Zitat Zitat von Pro Arrow Beitrag anzeigen
Jein. Größtenteils war seine Technik verbesserungswürdig, auch nach heutigen Maßstäben (wobei sich da die Anforderungen deutlich geändert/reduziert/verlagert haben). Seine Reaktionen waren aber der Hammer und auf seiner Schokoladenseite konnte und kann niemand so gut und dynamisch Übergreifen, das war und ist einmalig, ganz großes Kino.
Dazu muss man jetzt aber auch sagen, daß zu der Zeit, als Oliver Kahn groß geworden ist, sehr sehr wenige Trainer überhaupt sich um Torwarttechnik Gedanken gemacht haben. Letztendlich musste man sich das alles irgendwo selbst beibringen und aus einem reichen Topf unterschiedlicher Typen sich was zusammen bauen.
Da kam kein Trainer und hat geschaut und dann erklärt was besser zu machen war... damals hieß es einfach: Ja, dann musst Du dich halt mehr strecken.

Heute hingegen, da analysiert man: Fussspitze Richtung Ball? Gewicht auf dem Vorderfuss? Blick zum Ball? Schwungbein Einsatz? etc. pp. Viele Tw Trainer auf den Leistungslehrgängen können diese Dinge im Schlaf aufsagen, und trotzdem bekommt man es nicht (mehr) hin, daß ein Torwart Dir mal so einen "Unhaltbaren" holt, wie Kahn es einst konnte.
Daher darf man sicherlich die Technik von Oliver Kahn nicht großartig kritisieren, denn just wo wir heute vielleicht Fehler sehen, könnten die Ursachen zu finden sein, warum er überhaupt diese Bälle halten konnte. OLft verneinen wir irgendetwas, lehnen es ab, und verhindern damit, daß wir den Blick neu ausrichten und darin eine Lösung für ein Problem finden.
Wir, Torwarttrainer, sind durch Regeln, Technikleitfäden, etc. vielleicht einfach "betriebsblind" geworden und auch so erzogen worden, und sehen damit nicht mehr die Vorteile und Möglichkeiten.

Dabei, schaut man genauer hin, sieht man bei Oliver Kahn z.B. ganz wichtige Dinge: Bewegungsdefizit Kompensationen vom allerfeinsten! Kein Sportler kann und wird je Bewegungen auf beiden Seiten perfekt ausführen können, dies geht schon aufgrund bestmmter neuronaler und auch anatomischer Dinge nicht. Man muss also im Leistungssport irgendwann anfangen, mit einem "Fehler" zu leben und dann auch damit, einen solchen Fehler durch Kompensationstechniken nicht tragend werden zu lassen. Sprich das Bewegungsmuster wird angepasst, so daß die Bewegung, welche nicht korrekt ausgeführt werden kann, trotzdem so funktioniert, daß am Ende das Ergebnis stimmt.
Das geht aber heute sehr vielen ab und kaum jemand kann Bewegungskompensation überhaupt "ertragen"... Hätte man daher oliver Kahn damals technisch geschult, seine Bewegungskomensation aber erhalten... Oliver Kahn wäre dann auch Technisch brillant gewesen.


Zitat Zitat von Pro Arrow Beitrag anzeigen
Das stimmt zu 100%, den meisten Spielern heutzutage würde es reichen sich nur eine kleine Scheibe davon abzuschneiden, ihre Leistung würde sich dadurch enorm steigern... Und das ist eigentlich traurig...
Das ist eine Sache der Motivation. Das fehlt leider, leider sehr oft. Ich weiß nicht, ob Geld die Sache kaputt macht, oder die Vorschusslorbeeren... da wird einer in der C-Jugend zum DFB eingeladen und SOFORT wird er als Nachfolger von Manuel Neuer "gehandelt". Entwicklung? Fehlanzeige... selbst wenn man dann auf kleine Fehler hinweist, die es auszuschleifen gilt, wird man eher belächelt, als ob man den "perfekten" Torwart kritisiert. Der ist DFB, der braucht nicht mehr lernen, der bekommt jetzt den Feinschliff.
Nach zwei Jahren dann Ernüchterung und plötzlich taucht der Name icht mehr mehr bei den großen Vereinen auf.. warum wohl?
Oliver Kahn war da immer anders... er hat Kritik abgeschmettert, aber sich doch mit dieser auseinander gesetzt. Er hat darüber nachgedacht und dann auch daran gearbeitet. Er hat z.B. Gegentore für sich immer viel genauer analysiert und viel präziser dann im Training heraus arbeiten wollen. Er brauchte dann im Training das Gefühl, diesen Ball doch halten zu können. Und just dieses Gefühl, aber insbesondere dieser Wille, da machte Ihn stärker. Weil er insgeheim an den kleinen Nicklichkeiten, die zu Gegentoren dann führten, gearbeitet hat. Er konnte das nicht so stehen lassen, konnte es als "unhaltbar" mit einem Achselzucken abtun. Er nicht, er musste im Training dann die Bestätigung für sich finden, diese Dinge doch lösen zu können.
Dieser Ehrgeiz an sich zu arbeiten, sich in der Rolle zu perfektionieren, daß war es... und daraus wuchs dann automatisch der Wille.
Leider muss man aber auch sagen, daß Oliver damit an der Grenze schritt, wie er heute zugeben muss... an einer sehr gefährlichen Grenze. Er konnte das, und vielleicht ist das auch diese besondere Fähigkeit oder dieses besondere Talent, was Ihn auszeichnete und was andere so nicht haben, nie haben werden und auch nicht erlernen können - die Fähigkeit dieser Gratwanderung zwischen absolutem Willen und Ehrgeiz und dem Wahnsinn und dem Überdrehen....

Aber ich stimme zu: Viele Torleute müßten heute wieder viel mehr selbststädig denken, nach Lösungen suchen und einen gewissen Willen aus Ehrgeiz entwickeln... doch scheinbar ist das nicht mehr gefragt