Natürlich hat Steffen recht, wenn er sagt, dass die Flanken heutzutage mit einer größeren Härte und Präzision getreten werden, als dies früher zumeist der Fall war.
Dennoch kann man die TW-Fähigkeiten verbessern, wenn sie spielnah trainiert werden. Jedoch nicht durch Simulation (Puppen, Stangen, usw.), sondern durch spielnahe Übungen und Spielformen.
Hier sollte das TW-Training neue Wege gehen, indem der TW-Trainer dem TW durch "learning by doing" dort hilft, wo die Unterstützung notwendig ist. Hierfür kann es notwendig sein, dass der TW-Trainer sein Wissen als Mannschaftstrainer verbessern, um die gewünschten TW-Situationen bestmöglich reproduzierbar zu ermöglichen. (an anderer Stelle hatte ich euch gefragt, wie ihr die Inhalte der TW-Ausbildung seht - so gehört für mich ein gutes mannschaftstaktisches Verständnis zu den Fähigkeiten eines TW-Trainers - sonst hat er lediglich eine isolierte Situationsanalyse, mit der er nur einen Teil der TW-Defizite trainieren kann)
Spielnah heißt in diesem Zusammenhang für mich, es gemeinsam mit der Mannschaft zu trainieren, um über passive, halb passive und aktive Mitwirkung der Mitspieler die Leistungssteigerung des Keepers systematisch zu verbessern. Ganz nebenbei trainiert er dabei auch das Verständnis der Spieler für die Möglichkeiten eines Torwarts, bzw. des Torwarts zu seinen Spielern, was das "blinde Verständnis" untereinander verbessert. Denn in starken Drucksituationen muß man sich 100 %-ig aufeinander verlassen können. Weiß der Keeper nicht, was seine Mitspieler machen, ist er der "Gelackmeierte". Bislang wurde soetwas lediglich im Trainerstab nach dem Spiel analysiert, aber zu wenig spielnah trainiert. Der Videoanalyst sollte auch das Training genauer beobachten, damit eine Schnittstellenanalyse die Schwachpunkte zwischen Training und Wettbewerb klarer heraus arbeiten kann.
Das Thema: "Schutzknie" und "Schwungknie" wurde bereits verschiedentlich diskutiert. Dennoch braucht es mehr Fakten, weil sich das TW-Spiel von damals und heute stark verändert hat.
Lt. BuLi-Statistik beträgt die Distanz einer durchschnittlichen TW-Aktion zwischen 5 - 6 Metern. Leider fehlt hier noch der Hinweis, wieviel % davon hohe Bälle waren bzw. welches Distanz hierfür zurück gelegt werden mußte. Denn je kürzer die Distanz, je steiler ist der Absprung und je mehr wird das Knie ausschließlich als "Schwungknie" benötigt. Bei größerer Distanz ist der Absprungwinkel deutlich flacher, sodass es sich manchmal gar nicht verhindern läßt, dass das Schwungknie auch als Schutzknie fungiert. Das bewußte Stehenlassen des Knies, um damit eine Verletzung des Gegners inkauf zu nehmen, sehe ich sportlich als nicht notwendig und deshalb als Foul.
Neben der Veränderung in den Trainingsmethoden zum Abfangen hoher Flanken sehe ich jedoch eine Änderung des Regelwerks zum Schutz vor Verletzungen als notwendig. Der Torwart kann sich den Richtungswinkel nicht aussuchen, weil er stets frontal zum Ball gehen muß, sodass er besonderen Verletzungsgefahren ausgesetzt ist.
Es gibt zu viele Keeper, die aufgrund fehlender Regeln im Fußball vorzeitig ihre Karriere aufgrund von Sportinvalidität beenden mußten. Eine Korrektur zum besseren Schutz des Torwarts ist dringend nötig, denn hier kann auch ein spielnahes Training zwar die Fähigkeiten verbessern, aber nicht die Risiken im Wettkampf mindern.
Natürlich wollen die Zuschauer viele Tore sehen! Aber sie freuen sich auch über die besondere Leistung aller Spieler der Mannschaft. Dies gilt m.E. sowohl für den Profi-, wie auch für den Amateurbereich.




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