Well,
ich stamme aus einer Zeit, da trug man Strickhandschuhe mit dem Gumminoppenbelag der Tischtennisschläger als Tw Handschuhe. Umlaufenden Klettverschluss gab es nicht, der Haftschaum der Uhlsporthandschuhe was so dünn, daß man selbst auf Rasen nach 2 Wochen neue Handschuhe gebraucht hätte - und teuer war es ohnehin.
Erst mit der Lehre und dem eigenen Geld konnte man dann endlich gute Handschuhe von reusch kaufen, mit richtig dicken Latex Belägen und umlaufendem Klettverschluss. Ich spielte damals Handschuhe mit Namen, wie Toni Schumacher oder Eike Immel. Auch Uhlsport wie Frans Hoeck oder Uli Stein.
Mein erster reusch Bundesliga war eine bewußte Entscheidung, ein Handschuh mit viel Ballgefühl - für einen Torwart, der einfach sonst nix konnte.

Damals gab es kein Tw Training, man machte einfach.... irgendwie, die Handschuhe waren also irgendwoi das Symbol Torwart oder aber später auch dafür da, schlicht unzureichende Fertigkeiten zu kompensieren.


Heute ist das anders... ich kann mich auch ins Tor ohne Handschuhe stellen. Fühlt sich ein wenig komisch an, aber es geht. Der Kopf, der Kopf aber fühlt sich wohler, wenn so eine Grante aus 16 Metern eben nicht an der Handfläche 'zieht'... das ginge dann auch mit einem Lederhandschuh, aber Tw Handschuhe sind doch irgendwie "Statussymbole" geworden. Statussymbole, welche ich heute nicht mehr brauche.

Heute betrachte ich Handschuhe aus einem anderen Blickwinkel. Die Kids kommen ins Training, und der Handschuh hat mehr technische Details als ein moderner Sportwagen - trotzdem, der Ballmagnet fehlt immer noch. Der Haftschaum, der eben noch geklebt hat, ist nach zwei Einheiten Kunstrasen auf Standard Niveau gefallen, und mit Fallen ist auch gemeint: Die Kids fallen und stehen zu oft über die Handfläche auf, der Latexbelag wird durch feinen Staub, Granulat und den Kunstrasen einfach so aufgerieben, daß der Superhafteffekt schlicht nicht mehr existiert.
Dann tragen die Kinder Fingerschutzsysteme, Handgelenk Stabilisierung, haben eine KlimaMembrane, Haftschaum auch wenn der Daumen sich verdreht, eine Zone zum besseren Fausten, etc. Trotz Fingerschutz dotzt der Ball auf die Fingerspitzen und zwei Kapseln sind damit dick. Die Handgelenksbandage schneidet beim Aufstehen ein, die Zone des Faustens wird so selten gebraucht...
Besser gemacht, haben die Handschuhe bisher keinen davon... oft sind die Eltern eher schockiert, wenn man als Trainer zu einem günstigeren Modell ohne diesen Firlefanz rät, doch nach zwei drei Wochen merken auch die Torleute, daß es ohne Fingerschutz, Handgelenksbandage und Faustenzone geht...

Sicher, ein guter Handschuh hilft dem Torhüter, für mcih ist jedoch die Frage, wieviel Handschuh muss es denn sein?
Als Trainer schule ich Fangsicherheit, ich schule Handhaltung, Bewegungen etc. Sprich ich kümmere mich darum, daß eigentlich das, was den Ball fängt, alles schon mal passt. Ja, selbst dann schule ich dieses Vermögen, indem ich genau das Fangen noch schwerer mache...

Ich kann, was motörmatze schreibt nachvollziehen, so mit dem Werkzeug. Doch betrachte ich mir meine Werkzeugkiste, finde ich darin keine gedore Ratsche mit Nussblocker und selbsttätiger Drehrichtungsumkehr, ich finde keinen Kreuzschlitzschraubendreher mit 8000 Volt Durschlagsicherheit und Drehmomentbegrenzung. Ich finde keine Kombizange mit automatischem Abisolierer und Kabelschuhpresse, keine Spezialnuss die auf alle Schrauben und Muttern passt... ich finde eher hochwertiges, aber einfaches Werkzeug. Eine schlichte Kombizange von Knipex, ebenso den Saitenschneider. Finde einen Satz isolierte Schraubendreher von Wiha, finde eine gute, jedoch leidgeprüfte Ratsche von Gedore mit einem Nuss-Satz - letzterer besteht aus vielen unterschiedlichen Aufsätzen, darunter auch welche aus dem Billigsegment, weil die eh verloren gehen.
Der Wiha Bitträger war nicht günstig, das Set von Bits schon - schlicht, ich habe erkannt, was brauche ich, und was ist Verschleiß... einzelne Dinge sind teurer, hochwertiger, andere Dinge sind dann hingegen extrem günstig.

Denn auch hier gilt, es ist nicht der Preis des Werkzeugs, der gute Arbeit macht, sondern es sind die Hände des Handwerkers. Und es macht keinen Unterschied, ob ich einen 250 Gramm Hammer mit Holzstiel, oder mit dem teurern Kunstfaserverstärken Kunsttoffstiel habe. Es macht keinen Unterscheid, ob ich den Druckschalter mit dem teuren Wiha Schraubendreher einstelle, oder mit dem Ding aus der Schießbude. Es macht keinen Unterschied, ob ich die 8er Mutter mit dem Gedore Schlüssel anziehe, oder den billigen von Workcraft nehme....

Gerade bei Handschuhen empfinde ich inzwischen, daß da Zuviel gemacht wird. Eine Palette guter Haftschäume, für Trocken, für Nass, Rasen und Kunstrasen, auch einen für Freitzeit und Handplatz, Innennaht, Aussennaht, Rollfinger und ein guter Einschluft mit einer breiten Klettsicherung... für mich als Tw Trainer ist das alles, was der Tw braucht... für den Rest bin ich eigentlich da.

Und ja, Handschuhe könne die Tw Leistung auch negativ beeinflussen: Fingerschutzsysteme verhindern gerade bei kleinen Händen oft das sichere Ballfangen durch die vorgeformten Kunststoffelemente. Sie blockieren die natürliche Entwicklung des Ballgefühls und korrekten Handhaltung.