Umfrageergebnis anzeigen: Das Überrollen - Zulassen oder Abstellen?

Teilnehmer
76. Sie dürfen bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • Es muss in jedem Fall abgestellt werden, der Torwart darf nie dem Spielfeld den Rücken zudrehen

    5 6,58%
  • Man sollte es abstellen, wenn daraus im Spiel sichtbar sich für den Torwart Nachteile ergeben

    5 6,58%
  • Man sollte es tolerieren, aber den Torwart darauf hinweisen, es möglichst zu vermeiden

    4 5,26%
  • Man kann es tolerieren, wenn im Spiel für den Torwart daraus keine sichtbaren Nachteile entstehen

    42 55,26%
  • Völlig in Ordnung, daß kann in jedem Fall zugelassen werden

    20 26,32%
Ergebnis 1 bis 41 von 41

Thema: Das Überrollen

  1. #1
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Standard Das Überrollen

    Es ist ein spannendes Thema und sicherlich, spannend.
    Ich habe daher eine Umfrage mal erstellt, denn eine Meinung kann eindeutig sein, doch auch die Diskussion ist sicherlich spannend, wie sich die Meinung begründet oder aber welche Toleranzkritieren jemand hat.
    Es geht darum: Der Torwart bekommt einen seitlichen Ball, meistens flach. Der Torwart taucht in den Ball hinein, nimmt aber meist soviel Schwung mit, damit er denn Ball erreicht und der Schwung wird vom Torwart ausgenutzt, über die am Boden befindliche Schulter in den Kniestand zu überrollen, wobei er dem Spielfeld - wenn auch oft nur kurzfristig - den Rücken zukehrt.
    Zur Verdeutlichung ein Video:

    Quellenhinweise: Verschiedene Trainings-DVD des DFB, von Torwart.de und anderer Anbieter, sowie Trainingmitschnitte von Bayern München TV
    Es sind ausschließlich Ausschnitte zu sehen, die keinesfalls den Inhalt widerspiegeln, noch Rückschlüsse auf den Inhalt in der Gesamtheit zulassen.
    Di Ausschnitte dienen lediglich der Verdeutlichung des Themas und sind aus den Beiträgen herausgelöst worden. Auf Ton wurde bewußt verzichtet


    Ich denke man kann es gut erkennen. Bitte erspart Euch andere Kommentare wie: Die Torleute springen ja gar nicht nach vorn in den Ball, welche Handschuhe trägt denn Tim Wiesse da, oder so ähnlich.
    Der Fokus liegt auf dem Punkt des Überrollens über die Schulter unter dem Gesichtspunkt, daß viele Torwarttrainer recht streng den Grundsatz verfolgen:
    Nie dem Spielfeld den Rücken zudrehen...

    Hier sind nun völlig bewußt Ausschnitte zu sehen, wo die Torleute dies tun. Bewußt habe ich den Ton weggelassen, damit die Kommentare oder Rufe des Trainers ausgeblendet sind und die Meinungen nicht beeinflussen. Völlig Bewußt sind auch die Situationen willkürlich gewählt und nicht immer ist die vollständige Situation zu erkennen, geht es doch ausschließlich im eine kleine technische Bewegung im Torwartspiel.

    Also, wie seht Ihr das?
    Gedanken, Meinungen, Erlebnisse - Feuer frei
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  2. #2
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    Hallo Steffen,

    ohne deine Meinung zu dem Thema zu kennen, beschreibe ich einfach mal einige Situationen, bevor ich eine Stellungnahme abgebe.

    Situation 1:

    Gegner läuft auf die Grundlinie, spielt den Pass in den Rückraum, Schuss aus ~13m Entfernung. Ball kommt mit ziemlicher Wucht, ich kann den Ball nur seitlich abwehren in Richtung des Passgebenden Stürmers. Weil ich aber auch zur Fraktion der Überroller gehöre, lag ich kurz darauf seitlich zu diesem Gegner an der Grundlinie und konnte den Nachschuss ins kurze Eck parieren.

    Fazit aus dieser Situation: Ohne Überrollen hätte es evtl. nicht gereicht, weil ich anders gelegen hätte.

    Situation 2:

    1 vs. 1 Situation, der Spieler schießt flach bis halbhoch knapp neben mich, Ball trifft meine Schulter und ich stehe wegen Überrollen mit dem Rücken zum Spieler.

    Blick Richtung Tor: Kein Ball zu sehen.

    Drehung: Kein Ball zu sehen.

    Rumps – Ball landet auf der Tribüne.

    Fazit: Orientierung und Zeit verloren, weil ich mit dem Rücken zum Spielfeld stand. Mitgelaufener Abwehrspieler klärt bevor Nachschuss möglich.

    Was möchte ich euch mit diesen beiden Situationen zeigen. Für mich spiegelt es genau die beiden Momente, wo ich entweder einen Vorteil oder einen Nachteil durch das Überrollen habe.

    Halte ich den Ball fest oder wehre ihn zur Seite ab, ist Überrollen meiner Meinung nach neutral mit einer positiven Tendenz zu sehen. (siehe Situation 1). Man hat genügend Zeit sich zur orientieren, weiß meistens sowieso wo der Ball ist und hat in manchen Situation durch seine neue Lage sogar einen Vorteil.

    Kann ich den Ball aber nicht festhalten und muss ihn aus irgendeinem Grund unkontrolliert abprallen lassen (1 vs. 1, Schüsse aus kurzer Distanz, etc.) – so kann überrollen schnell zum Nachteil werden.

    Nehmen wir nun oben beschriebene 1 vs. 1 Situation. Für mich als Torwart wird die Situation leicht hektisch („Verdammt, wo ist der Ball?!“) – allerdings spielen wir Torhüter nicht alleine, sodass zumindest in den 1 vs. 1 Situationen davon auszugehen ist, dass ein Abwehrspieler im Regelfall mitgelaufen ist – sonst würde ich einmal ein ernstes Wörtchen mit meiner Vordermannschaft reden.

