@Anadur

Ich teile deine Meinung, dass das "Fussball ABC" auch bei den Torleuten vorausgesetzt werden muß. Allerdings komme ich beim Ist-/Soll-Vergleich scheinbar zu anderen Ergebnissen als du.

Selbstverständlich spielt die gewählte Taktik/Spielstärke des eigenen Teams und des Gegners bei der Spieleröffnung eine gewichtige Rolle bei der Entscheidung für eine Spieleröffnung. Aber taugt sie als Entschuldigung für den Torwart, wenn die Spieleröffnung deshalb nicht klappt, weil er über ein unzureichendes Spielverständnis verfügt, die ein "Libero" noch hatte?

Weil die Talente nicht auf den Bäumen wachsen, muß man sich m.E. zunächst einmal die Frage stellen, ob der Torwart ausreichend Möglichkeiten erhält, dass im Training erlernte auch im Wettkampf auszuprobieren.

Vielerorts sitzt der 2. Torwart auch im Nachwuchsbereich auf der Reservebank, weil seine Einwechslung auf dem Feld ein Nachteil für die Mannschaft wäre. Warum? Nun, im Breitensport wird leistungsunabhängig jedem die Chance gegeben, sich auszuprobieren. Im Leistungsfussball wird jedoch kein Verbessern durch Ausprobieren tolleriert. Schließlich geht es um Meisterschaft und Klassenerhalt, Auf- und Abstieg und nicht um eine perspektivische Ausbildung.

Hinzu kommt, dass Keeper auch im Nachwuchs nach Körperlänge ausgesucht werden. Klar, dass da die in den ersten Monaten des Jahres ihren kleinen physischen Vorsprung gegenüber den später Geborenen ausnutzen können. Wenn`s denn später nicht reicht und die jüngeren Talente keine gute Ausbildung bekommen, dann wurden wertvolle Jahre verplempert, weil man die Falschen gefördert hat.

Aber eigentlich müßten auch die Keeper über das "Fussball ABC" verfügen, sodass auch ihnen ausreichend Spielpraxis auf allen Positionen gewährt wird. Denn genauso wie ein Feldspieler später auf anderen Positionen spielen können soll, müßte dies auch für einen Nachwuchs-Keeper gelten. Aber hier erfolgt die Positionsspezialisierung nicht nur häufig viel zu früh, sie ist nach meiner Meinung unzureichend, solange nicht auch die fussballerischen Fähigkeiten ausreichend trainiert und Wettbewerbunserfahrungen darin gesammelt werden. Wenn der spätere Keeper in seiner Ausbildung genügend Erfahrungen als Feldspieler sammeln kann, dann wird er ein besseres Verständnis für die jeweilige Spielsituation entwickeln können, als wenn er nur deshalb ein schmales Band an Möglichkeiten zur Spieleröffnung beherrscht, weil er keine vielfältige Lösungsmöglichkeiten kennengelernt hat. Das Fussballspiel entwickelt sich weiter, weshalb der Keeper für die Zukunft ausgebildet werden soll.

Aber wir reden eigentlich über etwas, deren Anfänge schon fast 20 Jahre zurückliegen, sich jedoch scheinbar immer nicht durchgesetzt haben. Denn immer findet man einzelne Fälle, in denen dies dann keine Rolle zu spielen scheint.

Klar kann man fussballerische Fähigkeiten bei einem Torwart nachholen. Aber eine variantenreiche Spieleröffnung nachzuholen ohne eigene Wettkampferfahrung als Feldspieler ist sehr sehr schwer. Früher hat man gemeint, dass das von ganz allein über die Torwarterfahrung kommt. Aber heute will man bereits in der Jugend perfekt ausgebildete Keeper haben.

@Steffen: Wenn es dich interessiert nochmal an dich der Hinweis die entsprechenden Informationen über eine Anpassung von Torwart-Wettkampf und Training kannst du in der Diplomarbeit von Steffen Krebs mit dem Titel "Anforderungsprofil im Hochleistungsfussball - Eine Analyse der Europameisterschaft 2008 in Österreich/Schweiz und in der Bundesligasaison 2007/2008" nachlesen.

Ich habe auch nicht das technische Equipment, um Video-Sequenzen herzustellen, wie du das hier verlangt. Deshalb habe ich Anadur darum gebeten. Auch weil er die Fähigkeit besitzt, die Szenen sehr gut zu beschreiben.