuh von Robert Enke.
Etwa eineinhalb Stunden nahm sich Herr Spitzer Zeit für uns und versuchte uns seinen Job so gut es ging nahe zu bringen und auf unsere Fragen zu antworten. Danke dafür, Herr Spitzer und natürlich auch Danke an Marcel und das torwart.de-Team, das wieder einen sehr netten und kompetenten Experten für uns aus dem Hut gezaubert hat.
In den letzten Minuten der Frage- und Diskussionsrunde stellte sich lustigerweise wieder das Bild des Vorjahres ein. Manche Teilnehmer rutschten schon nervös auf ihren Plätzen herum und warfen verstohlene Blicke zu den großen Kisten, die Marcels Team vor dem Vortrag auf die Bänke neben unserem Halbkreis gestellt hatte. Ja, der torwart.de-Sonderverkauf wurde wieder mit Spannung erwartet. So leerte sich nach einem dankbaren Applaus für Herr Spitzer die Runde bis auf ein paar Teilnehmer, vor allem unsere Torwarttrainer, die sich noch ein bisschen – wie auf den Bildern des Camps auch erkennbar – mit den Profitorwarthandschuhen vergnügten.

Josi und ich entfernten uns vom Sonderverkauf etwas früher, um vor der nächsten Trainingseinheit, die für 15:30 Uhr angesetzt war, noch ein bisschen zu entspannen. In dieser Zeit fiel uns dann auch auf, dass uns der Laptop hintergangen und den Camp-Blog nicht abgeschickt hatte. Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt fiel dann auch das Projekt, da keiner von uns beiden Lust hatte, den ganzen Text noch einmal zu tippen.
Also packten wir langsam unsere Sachen zusammen und machten uns für die anstehende Trainingseinheit bereit. Pünktlich machten wir uns dann auf den Weg zum Platz, wo uns das Bild erwartete, mit dem wir gerechnet hatten. An diesem Nachmittag dauerte es mit deutlichem Abstand am längsten, bis sich das Feld gefüllt hatte und auch die letzten Teilnehmer eingetrudelt waren. Auch aufgrund der schon etwas merklichen Anstrengungen des Vortages und Vormittags fiel das Erwärmungsprogramm bei vielen weniger gewissenhaft aus als die letzten Tage. Wer will es ihnen verdenken?
Auf Los ging es dann für uns los zur ersten Station, die wir uns schon bei Simon „reserviert“ hatten. „Second-Goal“ stand bei ihm auf dem Zettel. Zum Anfang machten wir in Paaren noch eine Vorübung zum Thema „hohe Bälle“, bei der wir noch einmal rein auf den Bewegungsablauf und die Technik achten konnten. Danach stiegen wir in die Übung ein. Ein Mitglied unserer Gruppe postierte sich im Tor, ein paar Freiwillige dahinter, während der Rest der Truppe mit Bällen am Fuß zu einem Punkt am rechten Strafraumeck ging. Eine Torhüterin stellte sich noch mit Ball an die Strafraumgrenze unten an der Grundlinie. Aufgabe für uns, die wir am Strafraumeck standen, war es, mit dem Ball Richtung Grundlinie zu dribbeln. Dort angekommen wurde von der Torhüterin an der Grundlinie der Ball Richtung Mitte/5er geworfen, so dass der Torwart hochsteigen und den Ball sichern sollte. Dabei lag das Hauptaugenmerk nicht nur auf dem Runterpflücken der Flanke, sondern auch auf dem Stellungsspiel während einer der „Fake-Feldspieler“ Richtung Grundlinie dribbelte. Nach ein paar Durchgängen, in denen jeder zum Zuge kam, wurde dann getauscht. Bei dieser Übung gefiel mir vor allem, dass sie doch recht nach am Spielgeschehen orientiert und deswegen komplexer war, als die „üblichen Flankenübungen“, die man aus dem Verein kennt. Wieder eine neue Anregung.
Wir bedankten uns bei Simon und gingen dann an der Seitenlinie des Feldes entlang zu Mathias, der wie im Vorjahr eine Station zum Thema „Stellungsspiel“ aufgebaut hatte.

