@motörmatze
Ich würde sogar so weit gehen, als das Casteels das Knie in dieser Situation als Waffe einsetzt. Es sieht so aus, als ob Gentner, der als Erster die Position besetzt, wo der Ball Kopfballhöhe erreicht, einfach nur besetzen will. Ihm ist scheinbar klar, dass der Torwart rankommt, weshalb er ihn beim Ballkontakt stören will. Das ist soweit erlaubt. Klar ist, dass ein Torwart nur mit dem Schwungbein (angewinkeltem Knie) hier die nötige Höhe erreichen kann. Aber ich sehe es dann so, dass Casteels das Knie bewußt in Position läßt. Er will den Ball fangen, weshalb zunächst Gentner "abgeräumt" werden muß. Hätte er den Ball gefaust oder wäre er mit langgestrecktem Körper nach dem Fangen in den freien Raum gedreht, wäre es nicht zu diesem fürchterlichen Stoß mit dem Knie im Gesicht des Gegenspielers gekommen. Denn Gentner sieht den Torwart nicht, weshalb er auch keine Chance hat auszuweichen. Er geht nicht einmal aktiv zum Ball. Für mich klares Rot. weil Verletzung des Gegners in der Aktion bewußt in kauf genommen wurde.

Man muß allerdings in diesem Zusammenhang die Frage stellen, was Casteels dazu getrieben haben könnte, in dieser Situation so zu handeln? Schaut man sich die Vita dieses Keepers einmal an, dann war der Belgier häufig nur der Zweite oder Dritte. Ein Schienbeinbruch warf ihn in seiner Karriere zurück. Das mag vieles erklären, aber entschuldigen kann man es damit nicht.

Ich würde deshalb gerne den Rahmen ein wenig größer spannen, wie heutzutage die Verantwortlichen in den Vereinen mit ihren Torhütern umgehen? Mag man Fachkenntnisse im Amateurbereich bei den Verantwortlichen noch tolerieren, so sollte die Kompetenz eines Torwarttrainers zur Beantwortung von Torwartleistungen besser genutzt werden. Leider findet man auch auf höchster Vereinsebene Aussagen über Torwartleistungen, die sich selten mit den Einschätzungen der Fachleute decken. Was als haltbar, unhaltbar und damit als "Torwartfehler" oder als "Torwart-Weltklasseleistung" verbreitet wird, wird dabei meist nur am Spielergebnis festgemacht. Indirekt wird ihm damit die Schuld an einer Niederlage angelastet, während seine Angreifer-Kollegen für Siege gefeiert werden.

Nun wird man sagen: das war schon immer so - damit muß ein Torwart umgehen können? Selbst in den DFB-Folien zu den Eigenschaften des Torwarts findet man derlei "Superman" Aussagen. Aber sind Torhüter wirklich mental und emotional so andere Leute? Wer sie näher kennt, der weiß, dass sie genau so empfinden wie andere! Auch sie ziehen ein Großteil ihres Selbstbewußtsein durch Lob und haben ihre Probleme mit Kritik (insbesondere mit unberechtigter Kritik von Verantwortlichen)!

Ich will damit nicht sagen, das Torhüter keine Fehler machen. Aber sie sollten dabei von den Verantwortlichen genauso fair und respektvoll behandelt werden wie jeder andere Spieler im Team!