    Sollte kein Abwehrspieler mitgelaufen sein o. sollte es eine von diversen anderen Situationen sein (Masse von Spielern vor dem Tor, o. ä.), dann kann das Überrollen wichtige Zeit kosten.

    Aber ich muss ganz ehrlich zugeben, dass mir keine Situation einfällt in der ich ein Tor durch Überrollen verschuldet habe o. im Nachhinein dachte, dass ich den Ball vielleicht hätte haben können. Es liegt vielleicht auch daran, dass ich nicht bei allen Bällen genannte Rolle mache, manchmal riskiere ich die ein o. andere Schürfwunde an der Schulter, weil ich weiß, dass ich mit einem schnellen Nachschuss zu rechnen habe.

    Grüße
    Dennis
    Geändert von Dennis1991 (24.08.2010 um 13:37 Uhr)

  3. #3
    torwart.de-Team
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    Avatar von Stetti
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    Ich denke, dass es falsch ist, grundsätzlich zu sagen, dass man nie dem Spielfeld den Rücken zudrehen darf.

    Mir selber wurde das nie so gesagt - okay, ich hatte auch nie einen Torwarttrainer, der auf Technik geachtet hat - und ich selber agiere meistens auch so, wie die Torhüter in dem Video.

    Wenn sichtbare Nachteile entstehen, sollte man mit dem Torhüter im Training an Alternativen arbeiten und ihm erklären, was er falsch bzw. suboptimal macht. Für mich selber muss ich aber sagen: Ich komme mit dem Überrollen gut klar und komme durch den Schwung auch sofort wieder auf die Beine. Die anderen "Aufsteh"-Techniken beherrsche ich nicht wirklich, habe sie auch nie trainiert und daher bin ich vermutlich sogar schneller, wenn ich überrolle, auch wenn ich vielleicht einen abgewehrten Ball für eine Sekunde aus den Augen verliere. Da man ja Bälle aber sowieso nie nach vorne abwehren sollte, sehe ich dieses Problem als nicht wirklich gegeben.

  4. #4
    Nationale Klasse Avatar von Mondy
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    Ich bin der Meinung, dass das "Überrollen" und das damit verbundene Wegdrehen vom Spielfeld, keinen großen Nachteil darstellt, wenn man ansonsten eine gute Technik bei seitlichen Bällen hat.

    Ich persönlich würde wesentlich länger brauchen, wenn ich versuchen würde mit Blick zum Spielfeld schnell aufzustehen. Die "spanische Wende" kann hier zwar Abhilfe schaffen, aber diese muss auch erst einmal antrainiert werden und die Zeitersparnis ist auch nur minimal...klar manchmal können das die entscheidenden Millisekunden sein, aber in den meisten Fällen gehen solche seitlichen Bälle ja nach erfolgreicher Abwehr zur Seite oder werden im Optimalfall festgehalten. Nach vorne soll man ja sowieso nach Möglichkeit überhaupt nicht abwehren und ich persönlich trainiere lieber das Abwehren zur Seite bzw. Festhalten dieser Bälle, als mir jetzt noch z. B. die Spanische Wende anzugewöhnen. Und wenn man nach einer Abwehr zur Seite noch einen Nachschuss oder Pass in die Mitte bekommt, ist das Überrollen meiner Meinung nach definitiv besser.

    Edit: Stetti war schneller

  5. #5
    Nationale Klasse Avatar von ollie1
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    Ich seh da jetzt kein Problem, dem Spielfeld kurz den Rücken zuzukehren.
    In Situationen wo der Ball weiter weg oder ins Aus abgewehrt wird seh ich keinen Nachteil für den Torwart.
    Und in manchen Situationen kann ja auch ein Vorteil entstehen, z.B. wenn ein Ball an den Pfosten prallt und der Keeper wieder in den Kniestand kommt, dann kann er schnell aufstehen und wieder zum Ball gehen. Vielleicht ist es dann sogar schneller anders aufzustehen.
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  6. #6
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Nun, bisher haben wir ja schon mal ein Meinungsbild.
    Mich würde aber interessieren, warum jemand meint: Das mus man generell abstellen... in der Richtung hätte ich mal ein Statement erwartet, vor allem mal eine entsprechende Begründung.
    Ebenso hätte mich interessiert, warum jemand wählt, daß es völlig in Ordnung ist und in jedem Fall zu tolerieren ist...
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  7. #7
    Nationale Klasse Avatar von ollie1
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    Das jemand sagt, dass es auf jeden Fall abgestellt werden muss, kann ich mir so erklären, dass man einfach sagt, dass in dem Moment, in dem der Keeper dem Feld den Rücken zukehrt er es logischerweise nicht mehr im Blick hat. Dreht er sich jetzt wieder in Richtung Feld brauch er eben einen Moment, um sich zu orientieren, den ballführenden Spieler zu finden und das könnten eben die "entscheidenden" Sekundenbruchteile sein.
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    Ruhe in Frieden, Robert

  8. #8
    Nationale Klasse Avatar von Anadur
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    Zitat Zitat von Steffen Beitrag anzeigen
    Der Fokus liegt auf dem Punkt des Überrollens über die Schulter unter dem Gesichtspunkt, daß viele Torwarttrainer recht streng den Grundsatz verfolgen:
    Nie dem Spielfeld den Rücken zudrehen...

    Abgesehen davon, dass es immer schlecht ist einfach so eine Behauptung in den Raum zu werfen ohne diese auch zumindest mal mit ein paar Links als Quellen zu liefern, habe ich diese Behauptung ausschließlich hier im Forum gehört. Und na ja, die ist in etwa so sinnvoll wie "Wenn der Torwart raus kommt, muss er ihn haben" oder "Jeder Ball im 5er ist dem Torwart" ...
    Zumindest passt die Behauptung nun überhaupt nicht zu den Bildern. Die einzige Interpretation, die Sinn macht, ist: "Nie dem Spielball den Rücken zudrehen" und wenn man das ganze jetzt noch ein bisserl um den Satz: "Wisse immer wo sich der Ball befindet" erweitert, macht es sogar noch mehr Sinn.