Einzig der Übungsaufbau unterschied sich ein wenig von dem vom letzten Mal. Diesmal waren links versetzt vorm Tor schräg nach vorne mehrere Hürden aufgebaut, während letztes Jahr eine einsame Hürde in der Mitte des Tores gestanden hatte. Der Übungsablauf war jedoch gleich. Der Torwart sollte über die Hürden springen, nach dem letzten Sprung beim Aufkommen stehen und in Variation eins den von Mathias geschossenen Ball halten. Mit diesem Schuss deckte er meist eventuelle Voreiligkeiten der Torhüter auf. Mit der 2. Variation ließ er sich nämlich offen, ob er statt des Schusses einen flachen Pass zu Klaus auf der anderen Seite des Strafraums spielte, der diesen dann versenken sollte. Dabei kam es vor allem darauf an, den Winkel zu Klaus zu verkürzen und nicht Richtung Tor zurück zu laufen. Durch diese Variation war es nur logisch, dass ein gehöriges Maß an Spekulation und voreiligen Bewegungen folgte, die Mathias mal mit einem Ball in die kurze oder in die lange Ecke „bestrafte“ und überraschte Gesichter folgen ließ. Alles in allem war diese Übung wie im Jahr davor mit viel Lernstoff verbunden, denn was man sich so einfach vorstellt – zum Partner rennen, den Winkel verkürzen und den Ball halten – stellt sich in der Praxis als schwierig heraus, wenn der Kopf schneller ist, als die Füße und schon den Ball hält, während der Körper der Länge nach auf dem Boden liegt, weil man in der Eile ins Straucheln gekommen ist und nur mehr schlecht als Recht bei Klaus ankam. So kam es dann schon mal vor, dass ich Klaus’ Schienbein statt den Ball „gefangen“ habe. Dazu kam dann natürlich auch die Überwindung, sich aus vollem Lauf vor den Stürmer zu werfen. Also alles in allem wieder eine gelungene Station, die mit viel Lernen, aber auch Gras fressen () verbunden war. Danke an Mathias und Klaus!

Bei der nächsten Station erwartete und ein Tor aus zwei Pilonen auf der Grundlinie und, etwa in Höhe des imaginären 16ers, 4 unterschiedlich farbige Hütchen. In der Mitte des Aufbaus, auf einer Linie mit jeweils einem Hütchen, lagen 4 Bälle. Bei dieser Station sollten wir uns mit Steffen dem Thema „Snap-It“ widmen.
... Snap-It? Wieder so ein fantasievoller Titel, unter dem sich keiner etwas vorstellen konnte. Wer im Wörterbuch nachschlagen würde, der würde unter „Snap it up!“ fündig werden, was in der Umgangssprache so viel wie „Mach fix!“ oder „Beeil dich!“ bedeutet. Was uns da wohl wieder erwartet? Zum Glück wurde auch hier an die mögliche Verwirrung gedacht und die Station mit „Reaktion, Stellungsspiel und 1 gegen 1“ umschrieben. Letztendlich passte der Titel der Station wie die Faust aufs Auge. Das durch Pilonen markierte Tor wurde von einer Torhüterin besetzt, während vier andere Torhüterinnen zu provisorischen Stürmern umfunktioniert wurden und sich jeweils an einem der vier Hütchen gegenüber postierten. Aufgabe war es nun für den Stürmer, auf Zuruf der Farbe des jeweiligen Hütchens zum Ball vor ihm zu sprinten und diesen im Tor zu versenken. Natürlich stand auf der anderen Seite der Torhüter, der etwas dagegen hatte. Für ihn war die Aufgabe einzuschätzen, ob man vor dem Stürmer an den Ball kam. Wenn ja, dann hieß es, den Ball mit den Händen zu sichern. Im dem Fall, das man nicht rechzeitig kam, hieß es Abstand zum Stürmer verkürzen, im Moment des Schusses stehen und den Ball halten. Natürlich wollte jeder von uns probieren, ob er den Wettlauf mit dem Stürmer gewinnt und so wurden wir Zeuge, mit welchen Körperteilen man auch einen Ball „festhalten“ kann. Mit den Knien, mit dem Bauch... – auch mit dem Hinterteil. In der ersten Variation, bei der der Torwart mit dem Gesicht zum Spielfeld stand, war es noch möglich vor dem Stürmer an den Ball zu kommen. Was sich allerdings in der 2. Variation als sehr schwierig herausstellte. Denn hier musste sich der Torwart, der nun mit dem Rücken zum Feld stand, erst einmal umdrehen und orientieren. In der dritten Variation kam es noch dicker, da Steffen und die Wannabe-Stürmer die Hütchen tauschten, so dass der Torwart nach dem Umdrehen eine neue Situation vorfand, als noch vor ein paar Sekunden. Die vierte Variation war mit Abstand die schwerste, da sich der Stürmer aussuchen durfte, welchen Ball er nehmen wollte.
Diese Station brachte sehr viel Spaß mit sich und wir Torhüter konnten auch mal unsere Stürmerqualitäten unter Beweis stellen. So schlecht sah es in dem Punkt bei uns nämlich gar nicht aus.

