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Thema: Nübel, Alexander (FC Schalke 04, Bundesliga)

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  1. #11
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    @Keeper12
    Da bin ich vollkommen bei dir! Jeder braucht eine Chance sich zu entwickeln. Mir hätte es gefallen, wenn Nübels Leistungen mit dem spanischen Keeper verglichen worden wäre. Denn auch der konnte nicht jeden Ball festhalten. Doch hatte er im Gegensatz zu Nübel weitaus umsichtiere Mitspieler, die rechtzeitig zur Stelle waren und das Gegentor verhinderten.

    Nicht dabei vergessen werden sollte, dass man sich im Verein intensiv einspielen kann, in einer EM jedoch seine Mitspieler kaum kennt und gerade unter hohem Gegnerdruck häufig nicht einzuschätzen weiß. Die daraus erwachsenen Zufälligkeiten werden jedoch meist nur anhand Aktionsergebnisse kommentiert. Da bleiben zusammenhängende Analysen über Ursache und Wirkung häufig auf der Strecke. Denn es geht niemand auf den Platz mit dem Vorsatz heute mal extra schlecht zu spielen, um seine Mannschaftskameraden, den Trainer oder die Fans zu ärgern.

    Der größte Unterschied zwischen Deutschland und Spanien lag m.E. darin, dass die Spanier über die gesamte Spielzeit ihr torgefährliches Zentrum gut zugestellt haben, während bei uns die Defenisve immer wieder Räume frei waren, in denen der Gegner gefährlich flanken oder schießen konnten.

    Nach dem Führungstreffer zogen sich die Spanier weiter zurück (was der Kommentator als Schwäche deutete), überließ dem Gegner das Spiel, um sich auf Konter zu konzentrieren. Hier agierte das Deutsche Team über weite Strecke souverän in der Ballrückeroberung. Aber es wurde deutlich, dass diese weiten Wege für das Mittelfeld und die Abwehr auf Dauer zu viel Kraft und Konzentration kosten würde. Besondere Schwächen gab es auch in der U 21 auf den Außenbahnen. Auf der linken Seite passierte fast gar nichts und auf der anderen Seite erfolgten die Anspiele meist so, als das nur noch zurück gepaßt werden konnte. Beim Spiel im gegnerischen Drittel waren uns die Spanier technisch wie taktisch überlegen. Hier wurde ein Zielspieler für den Torabschluß gesucht, während unsere Jungs lediglich einen Anspielpartner gesucht haben, mit dem sich der Ball zirkulieren läßt. Zyniker würden es als "brotlose Kunst" beschreiben.

    Aber ja, Nübel eine prima Leistung über die gesamte EM gezeigt. Weil es aber auch den perfekten Torwart nicht gibt, findet sich immer etwas, was man besser machen können. Schaut man ihn sich etwas genauer beim 1. Gegentor an, so fällt auf, dass er eine gute Position zur Torfläche und -tiefe gefunden hatte. Sein Entscheidungsproblem bestand darin, dass der Gegner so viel Raum hatte, als dass er zu seinem Mitspieler flanken wie auch selbst zum Torabschluß kommen konnte. Weil sich Fabian für den Torabschluß entschied, stand Nübel für einen perfekten Abdrück etwas zu breitbeinig. Ihr ist der Bewegungsablauf länger und komplizierter. Denn der Keeper muß zunächst einmal im seitlichen Abkippen den exakten Gleichgewichtspunkt zum Sprungbein finden, um dynamisch abspringen zu können. Wenn Füße und Schultern eine Linie ergeben ist dieser Gleichgewichtspunkt einfacher zu finden. Bei Nübel sah es aus, als würde er zur Zielabwehr in die Ecke fallen, statt zu springen.

    Manchmal sind es winzige Kleinigkeiten im Bewegungsablauf, die über einen Erfolg entscheiden.

    Dass es trotz technischer Fang-Fähigkeiten auf allerhöchstem Niveau nicht immer gelingt, einen Ball aus mittlerer oder kürzerer Distanz sicher zu fangen, mag nicht wundern. Verwunderlich ist es jedoch, dass die spanische Abwehr bei Fangfehler ihres Keepers sofort reagierte, während unsere IV nicht mal den Versuch einer Rettungstat unternimmt. Wenn man sich denn über Patzer unterhält, dann sollte dies nicht unerwähnt bleiben.

    Zu einem etwas anderen Schuß als im Kommentar komme ich bei den Spieleröffnungsvarianten von Nübel. Häufig zögerte er unnötig lange und mal fehlte der Druck, sodass seine Mitspieler meist schon im Moment der Ballverarbeitung unter Gegnerdruck standen und ihnen gar nichts anderes übrig blieb, als den Ball zu Nübel zurück zu passen. Schaut man sich aber dessen Schußtechnik bei längeren Bällen an, so offenbaren sich Defizite. Denn selten zeigte das Standbein in die Richtung, in die der Ball gepaßt werden sollte. Die überwiegende Zahl dieser weiten Pässe landeten entweder beim Gegner oder ins Seitenaus.

    Aber bei seinen Talent bin ich mir sicher, dass er das noch besser hinbekommt, wenn daran gezielt gearbeitet wird.

    Zum Schluß sollte gesagt werden, dass ein Vize-Europameister, der denkbar knapp im Ergebnis seinen Titel nicht verteidigen konnte, stolz seine Erfolge feiern darf. Wenn dabei sogar noch Leistungsträger, die schon in der Nationalmannschaft spielen, dabei gefehlt haben, so mag dieser Erfolg noch höher bewertet werden.

    Über Löw`s Kommentar vor dem Spiel schweige ich mich lieber aus. Da sitzt der Frust bei mir noch zu tief und ich kann nicht wirklich erkennen, dass der Mann was draus gelernt hat. Selbst in seinen Werbespots gefällt er mir mittlerweile besser als auf der Trainerbank!
    Geändert von twtrainer (02.07.2019 um 13:03 Uhr)

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