Vor Jörg Daniel ist bereits Andi Köpke an dieser Aufgabe gescheitert. Denn die Kollegen, die sich für das Lizenzwesen im Mannschaftsbereich verantwortlich zeichnen, wollten für als Anforderungsprofil für eine Lizenzerteilung und damit auch einer inhaltlichen Systematisierung analoge Bedingungen stellen!
Daraus resultieren allerlei Probleme. So rekrutiert sich die Masse der Torwarttrainer aus ehemaligen Torleuten. Viele von ihnen mußten aus gesundheitlichen Gründen ihre Karriere vorzeitig beenden. Weil aber der DFB meint, dass wie beim Mannschaftstrainer auch der Torwarttrainer präsentationsfähig sein müßte, scheitert die Bewerbung schon mal bei einer Reihe von Kandidaten. Ab dem Leistungsbereich soll der Torwarttrainer eine Mannschaftstrainerlizenz besitzen. Das macht durchaus Sinn, wenn man auch Erfahrungen als Mannschaftstrainer sammeln konnte. Allerdings trägt sich ein Teil der TW-Trainer mit der Absicht, gar keine Mannschaft trainieren zu wollen. Zusammenfassend kann man sagen, dass der DFB seine Klientel zu wenig kennt, weshalb das Ausbildungsangebot angepaßt werden müßte. Denn die ersten Erfahrungen im aktuellen TW-Trainer-Ausbildungssystem haben gezeigt, dass sich unter den Kandidaten eine Reihe von Mannschaftstrainern befanden, die über die Zusatzausbildung einen Job als TW-Trainer wollen, weil es in der Mannschaft nicht erfolgreich war. Wer allerdings Torwarttrainer sein möchte, der sollte genügend Heizblut dafür mitbringen.
Ich hoffe, dass nach der WM endlich die Nachwuchstorwart-Ausbildung wieder Schwung aufnimmt. Denn dort haben wir noch die größten Probleme. Es wird in den Vereinen häufig vernachlässigt, weil entweder keine Zeit oder kein geeignetes Personal dafür vorhanden ist. Im Senioren-Profibereich ist man eigentlich ganz gut aufgestellt. Es wäre allerdings besser gewesen, der DFB hätte die helfenden Hände aus der Bundesliga bei der Entwicklung der TW-Trainer-Ausbildung seinerzeit nicht ausgeschlagen. Denn ohne sie fehlte das nötige Know-How. Auch ein weiterer Dialog erscheint sinnvoll, um jeweils auf dem aktuellen Stand zu sein.
Eine Ausbildung ohne Prüfung als Kompetenzübertragung macht m.E. wenig Sinn, denn es stellt nichts anderes da, als eine Anwesenheitsbescheinigung. Schon die Kursdauer von lediglich 40 Lerneinheiten macht klar, dass man seitens des DFB davon überzeugt ist, dass so ein bißchen Torwarttraining nichts besonderes ist und rasch erlernt werden kann.
Viel wichtiger erscheinen jedoch die Einnahmen. Um sich schon mal ans Bezahlen zu gewöhnen, ist erst mal ein ärztlicher Check für ca. 130 ,- € fällig. Das erweiterte Führungszeugnis ist zwar kostenlos, darf jedoch nur über Verein mit entsprechender Begründung (z.B. aktiver Trainer im Jugendbereich) beantragt werden. Aktuell beträgt die Lehrgangsgebühr 300,- €. Hinzu kommen Aufenthalts- und Verpflegungskosten von ca. 200,-€ . Wenn dafür eine Teilnahmeurkunde überreicht wird, die aufgrund einer fehlenden Prüfung von den meisten Vereinen so ohne weiteres nicht anderkannt wird, dann darf man schon mal Zweifel anmelden, was diese Abzocke soll? In den Profivereinen genießen die Torwarttrainer ein hohes Ansehen (auch ohne Lizenz), aber in den Amateurvereinen trägt das DFB-Angebot für Torwarttrainer nicht unbedingt dazu bei, das Image zu verbessern.




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