@Steffen Der überwiegende Teil deiner Argumente ist schon sehr alt. Heute möchte niemand mehr Positionsidioten auf dem Feld, sondern variabel einsetzbare Spieler, die auf jedem Quadratmeter des Platzes eigenständig sehr gute Lösungen finden. Früher durfte der Lulatsch in der Innenverteidigung mal beim Eckball oder Freistoß vors gegnersiche Tor. Heute kann es eine taktische Variante sein, über Abwehrspieler in einem bestimmten torgefährlichen Raum eine Überzahl damit zu schaffen.
Warum du nach wie vor den Towart nach wie vor als Positionsidioten ausbilden lassen möchtest, ist mir schon deshalb schleierhaft. Oli Kahn war mal aufgrund seiner Reaktionsschnelligkeit und Sprungkraft ein Weltklasse-Keeper. Als er hinter einer Kette spielen sollte, besaß er dafür nicht genügend fussballerische Fähigkeiten, weshalb Jürgen Klinsmann schließlich Jens Lehmann vorzog. Lehmann war bis zu seinem 16-ten Lebensjahr Feldspieler, wechselte erst dann ins Tor und fiel Berti Vogts zufällig auf.
Hab mir aber trotzdem das Video noch mal angeschaut. Ich bin da ganz bei dir, dass dieser "Hurra-Fussball" gegen Algerien auch mit einem Manuel Neuer ein Spiel mit dem Feuer war, der auch leicht hätte ins Auge gehen können. Andererseits ist die Erkenntnis aus diesem Spiel nicht allzugroß, weil es kaum noch diese Räume auf Top-Niveau nicht mehr gibt.
Ich sehe auch die Torwartaufgaben in einem Anpassungsprozeß. D.h. verändert sich etwas im Spiel, so hat dies fast immer auch taktische und manchmal auch technische Auswirkungen auf den Torwart.
Zuguterletzt möchte ich keine generelle TW-Trainer-Schelte betreiben, aber ich aber leider genügend Fälle gesehen, in denen die TW-Trainer technisch nicht in der Lage waren ihre Keeper entsprechende fussballerische Fähigkeiten zu vermitteln. Aber das kann ein TW-Trainer im Rahmen seiner Fortbildung jederzeit nachholen. Nur wenn man denkt, man bräuchte es nicht und könnte diese Arbeit an den Mannschaftstrainer delegieren, ja dann sollte er sich fragen, warum man ihn als "besseren Ballaufpumper" oder "Ballwiederholer" betrachtet?
Ich sehe den Torwarttrainer zukünftig auch als Co-Trainer, sodass Situationen wettkampfnah trainiert werden können.
Nein Namen werde ich sicher nicht nennen. Dazu ist mir der Schutz der Persönlichkeitsrechte zu wichtig. Auch werde ich meine bescheidenen Erfolge nicht in die Kategorie erfolgreicher Profi-TW-Trainer gleichsetzen wollen. Allerdings habe ich die meisten Fortschritte dann erzielt, wenn ich den breiten Weg traditioneller Torwartkunst verlassen habe. Darunter sind eine ganze Reihe von Landes-Auswahlkeeper, 2 davon mit Ländespieleinsätzen für eine DFB-Elf. Weil der Erfolg jedoch immer viele Väter hat und es beim Mißerfolg niemand gewesen sein will, möchte ich hinzufügen, dass man zwar immer guter Hoffnung ist, aber die meisten Keeper sich nicht für höchste Herausforderungen qualifizieren konnten.
Angeregt wurde ich seinerzeit von Roland Loy, der mit seinem Studententeam über 3.000 Spiele analysierte und dabei feststellte, dass viele Aussagen über erfolgreichen Fussball gar nicht stimmen und sich nur deshalb so lange hielten, weil sie kaum hinterfragt wurden.
Also, hin und wieder muß ich wohl was richtig gemacht haben? Aber ich kann dir beim besten Willen keine endgültige Begründung dafür geben, weil ich des Weisheits letzten Schluß nicht kenne. Das füge ich stets hinzu, damit die von mir ausgebildeten TW-Trainer erst gar nicht auf die Idee kommen, das bißchen, was sie bei mir lernen, würde bereits reichen. Es ist leider nicht viel mehr als hier und dort ein Denkanstoß!
Allerdings ist der Satz: "warum sich mit dem Guten zufrieden geben, solange es noch besser geht" zwar schon sehr alt, jedoch die Triebfeder für viele engagierte Trainer und Spieler sich stetig zu verbessern. Das man dabei hin und wieder auch in eine "Hype-Situation" gerät, merkt man immer erst hinterher, wenn man in einer Konstellation von Try und Error festgestellt hat, dass man sich irgendwo vergalloppiert hat. Aber das gibt dann sowieso nieman zu, was stört dann also das Geschwätz von gestern?
Wenn ich ehrlich sein soll, dann schäme ich mich sogar dafür, was ich meinen Torleuten vor 10 Jahren so an Blödsinn beigebracht habe und vermutlich werde ich in 10 Jahren selbst über den Quatsch lachen, den ich heute rede. Man sollte sich nicht für zu wichtig nehmen, sonst holt einem die Zeit ein!




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