    Die Bilder aus dem Video sind aber auch mit der Ursprungsaussage sicherlich nicht gemeint. Was ich mir noch vorstellen könnte, in welchem Zusammenhang solch eine Aussage fallen könnte, wäre wohl wenn es um Trinken während des Spiels geht. Oder wenn ein Torhüter weit aufgerückt war und dann bei einem Konter für den Gegner eben nicht rückwärts läuft (Blick zum Ball), sondern sich umdreht und nicht mit dem Blick aufs Spielfeld zu seinem Tor zurück läuft. Oder sich abdreht, weil der Schiri ein Foul gepfiffen hat und nicht mitbekommt, dass der Gegner schnell ausführt. Oder er am 16er abwirft und sich erstmal umdreht um wieder ins Tor zu kommen (sieht man oft in der Jugend).

    Letztendlich macht es hier an diesem Punkt keinen Sinn mehr sich weiter den Kopf zu zerbrechen, weil die Ausgangslage einfach keine Basis für eine ausführliche Diskussion bietet.

  9. #9
    torwart.de-Team Avatar von Schnapper82
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    Fangen wir mal einfach an.
    Hält der Keeper den Ball fest, ist es völlig egal, was er macht, ob er dann noch drei Saltos schlägt oder einen Kopfstand macht, ist total egal. Fakt ist, er hat den Ball gesichert und es kann nichts mehr passieren.

    Analysieren wir nun das "Überrollen", welches sogar extrem viel Sinn macht, wenn man den Ball von sich aus gesehen zu der Seite abwehrt, wo der Ball auch hinging. Man steht somit also schnell wieder in die Richtung auf, wo die Gefahr lauert. Hierbei ist der Bruchtteil einer Sekunde, den man den Rücken zu Spielfel hat zu vernachlässigen, wie ich finde.
    Wehrt man den Ball in die entgegengesetzte Richtung ab, also man springt nach rechts und der Ball geht vom Keeper aus nach der Parade nach links, dann sehe ich die Torwartwippe als bessere Mittel in die andere Richtung zu kommen.

    Von allgemein falsch oder richtig würde ich hier also nicht sprechen, sondern eher wieder einmal davon, dass man in der entsprechenden Situation die richtige Technik anwenden sollte. Hierzu muss man natürlich so viele Techniken wie möglich beherrschen.
    In stillem Gedenken an Spideratze und Robert Enke.
    Lasst uns rausgehen und Bälle fangen, Spiele gewinnen und was noch viel wichtiger ist:
    Lasst uns jede Sekunde des Lebens leben und geniessen - nichts ist für immer ! ! !

  10. #10
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Hallo Marcel,
    ich denke Du verfolgst das Thema aufmerksam wie ich... vielleicht magst Du auch mal was zum Rollen schreiben, denn: Neben Rainer Berg und Volker Piekarski kennst Du ja auch noch genügend 'Dogmatiker' in der Richtung, und kannst vielleicht dazu auch mal was sagen... bewußt halte ich mich da raus, denn letztendlich habe ich meine Stimme oben schon abgegeben und mich gegen die Mehrheit entschieden.

    Gruß,

    Steffen
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  11. #11
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Zitat Zitat von Anadur Beitrag anzeigen
    Letztendlich macht es hier an diesem Punkt keinen Sinn mehr sich weiter den Kopf zu zerbrechen, weil die Ausgangslage einfach keine Basis für eine ausführliche Diskussion bietet.
    Es kommt selten vor, doch hier würde ich Dir gern mal 100%ig zustimmen, ich kann es nur nicht.
    Denn Du hast die Aussage noch nie gehört, ich höre diese immer und immer wieder... es ist dann nur komisch, daß wenn man dann eine "Diskussion" hier anzettelt, genau diese Leute sich dann geschlossen halten, ihren Klicker machen, und damit dann die Aussage förmlich unbegründet im Raum stehen lassen.
    Ich habe die Aussage auf dem Tw-Trainer Lehrgang in Grünberg nun das dritte Jahr in Folge gehört, und auch auf dem Torwart.de Camp dieses Jahr war der Diskussionsansatz vorhanden, den ich nun gern hier fortgesetzt hätte...
    Daher Anadur, ich stehe Dir da näher als man denken mag, doch die Gegenseite gibt es wirklich! Sonst hätte ich - mit Verlaub - ein solches für viele unnötiges Thema nicht eröffnet
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  12. #12
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    Ich finde, wenn es möglich ist das nicht machen sollte.
    Aber wenn man im vollen Lauf oder mit hohem tempo einen ball fängt passiert es ziemlich oft von allein.
    Aber es hat halt den Nachteil das man länger braucht um sich auf einen Nachschus vorzubereiten.

  13. #13
    Nationale Klasse Avatar von Anadur
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    Zitat Zitat von Steffen Beitrag anzeigen
    Es kommt selten vor, doch hier würde ich Dir gern mal 100%ig zustimmen, ich kann es nur nicht.
    Denn Du hast die Aussage noch nie gehört, ich höre diese immer und immer wieder... es ist dann nur komisch, daß wenn man dann eine "Diskussion" hier anzettelt, genau diese Leute sich dann geschlossen halten, ihren Klicker machen, und damit dann die Aussage förmlich unbegründet im Raum stehen lassen.
    Ich habe die Aussage auf dem Tw-Trainer Lehrgang in Grünberg nun das dritte Jahr in Folge gehört, und auch auf dem Torwart.de Camp dieses Jahr war der Diskussionsansatz vorhanden, den ich nun gern hier fortgesetzt hätte...
    Daher Anadur, ich stehe Dir da näher als man denken mag, doch die Gegenseite gibt es wirklich! Sonst hätte ich - mit Verlaub - ein solches für viele unnötiges Thema nicht eröffnet

    Bei uns im Rheinland hört man jedenfalls nichts davon und auch keiner meiner eigenen Trainer hat hier jemals etwas in die Richtung behauptet. Ich hatte sogar Trainer, die haben bewußt gefördert die Beine nachzuziehen und über den Ball zu bringen, als zusätzlicher Schutz vor heranstürmenden Gegnern.

