Die Idee mit dem Sparringspartner ist mir nur deshalb gekommen, weil die meisten Torhüter und Torwarttrainer nicht über die Fähigkeiten von Feldspielern verfügen. Wenn wir über ein spielnahes Training reden, dann hören darin Leute, die einen Torwart wettkampf nah fordern.
Vor 20 Jahren war man davon überzeugt, dass sich nur duch besonders häufiges Wiederholen Bewegungsabläufe perfekt automatisieren lasen. Heute weiß man, dass viele Ballkontakte nicht automatisch zu guten Ballkontakten führen.
Man hat zwar vor ca. 20 Jahren das ballorientierte Spielsystem eingeführt, aber die älteren Torwarttrainer kennen das "mitspielen" gar nicht. Denn in ihrer aktiven Zeit hieß es den Ball so weit wie möglich nach vorn zu schlagen. Wir verlangen deshalb von ihnen Dinge, die sie wenn überhaupt, erst nach ihrer aktiven Zeit erlernen konnten. Dass das selbst bei guter Fitness schwierig ist, dürfte nachvollziehbar sein. Aber der Torwarttrainer soll nicht den Feldspieler simulieren, sondern sich einzig auf die Verbesserung der Torwartaktionen einsetzen.
Aber ja, im Prinzip könnte das jeder Profi mit guten Offensivqualitäten, der noch fit ist und über eine spezielle Ausbildung als Torwart-Sparringspartner verfügt. (Man würde je nach Schwerpunkt-Thema sogar mehrere davon brauchen, die aktiv oder teilaktiv eingesetzt werden können.)
Der Sparringspartner soll eine Zwischenlösung sein, bis wir genügend junge Keeper haben, deren Technik und Techniktempo sich kaum von dem ihrer Feldspielerkollegen unterscheidet.
Deshalb sollte meiner Meinung nach in der Jugend die Ausbildung dahingehend grundlegend ändern, als das Funktionen statt Positionen ausgebildet werden. Denn genau wie in der Schule gilt es zunächst ein sehr breites Wissen zu vermitteln, um den jungen Menschen zu helfen, was ihnen am meisten Spaß macht. Hier findet ein weitgehend vom Lehrer/Trainer unabhängiger Übergang statt, bei dem aus dem Spaß an den Aufgaben auch der Spaß an der eigenen Leistung entwickelt wird. Sind die vorhanden Anlagen ein einer günstigen Kombination zur Neugier, Ehrgeiz und findest sie im sozialen Umfeld eine gute Förderung, dann kann es in seltenen Fällen eine Entwicklung für hohe und sogar höchste Herausforderungen geben. Wegen der teilweise wenig steuerbaren externen Prozesse ist eine seriöse Erfolgsprognose nicht möglich.
Dennoch kein ein reformiertes Ausbildungssystem im Fussball ein höheres Niveau auf einer breiteren Basis schaffen. Heute haben wir pro Jahrgang 1 - 2 talentierte Jahrgangskeeper in den Verbandsauswahlen. Für die Topclubs und die Nationalmannschaft mag das reichen. Aber das genügt nicht, um den Bedarf in den Profiligen und dem höheren Amateurbereich zu decken.
Weil der Berufswunsch Profispieler (statt Profi - linker Innenverteidiger-Profi) heißt, soll er möglichst flexibel einsetzbar sein. Dafür ist es aber wichtig, dass er ausreichend Fähigkeiten besitzt, um sich in seinen Aktionen sicher zu bewegen.
Das haben wir aber heute nicht, sondern es scheint viel mehr so, als wären einige traditionelle Fussballweisheiten in Stein gemeißelt, wonach eine möglichst frühe Positionsfixierung noch vielfach als selbstverständlich gilt. Das mag für Trainer vielleicht bei ihrer Mannschaftsaufstellung für Spiel bequem sein, aber nachhaltig ist es sicherlich nicht, wenn nur sehr eingeschränkt auf der stets gleichen Position Erfahrungen gesammelt werden?
Ziel im TW-Bereich soll es m.E. sein, das weitgehend isolierte TW-Training mit statischen Hilfsmitteln durch ein situativ abwechslungsreiches, lebendiges TW-Training in kleinen Gruppen mit in etwa leistungsgleichen Keepern so trainieren kann. Der Torwarttrainer sollte sich dabei auf die für ihn relevanten Aufgaben konzentrieren können. Für mich ist es nicht relavant, wer den Ball aufs Tor schießt. Dass können Feldspieler genauso gut, ja sogar noch besser. Aber der TW-Trainer hat dadurch mehr Zeit, sich jedes Detail situativ live anzuschauen.
Das wird es vermutlich noch 5 - 10 Jahre dauern, bis breit ausgebildete Keeper ein vielseitig nutzbares Niveau mitbringen. Hierfür benötigt es ferner eine Profilergänzung für die Profi-Torwarttrainer. So genügt es m.E. nicht, eine Mannschaftstrainerlizenz zu besitzen. Denn es braucht darin Erfahrungen, möglichst gekoppelt mit Erfolgen.
Wir sind in einer Arbeitsteilung aufgewachsen, weshalb wir heutzutage Trainerstäbe besitzen. Jeder vertraut auf die Arbeit des anderen, weil jeder zu wenig Wissen und Fähigkeiten besitzt, um die Arbeit des Anderen beurteilen zu können.
"Das war ein Torwartfehler", diesen Satz kennt nahezu jeder! Aber hilft uns diese Aussage? "Jetzt kannst du aber mal wieder einen Ball halten", ist auch so ein Pauschalsatz, den man gelegentlich hört. Ich sehe es allerdings als die Spitze eines Eisbergs an, weil man durch die Arbeitsteilung zu wenig Kenntnisse vom Themenbereich seiner Kollegen bekommt.
Fußball ist ein Spiel mit unendlichen Möglichkeiten, über das wir eigentlich fast gar nichts wissen. Da sollte man bemüht sein, nicht allzu früh den Faden zu verlieren. Denn eine Arbeitsteilung macht nur dann Sinn, wenn ich den Gesamtprozess kenne und in danach aufteilen kann.
Dass es leider noch genügend Verantwortliche im Amateurbereich der Vereinen gibt, die den Torwarttrainer besseren Ballaufpumper und Ballwiederholer betrachten, gebe ich gerne zu. Aber sollte man auch daran festhalten?




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