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Thema: EURO 2012 in Polen und in der Ukraine

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  1. #1
    Nationale Klasse Avatar von nik1904
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    Traum vorbei! In einem ihrer schlechtesten Pflichtspiele seit Jahren gehen die Deutschen gegen Italien regelrecht baden. Vor dem 2:1 hätte das Ding auch mit 3 oder 4:0 durch sein können – nein, müssen.

    Dabei kann mir niemand erzählen, gegen die Italiener sei kein Kraut gewachsen gewesen. Es fing alles an mit einer so sehr am Gegner ausgerichteten Aufstellung, dass außer einer kurzen Phase am Anfang nichts anderes als ein Desaster zu erwarten war. Erst die Änderungen in der Halbzeit führten zu so etwas wie Struktur und Druck auf den Gegner. Da zeigte sich zumindest offensiv, was möglich gewesen wäre – selbst mit einigen Totalausfällen.

    Die Schlechtesten: Boateng, Badstuber, Podolski und Gomez: 6

    Badstuber: Pennt beim 1:0 und hebt das Abseits beim 2:0 um fünf (!) Meter auf. Auch sonst nicht überzeugend und sein hochgelobtes Passspiel hatte er irgendwo zwischen Kabine und Spielfeld liegen lassen.

    Boateng: Ist viel, aber kein Außenverteidiger. Sieht beim 1:0 mal wieder gegen einen quirligen Gegenspieler schlecht aus, pennte auch schon beim 1:1 der Griechen. Ohne eine einzige gute Offensivaktion im ganzen Turnier, unfähig, eine Flanke auch nur halbwegs hart und genau zu schlagen. Im Spiel gegen Portugal vollkommen zu Unrecht hochgejubelt, als er neben guten Aktionen zwei Mal von Ronaldo ausgetanzt wurde, ihn regelmäßig in den 16 aufziehen ließ und lediglich beim Blocken des Schusses richtig gut aussah. Beten wir, dass irgendwo her ein Rechtsverteiger kommt, der uns von den Innenverteidigern auf der Position befreit. Bender wäre gegen den quirligen Cassano zweifellos die bessere Wahl gewesen.

    Podolski: Ohne Worte, auch in der Rückwärtsbewegung desolat. Gab im ganzen Turnier kein Argument ab, ihn gestern aufzustellen.

    Gomez: War für das deutsche Spiel nicht existent. Laufwege so kreativ, dass drei Italiener gleich wussten, wohin er laufen würde. Dazu ließ er Pirlo vor dem 1:0 eine Ewigkeit Zeit. Er darf als Stürmer auch gegen den Ball arbeiten. Gomez verdiente sich allein für dieses Versäumnis vor dem 1:0 einen Tritt in den Hintern.

    Lahm, Hummels, Kroos und Schweinsteiger: 5

    Lahm: Als Außenverteidiger – zumal von Podolski allein gelassen – noch ausreichend. Als Kapitän nicht existent. In einem Spiel, als ein Leader gebraucht wurde und weder Schweinsteiger noch Khedira die Rolle ausfüllen konnten, hatte er eine erbarmenswerte Körpersprache. >>
    Hummels: Machte vor dem 1:0 die Außenbahn nicht zu. Mit Aktionen nach vorn und auch guten Zweikampfsituationen, aber er ging mit vielen anderen unter.

    Kroos: große Fresse, nichts dahinter. Sorry, aber rechts wie später links als Außenspieler ein Schatten seiner selbst. Ein Schuss, das war`s. Ließ Boateng bei aller Kritik an selbigem mal schön im Stich und fand auf dem Platz nie das zur Situation passende Betätigungsfeld. Kross hätte allerdings für Schweinsteiger von Anfang an auf der „Sechs“ spielen müssen.

    Schweinsteiger: in der körperlichen Verfassung gegen diesen Gegner überfordert. Bei dem Mittelfeld, das im deutschen Kader vorhanden ist, kann man nicht rechtfertigen, Schweinsteiger in einem Halbfinale aufzustellen. Bender oder Kroos, vielleicht sogar Gündogan hätten viel besser gepasst.

    Khedira: 4

    Konnte Pirlo nicht stoppen und ging viel zu oft auf die rechte Außenbahn, weil Kroos irgendwo anders rumturnte. Opfer der Löw`schen Fehlbesetzungen, weil er nicht Schweinsteiger ausreichend ersetzen und ergänzen und auch noch Löcher auf dem Platz stopfen und auch noch das Offensivspiel ankurbeln kann. Er kann sich nicht klonen, brachte aber auch kaum mal Struktur ins deutsche Spiel.

