Wir müssen die Situation zweiteilen:
Zunächst der Freistoß: Unnerstall verschiebt mit dem Ballflug, hatte aufgrund der Gemengelage aus Flugkurve und Positionen der Gegenspieler wenig Chancen rauszukommen. Ich würde mir mal wünschen, er flöge mutig an einem Ball vorbei, als nur stoisch auf der Linie zu bleiben, aber das ist ein anderes Thema. Hier war es sehr, sehr schwierig. Mit dem Ballflug zu verschieben ist zumindest nicht falsch. Kommt keiner mehr an den Ball, KANN er dahin orientiert sein, wo der Ball normal hinfliegt. ALTERNATIVLOS ist es nicht, es wäre auch möglich, zentral zu bleiben und eine möglichst neutrale Position zu behalten. Ich sehe in seinem Verhalten keinen Fehler. Er spekuliert ja nicht wirklich, sondern reagiert auf das Geschehen. Bleibt er stehen, hält er den Ball. Nur: Ein Fehler ist das m.E. nicht.
Dann die Aktion selbst: Unnerstall wirkt überrascht davon, dass der Dortmunder an den Ball kommt und kippt nach hinten weg. "Warum?" frage ich mich da. Zumindest damit rechnen, dass der Ballflug bis zuletzt abgelenkt werden kann, muss ich da schon. Also bedarf es einer offensiven, zum Ball gerichteten Grundstellung, aus der ich überall hin agieren kann - selbst bei der Geschwindigkeit, in der das abläuft. Da Unnerstall eh kein Reflexmonster ist, ist genau das am Ende tödlich.
Also, das ist eine sehr schwer zu lösende Situation, wo ich Unnerstall keinen Strick draus drehen würde. Er verändert seine Position nur um einen Meter, das ist ja noch im Rahmen. Das Verschieben in Richtung Ballflug ist so kurz vor dem Tor schon legitim, wenn ich auch persönlich mehr Sinn darin sehe, so neutral wie möglich zu bleiben und mich darauf zu verlassen, dass ich den Ball bei normalem Weiterflug zur Seite "wegmachen" kann. Unnerstall ist Opfer seiner "negativen" Körperhaltung. Hinzu kommt, dass er vergleichsweise wenige Bälle im Grenzbereich halten kann und generell sehr träge und unbeweglich wirkt. Die Aktion ist lösbar, das ist klar, und sie ist auch aus seiner neuen Position heraus lösbar. Aber eben in jedem Fall so schwer zu lösen und vor allem in der Frage der grundsätztlichen Positionierung zu komplex, dass es kein wirklicher Fehler ist. "Haltbar", ja, Fehler, nein.
Im Kern drehen wir uns bei der Geschichte wie beim ersten Gegentor in Hoffenheim um die Frage, ob Unnerstall neben der katastrophalen Fußballtechnik überhaupt die Fähigkeiten hat (Reflexe, Beweglichkeit, Sprungkraft, Dynamik), um diese Grenzsituationen in einem Maß zu bewältigen, das ein BuLi-Keeper bewältigen müsste. Womit ich aber in der konkreten Situation nicht sage, dass das Ding nicht auch bei anderen drin gewesen wäre!
Sorry, viele Worte, aber es ist auch schwer aufzulösen...





Zitieren