Ich musste ja doch herzhaft lachen, als ich bei sport1 den Bericht des Professors gelesen habe. Vorweg: ich bin tätowiert, schwerstens sogar. Dass das nicht jedem gefällt, geschenkt, aber darum gehts ja gar nicht.

Beleuchten wir den Ansatz des Berichtes, stimme ich sogar zu, da der Körper nach einer frischen Tätowierung logischerweise geschwächt ist: wir haben ja eine Wunde, der der Körper wieder Herr werden muss; das Lymphgefäßsystem muss auf Hochtouren arbeiten, da die Farbe letztendlich ein Fremdkörper bleibt, den der Körper bekämpft und wieder loswerden will. Tatsächlich speichern die regionär betroffenen Lymphknoten die Farbe, man könnte also anhand eines extrahierten Lymphknotens die Farbe(n) des Tattoos bestimmen.
Also, zurück zum Anfang: der Körper ist geschwächt durch den Prozess der Wundheilung, und eine mehr oder weniger großflächige Wunde tut auch demensprechend weh, wenn Kleidung daran reibt oder gar andere physische Reize wie ein Fussball, Körperteile der Mit- oder Gegenspieler und natürlich der Boden darauf einwirken. Schon allein deshalb treib ich keinen Sport mehr, wenn ich frisch gestochen bin, hab da als Jungspund auch die eine oder andere weniger schöne Erfahrung gemacht. Und Schweiß in ner frischen Wunde is auch nicht gerade förderlich, warum sollte klar sein...
So weit, so gut, bis hierher kann ich prinzipiell zustimmen, dass die Leistungsfähigkeit sinkt, da kein Trainingsreiz gesetzt bzw aufrechterhalten werden kann.

Nach 2 bis max. 3 Wochen sieht es aber wieder ganz anders aus. Die Tätowierung = Wunde ist verheilt, und sofern kein Druck- oder Berührungsschmerz mehr besteht, ist der Körper wieder belastbar. Warum sollte also ab sofort die Leistungsfähigkeit sinken?

Die Schauermär, dass die Tattoofarbe z.B. ausrangierter Autolack ist oder größtenteils aus Schwermetall besteht, ist leicht von vorgestern & lässt mich immer vom Glauben abfallen, wenn ich darauf angesprochen werde. Natürlich sollte man das Zeug nicht löffeln, aber heutzutage gibt es im Tätowiersektor einige Hygienestandards, die den Hinterhof- oder Knastamateuren von anno dazumal ein wenig voraus sind. Desweiteren kapselt der Körper die Farbpigmente ab, umschließt sie also mit einer Art Membran.
Ein guter Tätowierer weiß daher auch, wo er die Farbe reinsticht, damit nicht 70-80 % im Blutkreislauf landet.

Ich bin jetzt natürlich kein Profisportler, aber ich wäre auch untätowiert keiner geworden; dafür habe ich als schwer zugehackter Vollamateur in den all den Jahren doch den einen oder anderen sportlichen Erfolg verzeichnen können, trotz (oder vielleicht gerade wegen) all der Farbe. Wer kann das Genteil beweisen, hmm?

Daher empfinde ich Aussagen, die z.B. auf ein generelles Tattoo-Verbot abzielen, als absoluten Bullshit. Ebenso das mit der fehlenden Frische & Regenerationszeit. Jeder Körper regeneriert ohnehin individuell, das hat nix mit ner Tätowierung zu tun - lachhaft, ehrlich.

Worauf man sich sicherlich einigt, dass jeder Sportler (besonders der Profi natürlich) verantwortungsbewusst mit seinem Körper umgehen sollte, sprich nicht eine Woche vorm Pokalfinale zum hacken gehen sollte & sich dann wundert, weil er a) deshalb ne Enzündung oder schlimmeres davonträgt und b) deshalb von seinem Arbeitgeber auf die Ohren bekommt.

Aber den Leuten die Entfaltung ihrer Persönlichkeit oder Vorlieben komplett zu verbieten, wird es in unserer (anderweitig verkommenen & verbesserungswürdigen) Gesellschaft hoffentlich nie geben.