    Özil: 3,5
    Viel Bewegung, gute Aktionen, Mumm beim Elfer. Aber an der Körpersprache muss er arbeiten. Das wirkt zu lässig und ist es bisweilen auch. Der Hackenpass zum Gegner, als es überhaupt nicht lief, unterstreicht diesen Eindruck. Brachte immerhin so was wie Normalform.

    Neuer: 3 (orientiert an den Kriterien des „Kicker“, aber eigentlich eine 2) Im Prinzip zwar so gut wie beschäftigungslos und bei zwei Schüssen pflichtgemäß sicher. hat aber auch sehr stark mitgespielt. Hätten alle während des Spiels so einen Willen gehabt wie er in den letzten Minuten, würden wir heute nicht über so ein peinliches Auftreten reden.

    Trainer/Löw: So gut die Entscheidungen meist waren, gestern ging alles in die Hose. Schweinsteiger, Gomez, Boateng, Podolski und Kroos waren komplette Fehlbesetzungen. Vercoacht und zwar gründlich! Wenn ich so einen Kader habe, dann muss ich keinen Spieler aufstellen, der max. 75 % Leistung bringen kann. Hatte gegen Griechenland den Mut, Spieler zu ersetzen, die nie zur Form fanden (Müller, Podolski) und dann der Rotations-Kniefall vor dem Altbewährten zur Unzeit. Die Aussage war, man wolle Italien das Spiel aufzwingen, die Aufstellung bewies das Gegenteil. Löw hätte Gomez, Kroos und Podolski auch schon nach 30 Minuten erlösen dürfen, wenigstens Kroos für Schweinsteiger auf die „Sechs“ ziehen müssen. Gomez misst sich nur und ausschließlich an Toren. Ich bleibe trotz der drei Tore im Turnier dabei, dass dieser Stürmer nur dann für die N11 taugt, wenn er sein Spiel so umstellt, wie Scholl das richtigerweise einfordert. Klose wäre die bessere Besetzung gewesen und das war vor dem Spiel schon absehbar.

    Schiedsrichter haben auch „mitgespielt“: Es hört sich an, als wolle man von der schlechten Leistung ablenken, aber nach dem oben Gesagten dürfte ich mich dessen nicht verdächtig machen. Man darf und muss fragen, warum keiner darüber spricht, dass das Spiel m.E. nach fünf Minuten für Italien gegessen ist. Für mich geht Pirlo mit Hand und Oberschenkel zum Ball, berührt den Ball auch mit der Hand. "Absicht", unnatürliche Armbewegung, Aktion zum Ball - da ist alles an Tatbeständen für die rote Karte und Elfmeter erfüllt. In der zweiten Hälfte ließ er mindestens für sechs italienische Spieler für grobe und taktische Fouls die gelbe Karte stecken. Wenn man den Italienern eines nicht vorwerfen kann, dann dass sie nicht wüssten, wie sie mit dem Spielraum umzugehen hatten, den Ihnen die Schiris gaben. Schiedsrichter erzählen immer was von „Linie“ etc. Sie sollen einfach pfeifen, was sie sehen und so bewerten, wie es das Regelbuch vorgibt, das wäre schon eine Hilfe. Wie das Spiel läuft, wenn die Abwehr und das Mittelfeld Italiens nahezu komplett gelbbelastet ist, ist hypothetisch. Doch ein spielentscheidender Mosaikstein war das schon, denn mit dieser Robustheit nahmen die Italiener den Deutschen nach der guten Phase zu Beginn der zweiten Hälfte das Spiel wieder aus der Hand. Der Handelfmeter für Deutschland war zudem höchst fragwürdig.

    Fazit:
    Die Mannschaft war von Anfang an nicht in der Lage, 100 % abzurufen – warum auch immer. Löw hielt zu sehr an den bewährten Kräften fest, obwohl denen offensichtlich die Form fehlte. Mit so einem Kader muss man konsequenter und mutiger auf mittelmäßige und schlechte Leistungen reagieren. Gegen Griechenland wurde das belohnt, selbst wenn der Gegner letztlich kein Maßstab sein darf. Was nutzt die „hohe Qualität in der Breite“, wenn man sie nicht nutzt?

