Letztendlich ist es keine "Entscheidung"... es ist mehr Gefühl.
Die meisten von Euch beobachten sich nicht, weshalb ich immer mal wieder die Sache mit dem Hochreichen anführe.
Habt Ihr mal geschaut und vor allem Menschen beobachtet, wie diese an hohe Dinge reichen? Habt Ihr Euch im Schusstraining bitte beobachtet?
Wahrscheinlich nicht - ich aber tue es... laufend. Dabei ist zu bemerken, daß die meisten Menschen beim Hochreichen oder Torleute beim Springen - jetzt als Beispiel - rechts abspringen oder rechts auf die Zehenspitzen gehen, aber mit der linken Hochreichen! Sprich völlig intuitiv neigen wir hier zu einer assymatischen Reaktion, weil diese aufgrund des Reichweitenvorteils von uns früh erkannt wurde und so gekoppelt abgespeichert ist.
Dieses Muster muss man nur nutzen und in der Bewegungsschule sauber und verfeinert ablegen. Dann ist Übergreifen letztendlich kein Problem mehr und viele Torleute reichen vom Stand aus durch einen Absprung und Übergreifen fast oder komplett ins Kreuzeck - denken als mit Absprung und Reichweite den kritischsten Punkt ab - und Bälle ins Kreuzeck gelten bei vielen als "unhaltbar"...
Das Problem was man dabei hat, ist das Training. Es wird sehr oft unten oder halbhoch geschossen, hier ist die Körperseitengleiche Hand im deutlichen Reichweiten - und Zeitvorteil.
Da nun im Schusstraining, im Mannschaftstraining, etc. diese Situation viel, viel häufiger vorkommt, prägt sich dieses Bewegungsmuster viel viel tiefer ein, als ein anderes - einfach weil es häufiger ausgeführt wird und wurde.
Was muss also für das Übergreifen getan werden? Richtig! Es muss angewandt werden. Es muss durchgeführt werden. Leider, wie man ja oben sehen und lesen kann, halten einige Tw Trainer davon gar nichts, ja verbieten es sogar. Logisch, daß damit ein Torwart eines wichtigen Bewegungsmusters beraubt wird und plötzlich nicht mehr ins Kreuzeck reicht. Nicht schlimm, wird man da sagen, die Bälle sind ja eh unhaltbar - Problem ist dann: Ich weiß daß es nicht so ist - und kann daher den Begriff "unhaltbar" hier nur verneinen. Schwierig ja, sehr schwierig, vielleicht, aber unhaltbar?
Trainiere ich aber Koordination - die meisten werden nur auf Koordination im Fuss und Unterkörperbereich trainiert, den Oberkörper vergisst man gern - doch gerade hier muss ich ansetzen, wie Thomas Schlieck mal betonte (Recht hat er), da muss nicht mal Life Kinect einfließen. Schon das Gegengleiche Drehen der Arme ist so eine Übung und wird von vielen Null beherrscht. Kopelungsfähigkeit und Rhythmusfähig in den Beinen sind dann vorhanden, überdurchschnittlich, aber dann in den Armen sind die Torleute "Nuschen". Ich gebe zu, ich versage bei solchen Übungen sowohl in den Beinen, als auch Armen kläglich - ABER da ich immer wieder anderen Sport mache, wird gerade meine Koppelungsfährigkeit grundlegend geschult...
