Hallo Icewolf
Ich kann dir dazu nur meine persönlichen Erfahrungen aus vielen Jahren Torwarttraining geben.
Beim traditionellen Torwarttraining wurden häufig die defensiven (z.B. Fangen eines flachen Balles) und offensiven Aufgaben (z.B. Abschlag) getrennt trainiert. Im Vergleich zu den defensiven Aufgaben haben jedoch die offensiven Aufgaben durch den Wegfall des Libero`s zugenommen. Eine sehr häufige Variante der offensiven Aufgabe bestand darin den gefangenen Ball in ein Zielgebiet zu dreschen, wo ein großgewachsener, kopfballstarker Spieler den Ball an einen Angreifer weiterleiten sollte. Weil der Ball lange in der Luft war, spielte es kaum eine Rolle, ob das schnell oder etwas langsamer stattfand. Denn es kam ja lediglich auf den Gewinn des Kopfballduells an.
Das "mitspielen" des Keepers verlangte weitere Fähigkeiten. Unter anderem sollte der Torwart eine Spielsituaition richtig erkennen, um daraus die bestmögliche Spieleröffnung abzuleiten. Das sollte selbstverständlich so rasch geschehen, damit die gegnerische Unordnung beim Umschalten von Angriff auf Verteidigung dabei ausgenutzt werden kann.
Während es für die Feldspieler bereits in der Ausbildung normal war, komplexe Situationen unter Gegnerdruck zu traineren, wurde dies unter Zurhilfenahme von allerlei Trainngsmaterial simuliert. Hinzu kam, dass das TW-Training sehr häufig isoliert von der Mannschaft stattfand. Weil bei den Spielformen und dem Abschlußspiel nur der Chefcoach das alleinige Sagen hatte, gab es kaum nützliche Hinweise für den Keeper.
Auch heute gibts ausreichend Trainer für die es wichtig ist, dass der Ball vom Torwart so weit wie möglich nach vorn gespielt wird, damit wenigstens der 2. Ball in den eigenen Reihen landet. Für den Rest ist die Mannschaft zuständig.
Das heutige Torwarttraining unterscheidet sich deutlich von der traditionellen Form. Seinerzeit ging man davon aus, dass man allein durch die Häufigkeit der Wiederholungen einen Automatismus trainieren kann, wodurch die Fehlerquote so gering wie möglich gehalten werden kann. Heute weiß man, dass aus vielen Ballkontakten nicht automatisch auch gute Ballkontakte werden, wenn nicht ausreichend Wert auf die Detailarbeit von vollständigen Abläufen gelegt wird. In einigen NLZ ist man bereits dazu übergegangen in kleinen Gruppen die Nachwuchskeeeper mit spielnahen Situationen jeweils andere Aufgaben (als Torwart, als Defensivspieler, als Offensivspieler) zu verteilen, um dabei so intensiv wie möglich die korrekte Reihenfolge von Bewegungsabläufen zu trainieren und darüber hinaus Sicherheiten zu schaffen. Auf sehr gute Erfahrungen kann Mathias Novak (Bayern) verweisen, der im Multitaking das Gehirn trainiert, zunächst die Dinge in der richtigen Reihenfolge zu sortieren, um sie danach mit hoher Konzentration im Detail abarbeiten zu können. Manchmal sind andere TW-Trainer dafür notwendig, die sich mit neueren Trainingsmethoden auseinandersetzen (Beispiel BVB). Doch solche Möglichkeiten kleine, leistungsmäßig homogene Torwart-Gruppen zusammen zu stellen, hat nicht jeder Verein. Es gehört dann auch eine gute Kooperation zwischen den Chefcoaches und den TW-Tranern dazu.
Es ist ein sehr breites Feld, worüber deshalb unterschiedliche Meinungen vertreten werden, weil man zu wenig flächendeckend gesicherte Erkenntnisse vorliegen. Gibt dabei auch unterschiedliche Vorstellungen darüber, ob ein Torwart für ein oder mehrere System besser ist?
Es gibt zur Zeit sehr wenig richtig gute Nachwuchskeeper bei uns, die mal einen Neuer oder Ter Stegen ablösen könnten. Denn die beiden kann man fast schon als "Allrounder" bezeichnen. Leider gibt es aktuell viel zu wenig sehr gute Nachwuchskeeper, die die Beiden mal ersetzen könnten. Da haben wir viele Jahre großes Glück gehabt. Doch nun gibt es m.E Anlaß, sich mit alternativen Trainingsmethoden auseinander zu setzen. Was nützten sensationelle Torwart-Hechtparaden, wenn bei einfachen Bällen zu viele Fehler passieren?




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