Ich bin mir sicher, Matthias Sammer wird einen guten Rat für "Gürki" haben. Sammer hat sich als DFB-Sportdirektor sehr für die D-Jugend interessiert. Vielleicht wäre es die zweitbeste Idee, dass er dort seinen besten Keeper als Feldspieler (mit Armbinde) mitspielen läßt, damit der Ball am Fuß sein neuer Freund wird?
Als Personen des öffentliches Interesses hat man auch mit Spott umzugehen. Aber mal Scherz beiseite!
Schweizer Keeper waren vor einigen Jahren Exportschlager. Leider hat man sich allzusehr auf die sehr guten Fangqualitäten ihrer Torleute ausgeruht. Durch die Veränderungen im Torwartspiel hat man jedoch z.T. verpaßt. So z.B. bekam der Keeper eine dominante Rolle im Spielaufbau, bei der er selbst unter Gegnerdruck sicher in der Ballmitnahme und dem Paßspiel sein sollte. Das können viele Schweizer Keeper nicht so gut. Hat ein Keeper während seine Ausbildung hierbei keine gute Trainingsunterstützung erfahren, dann wird es im Seniorenbereich immer schwieriger diese Defizite erfolgreich zu minimieren.
Allerdings sollten wir nicht den Fehler begehen, unsere deutschen Keeper darüber zu stellen, nur weil es einige sind, die besser mit dem Ball am Fuß umgehen können. Lehmann, Neuer und Ter Stegen gelten eigentlich als Ausnahmen. Entweder sind sie als Feldspieler in ihre Fussballkarriere gestartet oder sie haben mit großer Freude als Mannschaftspieleraufgaben während des Trainings übernommen.
Beim großen Rest kann man sich die Frage stellen, ob der "Befreiungsschlag" nur die Zuschauer irgendwie beruhigen soll oder aber neue Fähigkeiten für die Keeper erworben werden müssen? Wir wissen zwar, dass der Keeper viele Aufgaben des früheren Libero`s erfüllen soll, aber wir trainieren ihn nicht in dieser Rolle. Wie können wir dann im Spiel erwarten, dass er lediglich anhand der Mannschaftsansprache theoretische Hintergrundinfos bekommt, was wie von ihm erwartet wird? Da bekommt jeder Einwechselspieler noch präzisere Anweisungen für seine Aufaben.
Ich übertreibe an dieser Stelle bewußt, um auf die eigentliche Problematik aufmerksam zu machen. Ich will nicht auf den nächsten Bock eines Keepers bei der Ballverarbeitung warten müssen, sondern allen Verantwortlichen im Umfeld auch den Spiegel vorhalten, nach eigenen Optimierungsmöglichkeiten zu suchen. Es stellt sich die Frage nach der Trainingsmethodik? Können unsere Profikeeper als Hochleistungssportler noch spielnah trainiert werden, wenn die Trainingsschwerpunkte sehr häufig isoliert von der Mannschaft vermittelt werden sollen? Oder sollte das Torwarttrainng viel mehr als Gruppentraining stattfinden, bei der der Trainer mal in der Rolle des Torwarttrainers, mal in der Rolle des Defensiv- und mal in der Rolle des Offensivtrainers schlüpft, damit nicht nur die Feldspieler, sondern auch der Torwart etwas davon hat? Der Übungsleiter fungiert hierbei in der Doppelrolle als Mannschafts- und Torwarttrainer.




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