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Thema: Ein Plädoyer gegen das (gar nicht mehr so) moderne Torwartspiel

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  1. #1
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    @Icewolf

    Wenn ausreichend Trainingszeit dafür verwendet würde, Keeper bei gegnerischem Offensiv-bzw. Gegenpressing auszubilden, hätte man weniger Probleme es auch im Wettkampf gut hinzubekommen. Wie man aber beim Spiel der Bayern gegen Mönchengladbach sehen konnte, ist die Antizipation einer Situation nicht allein die Aufgabe des Keepers, sondern auch die der Mitspieler.

    Auf diesem (hohen) Niveau darf ein Keeper die sichere Ballverarbeitung seines Mitspielers erwarten.

    Nun komme ich zu deiner Aussage: "Ball weghauen".

    Aber im Amatuerbereich sieht die Sitatuation im Trainnig sicherlich noch anders aus. Denn hier findet die Ausbildung mit dem Ball am Fuß häufig mit sehr viel geringerer Qualität statt, weil auch die ausbildenen Torwarttrainer wenig mit dem Ball am Fuß anfangen können. Da ist es schon schwierig ohne eigene technische Fähigkeiten seinen Torleuten gutes Fussballspielen beizubringen. Da hilft es nur, seine Torleute auch auf dem Feld spielen zu lassen, um dort die nötigen Fähigkeiten zu erwerben.

    Wer will das da einem Trainer verübeln, der zig mal geseehen hat, dass es aufgrund großer Defizite seines Keepers mit dem Ball am Fuß einem Ballwegdreschen den Vorzug gibt? Wenn dann hin und wieder so ein Ball beim Mitspieler landet oder aber der 2. Ball erobert wird, dann sieht er sich auf der besseren Seite, als wenn er das hohe Risiko beim Fehlpaß dem Gegner eine Großchance zu eröffnen sieht. Gerade im Seniorenbereich wird der Fussball selbst im Breitensportbereich immer mehr zum Ergebnissport. Allseits schwindende Zuschauerzahlen zeigen, dass der Einfluß von Sponsoren das Erlebnis beim Fussball reduziert, weil dort fortan Kicker aus fremden vereinen spielen und auch einem Torwart keine Fehler zugestanden werden. Wo gibt es denn noch sportliche Verlierer? Das aber kann zum Hemmschuh der Vereinsentwicklung werden, wenn man sich immer nur mit kurzfristig erfolgreichen Maßnahmen identifiziert. Ein Verein sollte immer langfristige Ziele haben! Leider waren es gerade die Trainer, die zu allererst aus fremden Vereinen kamen. Es waren die Trainer, die als erstes Geld für ihr Hobby bekamen. Dabei stellte sich nicht mal die Frage, ob sie es auch ohne Bezahlung gemacht hätten? Wenn man allerdings Geld zahlt, dann glaubt man dies mit speziellen Anforderungen verknüpfen zu können, die in aller Regel an Tabellenplätze verknüpft werden. Wer also bleiben will, der setzt auf kalkuliertes Risiko. Sonst ist er schneller wieder weg als er es glaubt.

    Dennoch sehe sehe ich keine Weiterentwicklung darin, die fussballerischen Fähigkeiten eines Keepers wieder abzuschaffen, was bei guter Ausbildung der Mannschaft hilft. Die Frage ist nur wie? Wenn es also keinen entsprechenden TW-Trainer gibt, dann könnte die Lösung vielfach darin bestehen, seine Keeper auch auf dem Feld einzusetzen, damit sie dort entsprechende Fähigkeiten erwerben. Später könnte man bei sonst gleichen Talentanlagen sich für den Keeper entscheiden, der zusätzlich der bessere Fussballspieler ist.

    Das mag heute vielleicht noch sehr wenig Rückhalt bei den Trainern und Vereinen finden, wo man sich die Keeper häufig noch mit dem Zollstock (je größer der Torwart, desto besser) aussucht, anstatt die Handlungsschnelligkeit (Intelligenz, Athletik, Schnelligkeit) einen größeren Raum bei der Selektion einzuräumen. Für mich erfüllt ein Mensch von normaler Körpergröße die Allrounderfähigkeit eines Keepers genauso gut, weil der moderen Fussball vom Kopf in den Fuss gespielt wird.

  2. #2
    Internationale Klasse Avatar von Icewolf
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    Zitat Zitat von twtrainer Beitrag anzeigen
    [...]
    Dennoch sehe sehe ich keine Weiterentwicklung darin, die fussballerischen Fähigkeiten eines Keepers wieder abzuschaffen, was bei guter Ausbildung der Mannschaft hilft. Die Frage ist nur wie? Wenn es also keinen entsprechenden TW-Trainer gibt, dann könnte die Lösung vielfach darin bestehen, seine Keeper auch auf dem Feld einzusetzen, damit sie dort entsprechende Fähigkeiten erwerben. Später könnte man bei sonst gleichen Talentanlagen sich für den Keeper entscheiden, der zusätzlich der bessere Fussballspieler ist.

    Das mag heute vielleicht noch sehr wenig Rückhalt bei den Trainern und Vereinen finden, wo man sich die Keeper häufig noch mit dem Zollstock (je größer der Torwart, desto besser) aussucht, anstatt die Handlungsschnelligkeit (Intelligenz, Athletik, Schnelligkeit) einen größeren Raum bei der Selektion einzuräumen. Für mich erfüllt ein Mensch von normaler Körpergröße die Allrounderfähigkeit eines Keepers genauso gut, weil der moderen Fussball vom Kopf in den Fuss gespielt wird.
    Du bist mir schon wieder viel zu sehr bei der Ausbildung.
    Und dass ich die Weiterentwicklung von fußballerischen Fähigkeiten abschaffen will, habe ich nicht geschrieben.

    Meine Aussage sollte dahin gehen, dass man bedarfsgerecht trainiert.
    Wenn der Keeper Herausspielen unter Offensiv-Pressing lösen kann, die Abwehr aber nicht, wieso sollte der Keeper dann trotzdem versuchen seine Fertigkeiten zu vertiefen?
    Da muss dann erstmal im mannschaftstaktischen Bereich was passieren. So lange kann er an anderen Dingen feilen.

    Generell würde ich darauf einfach nicht so übertrieben viel Wert legen, der Keeper kann in der Regel gut genug Fußball spielen.
    Wenn er sicher nen Ball von A nach B bringt, auch gerne über 30, 40, 50 Meter, hoch oder flach, dann ist doch erstmal alles chic.

    Nochmal: Es spielt (in Deutschland) kaum einer Offensiv-Pressing und selbst wenn, wäre der Anspruch gar nicht, das spielerisch aufzulösen.
    Die Deutschen sind angstgetrieben und sicherheitsfanatisch, was das angeht. Und im Torwartspiel eben auch.
    Wie war die Reaktion auf Bayerns extrem dominante Zeit vor zwei, drei Jahren? Alle spielen 5-4-1 und hoffen, dass der eine lange Ball dem Abwehrspieler übern Fuß springt und man dann das 1:0 nach Hause mauern kann.
    Und so lange die Rentner-Denke beim spielerischen Lösen von Pressing Situationen ("Dat geht doch schief, sach' ich Euch gleich!") nicht aus den Trainer-Köpfen radiert ist, ändert sich das wohl auch nicht.
    Die Qualität des Breierzeugnisses ist reziprok proportional abhängig von der Quantität der partizipierten Köche.

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