    Wie soll das auch funktionieren. Gerade bei den Szenen, die du oben zusammen geschnitten hast. Wie soll denn da eine Landung funktionieren mit Blickrichtung zum Feld. Bei den flachen Bällen am Anfang mag das ja noch gehen, aber spätestens wenn es hoch geht landet kein Torhüter der Welt mit Blickrichtung zum Spielfeld. z.B. die Szene bei Minute 1:55. Da landet man immer mit Blickrichtung zum Tor. Na ja es sei denn man baut noch einen Salto ein

    Oder mal noch eine extremere Situation genommen: Der Lupfer. Da schaut der Torhüter auch überall hin während und nach der Parade. Nur nicht in Richtung Spielfeld.

    Ich bleibe dabei. Entweder es bezieht sich darauf, dass man immer aufmerksam das Spielgeschehen beobachtet sollte und wissen sollte wo der Ball ist (mit entsprechender Blickrichtung). Oder es ist eine Phrase, die im Doppelpass einen ein paar Euro kostet. Nur über den ersten Punkt sind sich wohl alle einig und falls die Phrase gedroschen wird, lohnt der Aufwand nicht darüber zu diskutieren.

  14. #14
    Nationale Klasse Avatar von ollie1
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    Für mich macht der Satz "Nie dem Spielfeld den Rücken zukehren" vor allem in einem Zusammenhang Sinn: In Situationen, in denen sich der Torhüter drehen muss, um in eine andere Richtung zu laufen. Man sieht das auch bei Profis bei Feldspielern manchmal, dass der Feldspieler sich einmal fast komplett um die eigene Achse dreht, anstatt sich eine 1/4-Drehung in die andere Richtung zu drehen. Nehmen wir mal folgende Situation an: Der Angreifer ist auf der vom Torhüter aus gesehen linken Seite durchgebrochen und geht jetzt parallel zur Torauslinie in den 16er rein. Der Torwart stellt sich ihm im Stehen entgegen, der Angreifer spielt einen Lupfer in die Mitte Richtung 2. Pfosten. Dreht sich der Keeper jetzt nach rechts kann er den Ball die komplette Zeit während er läuft im Blick behalten. Dreht er sich jedoch anders rum, verliert er den Ball aus den Augen und kann evtl. nicht mehr entscheidend eingreifen. In diesem Fall macht das Sinn, doch diesen Satz als absolute Regel, die unter keinen Umständen verletzt werden darf, darzustellen macht keinen Sinn.
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  15. #15
    Welttorhüter
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    Avatar von Manuel
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    Ist denke ich stark Situationsabhängig.
    Wenn der Torwart den Ball bei der Aktion gesichert hat und ihn somit aus dem Spiel genommen hat ist es mMn egal ob der Torwart jetzt in Richtung Tor oder Spielfeld blickt, nachdem er aufgestanden ist.
    Man kann zwar sagen, dass er bei Blick in Richtung Tor nicht ganz so schnell das Spiel wieder eröffnen kann, doch sollte das Hauptaugenmerk ja erstmal auf 'Ball sichern' liegen.

    Was ich auch noch schreiben will ist, dass wenn der Torwart den Ball nicht sichert sondern nur zur Seite ablenkt, er durch das 'Überrollen' und dem folgenden Aufstehen doch trotzdem sofort wieder den Blick in Richtung 'Gefahr' hat - nämlich dorthin wo der Ball hingelenkt wurde.

    Das sieht man in dem Video gleich am Anfang gut, weil er dort dem Ball noch hinterher läuft, in der folgenden Szene bei Kahn sieht mans gar nicht - aber nur, weil er bei der Übung ja sofort zur anderen Seite rennen muss und den abgelenkten Ball ignoriert.

    Ab 01:30 sieht mans auch nochmal, was ich meine. Der Keeper hat den Ball nicht sicher, (ist nichtmal dran gewesen glaube ich), wäre aber mit dem Blick in die Richtung wohin der Ball geflogen wäre aufgestanden und hätte somit die "direkte Gefahr" im Blickfeld.

    Daher habe ich mal für "Man kann es tolerieren, wenn im Spiel für den Torwart daraus keine sichtbaren Nachteile entstehen" gestimmt - und ich selbst, als jemand der nicht soviel Ahnung hat, erkenne zumindest in diesem Video keinen Nachteil für die Keeper.

    Ich persönlich habe von meinem Torwart-Trainer in dem Zusammenhang noch nicht gehört, dass ich auf keinen Fall den Blick vom Spiel wenden darf.


  16. #16
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Die Meinungen sind bisher eindeutig.. von vielen hier.
    Fragen wir doch mal: Wie geht Ihr mit einem Trainer um, der nun plötzlich Euch sagt: "Überollen - das dürft Ihr nicht. Der Torwart darf dem Spielfeld nie den Rücken zukehren!"

    So geschehen 2008 auf dem Torwarttrainer Seminar in Grünberg durch einen der Trainer, aber auch diskutiert auf dem Torwart.de Camp 2010...

    Was denkt ihr, wie reagiert Ihr?

    Und ich finde traurig, daß hier die Leute, die es recht dogmatisch bertreten, sich in Schweigen hüllen. Ich meine, niemand muss sich offenbaren, aber zumindest könnte man sich aktiv beteiligen und mal versuchen zu erklären, warum die Aussage, daß man es einfach nie machen sollte/darf, überhaupt existiert...

