xirram, vielleicht kannst du meine Situation vor 2-3 Jahren ja mal kurz aus deiner Sicht schildern. Mir ist diese "Angst"/"Lust"-Torwart-Differenzierung zu schwammig, aber vielleicht klärt sich das auf, wenn du mich entsprechend einordnest.

Vor 3 Jahren ging ich zu einem neuen Verein und kam in eine Situation, in der ich als relativ junger Keeper mit einem alten Hasen (Bezirksliga-Erfahrung, aber 1-2 Jahre Pause) um die Nummer 1 im Tor eines A-Ligisten konkurrieren sollte.
In der Sommervorbereitung gab es ein enges Duell, was aus uns beiden glaube ich viel herausgekitzelt hat. Ich konnte mich wirklich steigern und hatte Spaß daran, mich um diese Position zu streiten, wobei es (wie von dir gefordert) immer fair blieb. Dann kam der Saisonbeginn und eine komische Situation. Ich hatte zwar das Gefühl, in der Vorbereitung mehr überzeugt zu haben, allerdings wurde das nicht kommuniziert. Ich spielte zum Saisonauftakt, allerdings lag für den anderen Keeper noch keine Pflichtspielgenehmigung vor. Ich war also Nummer 1, der Überzeugung mich durchgesetzt zu haben, das wurde mir aber nie bestätigt. Ich wusste nicht, ob und wieviel Vorsprung ich hatte und mir fehlte die Bestätigung für die Mühen der Vorbereitung. Die Folge war, dass ich in den Spielen nicht die Leistungen der Vorbereitung abrufen konnte. Ich spielte zwar nicht schlecht, traute mir aber weniger zu als in der Vorbereitung (Flanken o.ä.). Nach einer richtigen Klatsche kam es dann zum TW-Wechsel, der mit einer kurzen Ausnahme bis zum 2. Rückrundenspiel andauerte (hierzu sei angemerkt: Fußverletzung bei mir während der Vorbereitung, daher kein Konkurrenzkampf. Im ersten RR-Spiel kassierten wir aber eine Klatsche).
So weit zur Hinrunde. Ich habe ca. 1 Jahr später mit dem Trainer ein langes Gespräch geführt, in dem ich erfuhr, dass ich eigentlich ordentlich Abstand hatte. Mit diesem Wissen wäre ich in den Spielen denke ich viel selbstbewusster aufgetreten.
In der Rückrunde rutschte ich halt zum 2. Spiel wieder ins Tor. In den ersten Spielen war natürlich noch kein großer Abstand da, doch nun spürte ich das Vertrauen des Trainers und spielt besser, sicherer und souveräner. Dazu kam dann eine Verletzung + berufsbedingte Trainingsschwierigkeiten des anderen TW, was meine Position noch weiter festigte, sodass ich rückblickend von der besten Halbserie meiner bisherigen Laufbahn sprechen würde.

Jetzt bitte ich um ein Zwischenfazit: Bin ich ein Angsttorwart, weil ich mich nach Serienbeginn davor fürchtete, meinen Platz wieder zu verlieren? Oder bin ich ein Lusttorwart, weil ich den Konkurrenzkampf in der Sommerpause gerne geführt habe, mich dadurch entwickelt habe und nicht zuletzt auch deswegen, weil ich nach verlorenem Stammplatz wieder zurückkommen konnte?

Jetzt in der aktuellen Saison bin ich Stammkeeper, auf den voll gesetzt wird. Das spüre ich von den Trainern und ich spiele eine ungewohnt gute Saison. Konkurrenz besteht in gewissem Maße durch einen jungen Keeper, der in der 2. spielt, dort seine Sache aber gut macht. Ich behaupte mal, dass die Situation für uns beide Momentan leistungsfördernd, aber auch zufriedenstellend ist. Ich kann mich nicht hängen lassen, weil sonst spätestens zur neuen Saison größer wird. Er spielt zwar "nur" in der 2. Mannschaft, ist dort aber glücklich und kann sich entwickeln, hat aber nach meiner Einschätzung durchaus den Anspruch, irgendwann auch in der 1. anzugreifen. Ich hingegen möchte natürlich dieses verhindern.
Also: Konkurrenz ja, aber gemäßigt und in einer akzeptablen Situation für beide. Meinung bitte