    Gerade der Bayernblock spielte so, als wollten sie das Schema-F-Spiel aus der Liga in die N11 transplantieren. Körperlich offenbar am Ende und psychisch angeschlagen waren viele Spieler den mentalen und physischen Belastungen nicht mehr gewachsen. Das CL-Finale wurde so zum doppelten Fluch für Löw.

    Alles schlecht reden sollten wir dennoch nicht. Die Vorrunde war extrem kompliziert bis zum 2:1 durch Bender gegen Dänemark. Wirklich überzeugt hat eh keine Mannschaft außer Italien. Selbst Spanien ist fast ein Schatten seiner Selbst. Gegen Portugal half die bessere Grundkondition, um in der Verlängerung das Spiel in die Hand zu nehmen. Vorher waren die Portugiesen spritziger und schneller. Also, fast keine Mannschaft erreicht/e Normalform. Umso leichter wäre der Titelgewinn für Deutschland gewesen.

    Es wird Zeit für Löw, den Kader neu zu begreifen und die Qualität in der Breite zu nutzen. Die Zukunft ist weiterhin rosig, auch wenn Titel dabei nicht als allein seligmachend angesehen werden dürfen. Wenn uns einer vor 2006 gesagt hätte, dass wir in vier Halbfinals hintereinander stehen würden und das mit dieser Art von Fußball, dann hätten wir alle „Hurra“ geschrien. Jetzt sollte der nächste Schritt kommen, dann ist ein Titel in den nächsten zwei bis vier Jahren fast eine zwingende Folge. Nur: Der Druck, den Titel holen zu müssen, darf nicht zu groß werden. Es muss die Lust sein, etwas zu gewinnen. Dann wird diese Spielergeneration das auch schaffen.

    Was fehlt – und da sollte Matthias Sammer als Mahner zugehört werden – ist der Killerinstinkt und die Siegermentalität. Wenn diese Tugend bei aller Qualität verloren geht, steckt der deutsche Fußball in einem Dilemma. In der Ausbildung muss dieser psychologische Faktor daher stärker implementiert werden.
    Geändert von nik1904 (29.06.2012 um 10:51 Uhr)

  2. #2
    Nationale Klasse Avatar von The Dark Knight-BVB
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    Zu aller erst muss ich nik1904 für seinen starken und im Kern sehr richtigen Beitrag loben. Was ich zusätzlich noch anfügen möchte, ist, dass das Ausscheiden gestern leider ein sich wiederholendes Muster ist. Man war ähnlich hilflos und taktisch überfordert wie 2006, 2008 und 2010 - und das im entscheidenen Moment. 2006 war das noch verständlich, immerhin fehlte es da gegenüber einer überragenden italienischen Mannschaft auch schlichtweg an Qualität und/oder Erfahrung. Zwei Jahre später war ebenfalls kein Kraut gewachsen gegen viel zu gute Spanier, wobei schon da die Art und Weise der Niederlage sehr ernüchternd war. In Südafrika scheiterte man wieder an La Furia Roja, ohne diese jemals wirklich in Gefahr zu bringen (mal abgesehen von Kroos' Torchance). Aber was konnte man mit Trochowski und Podolski über die Flügel schon erwarten...Man sprach dabei immer von "Niederschlägen, die die Mannschaft wachsen lässt".

    Man konnte dieser Aussage fast glauben schenken, ein Titelgewinn 2012 schien durch die gewachsene Erfahrung und der immense qualitative Anstieg in der Breite realistischer denn je.

    Und jetzt? Jetzt ist der Kern dieser Generation, Spieler die zum Teil noch unter Rudi Völler ihr Debüt gaben, abermals gescheitert wenn es drauf ankommt. Die Frage ist: wie können Schweinsteiger, Lahm, Podolski, aber auch Gomez oder Müller noch wachsen, wenn sie im 2-Jahresrythmus sowohl auf Länderspielbasis, als auch im Verein (CL), einen Tritt in die Eier bekommen, der seines gleichen sucht. Wie sollen die sich aufbäumen und insbesondere ein Siegergen entwickeln? Ich bin fast so weit zu sagen, dass die Jungs verbraucht und kaputt sind. Ich hatte schon nach dem unfassbaren CL-Finale die unschöne Vermutung, dass wir es mit einer "Loser-Generation" zu tun haben. Das ist kein kurzzeitiges "99er-Trauma" wie es Kahn & co. erlebt haben, hieran können Sportler mental zerbrechen.