Nach dem Dank an Steffen machten wir uns auf zur 4. Station bei Philipp. Diesmal stand die Ballabfälschmaschine wieder an Ort und Stelle, denn heute sollten wir wieder mit ihr üben, was mich persönlich sehr freute, weil das Üben mit diesem „Fahrradständer“ die Wucht in Tüten ist.
Bei der ersten Variation schien sich in der Übung vom Freitag Nachmittag eigentlich nichts geändert zu haben. Das dachte ich auch, bis ich dann den ersten Ball in den Händen hatte oder besser gesagt: „zu haben dachte“. Denn nachdem ich den Ball gefangen hatte, war da dieses merkwürdige Gefühl nur Luft zwischen den Fingern zu haben. Kein Wunder, denn es befand sich kein Ball mehr in meinen Händen. Der Grund dafür war, dass Philipp für seine Station keine normalen Fußbälle eingeplant hatte, sondern lieber auf Plastikkugeln setzte, wie man sie oft am Strand findet. Diese Lufteier machten natürlich so gar nicht das, was man von einem „braven“ Fußball erwarten würde und wenn man zu dieser Komponente dann noch die Ballmaschine dazuaddierte, dann stand am Ende der Gleichung Chaos. So manches verwunderte Kopfschütteln folgte, wenn die Kugel sich für eine andere Flugbahn, als erwartet, entschieden hatte. Bei der zweiten Variation stellte sich immer der vorher übende Torwart neben Philipp und schoss zu erst einen flachen Ball neben die Ballabfälschmaschine, während Philipp den zweiten Ball wieder auf die Maschine schoss. Im dritten Durchgang wurde dann diese Übungsabfolge durch einen halbhoch geworfenen Ball zuletzt erweitert. Auch diese Station brachte wieder viel Freude mit sich. Es ist ja nicht verwunderlich, dass die Gruppe heiter ist, wenn es eine Torhüterin beispielsweise schafft, sich zweimal hintereinander in der gleichen Position vom gleichen Schuss tunneln zu lassen. Namen werden hier nicht genannt.
Wir klatschten mit Philipp ab und gingen die zwei Schritte weiter zur letzten Station des Tages.

Hier hatte sich Carsten wieder der Airbodies angenommen. Drei der Exemplare standen nun vor unseren Nasen und wurden auch gleich getauft... (Heinz mit dem Glitzern im Auge, Pommes mit der getapten Hüfte und Karl...?). Die drei Männer sollten von uns noch ordentlich „einen mitkriegen“.
Links und rechts versetzt auf die Grundlinie des Tores hatte Carsten ein gelbes und ein rotes Hütchen platziert, während er sich zentral vor dem Tor positioniert hatte. Auf Zuruf sollte nun das passende Hütchen angesteuert und danach der geworfene Ball zentral vorm Tor gefangen werden – Airbody-Kontakt manchmal inklusive. Sie bekamen bei uns schon einiges ab, die Armen. Wie auch im Vorjahr fielen wieder die teils lustigen „Codeworte“ der Teilnehmer zum Rauslaufen auf und sorgten für gute Stimmung innerhalb der Truppe. Kurz vor Schluss variierte Carsten dann den Übungsaufbau. Er hatte sich links vom Tor postiert während die Hütchen nun beide rechts im Tor standen. Nun stellte er Rechenaufgaben. Bei einem gerade Ergebnis sollte beispielsweise das gelbe und bei einem ungeraden das rote Hütchen angetippt werden. Danach kam die Flanke von links.
Ich muss jetzt immer noch losprusten, wie wir in der Gruppe zusammen standen, mit konzentrierten Gesichtern die Aufgaben stumm den Mund bewegend nachrechneten und dann mit den anderen flüsternd die Ergebnisse verglichen. Tja, keiner wollte sich blamieren. Natürlich passierte es trotzdem.
In zweiten Variation wurde die Übung durch eine Eins gegen Eins-Situation erweitert, für die sich ein Torwart am langen Pfosten postierte.
Mit dieser Übung ging also der anstrengende aber interessante Trainingstag für uns zu Ende und nach dem Verstauen des Materials und eventuellem Auslaufen und Ausdehnen tröpfelten die Teilnehmer langsam Richtung Unterkunft. Bei manchem schwang da wohl der Camp-Samstag 2009 im Kopf mit, wenn er sich beeilte, um zum Abendessen zu kommen.

Nach dem dieses Camp auch am Samstag Abend beim Abendessen alle satt und zufrieden den Speisesaal verlassen konnten, konnte das Abendsprogramm kommen. Diesmal war für 1 ½ Stunden ein „Teilnehmerworkshop“ geplant, bei dem die Teilnehmer Fragen zum Torwartspiel stellen konnten, die die Torwarttrainer dann nach bestem Wissen und Gewissen beantworteten. Als zusätzlichen Punkt hatte jede Gruppe die Aufgabe bekommen, sich ein Übungsthema für den Sonntag bei Mathias Station auszusuchen. So stand auf dem Programm für Sonntag für jede Gruppe ein „Wunschthema“. Viele Gruppen wollten die Grundtechnik vom Freitagabend noch einmal üben, aber auch Reaktionstraining fand reges Interesse.
Die anschließende Fragerunde lief erst sehr zögerlich an, doch nach ein paar gestellten Fragen taute die Runde langsam auf. Um 20:30 Uhr zerstreute sich dann die Gruppe ein wenig, da ein paar Teilnehmer in die kleine Gaststätte der Sportschule gingen, um das WM-Achtelfinale zwischen Ghana und den USA zu sehen. Manche Teilnehmer nutzen aber auch die freie Zeit, um einen kleinen Abstecher zu McDonalds zu machen, was bei den anderen auf – nun ja, sagen wir – geteilte Begeisterung stieß.

Nach dem Spiel saßen wir draußen auf der Terrasse noch ein bisschen zusammen bis sich die Runde langsam auflöste und alle nach dem anstrengenden Trainingstag den Weg ins Bett fanden.