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Thema: F-Jugend: Wechsel vom Torwart zum Feldspieler sinnvoll?

  1. #1
    Freizeitkeeper
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    Standard F-Jugend: Wechsel vom Torwart zum Feldspieler sinnvoll?

    Bin neu hier, Fussballmama von Torwart (knapp 7 Jahre). Hallo, habe eine Frage an Euch Spezialisten: Mein Sohn spielt seit 2 Jahren Fussball, von Anfang an (bzw. seit er mit 3 Jahren begriff, wie Fussball geht...) als Torwart. Seine bisherigen Trainer haben ihn darin bestärkt und unterstützt. Nun hat ein anderer Trainer übernommen, der von Anfang an klarstellte, feste Torwarte gäbe es in der F-Jugend nicht, er solle erstmal Fussball spielen lernen. Vorab: ich finde es sinnvoll, dass er auch im Feld spielt, um Technik etc. zu lernen: ABER: er ist zutiefst unglücklich, weil er nun glaubt, auf einmal nicht mehr gut genug zu sein für das Tor und trainiert nachmittags (auch nach dem Training) noch bei uns im Garten im Tor, damit er "wieder ins Tor darf". Was soll ich tun? Diese Woche war er nach dem Training richtig unglücklich, das war er auch bei verlorenen Spielen mit 7 Gegentoren noch nie? Any ideas? Wie sieht bei Euch in dieser Altersklasse das Training aus? Danke!

  2. #2
    Torwarttalent
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    Ich würde mit dem trainer reden. Vom gedanken her denkt der trainer recht gut aber der spaß sollte im Vordergrund stehen. Sollte er trotzdem deinen sohn gegen seinen willen ins feld stellen würde ich einen neuen verein suchen.

  3. #3
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Hallo blauschnurps,

    in vielen Vereinen ist es durchaus Gang und Gebe, daß man ohne festen Torhüter spielt und somit jeder die Möglichkeit hat, sich im Tor zu beweisen, oder aber auch einfach eine Erfahrung zu machen.
    Letzteres sehe ich durchaus kritisch, denn wenn ein Kind nicht will, weil es dabei Angst hat, sollte man es nicht zu dieser Position zwingen. Denn Kinder vermeiden bestimmte Erfahrungen durchaus instinktiv und diese dann in eine solche Erfahrung zu nötigen, endet meist in einer Art traumatischer Erinnerung, die man nicht tun sollte. Hier ist Fingerspitzengefühl angezeigt und wenn man dann schon, dann sollte der Trainer dies vielleicht erst im Training 'ausprobieren' lassen und wenn das wirklich nicht geht, weil die angst offensichtlich ist, sollte man gerade beim Spiel davon Abstand nehmen.

    Hat man nun jemand, der im Tor spielen will, spricht nichts dagegen, dies zu fördern. Allerdings darf man dabei nie vergessen, daß der Torwart dann nahezu das gesammte Spielverständnis und den Spielwitz nicht miterlernt, den ein Feldspieler bekommt. Es ist daher sehr, sehr wichtig, daß ein Torwart in Trainingseinheiten oft auch aus dem Tor als normaler Spieler mitmacht. Hierzu bieten sich dann insbesondere Trainingsformen und Trainingsspiele an, wo eben ein Torwart nicht nötig ist, um einfach diese Ausbildung des Spielverstandes, der Spielzüge zu fördern und zu unterstützen - und dies gilt bis ins Hohe Alter.
    Ein Torwart von heute darf als Feldspieler ein durchaus überdurchschnittliches Fussballverständnis und eine ebensolche Technik mit den Füßen entwickeln, dazu gehört insbesondere beidfüßige Ballspielfähigkeit, so wie eben durch den Feldspieleinsatz auch, daß Spielsituationsverständnis.
    In der F-Jugend tendieren die meisten Torleute daher dazu, im Tor zu stehen und auf den Ball zu warten, was der Philosophie der aktiven Balleroberung und des aktiven Ballangriffes entgegen steht, für einen Feldspieler aber völlig normal und der normale Spieleralltag ist. Der Torwart steht so in seinem Tor und konzentriert sich auf die reine Zeilverteidigung, sprich Torverhinderung, wobei er nicht lernt, einen Ball abzulaufen, eine Flanke einzuschätzen und sich räumlich zum Spielgerät und den Möglichkeiten der Gegenspieler zu orientieren. Dies ist aber gerade für die Strafraumbeherrschung und auch die Spieleröffnung unerlässlich.
    Daher muss ein Torwart im Feld spielen - und dies nicht vernachlässigen. Er muss sich im Feld beweisen und auch hier den Spielwitz und die intuitiven Fertigkeiten mit Ball erlernen und umsetzen.
    Daher ist der Gedanken, ohne Torwart zu spielen und die Position mit immer wieder anderen Spielern zu besetzen, gar nicht so abwegig - für ein Kind allerdings dann ggf. eben so ein Problem. Problem allerdings für den Trainer, wenn der kleine Torwart dann wirklich wie üblich, nur im Tor steht und nicht wirklich mitspielt, sondern sich rein darauf konzentriert, Torschüsse abzuwehren, indem der Torwart im Tor auf der Linie darauf wartet.