    Meiner Meinung nach muss ein frischer Wind her. Auch die Trainerposition muss stark unter die Lupe genommen werden. Der DFB darf sich mit diesen Ergebnissen nicht länger zufrieden geben und Nibelungentreue walten lassen.
    Ruhet in Frieden Robert Enke & Spideratze...

  3. #3
    Nationale Klasse Avatar von nik1904
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    Zitat Zitat von The Dark Knight-BVB Beitrag anzeigen
    Zu aller erst muss ich nik1904 für seinen starken und im Kern sehr richtigen Beitrag loben. Was ich zusätzlich noch anfügen möchte, ist, dass das Ausscheiden gestern leider ein sich wiederholendes Muster ist. Man war ähnlich hilflos und taktisch überfordert wie 2006, 2008 und 2010 - und das im entscheidenen Moment. 2006 war das noch verständlich, immerhin fehlte es da gegenüber einer überragenden italienischen Mannschaft auch schlichtweg an Qualität und/oder Erfahrung. Zwei Jahre später war ebenfalls kein Kraut gewachsen gegen viel zu gute Spanier, wobei schon da die Art und Weise der Niederlage sehr ernüchternd war. In Südafrika scheiterte man wieder an La Furia Roja, ohne diese jemals wirklich in Gefahr zu bringen (mal abgesehen von Kroos' Torchance). Aber was konnte man mit Trochowski und Podolski über die Flügel schon erwarten...Man sprach dabei immer von "Niederschlägen, die die Mannschaft wachsen lässt".

    Man konnte dieser Aussage fast glauben schenken, ein Titelgewinn 2012 schien durch die gewachsene Erfahrung und der immense qualitative Anstieg in der Breite realistischer denn je.

    Und jetzt? Jetzt ist der Kern dieser Generation, Spieler die zum Teil noch unter Rudi Völler ihr Debüt gaben, abermals gescheitert wenn es drauf ankommt. Die Frage ist: wie können Schweinsteiger, Lahm, Podolski, aber auch Gomez oder Müller noch wachsen, wenn sie im 2-Jahresrythmus sowohl auf Länderspielbasis, als auch im Verein (CL), einen Tritt in die Eier bekommen, der seines gleichen sucht. Wie sollen die sich aufbäumen und insbesondere ein Siegergen entwickeln? Ich bin fast so weit zu sagen, dass die Jungs verbraucht und kaputt sind. Ich hatte schon nach dem unfassbaren CL-Finale die unschöne Vermutung, dass wir es mit einer "Loser-Generation" zu tun haben. Das ist kein kurzzeitiges "99er-Trauma" wie es Kahn & co. erlebt haben, hieran können Sportler mental zerbrechen.

    Meiner Meinung nach muss ein frischer Wind her. Auch die Trainerposition muss stark unter die Lupe genommen werden. Der DFB darf sich mit diesen Ergebnissen nicht länger zufrieden geben und Nibelungentreue walten lassen.
    Korrekt! Siegermentalität, sich gegen Widerstände durchsetzen, dem Gegner das eigene Spiel aufzwingen. Das alles sind Dinge, die in einem Strategiekonzept für einen Bundesligaverein angesprochen werden, das ich verfasst habe. Es geht darum, neben den spielerischen Elementen Charaktere zu erkennen und zu formen, die genau diese Metalität haben bzw. entwickeln können. Ab einem gewissen Niveau schlägt die bessere Mentalität die größere spielerische Klasse. Kommt beides zusammen, ist es der Idealfall. In Dortmund hat man z.B. das Gefühl, dass dieses Siegergen bewusst entwickelt wird. Wie die CL und die Leistungen z.B. von Schmelzer in der N11 zeigen, braucht es aber auch viel, viel Zeit, bis so ein Gen so implementiert ist, dass die Nummer auch außerhalb des Biotops des eigenen Vereins und der Bundesliga funktioniert. Bei Bayern ist das "Mir san mir" kurz davor in die Mottenkiste zu wandern wie weiland der "Schalker Kreisel". Da müssen sie im Verein wirklich aufpassen. Nur Spieler zu kaufen, die Fußball spielen können, reicht nicht. Relativ zum Kader darf und kann nicht passieren, dass der FCB in der letzten Saison drei Endspiele in ein paar Wochen auf die selbe Art und Weise vergeigt. Es fehlte nämlich in jedem der Spiele der letzte Wille, den Gegner zu besiegen und dafür zur Not eine Wand in Schutt und Asche zu legen. Und es geht weiter: Gerade hat die Bayern-U19 gegen Schalke trotz 1:0-Fürhung das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft verloren. Ein Beweis? Nein, aber ein Fingerzeig.

