Ergebnis 1 bis 50 von 108

Thema: EURO 2012 in Polen und in der Ukraine

Baum-Darstellung

Vorheriger Beitrag Vorheriger Beitrag   Nächster Beitrag Nächster Beitrag
  1. #15
    Nationale Klasse Avatar von nik1904
    Registriert seit
    07.10.2008
    Ort
    Köln
    Beiträge
    1.097
    Blog-Einträge
    5

    Standard

    Traum vorbei! In einem ihrer schlechtesten Pflichtspiele seit Jahren gehen die Deutschen gegen Italien regelrecht baden. Vor dem 2:1 hätte das Ding auch mit 3 oder 4:0 durch sein können – nein, müssen.

    Dabei kann mir niemand erzählen, gegen die Italiener sei kein Kraut gewachsen gewesen. Es fing alles an mit einer so sehr am Gegner ausgerichteten Aufstellung, dass außer einer kurzen Phase am Anfang nichts anderes als ein Desaster zu erwarten war. Erst die Änderungen in der Halbzeit führten zu so etwas wie Struktur und Druck auf den Gegner. Da zeigte sich zumindest offensiv, was möglich gewesen wäre – selbst mit einigen Totalausfällen.

    Die Schlechtesten: Boateng, Badstuber, Podolski und Gomez: 6

    Badstuber: Pennt beim 1:0 und hebt das Abseits beim 2:0 um fünf (!) Meter auf. Auch sonst nicht überzeugend und sein hochgelobtes Passspiel hatte er irgendwo zwischen Kabine und Spielfeld liegen lassen.

    Boateng: Ist viel, aber kein Außenverteidiger. Sieht beim 1:0 mal wieder gegen einen quirligen Gegenspieler schlecht aus, pennte auch schon beim 1:1 der Griechen. Ohne eine einzige gute Offensivaktion im ganzen Turnier, unfähig, eine Flanke auch nur halbwegs hart und genau zu schlagen. Im Spiel gegen Portugal vollkommen zu Unrecht hochgejubelt, als er neben guten Aktionen zwei Mal von Ronaldo ausgetanzt wurde, ihn regelmäßig in den 16 aufziehen ließ und lediglich beim Blocken des Schusses richtig gut aussah. Beten wir, dass irgendwo her ein Rechtsverteiger kommt, der uns von den Innenverteidigern auf der Position befreit. Bender wäre gegen den quirligen Cassano zweifellos die bessere Wahl gewesen.

    Podolski: Ohne Worte, auch in der Rückwärtsbewegung desolat. Gab im ganzen Turnier kein Argument ab, ihn gestern aufzustellen.

    Gomez: War für das deutsche Spiel nicht existent. Laufwege so kreativ, dass drei Italiener gleich wussten, wohin er laufen würde. Dazu ließ er Pirlo vor dem 1:0 eine Ewigkeit Zeit. Er darf als Stürmer auch gegen den Ball arbeiten. Gomez verdiente sich allein für dieses Versäumnis vor dem 1:0 einen Tritt in den Hintern.

    Lahm, Hummels, Kroos und Schweinsteiger: 5

    Lahm: Als Außenverteidiger – zumal von Podolski allein gelassen – noch ausreichend. Als Kapitän nicht existent. In einem Spiel, als ein Leader gebraucht wurde und weder Schweinsteiger noch Khedira die Rolle ausfüllen konnten, hatte er eine erbarmenswerte Körpersprache. >>
    Hummels: Machte vor dem 1:0 die Außenbahn nicht zu. Mit Aktionen nach vorn und auch guten Zweikampfsituationen, aber er ging mit vielen anderen unter.

    Kroos: große Fresse, nichts dahinter. Sorry, aber rechts wie später links als Außenspieler ein Schatten seiner selbst. Ein Schuss, das war`s. Ließ Boateng bei aller Kritik an selbigem mal schön im Stich und fand auf dem Platz nie das zur Situation passende Betätigungsfeld. Kross hätte allerdings für Schweinsteiger von Anfang an auf der „Sechs“ spielen müssen.

    Schweinsteiger: in der körperlichen Verfassung gegen diesen Gegner überfordert. Bei dem Mittelfeld, das im deutschen Kader vorhanden ist, kann man nicht rechtfertigen, Schweinsteiger in einem Halbfinale aufzustellen. Bender oder Kroos, vielleicht sogar Gündogan hätten viel besser gepasst.

    Khedira: 4

    Konnte Pirlo nicht stoppen und ging viel zu oft auf die rechte Außenbahn, weil Kroos irgendwo anders rumturnte. Opfer der Löw`schen Fehlbesetzungen, weil er nicht Schweinsteiger ausreichend ersetzen und ergänzen und auch noch Löcher auf dem Platz stopfen und auch noch das Offensivspiel ankurbeln kann. Er kann sich nicht klonen, brachte aber auch kaum mal Struktur ins deutsche Spiel.

    Özil: 3,5
    Viel Bewegung, gute Aktionen, Mumm beim Elfer. Aber an der Körpersprache muss er arbeiten. Das wirkt zu lässig und ist es bisweilen auch. Der Hackenpass zum Gegner, als es überhaupt nicht lief, unterstreicht diesen Eindruck. Brachte immerhin so was wie Normalform.

    Neuer: 3 (orientiert an den Kriterien des „Kicker“, aber eigentlich eine 2) Im Prinzip zwar so gut wie beschäftigungslos und bei zwei Schüssen pflichtgemäß sicher. hat aber auch sehr stark mitgespielt. Hätten alle während des Spiels so einen Willen gehabt wie er in den letzten Minuten, würden wir heute nicht über so ein peinliches Auftreten reden.