    Was also tun? Nun, ein gutes Beispiel sind dann Besuche beim Training von Mannschaften des Kreises. Hier darf man sich ruhig mal erkundigen, große, durch das TV Programm bekannte Vereine haben meist öffentliche Trainingszeiten. Hier lohnt es, mal hinzugehen und mit dem Kleinen zuzuschauen. Er wird schnell erkennen, daß die Torleute auch dort viel im Training im Feld oder bei Feldspielerähnlichen Übungen mitmachen - und nicht die ganze Zeit im Tor spielen.
    Auch sollte man dann mal einen Besuch des Stadions erwägen, damit der Kleine dann sich die Arbeit der Torleute mal live und ungebremst ansehen kann. Damit er sieht, daß die Torleute nicht im Tor stehen, sondern aktiv am Spielaufbau und dem Fusballspiel eingebunden sind - erklären, daß man dies lernen muss, indem man immer und immer wieder im Feld spielt und sich diese Fertigkeiten für die Wettkampfbedingungen erarbeiten muss.

    Störend mag die dogmatische Haltung des Trainers sein, doch dies ist durchaus nicht falsch oder inkorrekt - sie ist nur anders. Andere Vereine focusieren sich in der Rotation auf eine gewisse Anzahl von Kinder, die den Wunsch verspüren, vielmehr sich trauen, auch im Spiel das Tor zu hüten. Hier wird zudem der Gedanke des mitspielenden Torwarts gelebt, so daß das vermeintliche, ruhige im Tor stehen nicht vorkommt - der Kreis der Kinder die dann genau dies so umsetzen und erfüllen wollen, schrumpft sich dann meist schnell zusammen, so daß sich hier auf natürliche Weise entsprechende Kandidaten für das Fussballtor entwickeln. Durch diese Rotation fühlt sich keiner der "Torleute" benachteiligt, weil jeder mal darf, als auch die fussballerische Ausbildung nicht zu kurz kommt. Sie verbindet daher beide Prinzipien, die des reinen, festen Torwarts mit dem Prinzip des Spiels ohne feste Torleute auf ein Prinzip, welches man als rotierende Torwartgruppe umschreiben könnte.

    Hier darf man also sein Kind ruhig in seinem Wunsch unterstützen, muss aber auch klar aufzeigen, daß der Torwart heute mehr ist, als im Tor rumstehen und auf den Schuss warten, um dann eine "sensationelle Parade" zu zeigen. Torleute werden daher auch als Torspieler bezeichnet, was herausstellen soll, daß diese heute möglichst als Feldspieler hinter der Abwehr fungieren und sich aktiv ins das Spiel einbinden, statt im Tor rumzugammeln.
    Zwar sehen viele Kinder genau diese "Gammelposition" als Wunschposition an, werfen und springen wie die Helden umher, doch ist dies - der Position und des späteren positionsgebundenen Bedarf an fussballerischen Fertigkeiten so nicht gerecht. Denn dieses zeitweilige "Dabeisein" und "im Mittelpunkt" stehen, den Rest allerdings ein wenig Tagträumend dem Spiel zuschauen zu können, ist für später nicht wirklich passend.
    Also muss man es unterstützen, dem Kind also bei seinem Wunsch beistehen - aber man muss es auch leiten und vor allem anleiten, daß der Fussballer für den Torwart, der eigentliche Feldspieler, heute sehr sehr wichtig ist. So wichtig, daß es unabdinglich ist, im Feld zu spielen und hier das Wissen sich zu erwerben - um ein wirklich guter Torwart sein zu können und später auch bleiben zu können.
    Man kann es auch so vermitteln, daß dem Trainer die Klasse als Torwart schon aufgefallen ist, da aber Torleute insbesondere heute auch und vor allem mitspielen müssen können sollen , ist auch aufgefallen, daß hier diese genau diese Feldspielerbasierenden Fertigkeiten nicht wirklich vorhanden sind, und daher dieser Schritt den Torwart ins Feld zu stecken gemacht wurde - damit er es eben lernt. Hartes Brot, doch man soll es kaum glauben, gute Torleute mit der Passion zum Torwartspiel verstehen es und bringen sich wieder ein. Zwar wird immer ein wenig Unglücklichsein im Feld bestehen, ein gewisses Unwohlfühlen - aber da ja man immer und immer wieder im Tor steht und spielt, lernt das Kind so wirklich sehr gut, mit diesen Momenten umzugehen und diese zu tolerieren.
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

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