    Und ich gebe zu: Ich bin ein Ketzer - ich lehre meine Torleute das Überrollen, aber auch die Torwartwippe und natürlich die Form der sogenannten Spanischen Wende. Er oder Sie soll für sich selbst durch üben und durch Problemstellung im Training herausfinden, wann welche Form des Aufstehens oder Wendens besser ist. Ich lehre aber auch, in Anlehnung an Eberhard Trautner, daß der Torwart bei hohen Bällen sich ggf. bewußt und gezielt mit dem Ball vom Feld wegdreht, um seinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler zu bekommen, und damit bewußt dem Spielfeld den Rücken zukehrt.
    Auch hier darf er selbst entscheiden, wann er dies tut und wann er ggf. mit dem Knie für die nötige Distanz und "Abschreckung" sorgt, und diese Entscheidungen, die versuche ich im Training bei Übungen heraus zu arbeiten und den Torwart damit mit den Problemen der Entscheidungen zu konfrontieren. Denn nur durch Versuch und Fehler gewinnt mein Torwart an Entschlusskraft und damit an der Fertigkeit, im Wettkampf die richtige Entscheidung für sich und die Situation zu treffen...
    Zitat Zitat von Hans Leitert
    Ohne Herausforderung, aber einer bestimmten Entwicklungsstufe, ist keine Weiterentwicklung möglich.
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  17. #17
    Welttorhüter
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    Avatar von Manuel
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    Steffen, du als jemand der Ahnung hat - das interessiert mich jetzt -, was hälst du von meiner Aussage, dass der TW nach dem "Abklatschen und Abrollen", mehr oder weniger, automatisch Richtung Gefahrenherd aufsteht und dann eigentlich in der richtigen Position für den möglichen Nachschuss steht ?

    Sehe ich das falsch oder ist da was wahres dran ? Mir kommt es so vor, als ob die Keeper im Video eigtl. immer "richtig" stehen würden, wenn sie sich am zuvor abgewehrten Ball orientieren. Ich gebe zu, ich habe wirklich wenig Ahnung davon, um so mehr interessiert es mich was du dazu sagst. (Ich hoffe ich konnte halbwegs deutlich erklären wie ich es meine ).


  18. #18
    torwart.de-Team
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    Zitat Zitat von Steffen Beitrag anzeigen
    Fragen wir doch mal: Wie geht Ihr mit einem Trainer um, der nun plötzlich Euch sagt: "Überollen - das dürft Ihr nicht. Der Torwart darf dem Spielfeld nie den Rücken zukehren!"
    Dann frage ich meinen Torwarttrainer nach den Gründen für diese Vorgabe. Wenn er Lust hat, diskutiere ich gerne mit ihm über die Vor- und Nachteile, aber auf dem Platz ist meistens keine Zeit dazu. Natürlich würde ich dann probieren, seine Vorgabe umzusetzen. Ist ja durchaus möglich, dass ich damit gut klarkomme. Oder der Torwarttrainer merkt von selbst, dass dies die schlechtere Lösung ist.
    Farblegende: Moderator | Privatperson

  19. #19
    Torwarttalent
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    Ich werde auch mal nachfragen, weil ich das Gefühl habe, wenn ich abrolle wieder schneller auf den Beinen zu sein. Prinzipiell sagt mein TWT auch nicht gegen das Überrollen, doch bei Übungen, die so laufen, wie bei Kahn im Video, bemängelt er das häufig mal.

  20. #20
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Zitat Zitat von Manuel Beitrag anzeigen
    Steffen, du als jemand der Ahnung hat - das interessiert mich jetzt -, was hälst du von meiner Aussage, dass der TW nach dem "Abklatschen und Abrollen", mehr oder weniger, automatisch Richtung Gefahrenherd aufsteht und dann eigentlich in der richtigen Position für den möglichen Nachschuss steht ?
    Das ist doch Situationsgebunden. Schau mal, wenn ich z.B. meinen Torwart vor die "Rebound" Situation, also Nachschuss Situation stelle, wo der Ball links kommt und dann rechts, dann kann Überrollen sehr hilfreich sein, ausser man beherrscht das spanische Wenden sehr gut. Doch, hier muss ich sagen: Habe ich eine Menge Schwung, und es gibt bei YouTube ein tolles Video dazu:

    Ab 1.28 min geht es damit los, wo man die Wende gut erkennen kann und der Torwart macht das echt klasse. Die Diskussion, ob er mit Rollen schneller in Gegenrichtung auf den Beinen wäre, oder ob er weniger, mehr oder gleich viel Raum braucht, ist auch eine Sache, die man angesichts der Bilder in Bedenken und Diskussion einbeziehen sollte/muss.
    Hier muss man klar sagen, bei einem Richtungswechsel sind die Methoden des Überrollens und des "Spanischen Wendens" geeignet. Doch was, wenn ich den Nachschuss seitengleich setze? Also links und wieder links, nur ein Stück weiter in die Ecke?
    Tja, und die dritte Form ist das Aufstehen über die Wippe ist in der Situation einfach besser... Denn ich wippe auf, und kann mich glaich wieder in die gleiche Ecke abdrücken... für einen Seitenungleichen Ball, also in die andere Ecke ist die Wippe wahrscheinlich weniger gut geeignet.

    Somit kommt bei einem Abpraller oder abgeklatschten Ball es immer darauf an: Wohin fällt der Ball und vor allem in welche Ecke kommt der Nachschuss, oder auch aus welcher Ecke kommt der Nachschuss.
    Das darf man bloß nicht verallgemeinern....
    Für mich ist es so: Der Torwart wird unterschiedlichsten Nachschuss Situationen ausgesetzt, einfach damit er lernt, sowohl als auch zu machen und zu lernen, es praktisch anzuwenden.
    Für eine Übung, wo ich schieße und der Torwart rasch wenden muss, um z.B. in die andere Ecke zu laufen, weil er dort einen anderen Schuss erwartet, toleriere ich durchaus das Rollen, denn hier weiß der Torwart in jedem Fall wo der nächste Ball herkommt und kann und darf daher so reagieren... weiß er das nicht und würde es tun, könnte es ein Nachteil im Spiel sein....
    Daher, ich möchte das nicht verallgemeinert wissen...
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  21. #21
    Torwarttalent
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    Der TW beherrscht die Wende wirklich gut und dadurch finde ich, dass er immer wieder schnell auf den Beinen ist und die meisten Bälle abwehren kann. Doch inwiefern er diese Technik anwenden kann bzw. wie viel Erfolg er damit hat, würde mich interresieren?