    Trainer/Löw: So gut die Entscheidungen meist waren, gestern ging alles in die Hose. Schweinsteiger, Gomez, Boateng, Podolski und Kroos waren komplette Fehlbesetzungen. Vercoacht und zwar gründlich! Wenn ich so einen Kader habe, dann muss ich keinen Spieler aufstellen, der max. 75 % Leistung bringen kann. Hatte gegen Griechenland den Mut, Spieler zu ersetzen, die nie zur Form fanden (Müller, Podolski) und dann der Rotations-Kniefall vor dem Altbewährten zur Unzeit. Die Aussage war, man wolle Italien das Spiel aufzwingen, die Aufstellung bewies das Gegenteil. Löw hätte Gomez, Kroos und Podolski auch schon nach 30 Minuten erlösen dürfen, wenigstens Kroos für Schweinsteiger auf die „Sechs“ ziehen müssen. Gomez misst sich nur und ausschließlich an Toren. Ich bleibe trotz der drei Tore im Turnier dabei, dass dieser Stürmer nur dann für die N11 taugt, wenn er sein Spiel so umstellt, wie Scholl das richtigerweise einfordert. Klose wäre die bessere Besetzung gewesen und das war vor dem Spiel schon absehbar.

    Schiedsrichter haben auch „mitgespielt“: Es hört sich an, als wolle man von der schlechten Leistung ablenken, aber nach dem oben Gesagten dürfte ich mich dessen nicht verdächtig machen. Man darf und muss fragen, warum keiner darüber spricht, dass das Spiel m.E. nach fünf Minuten für Italien gegessen ist. Für mich geht Pirlo mit Hand und Oberschenkel zum Ball, berührt den Ball auch mit der Hand. "Absicht", unnatürliche Armbewegung, Aktion zum Ball - da ist alles an Tatbeständen für die rote Karte und Elfmeter erfüllt. In der zweiten Hälfte ließ er mindestens für sechs italienische Spieler für grobe und taktische Fouls die gelbe Karte stecken. Wenn man den Italienern eines nicht vorwerfen kann, dann dass sie nicht wüssten, wie sie mit dem Spielraum umzugehen hatten, den Ihnen die Schiris gaben. Schiedsrichter erzählen immer was von „Linie“ etc. Sie sollen einfach pfeifen, was sie sehen und so bewerten, wie es das Regelbuch vorgibt, das wäre schon eine Hilfe. Wie das Spiel läuft, wenn die Abwehr und das Mittelfeld Italiens nahezu komplett gelbbelastet ist, ist hypothetisch. Doch ein spielentscheidender Mosaikstein war das schon, denn mit dieser Robustheit nahmen die Italiener den Deutschen nach der guten Phase zu Beginn der zweiten Hälfte das Spiel wieder aus der Hand. Der Handelfmeter für Deutschland war zudem höchst fragwürdig.

    Fazit:
    Die Mannschaft war von Anfang an nicht in der Lage, 100 % abzurufen – warum auch immer. Löw hielt zu sehr an den bewährten Kräften fest, obwohl denen offensichtlich die Form fehlte. Mit so einem Kader muss man konsequenter und mutiger auf mittelmäßige und schlechte Leistungen reagieren. Gegen Griechenland wurde das belohnt, selbst wenn der Gegner letztlich kein Maßstab sein darf. Was nutzt die „hohe Qualität in der Breite“, wenn man sie nicht nutzt?

    Gerade der Bayernblock spielte so, als wollten sie das Schema-F-Spiel aus der Liga in die N11 transplantieren. Körperlich offenbar am Ende und psychisch angeschlagen waren viele Spieler den mentalen und physischen Belastungen nicht mehr gewachsen. Das CL-Finale wurde so zum doppelten Fluch für Löw.

    Alles schlecht reden sollten wir dennoch nicht. Die Vorrunde war extrem kompliziert bis zum 2:1 durch Bender gegen Dänemark. Wirklich überzeugt hat eh keine Mannschaft außer Italien. Selbst Spanien ist fast ein Schatten seiner Selbst. Gegen Portugal half die bessere Grundkondition, um in der Verlängerung das Spiel in die Hand zu nehmen. Vorher waren die Portugiesen spritziger und schneller. Also, fast keine Mannschaft erreicht/e Normalform. Umso leichter wäre der Titelgewinn für Deutschland gewesen.

    Es wird Zeit für Löw, den Kader neu zu begreifen und die Qualität in der Breite zu nutzen. Die Zukunft ist weiterhin rosig, auch wenn Titel dabei nicht als allein seligmachend angesehen werden dürfen. Wenn uns einer vor 2006 gesagt hätte, dass wir in vier Halbfinals hintereinander stehen würden und das mit dieser Art von Fußball, dann hätten wir alle „Hurra“ geschrien. Jetzt sollte der nächste Schritt kommen, dann ist ein Titel in den nächsten zwei bis vier Jahren fast eine zwingende Folge. Nur: Der Druck, den Titel holen zu müssen, darf nicht zu groß werden. Es muss die Lust sein, etwas zu gewinnen. Dann wird diese Spielergeneration das auch schaffen.

    Was fehlt – und da sollte Matthias Sammer als Mahner zugehört werden – ist der Killerinstinkt und die Siegermentalität. Wenn diese Tugend bei aller Qualität verloren geht, steckt der deutsche Fußball in einem Dilemma. In der Ausbildung muss dieser psychologische Faktor daher stärker implementiert werden.
    Geändert von nik1904 (29.06.2012 um 10:51 Uhr)

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •