Ich teile absolut Schnappers Bedenken. Es kann in der Tat nicht gut sein, wenn man sich so ein hohes Ziel setzt und dann trotzdem scheitert. Dieser Gefahr muss man sich immer bewusst sein. Nichtsdestotrotz würde ich jedem, der sich in ähnlicher Situtation befindet, raten es unbedingt auszuprobieren. Ich treffe immer wieder in meinem kleinem Amateuermikrokosmos Spieler die sich ständig diese Frage stellen "Was wäre wenn?" oder "Hätte vielleicht mehr aus mir werden können?". Und diese Gefahr stufe ich höher ein als später nach einem eventuellem Scheitern sich Gedanken zu machen warum man es überhaupt getan hat. Viele Spieler mit denen man in den Niederungen des Amateurfussballs spielt, stellen sich eben diese Frage. Und bei manchen ist es lediglich der Wunsch nicht in der Kreis- bzw. Bezirks- oder Landesliga, sondern 1-2 Klassen höher zu spielen. Es geht bei den meisten nicht so sehr darum Profi zu werden, sondern darum was man aus seinen Fähigkeiten gemacht hat. Und jemand der offensichtlich mehr hätte erreichen können ist später sicherlich nicht unbedingt verbittert, und spielt den Fussball ebenso mit ähnlich gearteter Leidenschaft. Trotzdem denkt man immer wieder über verpasste Chancen nach. Derjenige ist mit seinem Erreichten einfach nicht zufrieden, weil er einfach mehr hätte machen können. Nichts zerfrisst einen Menschen mehr als die Erkenntnis es selbst verbockt zu haben. Und den Menschen macht es nur glücklich wenn er aus seinen Fähigkeiten das Optimum erreicht hat.
Spätestens wenn man bei Sparkasse die Banknoten zählt oder irgendwo einen popeligen 08/15-Bürojob angeht wird sich derjenige, der Chancen hatte gutes Einkommen im professionellem oder semiprofessionellem Bereich ein paar Euros zu verdienen, fragen: Hätte ich es wenigstens versucht, dann hätte ich wenigstens gewusst ob es mir hätte besser ergehen können? Vielleicht hätte ich mir den Wagen oder die Wohnung jetzt nicht auf Pump kaufen müssen und die Raten würden mir nicht das halbe Einkommen auffressen? Diese oder ähnliche Fragen werden einen oft das ganze Leben verfolgen. Auch solche Menschen, denen die Eltern das Internat verwehrt haben trifft man auch und diese sprechen niemals positiv über die Entscheidung ihrer Eltern, und sind Jahre später regelrecht sauer auf ihre Erziehungsberechtigten. Was auch immer.
Ich wollte dir als erfahrener und älterer Mensch einfach sagen: Den Grundstein für dein zukünftiges Leben legst du selbst. Und nutze jede Chance die deinem Leben eine positive Wendung geben kann. Bestimmte Fehler sind nicht mehr rückgängig zu machen. Und mal abgsehen davon kann man dadurch, dass man solch eine fussballerische Ausbildung genossen hat auch profitieren, auch wenn man scheitert. Positive Referenzen als in der Jugend einer Profimannschaft ausgebildeter Spieler sind besser als wenn man eine gleichwertige Ausbildung woanders genossen hätte. Dies kann eher Türen für bessere Seniorenjahre öffnen als wenn einer bei Hintertüpfingen 08/15 in der Jugend gespielt hat. Perspektiven und Möglichkeiten für deine zukünftige Laufbahn stufe ich auch beim Scheitern als höher ein. Und wenn es dir glückt, dann umso besser.




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