  22. #22
    Freizeitkeeper
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    Ich denke schon, dass das Überrollen in bestimmten Situationen, vor allem dann, wenn der Ball nach vorne abgewehrt wird, viel Zeit kosten kann. Eigentlich soll der Ball da ja nicht hin, aber passiert halt auch mal. Bin aber keiner dieser Vertreter, die behaupten, dass das überhaupt nicht sein darf. Gerade bei Bällen, die ich sichern kann, gefällt mir das sehr gut.
    Nichtsdestotrotz hab ich mir selbst auch die spanische Wende angewöhnt, weil man einfach schneller wieder so auf den Beinen ist, dass man direkt ins Tor zurückkommt und eben den Ball nicht aus den Augen verliert.

  23. #23
    Amateurtorwart Avatar von matthias1995
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    Ich finde das Überrollen nicht unbedingt als falsch. Es hilft mir z.B. beim schnelleren Aufstehen...
    Pro Überrollen
    Doch wenn man es nicht wirklich kann, würde ich sagen sollte man es lassen. Dadurch verzögert es sich.

  24. #24
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    Oft hilft der Schwung mir schneller wieder aufzustehen und dadurfch habe ich dann in der Regel "genug" Zeit mich zu orientieren. Wenn ich nach einem seitlichen Flachschuß jetzt auf meiner Seite liege und der Ball anschließend in die Richtung geht, in die meine Füße zeigen, fehlt mir eben diese Zeit um aufzustehen und die Richtung zu wechseln. Ich beziehe das "über sie Schulter rollen" in meine Doppelaktionen im Training bewusst mit ein, so funktioniert es im Spiel automatischer und man bekommt schon im Training mehr Gefühl dafür, wohin der Ball nach einer ersten Parade abklatscht.

  25. #25
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    Habe mir dieses "Aufstehen" in letzter Zeit so angewöhnt, wie auf dem Video zu sehen ist.

    Einer meiner TW Trainer sagt, ich soll nicht Überrollen, da ich sonst das Spielfeld aus dem Blick verliere. Ein anderer sagt, dass das Überrollen besser ist. Also da gehen die Meinungen durchaus auseinander.

  26. #26
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    jep... ich denke man sollte so weiter machen, wie man sich sicher fühlt. man kann ja beides trainieren, mit verschiedenen situationen und dann nach gefühl entscheiden.

    auf asche und so manchen kunstrasenplätzen könnte man mit der "videotechnik" problebe bekommen... aber auf rasen sieht das wenden so ziemlich schnell aus...
    Geändert von Paulianer (21.10.2010 um 10:11 Uhr) Grund: Doppelbeitrag

  27. #27
    torwart.de-Team Avatar von Schnapper82
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    Zitat Zitat von bungee Beitrag anzeigen
    auf asche und so manchen kunstrasenplätzen könnte man mit der "videotechnik" problebe bekommen... aber auf rasen sieht das wenden so ziemlich schnell aus...
    Wieso gibt das Probleme? Begründe deine Aussage bitte einmal...
    In stillem Gedenken an Spideratze und Robert Enke.
    Lasst uns rausgehen und Bälle fangen, Spiele gewinnen und was noch viel wichtiger ist:
    Lasst uns jede Sekunde des Lebens leben und geniessen - nichts ist für immer ! ! !

  28. #28
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    naja, asche und - vor allem alte bzw. abgenutzte - kunstrasenplätze lassen dieses "rutschen" über den rücken eher weniger zu, oder?! (reibung und so) außerdem sind gerade auf asche die klammoten fix durch...

    aber auf rasen sieht das echt gut aus... ich versuch das die tage auch mal ;-) bin sonst auch eher der "überroller"...

  29. #29
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    ich neige auch sehr stark zum überrollen, aber meistens nur auf der rechten seite...wollte es eig wieder wegbekommen nachdem ich darauf aufmerksam gemacht worden bin...ging aber leider nicht mehr. Ich bin aber der meinung dass das überrollen nicht grundlegend ein fehler ist. Habe auch noch nie deswegen ein tor kassiert

  30. #30
    Nationale Klasse Avatar von nik1904
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    Es gibt drei sinnvolle Varianten:

    Überrollen und Gesicht vom Spielfeld nehmen.

    Durchdrehen und über den Rücken drehend die Richtung wechseln.

    Torwartwippe / -schaukel

    Alle drei Varianten haben nur ein Ziel: So schnell wie möglich aus einer Aktion wieder für die nächste Aktion bereit zu sein und die Möglichkeiten zu optimieren, schnell wieder in eine gute Ausgangslage zurückzukommen. Ich persönlich drehe oft durch (mehr wörtlich als sprichwörtlich ) und benutze Wippe und Durchdrehen. Das Überrollen hat womöglich die größte Effizienz, wenn man sich abrollt. Ich werde das sicherlich ausprobieren.

    Rein vom Gesichtspunkt des "Blick vom Spielfeld abwenden" halte ich in der Praxis für beinahe egal, was man macht. Denn ohne die Gefahr zu erkennen, dass noch etwas passiert und der Gegner zum Nachschuss kommt, wird jeder Torwart die Aktion einfach sauber zu Ende bringen. Wenn ich weiß, dass die Situation noch nicht bereinigt ist, geht es nur und ausschließlich um die Frage, wie schnell ich es schaffe, wieder in die beste Ausgangslage zu kommen.

