Korrekt! Siegermentalität, sich gegen Widerstände durchsetzen, dem Gegner das eigene Spiel aufzwingen. Das alles sind Dinge, die in einem Strategiekonzept für einen Bundesligaverein angesprochen werden, das ich verfasst habe. Es geht darum, neben den spielerischen Elementen Charaktere zu erkennen und zu formen, die genau diese Metalität haben bzw. entwickeln können. Ab einem gewissen Niveau schlägt die bessere Mentalität die größere spielerische Klasse. Kommt beides zusammen, ist es der Idealfall. In Dortmund hat man z.B. das Gefühl, dass dieses Siegergen bewusst entwickelt wird. Wie die CL und die Leistungen z.B. von Schmelzer in der N11 zeigen, braucht es aber auch viel, viel Zeit, bis so ein Gen so implementiert ist, dass die Nummer auch außerhalb des Biotops des eigenen Vereins und der Bundesliga funktioniert. Bei Bayern ist das "Mir san mir" kurz davor in die Mottenkiste zu wandern wie weiland der "Schalker Kreisel". Da müssen sie im Verein wirklich aufpassen. Nur Spieler zu kaufen, die Fußball spielen können, reicht nicht. Relativ zum Kader darf und kann nicht passieren, dass der FCB in der letzten Saison drei Endspiele in ein paar Wochen auf die selbe Art und Weise vergeigt. Es fehlte nämlich in jedem der Spiele der letzte Wille, den Gegner zu besiegen und dafür zur Not eine Wand in Schutt und Asche zu legen. Und es geht weiter: Gerade hat die Bayern-U19 gegen Schalke trotz 1:0-Fürhung das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft verloren. Ein Beweis? Nein, aber ein Fingerzeig.
Löw hat den entscheidenden Fehler gemacht, das eigene Spiel in den Köpfen der Spieler kleiner zu machen als das Spiel des Gegners. Auch damit ging viel Überzeugung verloren - zumal nachdem das 1:0 gefallen war und die Mannschaft hätte explodieren müssen. Das hatte taktische Gründe, aber eben auch psychologische. Sicher, die ersten Minuten hatte ich das Gefühl, die Deutschen würden Italien abschlachten, wenn es so weiter gehen würde. Nur, es entpuppte sich als Strohfeuer. In der zweiten Hälfte war Plan B zum Scheitern verurteilt, weil man zu tief im Sumpf drin steckte - zumal gegen diese Mannschaft.
Eines allerdings möchte ich relativieren: Ich sehe in Schweinsteigers Saisonverlauf und seinen Verletzungen einen erheblichen Faktor hinsichtlich des Verlaufes des gestrigen Spiels und auch der Saison der Bayern. Daher meine ich auch, dass ein Bender oder Gündogan gestern auf der "Sechs" hätten spielen müssen. Eher als Kroos. Schweinsteiger ist schon ein Typ, bei dem ich das Gefühl habe, er hat das Zeug zum Leader in so einem Spiel. Der hat die Mentalität, denn ohne ihn fehlt auch Bayern oft die Wucht und die Überzeugung. Aber ohne den entsprechenden Körper und das Vertrauen in diesen war er bei dieser EM geradezu kastriert.





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