    Löw hat den entscheidenden Fehler gemacht, das eigene Spiel in den Köpfen der Spieler kleiner zu machen als das Spiel des Gegners. Auch damit ging viel Überzeugung verloren - zumal nachdem das 1:0 gefallen war und die Mannschaft hätte explodieren müssen. Das hatte taktische Gründe, aber eben auch psychologische. Sicher, die ersten Minuten hatte ich das Gefühl, die Deutschen würden Italien abschlachten, wenn es so weiter gehen würde. Nur, es entpuppte sich als Strohfeuer. In der zweiten Hälfte war Plan B zum Scheitern verurteilt, weil man zu tief im Sumpf drin steckte - zumal gegen diese Mannschaft.

    Eines allerdings möchte ich relativieren: Ich sehe in Schweinsteigers Saisonverlauf und seinen Verletzungen einen erheblichen Faktor hinsichtlich des Verlaufes des gestrigen Spiels und auch der Saison der Bayern. Daher meine ich auch, dass ein Bender oder Gündogan gestern auf der "Sechs" hätten spielen müssen. Eher als Kroos. Schweinsteiger ist schon ein Typ, bei dem ich das Gefühl habe, er hat das Zeug zum Leader in so einem Spiel. Der hat die Mentalität, denn ohne ihn fehlt auch Bayern oft die Wucht und die Überzeugung. Aber ohne den entsprechenden Körper und das Vertrauen in diesen war er bei dieser EM geradezu kastriert.
    Geändert von nik1904 (29.06.2012 um 12:08 Uhr)

  4. #4
    Nationale Klasse Avatar von The Dark Knight-BVB
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    Man kann hinsichtlich der Siegermentalität zumindest positiv in die Zukunft sehen, das ist nämlich einer der wichtigsten Punkte in der Arbeit von Matthias Sammer seit er Sportdirektor ist. Und das trägt er ja auch in seinen Interviews immer wieder nach außen. Es gibt in der Hinsicht auch schon Erfolge zu verbuchen: nach Jahrzehnten ohne jeglichen Titel holte man 2008/2009 drei EM-Titel im Juniorenbereich (U19, U17, U21) und kämpfte sich mit einer komplett dezimierten U20 ins Viertelfinale und scheiterte nur denkbar knapp am späteren Finalisten Brasilien. Allein im Achtelfinale, wo man gegen starke Nigerianer trotz zweimaligen Rückstandes zurückkommt und gewinnt, zeigten die Spieler mehr Wille und waren bereit alles für den Erfolg zu tun als Jogis Jungs gestern. Auch so etwas prägt eine Spielerseele, egal ob man sich im Profibereich etabliert oder nicht.
    Ruhet in Frieden Robert Enke & Spideratze...

  5. #5
    Nationale Klasse Avatar von nik1904
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    Zitat Zitat von The Dark Knight-BVB Beitrag anzeigen
    Man kann hinsichtlich der Siegermentalität zumindest positiv in die Zukunft sehen, das ist nämlich einer der wichtigsten Punkte in der Arbeit von Matthias Sammer seit er Sportdirektor ist. Und das trägt er ja auch in seinen Interviews immer wieder nach außen. Es gibt in der Hinsicht auch schon Erfolge zu verbuchen: nach Jahrzehnten ohne jeglichen Titel holte man 2008/2009 drei EM-Titel im Juniorenbereich (U19, U17, U21) und kämpfte sich mit einer komplett dezimierten U20 ins Viertelfinale und scheiterte nur denkbar knapp am späteren Finalisten Brasilien. Allein im Achtelfinale, wo man gegen starke Nigerianer trotz zweimaligen Rückstandes zurückkommt und gewinnt, zeigten die Spieler mehr Wille und waren bereit alles für den Erfolg zu tun als Jogis Jungs gestern. Auch so etwas prägt eine Spielerseele, egal ob man sich im Profibereich etabliert oder nicht.
    ...aber auch Gegenbeispiele: Die Niederlage der U17 im EM-Finale gegen Holland, das Scheitern der Bayern gegen Chelsea und das Wie, das Scheitern von U-Mannschaften in den Qualis zu den Turnieren. Sammer sagte selber nach dem CL-Finale: "Wir müssen uns darüber Gedanken machen, warum wir in letzter Zeit solche Spiele nicht gewinnen."