    Je weniger Zeit ich habe, sprich je näher der Ball zum Tor ist, wird das Überrollen problematischer sein, weil ich dann einen Tick später in die Grundhaltung zurückkehren kann und dann der ständige Blickkontakt absolut relevant ist. Wenn es darum geht, nach dem Aufstehen so schnell wie möglich mehrer Meter zurückzulegen, ist die Technik allerdings optimal, denn ich komme sehr schnell in eine Sprinthaltung und in die Gegenrichtung. Ausschließen würde ich nichts, können sollte man alles und zwar so gut, dass man es instinktiv für die entsprechende Situation einsetzen kann. Also werde ich das Durchdrehen trainieren.
    Geändert von nik1904 (11.01.2011 um 13:45 Uhr)

  31. #31
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Zitat Zitat von nik1904 Beitrag anzeigen
    Also werde ich das Durchdrehen trainieren.
    Nik,
    das schöne daran ist, daß ich selbst einen Torwart habe, der das eigentlich oft und regelmäßig macht... daher liebe ich mit Ihm Doppelballübungen: Hier ist er einfach Granatenschnell, wenn es darum geht, von einer Ecke in die andere Ecke zu kommen. Also der Richtungswechsel ist phänomenal schnell und kommt nahezu an die Technik heran, wenn man die "Spanische Wende" benutzt, also über das Gesäss wendet, wie der Tw im Video es tut. Schön auf dem Video zu sehen ist aber: Egal wie, der Schwung den der Torwart mitbringt, der muss irgendwohin, je mehr der Tw also seitlich sich in die Ecke wuchtet, desto höher daher der Bremsweg. Sprich es geht nicht völlig ohne einen "Bremsweg" auf dem Boden, was gerade auf dem Hartplatz bei einer reinen Seitwärtslandung den Körper belastet. Wer es nicht glaubt, soll mal ins Judo Training gehen und sich 20 Mal mit einem Schulterwurf auf die Körperseite werfen lassen. Macht man so einen Blödsinn, als Torwart ja gern, über Jahre hinweg, halte ich das durchaus für sehr bedenklich. Zudem rutscht man immer minimal über den Boden, denn irgendwie muss die seitliche Bewegungsenergie ja aufgezerrt werden, damit der Torwart eine Ruhelage erreicht - es gilt ja immer noch das Energieerhaltungsgesetz. Daher wird die Bewegungsenergie in Wärme, sprich Reibungsenergie umgewandelt. Auf der Judomatte ist das nicht so arg, auf einem Kunstrasen geht's noch (allerdings ist dann auch der Weg weiter ) und auf dem Hartplatz gibt es je nach Schwung vielleicht sogar Schürfwunden...
    Beim Überrollen hingegen tritt das Newtonsche Gesetz der Bewegungsumkehr in Kraft, sprich die Energie der Bewegung bleibt erhalten, wird nur vollständig in die andere Richtung umgelenkt... Dieses "Rückstoß" Prinzip ist es auch, was es dem Torwart so ermöglicht, rasend schnell in die andere Ecke zu flitzen, er hat sozusagen fliegenden Start. Dabei wird kaum Energie in Reibung verwandelt und selbst auf harten Böden ist damit die Gefahr von Schürfungen auf ein Minimum reduziert...
    Trotzdem: Bei Doppelballübungen in die gleiche Ecke ist das Rollen unvorteilhaft und führt im Training immer und immer wieder zu Gelächter und epic fails..
    Im Spiel hingegen, da war es noch nie ein Nachteil... mein Torwart war immer schnell genug auf den Beinen und ich habe es lange genug beobachtet: Wenn der Torwart den Ball nicht sicher geklärt hat, sondern nur vor sich hat abklatschen können, rollt er nicht über... instinktiv und völlig korrekt fällt er seitlich, um sofort irgendwie wieder mit den Händen, Füssen, was auch immer an den Ball zu gelangen.
    Gerade jetzt in der Halle fällt es auf...

    Daher: Ich sehe keinen Nahteil darin und lasse es zu...

    Beobachtet man Rensig beim Training mit Daniel Weber fällt auf, daß er das wie Weidenfeller nahezu notorisch im Training tut... man muss nun nur schauen, ob das im Spiel ein Nachteil ist oder sein kann... ich glaube, hier wird von einigen zu sehr aus der Mücke der Elefant gemacht... und es werden Ausreden und Begründungen gesucht, weil es bisher sich niemand wirklich klar angeschaut hat... Leitert gefällt mir:
    Ist es kein Nachteil im Spiel - soll er doch!
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  32. #32
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    Zitat Zitat von Steffen Beitrag anzeigen
    Beim Überrollen hingegen tritt das Newtonsche Gesetz der Bewegungsumkehr in Kraft, sprich die Energie der Bewegung bleibt erhalten, wird nur vollständig in die andere Richtung umgelenkt... Dieses "Rückstoß" Prinzip ist es auch, was es dem Torwart so ermöglicht, rasend schnell in die andere Ecke zu flitzen, er hat sozusagen fliegenden Start. Dabei wird kaum Energie in Reibung verwandelt und selbst auf harten Böden ist damit die Gefahr von Schürfungen auf ein Minimum reduziert... [/I]
    Das hab ich jetzt nicht ganz verstanden mit dem fliegendem Start? Könnstest du das vielleicht nochmals ausführen, da es mich schon interessiert?

  33. #33
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Taucher,
    es ist schwer es zu beschreiben. Also der Schwung wird ausgenutzt, damit der Körperschwerpunkt um die schräge Drehachse aus Schulter und Rückrad vom Boden abgehoben rotieren kann, denn der Po muss ja hoch... Dann nun die Füsse wieder zuerst aufkommen, der Schwung bestehen bleibt, hilft dies den Körperschwerpunkt, der ja schon aufwärts geht, weiter nach oben zu führen. Der Schwung ist meist verbraucht, wenn die Hände vom Boden weg gehen, denn es ist schwer mehr Schwung aufzubringen.
    Somit rolle ich vom Boden durch den Schwung ohne Krafteinsatz in den Stand... zum vollständigen Aufrichten muss man dann wieder die Muskulatur in Anspruch nehmen.
    Da es sich um eine Wende handelt, gelangen meine Füsse von z.B. auf der linken Körperseite nun auf die rechte Körperseite, die Fussspitzen zeigen dabei schon fast in die Gegenrichtung... Da man nicht völlig in die Aufrechte kommt, ist der Schwerpunkt auch schon nach vorn verlagert, man wird nachzu gezwungen, um nicht auf die Schnauze zu fallen mindestens einen Schritt zu machen... somit kommt man rasch und schnell ins Laufen.
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  34. #34
    Torwarttalent
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    Ok danke
    Ich hoffe ich habe es richtig verstanden: Es hört sich für mich nach einem Balanceakt an, stimmt das so? Wenn 'ja', würde im Spiel daraus ein weiteres Risiko entstehen, welches natürlich Schlüsselcharakter hat, da man nach einem abgewehrten Ball ja wieder direkt Handlungsbereit sein muss...

  35. #35
    Nationale Klasse Avatar von nik1904
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    Noch ein ganz großes Dankeschön an Steffen für die prima Antwort auf meinen Beitrag!

    Ich drücke es mal so aus: Wer die z.B. bereits die physikalischen Grundsätze des Torwartspiels zu verstehen versucht, hat beim logischen Aufbau von Übungen, dem Abwägen von Vor- und Nachteilen bestimmter Techniken etc. einen großen Vorteil. Je substanzieller das Wissen, desto größer das Verständnis und die Fähigkeit, Das Torwartspiel als Ganzes zu begreifen, zu erlernen und zu lehren.

    Selbst wenn man selber mal danebenliegt mit Aussagen oder Analysen: Das macht Spaß!

  36. #36
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Zitat Zitat von Taucher Beitrag anzeigen
    Es hört sich für mich nach einem Balanceakt an, stimmt das so?
    Nein, kein Balanceakt... Mach doch mal einen Purzelbaum vorwärts, vom Stand in den Stand... Balanceakt? Übungssache...
    Jetzt vorwärts auf die Hände fallen und dann wieder aufstehen... Balanceakt? Sicher, wie das Rollen auch.

    ... und als Torart sollte man ein sehr aufgeprägtes Balancevermögen besitzen, also dieses auch regelmäßig trainieren.


    Und wir Torleute müssen eigentlich lernen, aus vielen Positionen wieder so rasch es geht in den Stand zu gelangen und auch damit so rasch es geht die Bereitschaft wieder herzustellen. Aber wir müssen theoretisch auch einigermaßen agil uns am Boden bewegen können, also vom Bauch auf den Rücken, von Bauch auf diese oder jene Seite...
    Und auch diese Dinge müssen im Training regelmäßig einfließen... und auch dies trainiert dann das Balancevermögen.
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  37. #37
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Zitat Zitat von nik1904 Beitrag anzeigen
    Selbst wenn man selber mal danebenliegt mit Aussagen oder Analysen..
    Das ist doch nicht schlimm, und wirklich daneben liegt man selten. Wichtig ist, daß man den Austausch sucht, das man darüber spricht, Meinungen austauscht und auch andere Meinungen akzeptiert.
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  38. #38
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    Ich hab die Technik mal mit einem Kollgen besprochen, ich habe es mir i-wie komisch und halt viel komplexer vorgestellt und jetzt im Nachhinein ist es tatsächlich keine große Schwierigkeit. Man muss einzigst aufpassen, dass man durch die Körperschwerpunkt berlagerung nicht umknickt o.Ä., aber bei welchem Bewegungsmuster ist das nicht so? Es benötigt wirklich keine artistischen Künste, hier im Gleichgewicht zu bleiben.

  39. #39
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Taucher,
    das hat auch nie einer gesagt, daß man Artist sein muss dafür... und wie oben im Video zu sehen, es kommt häufiger bei Torleuten vor, als man denkt...
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  40. #40
    Nationale Klasse Avatar von nik1904
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    Zitat Zitat von FC_Keeper Beitrag anzeigen
    ich neige auch sehr stark zum überrollen, aber meistens nur auf der rechten seite...wollte es eig wieder wegbekommen nachdem ich darauf aufmerksam gemacht worden bin...ging aber leider nicht mehr. Ich bin aber der meinung dass das überrollen nicht grundlegend ein fehler ist. Habe auch noch nie deswegen ein tor kassiert
    Schau mal nach im Rensing-Thread, da siehst Du, dass er ebenfalls zwei Techniken hat, die er je nach Seite einsetzt (Wippe und Durchdrehen). Ich nehme an, dass sich das ursächlich aus dem Instinkt des Torwarts entwickelt, sich so zu verhalten, wie er möglichst schnell sein Sprungbein auf den Boden bekommt, um sich am effektivsten in die Gegenrichtung abzustoßen. Wir haben ja hier schon festgestellt, dass es zu tolerieren ist, wenn daraus kein Nachteil entsteht. Das scheint bei Dir - zumindest subjektiv - der Fall zu sein. Besprich das mal mit einem Torwartkollegen und Deinem Trainer. Auch hier ist ein Video sehr hilfreich!

  41. #41
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    Steffen,
    ich wollte damit eigentlich auch nur sagen, dass ich mir geirrt habe und man keine großes Balancegefühl braucht! Doch das ist jetzt ein wenig Off-Topic!
    Zu Überrollen würde ich nur sagen, dass es in einigen Fällen bestimmt Vorteile mit sich bringt, aber auch Nachteile. Da es die perfekte Technik nicht gibt sollte man im Training ein Gefühl dafür entwickeln, welche jetzt für die Situation angebracht ist.

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