Schaut man sich die Übungen des Tw Trainings an, dann sind viele Übungen klare und direkte Einheiten, die ein oder mehrere Punkte der Koordinativen Fähigkeiten mit trainieren:
- Gleichgewichtssinn
- Balancierfähigkeit
- Raumorientierungsfähigkeit
- Bewegungskopplungsfähigkeit
- Bewegungsharmonisierungsfähigkeit
- Rhythmisierungsfähigkeit
- Ein- und Umstellungsfähigkeit
- Reaktionsfähigkeit
- Antizipationsfähigkeit
- Kombinationsfähigkeit
- Steuerungsfähigkeit
- Geschicklichkeit
- Wendigkeit
- Beweglichkeit
Sprich Tw Training ist in vieler Hinsicht "Koordinationstraining" - wenn man auf Kleinigkeiten achtet und wert legt. Warum dann "Koordinationsleiter"? Weil Studien gezeigt haben, daß viele Läufer keine Korrekturen erfahren, bei der eigenen Laufarbeit. Es achtet keiner auf die Bewegungsmuster und die korrekte Aiusführung - und genau daß korrigiert die Koordinationsleiter und schafft zudem eine intensivierung des lauftechnischen Trainings.
Für Torleute also nur 50% des Trainings, denn der Oberkörper, vor allem die Arme bleiben unberücksichtigt, auch Dinge wie Reaktionsfähigkeit, Antizipationsfähigkei, Wendigkeit, Beweglichkeit und Raumorientierungsfähigkeit sind beim Training mit der Koordinationsleiter nicht enthalten, aber essentiell für den Torwart - als auch für den Feldspieler wichtig.
Ich sehe daher die Arbeit mit der Koordinationsleiter eher kritisch, weil man etwas verkauft hat, was zwar die Laufarbeit mit wenig Einsatz stärken und kräftigen kann - aber ein Allheilmittel wie von vielen gesehen, ist es leider nicht.
Mal eine einfache Übung:
Tw springt über eine Hürde in einen Kreis, Grundstellung, Abdruck zu einem flachen Ball - wobei er mit dem Abdruckfuss den Kreis nicht übertreten darf.
Hier habe ich folgende Koordinative Fähigkeiten in einer Überung:
- Gleichgewichtssinn
- Balancierfähigkeit
- Bewegungskopplungsfähigkeit
- Bewegungsharmonisierungsfähigkeit
- Reaktionsfähigkeit
- Antizipationsfähigkeit
- Kombinationsfähigkeit
- Steuerungsfähigkeit
- Beweglichkeit
Gleichgewichtssinn und Balancierfähigkeit werden nach dem Sprung im Kreis benötigt, denn der schnelle Stand muss hergestellt werden und je nach Hürde ist das alles andere als einfach.
Beim Schuss muss der Torwart sofort Antizipieren, wohin der Ball kommt, er muss Fuss- und Handarbeit koppel und in Einklang bringen, zudem muss er im richtigen Moment reagieren. Er muss den Abdruck so steuern, daß er zudem die korrekte Reichweite hat und die Bewegung so durchführen, daß er sich nicht verletzt - was eine gewisse Beweglichkeit voraussetzt.
Damit aber nun diese ganzen koordinativen Fähigkeiten benutzt werden, muss ich recht penibel bei der Durchführung sein, Kleinigkeiten sind wichtig... Wieviele achten darauf?
Gerade beim Übergreifen ist dann die Assymetrische Bewegung der Arme zu den Beinen zwar natürlich, hier aber durch andere Bewegungsmuter überlagert. Ich muss diese also freilegen und durch regelmäßiges Training einschleifen und sauber wieder herausarbeiten - um eben genau dieses Werkzeug wieder völlig nutzbar zu machen, zudem auch dessen Anwendung intuitiv und sicher zu ermöglichen.
Gerade im Spiel kommt dann die Ein- und Umstellungsfähigkeit zum Tragen, denn hier muss die Bewegung rasch und zielsicher ausgeführt werden, und das Einstellen, bzw. Umstellen von körpergleicher Hand auf das Übergreifen muss harmonisch und verzögerungslos erfolgen, es muss in einer Bewegungsharmonischen Aktion ablaufen.
Trainiere ich es nicht, kann ich es nicht, oder nur so schlecht, daß der Torwart dann eben einige Bälle nicht erreichen wird... er kann das Werkzeug dazu nicht nutzen. Er verliert Zeit, vergeuldet Möglichkeit und Chance, und letztendlich: Das kostet auch Tore.




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