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Thema: Esteban (AZ Alkmaar, Eredivisie)

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  1. #1
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Standard

    Torbinho,
    es geht bei der Notwehr nicht um das was wäre, sondern um den Punkt:
    1. Es sind Sicherheitskräfte in Reichweite und bereits auf dem Weg.
    2. Der direkte Angriff wurde abgewehrt, der Angegriffene hat die Möglichkeit zur Flucht

    Notwehr segnet nicht das Unschädlichmachen das Angreifers ab. Wer dies denkt, begeht einen Fehler. Notwehr segnet nur die Abwehr gegen den unmittelbaren Angriff oder den unmittelbar bevorstehenden Angriff ab.
    Es segnet keinesfalls weitere Aktionen ab.
    Wortlaut §32 StGB:
    (1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
    (2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.
    Gesetze im Internet

    Der Fan liegt am Boden und es geht keinerlei Angriff mehr von Ihm aus, zudem müßte er für einen weiteren Angriff zunächst aufstehen.
    Somit sind die beiden Tritte nicht mehr durch den §32 nach deutschem Recht abgesegnet, dies kann in den Niederlanden anders aussehen, doch nach deutschem Recht ist damit eine eindeutige Notwehrüberschreitung vollzogen worden - und es obliegt nun den Ermittlungsbehörden hier ggf. sogar eine Anzeige wegen Körperverletzung einzuleiten.

    Zudem gibt es durchaus andere, weniger verletzende Aktionen, um sich vor der Möglichkeit eines weiteren Angriffes zu schützen und der sicherste und damit beste Weg ist hier die Flucht. Angreifer am Boden -> Flucht -> no problem

    Esteban entscheidet sich aber, dem Angreifer unmissverständlich klar zu machen, daß er der Dicke ist. Also tritt er ohne erkennbaren Grund der Verteidigung auf den am Boden liegenden und damit relativ wehrlosen Angreifer ein!
    Auch wenn Euch das nicht in den Kopf will, aber jemand am Boden liegend und der andere stehend ist nach derzeitigem Recht immer, daß der Liegende als eher wehrlos eingestuft wird... und so jemand zu schlagen, zu treten oder anderweitig brutal zu verletzen ist alles andere als Selbstschutz.
    In diesem Falle sind sogar Polizei und Sicherheitskräfte direkt vor Ort und schnell zur Stelle es bestand daher überhaupt keine Notwendigkeit als angegriffener den am Boden liegenden Angreifer ggf. von einer Verfolgung abzuhalten, da man sich als Angegriffener rasch hätte in die Obhut dieser Sicherheitskräfte zu flüchten.
    Leute, was man da sieht, und ich hoffe Ihr merkt Euch das, ist keine harmlose Notwehr oder Selbstverständlichkeit - es ist eine Straftat.

    Und wer das mal spüren möchte, sollte sich mal auf den Boden legen und sich mal einen Tritt versetzen lassen. Leute, die Verletzungen können lebensbedrohlich sein...
    Denkt daran, in diesem Falle war die erste Abwehr ausreichend, dann wäre Flucht angezeigt gewesen, keinesfalls diese Art von "Selbstjustiz", denn der Angreifer hätte keinesfalls bei Flucht eine Chance auf einen weiteren Angriff gehabt.

    Das Verhalten des Torwarts ist asozial aggressiv!
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  2. #2
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    Standard

    Zitat Zitat von Steffen Beitrag anzeigen
    Torbinho,
    es geht bei der Notwehr nicht um das was wäre, sondern um den Punkt:
    1. Es sind Sicherheitskräfte in Reichweite und bereits auf dem Weg.
    2. Der direkte Angriff wurde abgewehrt, der Angegriffene hat die Möglichkeit zur Flucht

    Notwehr segnet nicht das Unschädlichmachen das Angreifers ab. Wer dies denkt, begeht einen Fehler. Notwehr segnet nur die Abwehr gegen den unmittelbaren Angriff oder den unmittelbar bevorstehenden Angriff ab.
    Es segnet keinesfalls weitere Aktionen ab.

    Gesetze im Internet

    Der Fan liegt am Boden und es geht keinerlei Angriff mehr von Ihm aus, zudem müßte er für einen weiteren Angriff zunächst aufstehen.
    Somit sind die beiden Tritte nicht mehr durch den §32 nach deutschem Recht abgesegnet, dies kann in den Niederlanden anders aussehen, doch nach deutschem Recht ist damit eine eindeutige Notwehrüberschreitung vollzogen worden - und es obliegt nun den Ermittlungsbehörden hier ggf. sogar eine Anzeige wegen Körperverletzung einzuleiten.

    Zudem gibt es durchaus andere, weniger verletzende Aktionen, um sich vor der Möglichkeit eines weiteren Angriffes zu schützen und der sicherste und damit beste Weg ist hier die Flucht.
    Also Steffen, nichts gegen Dich persönlich oder deine Sachkenntnis als Torhüter und Torwarttrainer, aber eine konkreten Rechtsfall kannst Du nicht per Nachgooglen einiger im konkreten Fall nicht anwenbarer Rechtsnormen lösen. Wenn du die Frage in theoretischer Weise über das deutsche Recht lösen willst, müsstest Du auch die einschlägige Rechtsprechung der Gerichte miteinbeziehen. Insbesondere reicht der knappe Wortlaut der Gesetzesbestimmung nicht aus, um zu beurteilen, ob eine Notwehrlage vorliegt. D.h. um das zu beurteilen, musst du die Rechtspechung zur Frage der Erforderlichkeit und zum vorliegen eines rechtswidrigen Angriffs kennen und die ratio legis verstehen.
    Das fängt mit dem Jahrhundertealten strafrechtlichen Grundsatz an, dass dem sich im Recht befindlichen Bürger im Rahmen der Erforderlichkeit NIEMALS zugemutet werden muss, die Flucht zu ergreifen.

    Also von einem angegriffenen kannst du unter keinen Umständen verlangen, dass er flieht, statt sich zu wehren.
    Das hätte man übrigens auch mit fünf minuten googeln nachlesen können, verlangt also keine umfangreiche juristische Recherche

    Ebenso darf man im Rahmen der Notwehr relativ viel, auf jeden Fall sehr viel mehr, als du in deinem ersten Satz dem Angegriffenen in der Not zugestehen willst (auch das lässt sich in wenigen Minuten nachgoogeln, die Notwehrhandlung darf z.B. einen Angriff definitiv beenden, man muss also den Angreifer insbesondere nicht aufstehen und den Angriff fortsetzen lassen. Nach deutschem Recht gibt es auch keine Rechtsgüterabwägung, ausser, es bestehe eine krasses Missverhältnis, aber das ist ier nicht der Fall.

    Wo man noch am ehesten Zweifel anbringen könnte an der Einschlägigkeit des Notwehrtatbestands, ist beim subjektiven Tatbestand, insbesondere beim Verteidgungswillen. Das Nachtreten gegen den Angreifer am Boden könnte man eher als "Bestrafung" sehen und darauf gestützt den Notwehrexzess im Sinne eines intensiven Notwehrexzesses annehmen. Diese ist jedoch, entgegen dem schlecht formulieren Wortlaut des deutschen Strafgesetzbuches, ebenfalls nicht strafbar. es ist nciht davon auszugehen, dass das holländische Gesetz noch schlechter formuliert ist.

    Also die strafrechtliche Geschichte ist ziemlich eindeutig, die juristisch interssantere Frage ist vielmehr, in wie weit sich das Fussballregelwerk um den Vorrang des zwingenden Strafrechts kümmern muss.

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