  6. #6
    Nationale Klasse Avatar von Anadur
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    Zitat Zitat von nik1904 Beitrag anzeigen
    ...aber auch Gegenbeispiele: Die Niederlage der U17 im EM-Finale gegen Holland, das Scheitern der Bayern gegen Chelsea und das Wie, das Scheitern von U-Mannschaften in den Qualis zu den Turnieren. Sammer sagte selber nach dem CL-Finale: "Wir müssen uns darüber Gedanken machen, warum wir in letzter Zeit solche Spiele nicht gewinnen."
    Na ja wir Pflegen seit 2004 das Image des angepasst weltoffenen Vorzeigeprofis. Die Italiener wirken gestern wie eine abgewichste Räuberbande, die mal eben ein paar Milchbubis abgezogen haben.

    Einmal mit einem tollem Team nur dritter werden kann passieren. Die Häufigkeit ergibt aber Signifikanz - man gehört zu den besten Mannschaften, nicht aber zu den Außergewöhnlichen.

    Es ist wurscht, wenn man mal ab und zu überhaupt nicht erfolgreich ist, wenn man regelmäßig den Titel holt. So wie Italien, ab und zu mal vorbeischauen und dann abkassieren, anstatt 6 Jahre lang vom Potential der tollen jungen Mannschaft zu palavern. Sieger, Ballkönigin unzo. Dieser Spirit geht denen vollkommen ab, und das schließt insbesondere den Trainer ein. Die NM ist der nette Typ, der nie eine Abbekommt, den aber alle mögen (sogar die Engländer und Holländer loben uns - wie peinlich).

    Man muss nur mal sehen, dass man ggü Italien 2006 und Spanien 2008 null Entwicklung sehen konnte. Eher schlechter ist man gewesen. Gegen Italien hat man 2006 ein unglückliches Ding ganz am Ende gefangen, war aber zumindest rund 90 Minuten lang auf Augenhöhe. Wobei man das Spiel am Ende auch aufgrund taktischer Fehlentscheidungen durch das Trainerteam am Ende vergeigt hat. Gegen Spanien war man 2008 wenigstens eine Halbzeit in der Lage mitzuspielen. Dass man nun gegen irgendwelche angeschlagenen Ex-Supermächte wie Holland oder GB oder die zweite internationale Garde wieder besser aussieht ist geschenkt, dafür gibt es keinen Titel.

    Leute wie Cassano, Balotelli oder Pirlo würden bei Löw auch gar nicht erst spielen. Anstatt sich mit diesen kantigen Charakteren auseinanderzusetzen schmeißt er alles raus, was nicht stromlinienförmig und Bubihaft ist um eine "tolle Stimmung" in der Mannschaft zu haben. Ein Trainer(team) sollte da mehr liefern, als sich der Probleme so zu entledigen. Die Italiener sind trotz ihrer kantigen Typen im Team regelmäßige eine eingeschworene Gemeinschaft, die Spanier mittlerweile auch.

    Und wenn der Trainer dafür nicht verantwortlich ist wofür hat man ihn dann, wenn er auf so was keinen Einfluss hat? Dafür, dass er wenns gut läuft erzählt, dass das alles so geplant war? Der Trainer ist vor allem eines: IN CHARGE. Er hat die Verantwortung. Menschen haben Verantwortung und haben versagt. Stattdessen will es mal wieder keiner gewesen sein und die Schuld auf so etwas herrlich abstraktes wie "das Kollektiv" geschoben. Dort hinzugehen, wo Fehler passiert sind ist immer schmerzhaft, nie politisch korrekt, aber eben verdammt nötig. Sonst tritt kein Lernprozess ein. Sowas ist bei der NM längst überfällig und sowas braucht die NM auch. Da muss analysiert werden, wieso man Jahr um Jahr scheitert und die Konsequenzen ziehen, anstatt sich für dritte Plätze auf die Schulter zu klopfen. Und die Konsequenzen nach 8 Jahren bzw. 6 Jahren des Trainerteams Löw sollten eigentlich recht deutlich sein.

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